Entwicklung biegsamer E-Reader | Wie Clay Shirkley pointiert in seinem Buch "Here Comes Everybody" feststellt, profitierte die Medienbranche Jahrhunderte aufgrund ihres Monopols der Produktion und Distribution. Wer die Produktionsmittel - z.B. Druckerpresse, Vertrieb, Produktion - in der Hand hält, besaß ein Alleinstellungsmerkmal und profitierte davon. MIt dem Internet brechen diese Privilegien immer mehr auf und die Distribution von Worten, Tönen und Bildern wirbelt seit Jahren die Medienbranche und Kulturentwicklung durcheinander. Lange Zeit galt der Buchdruck unantastbar und E-Reader floppten immer wieder. Doch erstaunlicherweise geraten Geräte wie der E-Reader namens Kindle von Amazon immer mehr in Mode.
Gerade las ich auf Heise, dass es jetzt auch elektronisches Lesegerät mit biegsamen Bildschirmen gibt. Zunehmend wackelt somit auch das Monopol des Buchdrucks. Denn spätetestens, wenn es E-Reader mit WLAN, Mini-Gig-Chip plus Touchscreen-Technlogie gibt, die hochauflösend wie Papier sind und selbst in der Badewann gelesen werden können, werden wir Schreiber auch alt aussehen...
Und ich wollte mich so gerne in späten Arbeitsjahren an Geschichten und Romanen versuchen... Wahrscheinlich ist das einfach keine gute Idee, wenn ich nicht gleich mit einer ganzen Verwertungskette von Podcast, Videocast, und, und, und aufwarte, oder?
Derzeit lese ich wißbegierig "Here Comes Everybody" von Clay Shirkle. Sehr schöne Theorien zum Thema Web 2.0. Wer sich nicht gleich das Buch zu Gemüte führen möchte, dem empfehle ich das hervorragende Interview von Kollege Mario Sixtus aka Der Elektrische Reporter mit Clay Shirky über die gesellschaftlichen Veränderungen durch das Internet. Das Buch zeigt auf, warum neue Formen der Kommunikation eine Gesellschaft verändern. Genau beobachtet, mit guten Beispielen und so, aber ich bin ja noch nicht durch...
Hersteller: www.plasticlogic.co.uk
Heise-Meldung: Biegsamer E-Reader
"Denn spätetestens, wenn es E-Reader mit WLAN, Mini-Gig-Chip plus Touchscreen-Technlogie gibt, die hochauflösend wie Papier sind und selbst in der Badewann gelesen werden können, werden wir Schreiber auch alt aussehen…"
Das verstehe ich nicht. Wieso sehen "wir Schreiber" alt aus, nur weil das Interface wechselt? Das Medium selbst - die Schrift - bleibt doch erhalten.
"Und ich wollte mich so gerne in späten Arbeitsjahren an Geschichten und Romanen versuchen… Wahrscheinlich ist das einfach keine gute Idee, wenn ich nicht gleich mit einer ganzen Verwertungskette von Podcast, Videocast, und, und, und aufwarte, oder?"
Als ob die Leserschaft von heute auf morgen kein Interesse mehr an Romanen und Erzählungen haben würde. So was nennt man dann einen synthetischen Hype oder einfacher: Viel Lärm um nichts. Denn wenn ein Roman lesenswert ist, braucht es sicher keine "Verwertungskett". Gute Werke setzen sich auch ohn Begleitmedien durch.
Ich verstehe wirklich nicht, was diese ganze Entweder-Oder-Rhetorik soll. Als ob man sich zwischen Printversion und EReader entscheiden müsste! Solange mir keiner die Knarre an die Schläfe drückt, werde ich weiterhin beide Medientypen nutzen. So, und jetzt bitte Schluss mit der Panikmache. Danke.
Ich finde den Trend zum Ebook nicht verwunderlich, da wir ein Medium (Buch) haben, dass eigentlich in einem Atemzug mit Film, Fernsehen und Musik genannt werden sollte, dies aber selten wird. Das liegt zum einen an der immer stärker sinkenden Leserzahl(Steve Jobs wird mir rechtgeben)und zum anderen an dem Medium selbst, dass in die Jahre gekommen ist und einfach nicht mehr in unsere Zeit passt. Vor allem finde ich, dass die Buchbranche dies als Chance sehen sollte, um nicht den gleichen Fehler wie die Musikindustrie zu machen. http://www.kindlez.de
@name: Das verstehe ich nicht. Wieso sehen “wir Schreiber” alt aus, nur weil das Interface wechselt? Das Medium selbst - die Schrift - bleibt doch erhalten.
--- weil dann auch unsere texte kopiert werden können und nicht mehr an ein medium wie das buch gebunden sind. das bedeutet, das spätestens dann auch digitale raubkopien von büchern erscheinen werden, die komfortabel gelesen werden können. dann erschüttert das genauso die print-branche, weil das produktionsmittel buchdruck irrelevant wird.
