Bundesverband Musikindustrie positioniert sich zur Kulturflatrate

versus Musikindustrie | Der Bundesverband Musikindustrie stellt sich gegen die Idee der Kulturflatrate auf. Auf Phlow schon oft heiss diskutiert, zeigt sich ähnlich der Idee der , dass auch die Gegenargumente teils arg widersprüchlich sind.

Einerseits meint die Musikindustrie sei eine pauschale Abgabe ungerecht, weil sozial schwache keine Chance hätten, andererseits fordern die Köpfe hinter dem Papier eine gerechte Entlohnung. Diese können sich sozial schwache dann auch nicht leisten. Auch wenn ich kein Befürworter der bin, kann ich armselige Argumente wie, dass die zu einer Verflachung der Kultur führen würde in keinster Weise nachvollziehen. Jazz-Musiker komponieren dann nicht plötzlich Schlager, nur um gehört zu werden. Und erstaunlich ist, dass sich plötzlich die Musikindustrie Seite an Seite mit Nischenkulturen stellen will. Das macht kommerziell gesehen auch Null Sinn. Industrie orientiert sich in der Regel an der Massenproduktion und kultiviert nicht die Nischen. Und so sehen die Punkte aus:

Die ...

  • ...ist unfair, weil Verbraucher für etwas bezahlen, was sie gar nicht nutzen.
  • ...entzieht gerade den neuen digitalen Geschäftsmodellen die ökonomische Basis.
  • ...führt zu einer unverhältnismäßig hohen Belastung aller Konsumenten und benachteiligt sozial Schwache.
  • ...erfordert den Aufbau eines gigantischen Bürokratie- und Verwaltungsapparates.
  • ...verflacht die Kultur.
  • ...nimmt Urhebern und Künstlern das Recht über die Verwendung ihrer Werke selbst zu bestimmen.
  • ...widerspricht den ökonomischen Prinzipien unserer Gesellschaft.
  • ...verstößt gegen international geltendes Urheberrecht.
  • ...führt zu einer Entwertung des geistigen Eigentums.
  • ...wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

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Phlow-Autor mo.Dieser Artikel wurde am 26.Januar 2010 von mo. geschrieben. mo. ist Journalist, Buchautor und Webdesigner. Neben dem deutschen Phlow-Magazin betreut er auch die englische Edition unter Phlow-Magazine.com. Der Musikliebhaber lebt und liebt (in) Köln. Noch mehr Artikel von mo..

22 Kommentare bis jetzt...

  • Mo, ich sehe die "Verflachungsgefahr" durchaus als realistisch an. Der Markt würde sich stilistisch schlicht an die neuen Regeln anpassen (=Massenmarkt) und gerade Nischenmusik ihr letztes dutzend treuer Käufer wegnehmen.

    Das Messsystem würde natürlich auf altbewärtes basieren und direkt die Infrastruktur der GEMA nutzen. Am Ende wäre die Schere zwischen Kommerz und Indie nur noch viel größer.

    Dazu ist die Marktfreiheit eines unserer höchsten Güter. Die Flatrate wird immer nur eine Spinnerei bleiben, erst recht im EU, sowie internationalen Kontext. Im extremfall sind sogar die Menschenrechte der Kreativarbeiter und deren Verwalter betroffen und die USA werden Truppen schicken. ;)

    Die Kulturflatrate kann nur im Sozialismus funktionieren. Ohne vorher die Brötchenflatrate, die Wasserflaterate und natürlich Steuerfreiheit eingeführt zu haben, wäre es einfach unfair Kreativen den Markt zu vernichten. ;)

    Von den neuen Pflichtsteuern für allemöglichen Flatrates ganz zu schweigen (Musikflatrate, Photoflatrate, Literaturflatrate, Zeitungsflatrate, Fernsehflatrate, Töpferflatrate, Bastellwerkeflatrate, Traumtänzerflatrate, Strassenbreakdanceflatrate, ect). Es gibt ja viele Interessensgruppen. Wohin soll das denn führen? ;)

    Womit verdienen die Flatrate Beführworter eigentlich ihr Geld? Wer so einen Scheiss fordert, sollte zuallererst mit seinem Berufstand beginnen.

    meint fabien am 26. Jan 2010 um 21:05 | Commentlink #1

  • jupp, ich bin auch ziemlich erschrocken, als ich das las und feststellen mußte: die haben verdammt nochmal recht.
    der erzfeind hat plötzlich die besseren argumente...

