Digitale Freiheiten | Ein faszinierender Fakt von Digitalität plus Internet ist die Tatsache, dass der Besitz von Kultur an Irrelevanz zunimmt je weiter das Datenmeer sich zu einem Ozean ausbreitet. In einer Zeit in der die Kopie von Musik, Text, Bild oder Video immer das Original ist und in einer Welt, in welcher ein weltweiter Datenozean immer breiter und tiefer wird, muss Kultur nicht mehr auf dem eigenen Rechner gespeichert werden. Schließlich findet man Musik, Texte, Bilder und Videos immer und überall im Internet.
Die Journalistin und Buchautorin Kathrin Passig bewies diese Tatsache schon vor einiger Zeit, als sie - ungefährer Wortlaut - erst Ihre CDs digitalisierte und verschenkte, um im letzten konsequenten Schritt schließlich die digitalen Kopien auf ihrer Festplatte zu löschen. Schließlich, so meinte sie, gäbe es last.fm, wo sie sämtliche Musik (wieder)finden und hören würde.
Gerade eben habe ich für diese These wieder einen weiteren Baustein bei Heise gelesen, dass ein Service namens "Sonos sein Angebot digitaler Musikdienste um die Social-Networking-Site für Musikliebhaber erweitert." Der ZonePlayer von Sonos kann auch Streams aus dem Internet abspielen sofern der Player per Ethernet mit einem Router verbunden ist. Dann spielt der Player auch Last.fm-Musik ab. Der Besitz von Musik wird somit noch ein wenig (über)flüssiger.
In ein paar Jahren werden Jugendliche wohl nur noch über alte Käuze den Kopf schütteln, wenn die ihnen von der Vinyl-Sammlung erzählen und wie wichtig es für sie sei einen Tonträger in der Hand zu halten.
ich bin nach wie vor froh, nicht immer für alles meinen rechner benutzen zu müssen und steh auf cover-artworks und so ... aber ich werd wohl auch einfach alt ... :(
ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob wirklich alles, was ich so an musik auf platte und cd habe, wirklich jetzt schon frei zum streamen oder überhaupt irgendwann im netz sein wird. und wenn ja, dann aber bestimmt nicht alles auf last.fm oder so, für mich kommt so ein rein-internet-abhängiger schritt jedenfalls nich in frage, wird auch bestimmt noch lange so bleiben - aber da is ja auch jeder jeck anders, wie´s hier so schön heisst.
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die frage ist eher wieviel abhängigkeit und die damit verbundenen überwachungs- und bevormundungsprobleme jeder einzelne akzeptieren will.
ich jedenfalls nicht viel. lieber habe ich die volle kontrolle und mache meinen musikgenuss nicht von empfindlichen technik-ketten abhängig (audio software, browser, OS, computer, dsl anschluss, telekomnetz, provider, musikserviceanbieter, etc.). dazu sind monopolistische strukturen in diesem bereich vorprogrammiert - und zwar in einem wesentlich stärkerem ausmaß als unsere so stark verhasste (ex-)musikindustrie. bevormundung und "userlenkung" ist garantiert.
lieber die CD in den CD player und fertig. dazu brauche ich nur strom und keine verträge/abos mit dutzenden firmen schliessen (software, provider, computer, audio-service), bis ich etwas hören kann. das ist wesentlich günstiger.
leider wird es genau so kommen wie du es beschreibst, mo. ich hoffe nur, dass die diktatur des users nicht auch alle unabhängigen, einfachen alternativen dabei vernichten bzw verdrängen wird(CD vertrieb z.b.).
aber naja, bin vermutlich auch langsam zu alt...
...wie auch immer, in letzten ausbaustufe ist musik dann gar kein produkt mehr: jeder musiziert selbst und summt vor sich hin.
"...wie auch immer, in letzten ausbaustufe ist musik dann gar kein produkt mehr: jeder musiziert selbst und summt vor sich hin."
*hehehe* diese stufe gibt es eigentlich auch schon. musik-software für apples iphone namens RJDJ http://rjdj.me/ reagiert auf die umgebung und dudelt permanent vor sich hin. die "songs" generieren sich selbst und reagieren auf schütteln, integriertem iphone-mikrofon und getatsche auf dem bildschirm vom user.
aber, um dich zu trösten. es wird immer gute und qualitativ hochwertige musik geben und spätestens wenn in 30 jahren zahlreiche copyrights von legendären jazz-platten auslaufen, haben wir so viel superbe musik UMSONST, dass wir bedeckt sind bis über alle ohren für immer und ewig. DAS wird dann sicherlich noch einmal richtig spannend. dann wird auch hiphop wieder spannend, weil man jazz ohne den ganzen copyright-gedöns samplen kann, und dann mache ich auch wieder musik :)
Also für mich ist es wichtig, einen Tonträger in der Hand zu halten... ;)
Ach die Jugend wird in 10 Jahren einen DJ mit Vinyl noch viel geiler finden als heute. Ich glaube nicht, dass an der Faszination etwas verloren geht, nur der Wunsch es selbst zu besitzen, der geht hinfort... Für die meisten meiner Freunde sind Videos das was gekauft wird und Musik ist die Ramschware, die man sich zusammenhäuft.
Ansonsten ist das was man zahlt für Erlebnisse: das Konzert (und dort wird doch mal eine CD gekauft). Anscheinend ist eine DVD mehr Erlebnis als eine CD, nunja gilt für mich nicht :)
Einstweilen liebe Grüße
ach wat iss dat traurig. dieser thread depremiert mich. mo schreib schnell was neues damit das ding wenigstens nicht mehr ganz oben steht!
können die jugendlichen denn echt nix mehr mit physikalischen tonträgern anfangen? wer meine reviews drüben bei http://www.phlow-magazine.com liest wird schnell merken dass ich sehr viel netaudio music konsumiere. MP3, ihr wisst schon. trotzdem freue ich mich jedesmal, zu hause ausschließlich vinyl aufzulegen. der computer macht im trauten heim nur windows geräusche. das schwere plastik, der geruch, GERADE das umständliche macht die plattensammlung doch liebenswert. was interessiert mich die komplette sonic youth diskographie (inc. b-seiten kompilationen, live bootlegs und geheimer demos) wenn ich die vier besten alben als erstpressung besitze? für den mobilen genuss finde ich es ja super wenn die plattenfirmen dem vinyl downloads coupons beilegen, aber 10€ NUR DAFÜR ausgeben? strange.
und DVDs, ja klar, cool und so, aber wenn musik höre arbeite ich dabei und will keine bilder sehen... mit DVDs werden ganz andere bedürfnisse befriedigt bzw. märkte bedient. im zuge einer entwicklung hin zu einer reinen virtualität von musik weine ich selbst der CD ein tränchen hinterher... ach wat iss dat traurig!
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