--- also, die menschen werden weiterhin interesse haben an romanen haben, ganz klar, aber man muss nicht unbedingt mehr ein buch kaufen, sondern lädt sich den neuen harry potter als pdf aus dem netz herunter oder bekommt ihn von freunden zugemailt. gelesen wird dann komfortabel per ereader in der badewanne.
--- und schreiber sehen dann alt aus, weil die leser (noch) weniger bücher kaufen. ich denke es macht dann schon einen unterschied, ob du von einem buch 1000 oder 10.000 verkaufst...
@Heinz: "und zum anderen an dem Medium selbst, dass in die Jahre gekommen ist und einfach nicht mehr in unsere Zeit passt." - Eine interessante Bestandsaufnahme. Ob sie allerdings zutrifft, wage ich stark zu bezweifeln. Jaja, immer diese Opportunisten. Meinung: sponsored by Amazon (vgl. Homepage).
@mo: Ja, da magst Du wohl recht haben. Dann bluten neben der Musikindustrie wohl demnächst auch die Verlage. Aber vielleicht ist das ja dann die Chance für die "Netpublishers" - analog zu den Netlabels ;-) Die Frage ist allerdings immer noch, ob die Ankunft der Reader das Buch ablöst oder schlicht ergänzt. Das Buch ist als Lese-Interface einfach ganz weit vorne. Vor allem im Wissenschaftsbetrieb ist ein elektronisches Gerät nur wenig brauchbar. Wie soll man zum Beispiel Texte parallel lesen? Mit mehreren Readern? Wohl kaum. Auch schmiert man ja schon mal das eine oder andere an den Rand. Im Reader ungleich unkomfortabler. Außerdem würde ich mir glaube ich in Sachen Datenverlust tierisch in die Hose machen. Ich habe von meinen eigenen Arbeiten immer schon mehrere Sicherheitskopien plus eine Printfassung alle paar Wochen. Für Nachschlagewerke wäre der Reader allerdings schon wieder eine gute Sache. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich denke, beide Schnittstellen (Buch und Reader) haben ihre Vor- und Nachteile. Deswegen wird das eine nicht das andere ablösen. Ziemlich unstrukturierte Argumentation, zugegeben. Ist ja auch schon Zeit für's Bett. Noch schnell das Buch aus dem Regal genommen und ab unter die Decke.
"ob die Ankunft der Reader das Buch ablöst oder schlicht ergänzt."
--- ich hoffe, dass habe ich nicht behauptet, klang vielleicht so durch. ich glaube auch nicht, dass er e-reader das buch verdrängt, aber sicherlich in den nächsten jahren große marktanteile abgraben könnte. bücher - und ich selbst liebe bücher - eignen sich ja auch hervorragend für kultur, design und ähnliche bücher. ich liebe auch papier und man kann schon tolle hefte, bücher und solche sachen zusammenstellen. diese haptik kann ein e-reader nicht emulieren. außerdem ist es das älteste medium und ein buch hat mehr ausstrahlungskraft als eine cd im jewel-case ;)
"Vor allem im Wissenschaftsbetrieb ist ein elektronisches Gerät nur wenig brauchbar."
--- ich denke gerade da, sind e-reader spannend. aus mehreren gründen:
1) zahlreiche wissenschaftliche essays und veröffentlichungen haben so kleine auflagen, dass es sich so gut wie gar nicht lohnt. eine elektronische version ist da besser und kann auch kontinuierlich weitergepflegt werden.
2) in einem e-reader kann man sicherlich auch mehrere fenster offen haben, in denen man hin und herspringt.
3) mittels eines e-readers kann man viel schneller textpassagen in einem "buch" suchen.
4) über das markieren (copy&paste) übernimmt man direkt zitate aus anderen arbeiten und setzt sie in die eigene arbeit ein.