    dass die eine verflachung "befürchten", nehme ich denen aber auch nicht ab. solange die ihren hauptumsatz mit flachzangen-musik machen [charts, goldene schallplatten, dieter polen usw.], ist das total verlogen, auf die kommerziell eher belächelte nischenmusik zu zeigen und zu behaupten es ginge ihnen ja eigentlich nur um kulturförderung...
    nichtsdestotrotz haben sie auch bei diesem argument im prinzip recht: der verflachungseffekt ist sehr wahrscheinlich, wenn die breite masse vor die wahl gestellt wird: wim wenders ODER porno?

    meint artin am 27. Jan 2010 um 11:06 | Commentlink #2

  • Ich glaube nicht an die Verflachung. Das Argument ist doch Käse: Erinnert Euch doch mal an all die Professoren, die ihr hattet. Die meisten schreiben dicke Bücher über Monate lang. In diesen Büchern stecken aber zahlreiche Jahre, in denen Sie Erfahrungen gesammelt und Ideen für Ihren Hintergrund gesammelt haben. Diese Bücher verkaufen sich seit jeher schlecht: Schreiben die Professoren weniger?

    Ich kenne experimentelle Musiker wie Emil Klotzsch persönlich. Emil hat z.B. das erste Dolby Surround CC Album aufgenommen und auf 12rec.net hat. Emil ist von regulären Labels mit experimenteller Musik vor Jahren schon immer vertröstet worden. Heute komponiert und produziert er immer noch arty music. Warum, weil er will und das seelisch braucht. Und so ticken viele Musiker und Künstler im generellen. Tut mir leid, Ihr seit mir da definitiv zu pessimistisch. Und jetzt sage ich mal ketzerisch: Und wenn schon aus Deutschland keine künstlerischen Impulse kommen, weil es diese Kulturflatrate gibt, dann kommen tolle Ideen und Sounds aus der restlichen Welt, in der wir leben :)

    Fabien hat womöglich recht, dass dadurch die Indiemusiker noch weniger Geld bekommen. Wie gesagt, ich bin auch kein Befürworter der Flatrate, aber das Argument scheint eindeutig.

    meint mo. am 27. Jan 2010 um 18:47 | Commentlink #3

  • mo, ich verstehe nicht so ganz, inwiefern das beispiel emil klotzsch die "kulturverflachungstheorie" des bvmi widerlegen soll.
    es geht weder dem bvmi, noch den befürwortern der sog. "kulturflatrate" um cc-musik, bzw. experimentelle künstler und arty music.
    es geht um die wurst.

    [inhalte unter creative commons fallen sowieso komplett aus dem vergütungs-"konzept" heraus, da sie schon kostenlos abgegeben werden]

    soweit ich die sog. "kulturflatrate" verstanden habe, geht es um alle formen von "kultur" die sich digital abbilden lassen: bücher, filme, musik, bilder ... usw.
    allerdings geht es nicht darum, eine neue verdienstmöglichkeit zu schaffen, also künstlern einen lebensunterhalt zu gewähren, sondern den potentiell erlittenen schaden zu kompensieren.
    wie groß der wirklich ist, bleibt weiterhin spekulation.
    und künster unter cc-lizenz erleiden so gesehen keinen schaden.
    die sind ja sowieso die einzigen, die keinen schaden haben :)

    ich finde den gedanken bzw. die befürchtungen dahingehend spannend, als dass arty musicians dann zwangsläufig unter CC veröffentlichen müßen / können, weil sie sowieso nichts mehr zu erwarten haben vom bvmi und seinen mitgliedern.
    dh. langfristig [ob mit oder ohne sog. "kulturflatrate"] wird es noch mehr elaborierte musik von professionellen experimentalkünstlern unter CC geben.
    soll doch der bvmi seine gepflegte langeweile, die charts und schlager kultivieren - die wirklich gute musik gibt's irgendwann nur noch unter CC.
    hehehe

    meint artin am 27. Jan 2010 um 23:22 | Commentlink #4

  • @artin: Naja, mal langsam ;) Es wird im digitalen Sektor bereits ganz gut verdient. Die Wachstumsraten sind mehr als positiv. Die großen Labels stellen sich gerade ganz vernünftig um (Kosten sparen, Digitale Vertriebswege forcieren, etc) und werden aus meiner Sicht bereits in wenigen Jahren ganz gute Gewinne abwerfen.

