Modernes Diashow-Format | Während in Amerika bereits seit längerem mit dem journalistischen Format der Audio-Slideshow experimentiert wird, nutzen auch deutsche Nachrichten-Website zunehmend das ästhetische, künstlerische und konzentriertere Format, um Geschichten und Nachrichten zu erzählen. Ähnlich einem Hörspiel kommen bei der Audio-Slideshow neben einem Sprecher auch Geräusche und Musik zum Einsatz. Das noch junge Reportage-Format stellt in meinen Augen für freie Musik jenseits von GEMA/Verwertungsgesellschaften eine luktrative Möglichkeit dar, Geld zu verdienen.
Als Vorreiter für Audio-Slideshows gelten sueddeutsche.de und faz.net. Eine Audio-Slideshow definiert Matthias Eberl in seinem Artikel "Moderne Diashow" im Magazin journalist 09/2088 wie folgt:
"Eine Audio-Slideshow läuft wie ein Video ab und kombiniert Fotos mit Geräuschen, Musik und Sprache bzw. Text. Sie gilt als die erste wirklich neue journalistische Darstellungsform für Reportagen im Internet."
Weiter berichtet Matthias Eberl, dass "Audio-Slideshows besonders eindrucksvoll seien, wenn persönliche Erlebnisse zu den Bildern erzählt werden." Während Videos darauf angewiesen sind, konstant einen Bildfluss zu erzeugen, können die vertonten Slideshows ruhiger Geschichten erzählen. Emotionale Themen vermitteln die Slideshows besonders dann, wenn Sprecher, Musik und Geräusche harmonieren. Denn der größte Unterschied liegt in der Wahrnehmung von Fotos im Vergleich zum Video. Schließlich nimmt der Betrachter ein Foto im Gegensatz zum Video eher als etwas Abgeschlossenes und Vergangenes wahr.
Im multimedialen Zeitalter des Internets verändern sich zunehmend die Ansprüche an journalistische Formate. Während die Musikindustrie und GEMA immer noch versucht den Deckel auf dem Pott der Musikverwertung zu halten, bieten neue Formate wie die Audio-Slideshow GEMA-freier Musik eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Schließlich benötigen die Internet-Portale stimmungsvolle Musik für diese moderne Form der Diashow. Ein finanzielles Hindernis dürfte aber GEMA-Musik sein, da sie eine kontinuierliche Vergütung verlangt.
Netlabels und Creative Commons-Musiker bietet sich hier meiner Meinung nach die Chance evtl. endlich an Geld heranzukommen. Freie Musik muss somit nicht per se gleich "ohne Verdienst und Honorar" bedeuten. Während man im Netz über das Vehikel Aufmerksamkeit neue Fans findet, kann man auf alternativen Wegen die eigene Musik für die Verwendung - hier in Slideshows - lizensieren.
Was derzeit noch fehlt ist eine Agentur, die sich als Kontaktstelle zwischen CC-Musikern und Interessenten einklinkt. Wie Ihr auch im kommenden Interview mit der BreiPott-Bar in Berlin lesen werdet, gestaltet sich die Lizensierung von freier Musik für kommerzielle Zwecke noch recht umständlich. Da Netlabels bzw. CC-Musiker keinen eigenen Dachverband haben, müssen die Interessenten immer individuelle Verträge abschließen. Auch ist die Suche nach guter, emotionaler und professionell produzierter Musik noch sehr umständlich.
Nichtsdestotrotz bieten sich in meinen Augen zunehmen Verdienstmöglichkeiten für CC-Musiker. Während die Fans kostenlos gefüttert werden, müssen die Verwerter - hier Internet-Zeitungen und News-Portale - zahlen.
Was denkt Ihr darüber?
Software für die Produktion: Soundslides
Audio-Show-Beispiel: Fiete Steger - "12 Stunden später"
Audio-Slideshow-Galerie: Reuters Agentur
Hallo Mo,
ein guter Gedanke! In der Tat habe ich viel Zeit und Mühe investiert, um für meine Audio-Slideshows Musik zu finden - GEMA ist zu teuer und zu kompliziert. Momentan gehe ich zu magnatune.com und lizensiere dort für ca. 5-10 Euro einen Song, z.B. für meine letzte Reportage über den Kino-Plakatmaler (auf meiner Seite unter Eigene Projekte). Bedarf ist sicherlich da und wir Journalisten würde gerne mehr Auswahl haben. Vor allem akkustische Musik wird gebraucht, die thematisch gut sortiert sein muss. Dabei braucht man manchmal eher auffällige Musik, die sehr charakteristisch ist, manchmal eher unauffällige "Dudel"-musik.