ich hoffe, ich komme nicht als klugscheisser hier rüber, genieße gerade nur die diskussion ;)
Das mit dem Ablösen des Buchs hat so der Herr Hinterholzer behauptet (sponsored by Amazon) :-p Ob man mit einem Reader produktiv ist, ist wohl letztlich eine Frage der Arbeitsweise. Aber wenn ich mir vorstelle, zwischen mehreren Büchern in einem kleinen Kasten hin und her zu springen, bekomme ich jetzt schon Klaustrophobie. Obwohl man dazu sagen muss, dass ich selber viele Bücher selbst kaufe und griffbereit im Regal stehen habe. Wer weniger Geld investieren will/kann, für den ist das mit dem Reader sicher eine gute Sache. Obwohl die eBooks meiner Ansicht nach unverhältnismäßig teuer sind. Testen würde ich einen Reader auf jeden Fall gerne einmal. Leider gibt es sie nicht im örtlichen Saturn oder so. Das mit der Suchfunktion ist sicher nicht verkehrt. Außerdem spart man sich vielleicht die zig hundert Kopien (Kopieren geht über Studieren). Was das strg-c + strg-v betrifft: Bestimmt komfortabel. Ich pflege selbst einen kleinen Zettelkasten, da wäre es vielleicht wirklich nicht dumm, die entsprechenden Passagen immer gleich im Kontext zur Hand zu haben. (Von der Gefahr des Plagiarismus einmal abgesehen.) Wie gesagt: Ich würde so ein Gerät gerne einmal testen. Obwohl mir die Teile in der ersten Generation allgemein noch ein wenig zu schwächeln scheinen. Ich will mind. Farbe, Speicherkartenslot, schnelles Blättern, lizenzfreie Dokumente, Formatkompatibilität und und und. Ansonsten gebe ich bestimmt keine 300-400 € aus. Da bekomme ich ja schon einen eeePC 901 für. Naja, abwarten. Bin den technischen Gimmicks ja generell nicht abgeneigt. Und keine Sorge: Da habe ich schon ganz andere Klugscheisser erlebt. Mich zum Beispiel :)
Solche eReader sind schlicht die Zukunft. Es gibt da schon einige höchst geniale Ansätze, Papier wirklich zu ersetzen. Und das werde ich auch mit jeder Faser meines Körpers unterstützen.
Es ist nicht nur so, dass solche Geräte langfristig um ein Vielfaches ökologischer sind (man denke nur mal dran, wie viele Bäume dafür abgeholzt werden und wie viel Öl verbrannt wird, um regelmäßig Tonnen von Papier herumzufahren), sondern es ist auch Tausendfach komfortabler für den Nutzer (sofern es Angebote dafür gibt, wovon ich allerdings ausgehe). Man stelle sich nur mal vor: Ein Gerät, was aussieht, wie ein Buch, nur ohne Seiten, stattdessen ein elektronisches Display. Am Besten wasserfest, mit Touchscreen und vielleicht noch einem speziellen Stift dafür (um sich Notizen machen zu können). Man stelle sich vor, es dauert 10 Sekunden von dem Moment, in dem man sich ein Buch ausgesucht hat bis zu dem Moment, an dem man es anfangen kann zu lesen. Man legt sich ein digitales Lesezeichen hinein und legt das Buch weg, wenn man es grad nicht braucht. Es wiegt fast nichts, man kann es überall mit hinnehmen.
So, vielleicht sogar noch besser, könnten Bücher in der Zukunft aussehen.
Und für Autoren wird das nicht unbedingt nachteilhaft sein. Es müssen sich lediglich e-Verlage finden, die solche Bücher vertreiben. Diese können Bücher in geringen Stückzahlen veröffentlichen, ohne Angst haben zu müssen, ein Verlustgeschäft zu machen. Es ist für die auch noch viel billiger. Und ein Autor für Fortsetzungsromane hat es tierisch leicht, immer wieder neuen Stoff zu liefern und bekommt sehr schnelles Feedback.
Kurzgeschichtenautoren haben dann ebenfalls endlich die Möglichkeit, ihre Werke zu verkaufen. Vorher mussten sie sich immer mit einem Platz in irgendeinem Sammelwerk zufrieden geben, weil es sich sonst kaum rentiert hat.
Und davon abgesehen wird es dann auch endlich die Buchbranche schaffen, weg von einer reinen Kapitalbranche zur Kunst zurück zu kommen. Dadurch wird es jeder Hobbyschreiber leicht haben, ein Buch zu veröffentlichen. Natürlich verdrängen sie dabei diejenigen, die bereits seit Jahrzehnten nichts anderes tun. Aber ist das wirklich schlecht? Führt das nicht eher zu einer Demokratisierung der Literatur?
Ich bin übrigens vollkommen der Ansicht, dass man auch mit digitalen Werken Geld verdienen kann. Man kann lediglich nicht mehr die Werke einzeln verkaufen. Es gibt allerdings viele Ansätze von modernen Geschäftsmodellen, die mit neuen Vertriebswegen hervorragend zurecht kommen.
@malo: deinen ersten absatz unterschreibe ich genauso.
"Und für Autoren wird das nicht unbedingt nachteilhaft sein. Es müssen sich lediglich e-Verlage finden, die solche Bücher vertreiben."
--- gibt es ja schon und die normalen verlage werden da schnell nachliefern, sobald es die ereader verbreitung finden. einige verlage versuchen sich auf dem feld ja bereits seit jahren.
"Diese können Bücher in geringen Stückzahlen veröffentlichen, ohne Angst haben zu müssen, ein Verlustgeschäft zu machen."