    Die ersten Ergebnisse sind bereits zu sehen. Amazon zum Beispiel bietet bereits unmengen Klassiker an - zu einem extrem fairen Preis. Da haben die großen Labels kräftig dazugelernt, ein kleiner Blick zu last.fm, deezer, myspace, facebook und co zeigt schon wie gut sie sich positioniert haben - sie sind überall präsent und geben Gas wie verrückt. Auf Myspace z.B. sind Major Labels definitiv unter den Hauptwerbeträgern. So schlecht geht es denen nicht.

    Die Industrie hatte eine harte Übergangsphase, doch die ist aus meiner Sicht sehr bald überstanden (soviel Gejammer kommt aus dieser Ecke auch nicht mehr, der Peak war vor 3-4 Jahren).

    meint fabien am 28. Jan 2010 um 03:47 | Commentlink #5

  • mo, ich verstehe nicht so ganz, inwiefern das beispiel emil klotzsch die "kulturverflachungstheorie" des bvmi widerlegen soll.

    Nein, dass war an Fabien und Dich gerichtet: Ihr meintet es könne zu einer Kulturverflachung führen. Die sehe ich absolut nicht. Emil Klotzsch ist ein Beispiel für einen Künstler, der sein Ding einfach durchzieht. Und wenn es eine Kulturflatrate geben sollte, dann wird es weiter Künstler geben, die genau ihr Ding machen. Ob die dann CC veröffentlichen oder nicht ist egal.

    meint mo. am 28. Jan 2010 um 12:53 | Commentlink #6

  • @Mo: Ja, da hast du sicher recht. Ich mache mir da eher um populäre Exoten Sorgen. Björk z.B. würde mit sicherheit weit weniger verdienen. Soweit, dass Sie eben nicht mehr mit Orchestern und Chören zusammenarbeiten kann. Sie würde ja nicht mehr direkt vergütet (über ihre sehr treuen Fans), sondern zentral und Pauschal, vermutlich anhand ihrer doch eher mäßigen Chart-Platzierungen. Wer vor allem verdienen wird sind die Bohlen dieser Welt.

    Abflachung ist vielleicht ein etwas zu grober Begriff. Lass mich es anders sagen: Es wird vermutlich nur noch in flacher Musik investiert, denn das indie Model mit seinem eigenen "Tribe" würde nicht mehr funktionieren - der Markt wäre ja staatlich reguliert, alle Shops nutzlos.

    Es gibt nichts faireres, transparenteres, stabileres und unabhängigeres als der freie, direkte handel. Die Flatrate wiederum ist nichts anderes als altbackene Zentralisierung, quasi Verstaatlichung von Kulturschaffenden(gab's vor allem bei den Nazis und in der DDR), eine enorme Machtballung (der sicher Dieter Gorny vorsitzen wird), ein Subventionsinstrument (z.B. für unsere armen CDU nahen Kirchenmusiker) und ein Freibrief für Selbstbedienung.

    meint fabien am 28. Jan 2010 um 14:19 | Commentlink #7

  • @mo: also wenn alle künstler so ticken würden wie emil klotzsch, würde ich mir auch keine sorgen machen... dann läuft, wie gesagt, die wirklich interessante musik zukünftig komplett unter CC.

    die meinung es würde mit der "kulturflatrate" zu einer kulturverflachung kommen war aber eigentlich vom bvmi, nicht von uns. fabien und ich meinten lediglich, dass das sehr wahrscheinlich ist.
    und einige argumente sprechen auch wirklich dafür.

    es ist einfach ein wichtiger unterschied ob man aus "psychischen gründen" [echte künstler] oder aus "beruflichen gründen" [berufsmusiker, produzenten, labelbetreiber, bvmi-mitglieder] mit musik zu tun hat.
    vielleicht ist emil klotzsch auch nicht so der typische "durchschnittsmusiker"?

    ob die musiker, wenn es denn [unwahrscheinlicherweise] irgendwann eine "kulturflatrate geben sollte, unter CC-lizenz veröffentlichen oder nicht, ist für den konsumenten in der tat dann völlig egal - weil ja dann alles "kostenlos" ist.
    für den musiker/künstler wird es aber eine ganz simple rechnung:
    lohnt sich die GEMA-anmeldung überhaupt, um dann am ende von der kulturflatrate doch nichts abzubekommen?
    daher werden viele künstler ["die ihr ding einfach durchziehen"] logischerweise unter CC veröffentlichen, weil das andere ein verlustgeschäft wird.

