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Zukunft Flash: Musikproduktion im Browser

Audiotool von Hobnox | Mit den Audio-Werkzeugen auf Hobnox verfolgen die Programmierer einen spannenden Ansatz: Musik produziert man im Browser und steckt dort Geräte wie Synthesizer, Drummachines und Effekte zusammen - ähnlich wie wir es von Reason kennen. André Michelle, der Kopf hinter der Flash-basierten Musikproduktionsumgebung, erklärt uns im Interview was das Hobnox-Tool bezweckt, was geplant ist und welche geheimen Funktionen und Tricks das Audiotool schon jetzt bereithält.


Videoclip: Audiotool von Hobnox kurz vorgestellt

Bevor es los geht, schaut Euch doch in unserem kurzen 5-Minuten-Video erst einmal das spannende Flash-Audiotool an :)

Interview mit André Michelle zum Audiotool

André, stell Dich doch kurz einmal vor!

Hallo Moritz! Ich bin 35 Jahre alt und habe vor 10 Jahren mit Flash angefangen. Davor war ich als Diskjockey unterwegs und habe auch ein paar Technoplatten veröffentlicht. Immerhin ein Track hat es mal auf einen Mayday Sampler geschafft. Aus heutiger Sicht sicher eine recht billige Nummer. Musikalisch lebe ich heute irgentwo zwischen Autechre, Christopher Clark und Flashbulb. Aber ein guter Techno- oder AcidTrack funktioniert bei mir aber immer noch.

Mit dem Audiotool habt Ihr eine großartige Flash-Basierte Anwendung geschaffen. Was kann das Audiotool von Hobnox bereits und warum sollte ich es benutzen?

Die aktuelle Version ist wirklich als Demo zu verstehen. Wir wollten recht früh zeigen woran wir arbeiten. Letztendlich sind wir schon selber der Applikation verfallen. Unsere interne Wunschliste ist entsprechend lang. Vor allem wollen wir modernere Sounds ermöglichen. Das jetzige Ensemble ist ein erster Schritt die Grundlage zu etablieren und Spaß zu haben.

Nachdem man mit der derzeitigen Version schon ordentlich druckvollen Acid produzieren kann, wünscht man sich natürlich auch eine Speicher-Funktion sowie einen Sequenzer und weitere Synthesizer. Welche Funktionen integriert Ihr in Euer Flash-Audiotool als nächstes und was wird es in der Zukunft noch alles geben?

Wir denken, dass Speichern sehr wichtig ist, um den User nicht zu frustrieren. Daran wird gearbeitet. Natürlich sind alle offenen Baustellen ähnlich wichtig. Einen Sequenzer vermisse ich persönlich sehr, um Arrangements zu komponieren und Parameter zu automatisieren. Speichern und Sequencing sind die grundlegenden Bausteine, um dann mit neuen Synthesizer- und Effektkonzepten durchzustarten. Während wir uns bei den Roland Geräten an sehr alten Standards abgearbeitet haben, wollen wir nicht weiter emulieren, sondern neue Ideen umsetzen. Wir experimentieren gerne.

Da stellt sich z.B. die Frage, wie eigentlich eine handvoll schwingene Partikel klingen könnten. Verdammt gut, wie wir jetzt wissen. Jeder von uns hat auch mit Musik zu tun und konkrete Vorstellungen, wie bestimmte Dinge besser gelöst sein könnten. Grundsätzlich wollen wir keinen All-Mighty Synthesizer, sondern lieber viele kleine raffinierte Geräte, die dann genau eine Aufgabe wunderbar erledigen. Ein paar Basics, wie ein subtraktiver Synthesizer dürfen natürlich auch nicht fehlen. Joa Ebert experimentiert nebenher schon an einer Midi-Schnittstelle für das AudioTool - siehe Video.

Dann steht noch Kollaboration auf dem Plan. Hobnox-User können später über das Internet an einem Arrangement zusammenarbeiten oder Werke anderer User remixen.

Um mit den Noxtools auch im Park ohne WLAN zu produzieren, wäre eine Standalone-Version hilfreich. Plant Ihr auch eine Flash-Version zum runterladen? Und ist das überhaupt möglich?