--- ist eine digitale datei einmal im umlauf, lässt sie sich nicht mehr stoppen und begrenzen. das ist das geniale und fatale an digitalen dateien. die kopie ist immer das nächste original 1:1. und ein ereader stellt ja nicht nur ein buch dar. insofern können autoren das in keinster weise limitieren.
--- mit den kurzen essays, kurzgeschichten und dem liefern neuer folgen für eine "serie" ist definitiv eine interessante idee. also fachbücher könnte man auf dem laufenden aktuellen stand halten. für aktualisierte kapitel gibt es dann einen preis. dadurch werden kopien von sachbüchern natürlich obsolet, da man evtl. nicht immer die aktuelle version hat ;)
--- hobbyschreiber haben schon jetzt gute möglichkeiten.... dank bol.de (books on demand) kann ein jeder hobby-schreiber ein buch samt isbn veröffentlichen für kleines geld. die bol.de-bücher kann man bereits über amazon seit jahren bestellen. wird auch vielfältig genutzt.
nur fehlt in meinen augen oft ein lektor und der professionelle anstrich. das ist eben verlagsarbeit, die nicht zu unterschätzen ist.
generell wird das aber der buchkultur einen enormen schub geben, da hast du vollkommen recht.
Ich provoziere jetzt mal ein bisschen. 1. Ökologischer Vorteil: Es ist fraglich, ob in Zeiten der Aufforstung lieber Papier hergestellt wird, oder ein ständig wachsender Berg Elektroschrott in der dritten Welt landet. 2. Lesekomfort: Ich halte das Buch in Sachen Komfort immer noch für das Lektüreinterface erster Wahl. Warum sollten Reader sonst Buch und Stift zum Vorbild haben? 3. Versandzeit: Wenn ich zum Lesen eines Buches mehrere Tage brauche, frage ich mich, was an 10 Sekunden Ladezeit so sinnvoll sein soll. Im Normalfall warte ich auf ein bestelltes Buch 1-2 Tage. Dafür habe ich dann allerdings auch einen greifbaren Gegenstand im Regal, der nicht nur gut ausschaut, sondern auch nicht an ein externes Interface gekoppelt ist. DRM für Bücherregale ist auch noch nicht erfunden, soviel ich weiß. Außerdem habe ich vor kurzem gelesen, dass z.B. die Amazon-Kindle eBook-Ausgaben teilweise nicht identisch sind mit den Printversionen. Dafür gebe ich nun wirklich nur ungern Geld aus, zumal sich der Preis nur minimal von den Druckfassungen unterscheidet. Das wurde hier ja schon gesagt: Wichtig ist die Verlagsarbeit (Lektorat, Drucksatz usw.). Das führt mich zu 4. eBook-Verlage: Da der Arbeitsaufwand für die Erstellung eines lesbaren, qualitativ hochwertigen eBooks denselben Aufwand mit sich bringen wie die Erzeugung einer Druckvorlage, wäre ich vorsichtig. Ein Buch zum kleinen Preis anzubieten bedeutet zwangsläufig, Verlagsarbeit einzusparen! Darunter leidet dann auch die Qualität. Was nützt ein tolles Lesegerät, wenn der Inhalt schlecht ist? "Immer neuer Stoff" scheint mir genau die Devise zu sein, unter der der Qualitätsverlust stattfindet. Wo genau wäre der Unterschied zu einer Daily Soap? Schneller Nachschub ist schlechter Nachschub. Schreiben ist harte Arbeit! 5. Von Kapital zu Kunst: Das scheint mir kein gutes Argument zu sein. Immerhin soll ja der Argumentation folgend die Möglichkeit geschaffen werden, auch den weniger populären "Künstlern" den Einstieg in das Geschäft mit dem Wort zu ermöglichen. Was allerdings richtig ist: Für Kurzgeschichten etc. wäre der Markt womöglich offener. Da läge in der Tat ein gewisses Potenzial. Alles in allem stelle ich fest, dass das eBook nicht unbedingt die Offenbarung ist, die viele darin zu sehen glauben. Es bietet zugegebenermaßen viele Möglichkeiten, aber es wird weder das gedruckte Buch ablösen noch den Literaturbetrieb revolutionieren. Vielleicht lohnt der Blick zur Musikbranche: Auf deren Revolution warte ich heute noch, obwohl sie bis heute immer wieder angekündigt worden ist :-)
@#9:
Ich teile deine Auffassung nicht wirklich. Elektroschrott kann problemlos recycled werden. Dennoch gehen Elektrogeräte natürlich auch oft in Entwicklungsländer - einfach deshalb, weil es da Leute gibt, die diese Geräte haben wollen.