    @fabien: wir sind in vielen punkten ähnlicher meinung, scheint mir. trotzdem gefällt mir der "quasi-verstaatlichungs"-nazi/ddr-vergleich gar nicht - mit solchen vergleichen würde ich eher sparsam umgehen.
    nicht jede gesellschftspolitische ungerechtigkeit macht gleich eine totalitäre diktatur.

    meint artin am 28. Jan 2010 um 18:31 | Commentlink #8

  • p.s.
    die kommerziell arbeitenden labels hätten bei der sog. "kulturflatrate" übrigens den total-zonk.
    weil sie vermutlich keinen pfennig aus den einnahmen der "kulturflatrate" bekommen würden.
    wofür auch?
    den vertrieb übernähmen ja dann komplett die hörer/user/p2per
    und wo keine kosten entstehen, gibt's auch keine entschädigung...

    eine branche wird entsorgt, sozusagen...

    meint artin am 28. Jan 2010 um 22:29 | Commentlink #9

  • Recording, Features, Mixing, Mastering, Vorschuss, Promo, Konzerte und Touren (ja, Konzerte kosten Geld), Management, Video-Produktion, Photo Shootings, Erstellung von Websites, hardcore 24/7 social Web aktivität, Label Parties, Grafik-Arbeit, Booking Arbeit, P&R Arbeit bzw Kosten für Werbeagenturen, Lebenshaltungskosten und Abschreibung früher getätigter Investitionen ergeben sich ja von selbst, oder?

    Fällt ja alles bekanntlich vom Himmel.

    o_O

    Dazu finde ich mein Nazi/DDR/Nordkorea/*füge deine lieblings Dikatur hier ein* Hinweis doch gar nicht so übel. ;)

    Leider fallen mir nur Dikaturen ein, die den Kultursektor vollständig verstaatlicht haben. Soll nicht heissen, dass die Flatrate nun zu KZs führt. Aber es macht den "unfreien" Charakter der Idee doch sehr deutlich.

    Wenn wir diese Idee auf alle Lebensbereiche anwenden, haben wir eine Diktatur. Gerade mit dem Unterlaufen der freien Kultur fingen diese Geschichten immer an. Freiheit ist doch viel wichtiger als Bequemlichkeit oder Vorgegaukelte Gleichberechtigung.

    (Mo, verzeihe mir das Abschweifen, aber es musste sein. Das Thema ist aus meiner Sicht durchaus brisant.)

    meint fabien am 29. Jan 2010 um 08:27 | Commentlink #10

  • *hehehe* Fabien, mich musst Du gar nicht überzeugen. Ich bin auch nicht dafür. Aber meine Argumente hast Du und (m)artin gut gewetzt ;)

    meint mo. am 29. Jan 2010 um 12:20 | Commentlink #11

  • ja genau, das ist ja mal schön aufgelistet... unglaublich eigentlich, wenn man bedenkt, was da so zusammenkommt.

    trotzdem glaube ich nicht, dass irgendwelche erlöse aus der sog. "kulturflatrate" direkt an labels gehen würden - das wäre unlogisch.
    zumindest habe ich in der debatte immer nur gehört, dass das nach downloads/listens pro künstler abgerechnet würde (/könnte) - also so leicht last.fm-mäßig...
    aber von irgendwelchen kompensations-zahlungen die dann an labels fließen sollen, habe ich in der ganzen debatte bisher nichts mitbekommen, noch nicht mal ansatzweise - du etwa?

    die labels müßten dann also zwangsläufig über die üblichen knebelverträge mit den musikern prozente aus den "kulturflatrate"-einnahmen erwirken, um nicht völlig hinten runter zu fallen.

    außerdem werden sie, wenn der vertrieb komplett wegfällt, zu reinen management- bzw. promo-agenturen...

    wie ich schon sagte: eine branche wird entsorgt.
    klar, dass das für dich brisant ist...

    trotzdem ist dein "diktatur-vergleich" total geschmacklos, weil du "nur" wirtschaftlich / beruflich gesehen existenziell bedroht wirst, als labelbetreiber.
    dich hier im übertragenen sinne aber auf eine stufe mit den opfern solcher diktaturen zu stellen - denn auf nichts anderes läuft dieser vergleich (aus deinem munde) hinaus - ist echt beschämend.
    :(

    hier noch eine klitzekleine empfehlung zum thema "verstaatlichter kultursektor", erkenntnisgewinn garantiert:
    http://www.dhm.de/ausstellungen/boheme/start.htm
    [kann man komplett online lesen]

    meint artin am 29. Jan 2010 um 12:47 | Commentlink #12

  • Die Bezeichnung "Kulturflatrate" ist ein völlig falscher "Kampfbegriff", ähnlich unangemessen auch die Kampfrhetorik der (mal wieder) Industrie. Letztlich sollte es eine Art Urheberrechtsabgabe geben, ähnlich der Privatkopie, auch für p2p Kram. Kompensiert werden damit "etwaige" Verluste der "Industrie" und gut ist. Zumindest mit dem Abmahnschwachsinn.