Adobe hat vor kurzem AIR in der Version 1.0 released. Das ist eine Flashplayer-Umgebung für Offline Anwendungen mit zusätzlichen Schnittstellen zum Betriebssystem. Die Installation der AIR-Applikation erfolgt zudem komplett über den Flashplayer im Browser. Technisch ist das also machbar, hat aber zur Zeit keine Priorität. Natürlich wird man auch marketing-technische Aspekte miteinbeziehen müssen.

Damit das browser-basierte Audiotool in Flash funktioniert, benötigt man noch ein kleines Java-Programm, welches automatisch mitgestartet wird. Mit Eurer Initiative “Adobe make some noise!” wollt Ihr Aufmerksamkeit auf diesen unnötigen Missstand leiten. Warum braucht man zusätzlich Java, um das Audiotool in Schwung zu bringen? Und was hat Adobe bis jetzt versäumt?

Seit dem Flashplayer 6 gab es keine wirklich neuen Sound Features mehr im Flashplayer. Adobe möchte Flash zu einer Plattform für RIA (Rich-Internet-Application) ausbauen. Es gibt bereits browserbasierte Bild- und Videobearbeitung in Flash. RIA bedeutet für mich aber alle Medien, also auch Audio miteinzubeziehen. Im Flashplayer 9 wurde Actionscript 3.0 eingeführt, schnell genug, um Audio in CD-Qualität in Echtzeit zu berechnen. Das einzige was fehlt, ist den berechneten Audiostream an die Soundkarte zu übergeben. Dazu brauchen wir zur Zeit Java. Und darauf würden wir liebend gerne verzichten. Wir stehen jetzt im direkten Kontakt zu einigen Adobe Flashengineers. Tatsächlich hatte Audio bei Adobe keinen Stellenwert. Mit der Kampagne haben wir nun den Fuß in der Tür und hoffen auf Mitgestaltung.

Gibt es ein paar Tricks und geheime Funktionen, die Du uns für das Audio NoxTool verraten könntest? Tastaturkürzel, Tipps und Lieblingsfunktionen?

Eine Menge! Wenn die TB-303 beispielsweise den Keyfokus hat (einfach auf das Gerät klicken), dann kann man mit R den Pattern per Zufall verändern. Mit Shift+R und Shift+L kann man den Pattern um einen Step nach rechts, bzw. links verschieben. Am liebsten mag ich die Funktion der TR-909, die ‘EditRange’ zu kopieren. 16 Steps lange Pattern werden schnell langweilig. Für 64 Steps lange Pattern bin ich aber meistens zu faul, weil man oft fast das Gleiche mit leichten Variationen haben möchte. Mit der Kopierfunktion kannst du zunächst erstmal 16 Steps ausfüllen und diese auf die höheren Steps (17-32,33-48,49-64) kopieren und danach leicht verändert. Dazu klickst du auf EditRange ‘16′, dann Shift+C zum Kopieren ins Clipboard. Danach auf EditRange ‘32′ und Shift+V zum ‘Pasten’ der Steps. Mit gehaltener Shift Taste und einem(!) Klick auf Pattern Length ‘+‘ verdoppelst du zudem die Patternlänge. Es können auch Patterns, Patternbänke und sogar eine ganze Geräte-Konfiguration kopiert werden. Zudem ist eine History (Undo/Redo) implementiert. Diese ist über Shift+Z und Shift+Y erreichbar. In der nächsten Version planen wir ein Tip-of-the-day Screen, um diese Funktionen besser zu kommunizieren.

Auch ein Liebling von uns: Einfach mal das AudioTool für ca. 3 Minuten nicht anfassen und schauen was passiert.

Vielen Dank für das Interview

Mehr Links zum Audiotool in Flash von Hobnox

Website: Audiotool von Hobnox
Videotutorial: Erstes Video Tutorial zum Hobnox Audiotool
Weblog von André Michelle: blog.andre-michelle.com
Zur Flash-Aktion: www.make-some-noise.info

Phlow-Autor mo. Dieser Artikel wurde am 18.April 2008 von mo. geschrieben. mo. ist Journalist, Buchautor und Webdesigner. Neben dem deutschen Phlow-Magazin betreut er auch die englische Edition unter Phlow-Magazine.com. Der Musikliebhaber lebt und liebt (in) Köln. Noch mehr Artikel von mo..

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