Im Vergleich zu den gigantischen Altpapiermengen, die regelmäßig enstehen, ist das aber lächerlich wenig. Vor allem: Auf einem eReader kann man (theoretisch) Tausende Bücher speichern. Irgendwann wird der dann zwar zum Elektroschrott - verglichen mit den Mengen an Papier, die man eingespart hat, relativiert sich das aber wieder.
"Warum sollten Reader sonst Buch und Stift zum Vorbild haben?": Ganz einfach, weil es natürlich eine lang gereifte, bewährte Methode ist, Informationen festzuhalten. Das bedeutet aber nicht, dass man das nicht verbessern kann. Wieso sollte man sich gegen Fortschritt wehren?
Zur Verandzeit: Wenn ich ein Buch lesen will, dann will ich es _jetzt_ lesen, nicht erst in zwei Tagen. Und was ist mit Wochenenden? Wenn ich Donnerstags bestelle, dann ist es keine Seltenheit, wenn es erst Montags ankommt, vielleicht noch später. Vor allem sind nicht alle Bücher Tausendseitige Romane, an denen man wochenlang in seiner Freizeit liest, sondern Vieles ist auch schlicht und ergreifend dringend.
Und ich frage dich: Wieso soll ich zwei Tage warten, wenn ich es _jetzt_ haben kann? Welchen Vorteil habe ich davon?
Die Frage, ob dir ein Buch aus Papier besser oder schlechter gefällt ist reine Geschmackssache. Es wird mit Sicherheit auch in 100 Jahren noch gedruckte Bücher geben, wenn es sich für den Verleger lohnt.
Wenn eBooks mit Print-Büchern inhaltlich nicht identisch sind, dann stimmt das System an der Stelle nicht.
An Kosten wäre auch nur noch die Schreibarbeit und u.U. die Korrekturlesung (Lektor) zu bezahlen. An der Stelle sei angemerkt, dass nicht jeder Verlag studierte Vollzeitlektoren beschäftigt. An den Endfassungen der Bücher misst man letztendlich die Qualität der Verlage. Ein schlechter Verlag mit schlechten Büchern wird kaum Chancen haben - letztendlich greift hier wieder die Marktwirtschaft.
Btw: Was ist so schlimm an Daily Soaps? Dir muss es nicht gefallen, vielen tut es das aber. Der Vorteil des Internets ist aber, dass du solche Produkte nicht nutzen musst, weil du eine imense Auswahl an Werken hast (was im TV nicht der Fall ist, die Sendefrequenzen sind ja limitiert).
Bei 5. finde ich kein Arguement von dir, sondern nur eine Behauptung. "Für Kurzgeschichten etc. wäre der Markt womöglich offener." Für wen wäre der Markt denn weniger offen?
In der Musikbranche gibt es diese ganzen Ansätze bereits. Tatsächlich verstecken sich die großen Labels aber davor. Diverse Netlabels und Künstler, die unter CC-Lizenzen veröffentlichen, beweisen aber, dass es auch anders geht. Leider halten die Major Labels den Löwenanteil des ganzen Musikgeschäfts. In der Buchbranche ist das aber anders, die ist weniger zentral, wodurch man da eher auf Besserung hoffen kann.
Letztendlich ist es aber natürlich ein Pokerspiel. Schließen die Buchverlage sich den Major-Musiklabels an oder wagen sie den Schritt in die Zukunft?
mo: "ich liebe auch papier und man kann schon tolle hefte, bücher und solche sachen zusammenstellen. diese haptik kann ein e-reader nicht emulieren. außerdem ist es das älteste medium und ein buch hat mehr ausstrahlungskraft als eine cd im jewel-case ;)"
Aber denke doch nur: Glich-Art! Suchfunktion! "Dia"shows!! Ausserdem... hmm... Das alte iPod-Argument: 500 Bücher immer dabei...