    Wo wir bei der Flatrate aber dennoch sind: Ich bin der Meinung, dass das Geld, welches da eingenommen werden würde, konstruktiv in die Kulturförderung gesteckt werden sollte - nicht um etablierte Labels zusätzlich noch durchzufüttern. "Hilfe zur Selbsthilfe" sollte das Leitbild der Kulturflatreate sein. Damit Künstler sich selbst gut aufstellen können.

    meint 020200 am 1. Feb 2010 um 18:07 | Commentlink #13

  • @artin schrieb:
    "aber von irgendwelchen kompensations-zahlungen die dann an labels fließen sollen, habe ich in der ganzen debatte bisher nichts mitbekommen, noch nicht mal ansatzweise - du etwa?"

    Nun, das wäre nur logisch. Eben genauso wie es mit der GEMA läuft (Stichwort Musikverlage). Denn es ist ganz einfach, jeder Unternehmer/Künstler braucht erstmal Kapital. Der Kapitalgeber wird es Schlicht als Bedingung setzen.

    Ganz genau so wie der genialste Ingenieur alleine nichts bewegen wird. Es braucht ein sekretariat für die "unwichtigen" Sachen, jemand der ihm einen Dach und Arbeitsgeräte zur verfügung stellt, zusätzliche Beratungs-/Fortbildungskosten bezahlt, eine Produktionanlage baut, marketing macht und zuguterletzt Vertrieb, Support und Kostenrechnung bezahlt.

    Der Investor hat alle Vorteile und erhebliche Risiken. So läuft nun mal das Leben. Auch in der Musikbranche.

    Es ist schlicht falsch davon auszugehen, dass Künstler ohne Inanspruchnahme all dieser externen Dienstleisungen auch nur im entferntesten wirtschaftlich vorankommen. Und irgendjemand muss all dies bezahlen, in der Regel Jahre im vorraus, um mit extrem geringer Chance das Geld jemals wieder zu sehen.

    @artin schrieb:
    "die labels müßten dann also zwangsläufig über die üblichen knebelverträge mit den musikern prozente aus den "kulturflatrate"-einnahmen erwirken, um nicht völlig hinten runter zu fallen."

    Nein, das müssten die Künstler - denn sie müssen ihr "Darlehen" zurück-"erwirtschaften". Sie stehen in aller Regel in der Schuld des Labels. Nochmal, diese Verhältnisse sind absolut NORMAL und durchaus fair. Frag doch mal dienen Bäcker um die Ecke, was er ohne Bank, Rechtsanwalt, Steuerberater, Gebäudereiniger, Stadtwerke, ect machen würde. Alles, nur sicher keine Brötchen.

    Eine Platte halbwegs vernünftig rauszubringen geht locker in die Zehntausende (im letzten Post habe ich es aufgelistet). Da fällt doch nicht vom Himmel. Ein normaler Arbeiter mit regelmäßigem Einkommen müsste über ein Jahr hart sparen um eine(!) mittelmäßige Platte rauszubringen.

    Hast du jemals soviel Geld in solch eine wackelige Sache wie ein Album gesteckt? Sicher nicht, du hättest sicher etwas mehr Hochachtung vor den wenigen Institutionen, die WIRKLICH Geld in die Kultur stecken statt nur darüber zu jammern.

    Mal im ernst, kennst du überhaupt einen einzigen Geschäftszweig, der mit 10% seiner Produkte die restlichen 90% Ladenhüter (bzw Idealistische Produkte) am Markt hält? Label-bashing ist wirklich mehr als naiv, es ist einfach unfair und beleigend.

    Wer kam eigentlich auf die seltsamme Idee, ausgerechnet diese Musik-Firmen zu Bashen und boykotieren, statt echte Ausbeuter wie Schlecker, Mediamarkt, Stromriesen, und so weiter anzuprangern?

    Ich denke, beim Musik Biz ist das Bashing am einfachsten - denn man muss als moderner Konsument glücklicherweise dabei auf nichts verzichten (im Zweifel erst zukünftige Generationen). Lustigerweise sind die größten Kritiker gerade die, die seid Jahren nichts mehr finanziell beigetragen haben. Ist doch zum lachen.

