Be Kind Rewind | Normalerweise lese ich den Kölner Stadtanzeiger nicht. Zu profan, zu schlecht, zu langweilig. Wir Kölner nennen Ihr darum auch gerne Kölner Stadtanzünder. Trotzdem entdeckt man hin und wieder manch eine Perle. Wie zum Beispiel der Nachruf auf die VHS-Kasette von Christian Bos.
Aber es war die Einführung des VHS-Videorecorders in den Haushalten, welche die echte Kulturrevolution einleitete. Blieb das Zusammenstellen einer eigenen Filmbiografie vorher wenigen Cinematheken-Besuchern in den großen Städten überlassen, konnte nun jeder, der sich einen Recorder leisten konnte, seinen eigenen Film-Bildungsroman verfassen.
Der VHS-Videorecorder hat den gesamtgesellschaftlichen Guck-Konsens atomisiert, lange vor den oft beschworenen Tribalisierungstendenzen des Internets, lange vor dem DVD-Serienboom. Eine Entwicklung, die sich seitdem nur noch verstärkt hat. Zurückspulen kann man sie jedenfalls nicht mehr.
Das Fazit, dass der Autor Christian Bos zieht, finde ich äußerst gelungen. Danke an Martin Wisniowski für den Lesetipp.
Artikel: Zurückspulen, bitte - Nachruf auf die VHS-Kasette