@Malo - Ich glaube, wir reden ein wenig aneinander vorbei :-) Ich bin wirklich ganz und gar kein Feind des Fortschritts, d.h. wenn es denn einer ist. Sobald der Plastic Logic Reader kommt (zu einem angemessenen Preis), werde ich einer der Ersten sein, der sich so ein Gerät zulegt (http://www.plasticlogic.com/). Papier gefällt mir also nicht per se besser. In mancher Situation würde ich es dem Reader allerdings vorziehen. Dann wieder erscheint mir der Reader in anderen Situationen als das Medium der ersten Wahl. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich deswegen gleich zum Technizisten werde und dem Altbewährten (zum Beispiel Buch und Stift) komplett den Rücken zuwende. Warum auch? Außerdem: Natürlich sind nicht "alle Bücher tausendseitige Roman". Manche aber durchaus, und diese Bücher gehören teilweise zum Kernbestand der Weltliteratur. Übrigens ist auch Geduld eine Tugend. Wenn ich ein Buch lesen WILL, kann ich dafür gerne auch 2 Tage warten. Bis dahin habe ich ja im Zweifel noch 500 andere Bücher auf meinem Reader (oder eben in der örtlichen Bibliothek). Was mich zu der Frage bringt: Wozu brauche ich in meinem Reader 500 Bücher? Ich bin in der Tat der Meinung, das es erheblich produktiver ist, wenige Bücher intensiv zu lesen als aus Zeitdruck und Überversorgung meine AUfmerksamkeitsspanne weiter zu reduzieren, als das durch YouTube und Co. bereits der Fall ist. Vielleicht geht es hier ja auch um eine Frage der Medienkompetenz. Und noch einmal: Nein, nur weil man einen Reader verwendet, ist man nicht inkompetent. Man sollte allerdings nicht aus den Augen verlieren, dass ein dicker Wälzer eine ganz eigene Form des Lesens notwendig macht, als das bei Blogs, Nachrichten und Comics der Fall ist. Die Daily Soaps unter den Texten sind natürlich auch nichts von Natur aus "Schlimmes". Was sie jedoch unbestritten sind ist einfallslos, kurzlebig und auf längere Sicht (zumindest aus kulturhistorischer Sicht) völlig belanglos. Man denke nur einmal an Jeanette Biedermanns neuste Sendung (wie heißt sie noch gleich?). Wird man in 100 Jahren noch Homer lesen? Proust? Joyce? Mann? Ich denke schon. Was ist mit GZSZ? Marienhof? Unter Uns? Wohl kaum. Vielleicht sollte man einfach den Einfluss des Mediums auf die Lesegewohnheiten nicht unterschätzen. Vorteile und Nachteile gibt es da bei beiden Varianten. Aber eben gerade Vor- UND Nachteile. Gegen dieses Eingestänsnis sollte man sich meiner Ansicht nach nicht versagen, nur weil die technischen Möglichkeiten das einzufordern scheinen. So, das war jetzt das verspätete Wort zum Sonntag. Over and out! (Noch was anderes: Wieso muss ich hier immer eine Mail-Adresse angeben um zu posten? Das nervt, zumal ich sowieso immer eine falsche Angabe mache).
"Wieso muss ich hier immer eine Mail-Adresse angeben um zu posten? Das nervt, zumal ich sowieso immer eine falsche Angabe mache)."
--- weil es leider kommentar-spam gibt. und wir eigentlich anonyme kommentare nicht mögen. deiner war aber spannend, darum ging der durch ;)
echte bücher kann man auch bei stromausfall lesen [nachts zur not mit kerze]... insgesamt bringt dieser totale übergang zu elektrisch betriebenen medien-trägern [fernsehen, radio, komputer, smartphone usw.] vor allem eine zunehmende abhängigkeit von elektrizität. vom zunehmenden stromverbrauch gar nicht zu reden ...
oder hat der kindle_2.0 etwa auf seiner rückseite solarzellen?
unterschätzt das statussymbol potential von büchern nicht.
stellt euch mal eine anwaltskanzlei mit nur einem e-reader im regal vor...
dennoch sehe ich auch durchaus potential, nur kein wirtschaftliches für die authoren. auch qualitativ mache ich mir große sorgen. hier wird ein haufen müll auf dem markt kommen.
am ende werden wie im musikbusiness größen wie google, youtube und amazon die ganze kohle einsacken und die authoren mit pfennigbeträgen abspeisen.
das thema umwelt würde ich mal aussen vor lassen. elektronik herzustellen und danach wieder entsorgen ist EXTREM komplex (dazu ist das umwelt-verträgliche recyclen von microstrukturen die reinste utopie, es wird nur gemacht um günstig an kupfer, gold, platin, quecksilber und co zu kommen, mit ökologie hat dies nichts zu tun).
eine bessere bilanz als bei dem vergleichsweise übersichtlichen papierdruckverfahren ist wohl kaum zu erwarten. selbst wenn, alleine der ständige stromverbrauch von e-readern würde das umweltargument ad absurdum führen (naja, im grunde ist JEDES aktuelle umweltargument bei genauerer betrachtung von halbwissen genährt und somit völlig überflüssig).
@martin: "oder hat der kindle_2.0 etwa auf seiner rückseite solarzellen?"
--- wie sollen die denn in der nacht funktionieren ;)
Ich halte solarbetriebene eReader in der Zukunft gar nicht mal für unrealistisch. Diese können ja beispielsweise tagsüber einen Akku aufladen und ihn nachts wieder entleeren ;)
Im Endeffekt sehe ich allerdings nur wenige Vorteile in Büchern aus Papier ggü. einem wirklich hochwertigen eReader. Vielleicht die Datensicherheit - wobei so eine Buchseite schnell mal verschmiert ist und wer mit seiner Zigarette nicht aufpasst könnte auch mal ein Loch reinbrennen. Und hat schonmal jemand ein nasses Buch gelesen?