    @artin schrieb:
    "außerdem werden sie, wenn der vertrieb komplett wegfällt, zu reinen management- bzw. promo-agenturen..."

    Hä, hallo?! Und wo ist das Problem? Ich muss jetzt wirklich mal fragen wie du eigentlich dein Geld verdienst. Fragst du Mama? Bavög? Entschuldige das Sticheln, aber was du so abwertend beschreibst sind ganz normale, ehrliche Jobs, die einen großen Merhwert bieten.

    Die Werbewirtschaft ist ein extrem wichtiger, ja fast schon treibender Baustein in jeder freien Wirtschaft. Wenn du ein Produkt kaufst, fast egal welches, zahlst du davon locker 30% an Werbeagenturen. Das ist völlig normal und fair (hängt mit dem Wort "Frei" in "Freier-Marktwirtschaft" zusammen).

    Nicht anders ist es mit Musik-Promo. So wie man mind. 200 Leute, 20 Millionen Invest und eine unglaublich lange Prozesskette braucht um auch nur einen Nagel effizient und qualitativ hochwertig herzustellen ist es IN ALLEN BRANCHEN. IN ALLEN BEREICHEN!

    Labels SIND doch spezialisierte Werbe und Management-Agenturen. Das waren sie doch schon immer! Genauso wie Verlage für Autoren oder Fabriken für den oben genannten Ingenieur. Scheint seltsammerweise neu für dich zu sein!

    @artin schrieb:
    "wie ich schon sagte: eine branche wird entsorgt."

    So wie die Goldhändler und Geldverleiher vor 60-70 Jahren, oder? Von staatswegen entsorgt.

    Wie auch immer, dieser Satz läßt mich nun entgültig an deinem Beobachtungsvermögen zweifeln. Mach die Augen auf, Indies waren noch nie so effizient, Majors hatten noch nie soviel Macht wie heute und die neuen Vertreibe und Shops haben nochmal eine Macht-Potenz dazu gewonnen (z.b. Apple). Du bist völlig daneben.

    Zusammenbrechen tut vor allem das Leben einzelner Künstler, siehe DJ Shadow's post kürzlich oder auch Domu's schockierende musikalische Ableben. Und daran sind auch nicht die Labels schuld, sondern blöde Umstände unter denen sogar richtige Fans nur sehr wenig Geld für Musik ausgeben - obwohl sie diese in vollen Zügen genießen. Blöde Umstände sind z.B:

    - keine legalen Einkaufmöglichkeiten für Jugendliche im Internet. Sie dürfen ja nur rippen oder downloaden! Die Kreditkarte oder Paypal sind erst ab 18.
    - Distributions-Verwirrung, der Konsument weiss nicht mehr wo er was bekommt (tausende MP3 Shops mit ganz eigenen, oft exklusiven Repertoires).
    - Plattenläden sind fast ausnahmslos pleite gegangen. Der Konsument hat dadurch keinen so starken Berührungspunkt mehr, er hat quasi seine "Homebase" verloren, was letztendlich die "Kaufroutine" unterbrochen hat. Jugentliche können faktisch legal gar keine Musik mehr besorgen.

    Diese Entwicklungen sind jedoch nur temporär. Die Übergangs- bzw Lernphase ist aus meiner Sicht fast überstanden (die MP3 sales Entwicklung spricht für sich).

    Sag mal, was hat dir die Musikindustrie eigentlich böses/schmerzhaftes/betrügerisches angetan? Ich meine diese Frage durchaus ernst. Hat so einer mal deine Freundin entführt, deinen Hund gegessen oder sonstwas mieses gemacht? Woher kommt dein "Trauma"? Gearbeitet oder gehandlet hast du ja offenbar noch nie mit einem Label. Woher nimmst du dann die Arroganz darüber in dieser Art und Weise zu urteilen?

    Was ist eigentlich deine Motivation dabei, diese Branche und deren Akteure zu "Entsorgen"? Warum nicht dein Bäcker um die Ecke, der ja auch nur noch verwaltet und vermarktet, den Teig billig aus Polen bezieht? Erst das Fressen, dann die Moral, oder? Ich hoffe du merkst wie sehr du mit deinem "zweierlei Maß" daneben liegst.

