Fast perfekte Selbst-Promotion | Wie bekomme ich eigene Konzertauftritte? Wie schaffe ich es, dass man mich als Musiker oder DJ bucht? Wie erlange ich dafür mehr Aufmerksamkeit? Andreas Zeitler wagt mit seinem Projekt Zettt einen Selbstversuch. Während er seine Musik verschenkt, kurbelt er die Neugierde per Gewinnspiel an und setzt auf Vernetzung. Phlow hat sich den Feldversuch mal angeschaut.
Auf Fan-Fang geht Andreas Zeitler, indem er sein Album "Toolz" nicht nur unter einer Creative Commons veröffentlicht und ausdrücklich zum Kopieren auffordert, sondern die freie Musik mit einem Gewinnspiel anschiebt. Neben zwei iPod Shuffles wirft Andreas Zeitler auch einen Amazon-Gutschein ins Rennen. In einer Email an uns schreibt Andreas:
"Ich glaube daran, dass freie Inhalte eine grosse Zukunft haben koennen. Wenn nicht sogar die Zukunft. Man muss nur versuchen die kostenlose und freie Musik den Fans so schmackhaft zu machen, dass sie diese auch gerne hoeren..."
Ich habe mir den Feldversuch angeschaut und angehört...
Natürlich ist die Musik, die Komposition und die Produktion das Herzstück, der so genannte "Premium Content" eines Musikers, einer Band oder eines DJs. Gute Songs und dicke Grooves bilden das Rückgrat, um Konzerte zu geben und Engagements zu erhalten. Hören wir mal, was Zettt so bietet.
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Fehler 1: Und schwupps stolpern wir über den ersten Stein, es gibt keine Previews! Ich empfehle das WordPress Podcast Plugin PodPress, schließlich nutzt Andreas Zeitler WordPress und das eignet sich hervorragend für Previews. So wie es scheint, ist es bereits installiert. Also auch nutzen!
Schon frech wie Andreas Zeitler sein Album beginnt: Mit einem sehr puren und trockenen Clap. Nicht mehr, nicht weniger. Als Musikliebhaber und Netlabel-Geek bin ich ja einiges gewohnt und zuerst graust es mich und ich denke: Magix-Musicmaker galore?!? Was sich danach als Techno-Track aufbaut, stabilisiert sich auf einer tiefen pumpenden Mischung aus 909 und 808. Die Variationen sind Techno üblich und käme der Track nicht mit einem ordentlichen Groove und netten Melodien daher, würde ich schnell zum nächsten Track springen. So kickt "Wave" ordentlich. Vielleicht schiebe ich den Track sogar auf unsere nächste Phlow-Compilation ;)
Mit "8Bit Games" rotzt uns der nächste Track Acid vor die Füsse. Nicht so spannend. Skip. Danach wird es noch eine Spure kratziger und dürsterer. Sehr klassischer Techno, der treibt - mich aber nicht vom Hocker haut. Spannend entwickeln sich dann wieder die Tracks "Merkina" und "Brennwert 320". Das eine rattert in gefühlter Hochgeschwindigkeit an uns vorbei, während der "Brennwert 320" sich gemütlich-minimal gibt. Insgesamt ein sehr solides und trockenes Album, dem hier und da ein wenig die Überraschungsmomente fehlen. Als DJ-Tool funktionieren ein paar der Tracks sicherlich.
Die Idee hinter Andreas Zeitlers Projekt finde ich klasse. Anstelle zu heulen, vor Labels zu knien oder sich im eigenen Schlafzimmer hinter dem Equipment zu verstecken, startet er eine eigene Kampagne. Wer sich die Bedingungen für das Gewinnspiel durchliest, merkt, dass sich hier jemand Gedanken gemacht hat. Als Künstler setzt Zettt auf virales Marketing und versucht dieses mit ordentlichen Geschenken anzuschieben. Immerhin ein Wagnis, dass sich nicht jeder traut. Dabei begeht er aber einige Fehler.
Fehler 2: Schlechte Dateinamen
Fehler 3: Keine Informationen im ZIP-Archiv