Bücher haben nunmal diverse objektive Nachteile. Ein elektronisches Lesegerät könnte diese Nachteile korrigieren, wenn es technisch ausgereift ist.
Zum Stromverbrauch der eReader: Ich empfehle dir ein Video vom 24C3 zum Thema: http://chaosradio.ccc.de/24c3_m4v_2192.html
Dort wird recht anschaulich dargestellt, welche Anstrengungen unternommen werden, um den Stromverbrauch zu verringern. Es ist dort von Geräten die Rede, die nur zum Bildaufbau einmalig Strom verbrauchen und sonst im Ruhezustand sind.
Im Endeffekt kommt es hier sehr stark darauf an, wie schnell sich die Technik weiter entwickelt. Ich denke, es dauert noch etwa 10 Jahre, bis qualitativ hochwertige eReader als Massenware verkauft werden. Und dann kommt langsam aber sicher auch die Wende ;)
@ mo & vor allem malo:
nein, nein, nein.
ich glaube einfach, dass das medium "buch", welches ja technisch gesehen schon viel älter ist als die knapp 600 jahre sei seit henne gensfleisch [aka gutenberg], einige vorteile bietet die vom e-reader nicht zu toppen sind.
allem voran: nachhaltigkeit.
so im sinne von langzeitarchivierung und zukünftigen, absehbaren formatwechseln [jeder formatwechsel = informationsverlust = "vergessen"]
wer von euch interessierten zeitgenoßen glaubt ernsthaft, dass es in 600 jahren noch [technisch gesehen] e-reader geben wird?
und bücher, in 600 jahren?
richtige bücher sind vor allem deshalb ideal zur speicherung jeglicher information [um den bezug zu phlow nicht ganz aus den augen zu lassen zb.: was ist eine partitur "wert" im vergleich zu einer mp3-datei?], weil man außer der kulturtechnik des lesens nichts weiter braucht als halbwegs gesunde augen...
@ malo
p.s.: ich bin schon vor geraumer zeit auf das motofone f3 [mobile-phone von motorola] umgestiegen, welches auf dem im kindle verbauten e-paper basiert.
fetzt schon, das mit dem stromsparen...
Natürlich ist Papier nicht in allen Punkten schlechter als ein digitales Pendant, für den praktischen Nutzen überwiegen für mich i.d.R. jedoch elektr. Geräte. Ein vermeintlicher Vorteil des Buches ist jedoch in Wahrheit einer der digitalen Verarbeitung:
Informationsarchivierung ist in digitaler Form deutlich leichter als in gedruckter Form. Stichwort "digitales Vergessen". Google, archive.org oder beliebige Filesharing-Netzwerke helfen einfach enorm dabei, Daten für immer verfügbar zu machen. Bei Formatwechseln muss natürlich konvertiert werden, was in allen größeren Datenbanken regelmäßig passiert.
Es ist nicht so, als ob in einigen Jahren niemand mehr Papier nutzen würde, aber Bücher kann man eigentlich viel besser digital verarbeiten.
Hey, wer sagt denn überhaupt das der E-reader das Buch ablösen muss. In naher Zukunft wird es bestimmt für beide einen Markt geben, ähnlich wie beim fernsehen (projektor,display), bei computern (laptop,desktop), bei speichermedien (bandspeicher/cd) oder in der Musik zwischen Schallplatten(wärmerer Klang) und CDs.
DIE ZUKUNFT GEHÖRT sowieso den "3D EBOOKS".
PS.: Hater bring beim nächsten mal meine CD mit.
bin mir gerade über die funktionsweise der kommentierung hier unsicher, deshalb nochmal [zum 3. mal]:
die themen langzeitarchivierung und formatwechsel werden durch digitalsierung nicht gelöst, sondern im gegenteil verschärft:
http://www.tu-cottbus.de/techphil/Forschung/Wfdz/interv_wilke.pdf
@martin: "die themen langzeitarchivierung und formatwechsel werden durch digitalsierung nicht gelöst, sondern im gegenteil verschärft"
diesen thesen kann man sehr wohl wiedersprechen. diese pdf enthält nahezu esoterische annahmen, der mann kann sich offensichtlich nicht aus der analogen welt befreien. hier werden fakten verbogen das es kracht. dieser müll ist alles andere als seriöse, nachvollziehbare wissenschaft.
fakt ist, digitale formatwechsel sind in 99,99999% der fälle absolut verlustlos (da sehr einfach nachprüfbar). die restlichen 0,00001% sind bewusste entscheidungen um "rauschen" zu verhindern.
fakt ist auch, dass diese arbeit das seid jahren heisse thema redundanz komplett ausblendet. diese techniken haben sich jedoch als äußerst tüchtig und zuverlässig erwiesen und lösen das langzeitproblem ganz einfach.
fakt ist auch, dass digitale kopien absolut verlustlos durchgeführt werden können. wie oben erwähnt, ist die korrektheit und vollständigkeit der kopie problemlos nachprüfbar.
durch kombination dieser drei fakten lässt sich eine solide archivierung erzielen. redundanz, stetiges kopieren und konvertierung in neue formate ist die beste und billigste archivierungform. durch das internet wird all dies problemlos möglich.
ich bin mir nicht sicher, fabien, was für dich ein "langzeitproblem" ist.