    Sei mir nicht böse, aber gehe erstmal arbeiten und schaue dir die Wirtschaftlichen Zusammenhänge in Ruhe an. Du wirst dich wundern von wievielen Dienstleistungen jedes Produkt abhängig ist, welche entscheidende Auswirkung Werbung auf dein Geschäftserfolg hat und was eine Investition wirklich wert ist. Dann reden wir gerne nochmal über das Thema Musik, Label und Freie Marktwirtschaft.

    @020200:
    Die Flatrate ..mmhhh.. sorry, ich meine "P2P Steuer" ist ohnehin keine Option für einen Rechtsstaat. Was du da erwähnst ist eigentlich sogar eine exklusive Berlin Mitte Soli Steuer. Nein, Danke! ;D

    meint fabien am 6. Feb 2010 um 11:36 | Commentlink #14

  • @fabien:
    Ich weiß wir diskutieren gerne. Deswegen mal meine 2 cent: Das mag ja alles schön und gut sein, was die wirtschaftlichen Zusammenhänge angeht. Aber a) sind über 15 Jahre Internet nicht spurlos an uns allen vorbeigegangen (will heißen: niemand steht im luftleeren Raum, auch der vor dir zitierte Bäcker nicht), vor allem aber b) besteht doch die Aufgabe des Unternehmers darin, Marktchancen zu erkennen und zu nutzen. Und wenn U18 keine Musik kaufen können, dann ist das ein ganz klares Versäumnis b) (aber auch a)) betreffend.

    meint 020200 am 6. Feb 2010 um 19:46 | Commentlink #15

  • Respekt und danke für diese ausführlichen Erklärungen. Du hast da ein wichtes Ding erwähnt: Wie Marktwirtschaft tickt. Das vergessen viele in der Diskussion immer wieder. Ein Manager macht auch seine Arbeit. Er verdient auch seinen Lohn. Ich rede jetzt nicht von den maßlosen arroganten und asozialen Managern. Ich rede von den Guten. Die machen auch Arbeit und wie Du alles aufdröselst, was an so einem Produkt hängt, finde ich sehr gut. Es macht alles transparenter.

    Trotzdem bin ich sozial und gesellschaftlich nicht mit einem der Tatsachen einverstanden: Werbung. Werbung ist schon eine ziemliche Pest. Und es ist traurig, dass man 30% bis 40% Werbung bei den Produkten mitbezahlt. Ob man Zahnpasta oder einen Mercedes oder Audi kauft. Damit finanziert man sozusagen die Belästigung durch Werbung mit. Aber leider ist es so und es wird so bleiben. Noch einmal Danke für diesen langen Beitrag :) Auch natürlich Danke an alle anderen die mitdisuktieren!

    meint mo. am 7. Feb 2010 um 13:23 | Commentlink #16

  • @ fabien: ich glaube, du hast meine postings / meinung zum thema ein wenig mißverstanden. vielleicht sollte ich in zukunft sarkasmus/ironie/usw. deutlicher markieren - oder du liest meine beiträge nochmal einen nach dem anderen durch?
    deine gesamte argumentation geht deshalb für mich total ins leere, weil ich viele deiner punkte (mit) unterschreiben würde.
    kein grund also, nach meiner freundin oder meinem hund zu fragen [verheiratet, 2 kinder, kein hund], bzw. mir erwerbsarbeit zu empfehlen und mein "Beobachtungsvermögen" anzuzweifeln :)

    nur um nochmal klarheit zu schaffen:
    - ich bin keineswegs ein befürworter der sog. "kulturflatrate", im gegenteil sehe ich dieses (pseudo-)"konzept" und seine auswirkungen auf den musikmarkt als höchstproblematisch an

    - daher auch meine einschätzung, dass diese sog. "kulturflatrate" darauf hinausläuft, eine branche [das musikbusiness] zu entsorgen, was ich selbst sehr bedenklich finde.

    - meine aussage "außerdem werden sie, wenn der vertrieb komplett wegfällt, zu reinen management- bzw. promo-agenturen..." ist genau betrachtet erstmal nur eine feststellung, eigentlich ohne jegliche wertung - dass du, fabien, das als beleidigung oder verunglimpfung wahrnimmst, sagt mehr darüber aus, als wie unangenehm du selbst diese entwicklung [zu recht] empfindest...

    @mo: man sollte trotz all der lästigkeiten die werbeindustrie und ihre wirkung nicht unterschätzen. viele kulturelle errungenschaften, zb. tageszeitungen usw., wären ohne werbewirtschaft in der heutigen (noch) form undenkbar, weil unbezahlbar. wenn man bedenkt, was heutzutage alles [zt. indirekt] aus werbe-etats bezahlt/gefördert wird, kann einem richtig schwummrig werden...
    btw. mo, auch hier auf der phlow-seite ist...