Zu den Verdienstmöglichkeiten: Ich zahle die Musik selbst und biete die Audio-Slideshow dann komplett dem Verlag an. Der zahlt meist einen sehr niedrigen dreistelligen Betrag für die komplette Reportage (denn pro Audio-Slideshow hat er auch nur einen Klick). Mehr als 5-10 Euro kann ich also nicht für eine Lizenz ausgeben. Diese muss außerdem unbefristet sein, da ich nicht vorhersagen kann, wie lange der Verlag die Reportage nutzt. Ob das für euch Musiker eine lukrative Verdienstmöglichkeit ist oder nicht, weiß ich nicht. Bei Magnatune bekommt ein Musiker immerhin die Hälfte davon, ohne sich um den Vertrieb zu kümmern.
hey matthias! danke, dass du uns einen einblick in deine arbeitsweise gegeben hast. natürlich sind die verdienstmöglichkeiten schon recht knapp bemessen und wie bei der recherche geht sicherlich einige zeit für die musiksuche drauf.
ein bisschen krass, finde ich schon die rechte, die sich die verlage/zeitungen einräumen. doch wenn das format verbreiteter ist, muss man eben dann auch die preise langsam hochschrauben. als journalist haben wir es nicht einfach.
Also ich finde das nicht krass mit den Rechten, das ist eher ein praktisches Problem. Darum ist die GEMA ja auch so kompliziert: Ich kann als freier Journalist weder die Reichweite noch die Dauer abschätzen, solche Einschränkungen führen nur dazu, dass ich gar keine Musik verwende, weil ich muss die Reportage auch loswerden. Bei Magnatune zahle ich nach Budget: Da muss ich der Redakteurin nicht noch eine Liste mitschicken, was sie alles damit anstellen darf und wie lange etc.
Selbstverständlich ist dagegen, dass die Musikrechte nur für EINE Reportage gekauft werden.
Wenn das Budget steigt, steigt bei Magnatune auch der Preis für die Lizenz. Das ist auch fair.
da hast du natürlich recht... viele musiker verdienen oft kein geld, weil die abrechnungsart einfach zu kompliziert ist, und der "kunde" dann das handtuch schmeisst.
bei den audio slideshows wird dann halt pro show gezahlt, egal wie oft die "gesendet" wird. das ist natürlich auch ein anderes modell als das der GEMA. auch ich als journalist ziehe natürlich das einfachere modell vor.
wie immer ist hier ein mittelweg wichtig, damit alle parteien gerecht etwas von dem kuchen abbekommen. generell sehe ich das ja auch definitiv als chance.
ich sehe für diese slideshows ehrlich gesagt weder finanziell noch hype-technisch große potentiale. in dieser sache steckt einfach nichts was ein youtube video nicht auch könnte.
bei youtube kümmert sich niemand ernsthaft um lizenzen, wieso soll hier nicht auch dasselbe sein? erst recht wenn man daran denkt, dass 99.9999999% der online journalisten sich ja selbst nicht mal mit ihrer arbeit finanzieren können. hier steckt einfach kein geld drin.
selbst das unterschreiben und versenden einer lizenzvereinbarung ist teurer als 5-10€ wenn man es realistisch betrachtet (miete, strom, computer, software, zeit & mühe, vor- und nachbereitung, rechtliche beratung, überwachung der lizenzvereinbarung, etc). und da ist der musikalische wert nicht einmal inbegriffen.
einfach die slideshow als video bei youtube hochladen, dann hat man ruhe vor der gema!
@fabien: "einfach die slideshow als video bei youtube hochladen, dann hat man ruhe vor der gema!"
das können privatleute vielleicht machen, aber nicht zeitungen. die kommen da in teufelsküche. natürlich ist 5-10 euro für die abrechnung wenig und eigentlich erst einmal lächerlich. aber man muss das abrechnungssystem automatisieren.
für die typo berlin habe ich dieses jahr cc-musik direkt von den musikern lizensiert und die haben 100€ bekommen... das ging direkt und hat sich für die musiker gelohnt. das waren ein paar emails mit daten und konto hin und her. fertig.
da ist schon geld drin. die bürokratie muss nur runtergeschraubt werden und automatisiert werden.
und online journalismus ist ein aufstrebender zweig, der komplex ist, viel abfordert. warte nur ab und sein nicht so ungeduldig. zeitungen haben es immer schwieriger und müssen sich neue formate ausdenken. online journalisten springen da in die lücke und können immer mehr geld verlangen. weil der markt wächst und die anforderungen.
Lese ich da so ein bisserl raus: "Zeitungen werden audiovisuell"?
@020200: nein, nicht zeitungen... internet-websites von zeitungen (spiegel.de, faz.net und so...)