20 jahre?
100 jahre?
10000jahre?
was ist für dich "langzeitarchivierung"?
die problematik der verschiedenen perspektiven kommt in dem interview ganz raus, finde ich.
und so pseudowissenschaftlich finde ich die herangehensweise der beiden nicht, weiß ich nicht wie du darauf kommst.
desweiteren gehen die die sehr wohl auf redundanz ein, bzw. den dadurch verursachten aufwand und die dadurch fragwürdige kosten/nutzenrechnung...
egal.
nochmal lesen macht spass, ne?
In dem Interview wird aber immer von Bibliotheken gesprochen, die alle x Jahre kopiert werden müssten und was das für ein Aufwand wäre.
Es ist heute kein wirkliches Problem mehr und wird auch in Zukunft immer weniger eins sein, große Datenmengen in kurzer Zeit zu kopieren. Das Problem ist nicht, die Daten aufzubewahren. Das Problem ist, wichtige von unwichtigen Informationen zu trennen, weil wir einfach so gigantische Datenarchive haben werden, dass diese kaum noch sinnvoll durchsucht werden können.
Man bedenke nur mal: Früher gab es nur wenige Menschen, die in mühevoller Arbeit Texte schreiben konnten. Der Buchdruck vereinfachte das ganze zwar etwas, war allerdings in den Anfangszeiten extrem schwerfällig. Überleg mal, wie wenig Menschen damals schreiben konnten und wie wenige Schriften heute überhaupt noch verfügbar sind.
Es gibt heute ca. 4 Milliarden Menschen, die lesen und schreiben können. Wenn jeder davon nur ein einziges Schriftstück für die Nachwelt aufbewahren würde, dann hätten wir vermutlich mehr, als an historischen Dokumenten vor dem 20. Jahrhundert noch übrig geblieben ist.
Es werden keinesfalls Informationen verloren gehen, wir werden im Gegenteil in Zukunft in Informationen ersticken. Man sollte daher nicht versuchen, mehr Informationen zu speichern, sondern im Gegenteil über Dinge wie digitale Verfallsdaten nachdenken, die Daten auch wieder löschen.
Endlich mal eine disskision mit Niveau. Zunächst zur Selbstbestimmung. Ich besitze seit einem Jahr einen Sony Reader und bin mit der derzeitigen Entwicklung hin zu kopierbaren pdf Dateien außerordentlich zufrieden. Selbstredend hat die Software noch unverständliche Macken und Schwächen aber das System ist auf dem richtigen Weg. Die wichtigste Eigenschaft hat der E Reader bereits geschafft. Das ist ein echter Bucherstatz. Man schlägt es auf ( wo auch immer ) und liest tatsächlich wie in einem Buch. Zugegeben ist die Energliequelle selbst bei stromloser Funktion des Lesens immer noch der größte Schwachpunkt. Das ist jedoch technisch gar nicht mehr das wahre Problem. Vielmehr wird der Leser neu gefordert. Wer jederzeit mit nur einem Klick von vielen hundert Büchern getrennt ist, benötigt eine neue Qualität an Toleranz zu sich selbst ein Buch auch über ein paar schwae Seiten weiterzulesen. Hier steht das Internet als guter Pate für ineffizentes Arbeiten, auf Grund unendlicher Ablenkung. Aber das ist das Problem des Lesers. Zum Problem der Autoren möchte ich die Tendenz zum E Book viel eher als großen Gewinn verstehen. Zugegebenerweise muß nun ein großer Teil der editoriellen Arbeit durch den Autor selbst erledigt werden. Aber der Vertrieb - sprich der Verkauf -und somit der Erlös ( um hier nicht von Gewinn und Profit wie in der Verlagsarbeit zu sprechen) kommt dem Autor wesentlich schneller und direkter zugute als über den Umweg großer Verlage. Und genau diese werden diesen Umbruch nicht ohne bedeutende Umstellungen ihres Profiles schlecht überstehen. Doch der Leser wird der Gewinner sein. Es bleibt nur die Frage ob sich dann jeder der liest und Bücher - sprich eBooks - liebt auch noch richtige Bücher wird leisten können.
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