    ___

    p.s. fabien: ich bin seit fast 20 jahren vinyl-sammler [schwerpunkte: krautrock, jazz, experimentelle electronica, avantgarde usw.], zähle LPs mittlerweile nicht mehr in stück sondern in m³ bzw. kg - und habe der musikindustrie daher sehr viele richtige schätze zu verdanken - echte musik existiert für mich eigentlich nur auf schallplatte - gerade deshalb finde ich es eine bodenlose frechheit [!] für mp3-dateien überhaupt geld zu verlangen - da ist jede kasettenaufnahme von radiomusik bessere qualität... - "mp3 sales", wenn ich das schon höre...

    meint artin am 7. Feb 2010 um 23:21 | Commentlink #17

  • p.p.s.: das ist übrigens auch das traurige / tragische an der ganzen creative commons musik, dass es fast nichts davon auf vinyl gibt... alles nur in minderer audioqualität und komplett ohne physisches trägermedium [= sehr ungünstig bezüglich langzeitarchivierung]

    meint artin am 7. Feb 2010 um 23:31 | Commentlink #18

  • sorry, für multiple postings, aber ich muß gerade noch meinen senf loswerden... :)

    es war eine fatale und extrem dumme entscheidung der musikindustrie, vinyl zugunsten von CDs formal abzuschaffen. mp3 ist dafür, so gesehen, die gerechte strafe.

    kennt jemand ein medium welches schlechter/schwieriger raubkopiert werden kann, als vinyl?xdas ist sozusagen technologisch implizites DRM... :)
    versucht ruhig mal 1zu1-kopien von einer schallplatte zu machen...
    bei mp3 ist das nur 1 click...

    meint artin am 8. Feb 2010 um 00:00 | Commentlink #19

  • @artin

    Interessanterweise hat der Saturn hier in FFM fast mehr Vinyl als CDs rumstehen, das DRM scheint zu funktionieren ;)

    Ich muss das beobachten, vielleicht wird daraus wirklich noch ein Trend. Allerdings muss ich bemängeln, dass die Post inzwischen echte Probleme mit dem Format hat, was beim Porto ganz schön auffällt..

    meint fabien am 18. Feb 2010 um 09:52 | Commentlink #20

  • Was ich an der Sache nicht verstehe ist, warum wehren die sich dagegen wenn der Preis angemessen ist? *Google anwerf* Wenn ich mir z. B. folgende Seite anschaue: http://www.musik-flatrate-vergleich.com/

    Es gibt eine Napster latrate, Musicload Flatrate, Musikmonster FLatrate ... alle bummeln da um die 10 Euro rum ...

    Warum keine Kulturflatrate wo es dann direkt von den Internetprovidern eingezogen wird? Ich sag mal ob ich nun 5 Euro im monat für jeden Nutzer von Napster ekomme oder 5 Euro direkt vom Internetanbieter, dafür habe viel mehr Kunden habe ... wo ist das Problem?

    (Die 5 Euro jetzt darauf bezogen dass Napster bestimmt noch was für sich behällt)

    Ich verstehe es einfach nicht!

    meint Owii am 26. Feb 2010 um 07:35 | Commentlink #21

  • @fabien
    ne, aus dem vinyl wird kein trend mehr / glaube ich nicht. im gegenteil: auch vinyl-verkäufe sind rückläufig und das ist bei einem mittlerweile so schwach verbreiteten medium evtl. der todesstoß, bald.
    kannst dir ja mal bei zb. ebay angucken, wie da die preisspanne aussieht für gebrauchte vinyls - das ist relativ aussagekräftig, glaube ich.
    [komisch: eine rubrik "gebrauchte mp3" gibt's bei ebay noch nicht... :)]
    und das mit dem porto ist ärgerlich, das war früher eine unspektakuläre sache [außer bei us-importen] und geht jetzt richtig ins geld... :/

    @owii
    warum versuchst du überhaupt, irgendwas davon zu verstehen?
    nimm die napster-flatrate und werd glücklich damit!
    du hast dann keinen grund mehr, über eine kulturflatrate zu diskutieren, oder?
    oder geht's dir um den preis?
    sind dir die 10€ bei napster immer noch 5€ zuviel?
    dann google deine torrents und lass dich nicht erwischen.

    troll?

    meint artin am 27. Feb 2010 um 00:33 | Commentlink #22

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