Wenn man sich den obigen Screenshot anschaut, sieht den Inhalt des ZIP-Archives, dass man auf der Website kostenlos herunterladen kann. Während Andreas Zeitler die MP3-ID-Tags vorbildlich ausgefüllt haben - sogar mit Coverbild - und Link zu seiner Website, sind die Dateinamen dürftig benannt. Außerdem fehlen dem ZIP-Paket noch einige wichtige Elemente.
Die optimierte Version des ZIP-Archives sähe dann so aus:

Fehler 4: Keine gute Biographie (nur tabellarischer Lebenslauf) an der man sich bedienen kann
Die ersten und konsequenten Schritte ist Andreas Zeitler bereits gegangen. Angesichts der Masse an Musikproduktionen versucht er sich so zu positionieren, dass er heraussticht. Dabei hat er mit dem Gewinnspiel und der Idee schon einmal eine neugierig-machende Geschichte produziert. Vergessen hat er dabei jedoch seine eigene Geschichte in Form einer Biographie mitzuliefern. Besonders imelektronischen Musikbereich sind Geschichten wichtig. Techno kommuniziert als Musikrichtung in den seltensten Fällen eine Geschichte.

Medien brauchen Geschichten, um News zu generieren!
Darum muss der Musiker Geschichten schaffen. Skandale, außergewöhnliche Stellungnahmen und eigenwilliges Engagement produzieren News. Wie z.B. jüngst Richie Hawtin, der jetzt mit Bart in Berlin Mitte herumläuft und jedem erzählt, dass er bei Flügen freiwillig eine Öko-Pauschale bezahlt für die Emmissionen, die er mit verursacht (siehe De:bug PDF). Besonders Richie Hawtin und Sven Väth haben sich über die Jahre immer wieder ins Gespräch gebracht, indem sie ihren visuellen Stil geändert haben und versucht haben Geschichten zu produzieren. "Gudde Laune!" gehört hierbei zu den Klassikern, war aber so wohl nicht beabsichtigt.
Gewinnspiel: http://gewinnspiel.zettt.com
Download: http://toolz.zettt.com
Endlich habe ich ein paar Minuten diesen grossartigen Beitrag zu kommentieren.
Solche Vorschlaege wie hier, direkt vom "Netlabel-Guru" zu lesen ist mir natuerlich viel wert.
Natuerlich kann ich viele der von dir geschriebenen Kritikpunkte verstehen und ich haette die wohl noch einbauen koennen. Auf die Sache mit der Kurzinfo hatte ich ja prompt reagiert. (Das ist naemlich wirklich wichtig!)
Die Dateinamen hatte ich bei dem Arbeitsgang auch gleich umbenannt. Guter Tipp auch! Ich bin einfach viel zu iTunes-verwoehnt.
Gegen eine Preview per MP3 Player habe ich mich allerdings immer noch aktiv dagegen entschieden. Vielleicht baue ich das aber doch noch ein. Mal sehen.
Pingback: Eine fast perfekte Selbstpromotion | myoon
Ich fand den Beitrag sehr gut und habe etwas darüber auf unserem blog gepostet.
http://blog.myoon.com/2008/06/19/eine-fast-perfekte-selbstpromotion
@Zettt- weiter so!!!
hey jörn: danke, dass du auch einen artikel zu zettt schreibst. natürlich überspitzt du meine vorschläge ein wenig: ich habe ja nicht gemeint, man soll als musiker skandale anzetteln. natürlich sollte und ist die musik das wichtigste. trotzdem grenzt man sich mit geschichten besonders gut ab und bietet den medien einen zusätzlichen anreiz zu berichten. genau das hat zettt mit seiner aktion erreicht: er hat eine geschichte produziert, die lautet: musikproduzent bietet geschenke für den download und die internet-propaganda per blog-eintrag ;)
@mo Da habe ich ehrlich gesagt nicht gleich die Geschichte rausgelesen aber du hast recht. Muss ja nicht immer in einem Skandal ausarten. Mein Vorschlag war auch eher ironisch gemeint, obwohl ich glaube dass in einigen Fällen (3 tage wach) Gegenpositionen nicht nur News sondern auch mal wieder Diskussionen beleben können. Und das schafft Aufmerksamkeit.
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