Kategorie: Netzkultur
Schau’ma in die Butze Kleines, und hörzu!

Netlabel-Portrait | Das Internet ist ein wunderbarer Spielplatz auf dem man sich austoben kann. Während unsere Väter früher alleine oder mit einer handvoll Freunden in ihrer Werkstatt, im Arbeitszimmer oder im Hof ihrem Hobby gefröhnt haben, so werkeln viele von uns heute in aller Öffentlichkeit - im Netz. Auch Sven Swift und Sim Sullen entdeckten das Internet für sich als hervorragender Ort für ihre Liebe zur Musik und dem Wagnis von Experimenten jenseits des Mainstreams. Ein Portrait und Glückwunsch zur 50. Musikveröffentlichung!
Sven Swift und Sim Sullen sind zwei richtige Kumpels. Sie kommen aus dem Ruhrpott und kennen sich seit ihrer Schulzeit. Während Simon als Fotograf oder Nachtportier arbeitet, experimentiert Sven im Labor als Biologe. In ihrer Freizeit stiefeln die Beiden nicht in den Keller zu Ihrer Merklin-Eisenbahn, sondern “glotzen in die Butze”, wie eine Freundin von mir unlängst den Computermonitor ihres Freundes taufte.
Seit 2004 koordinieren die beiden von ihrer Butze aus mittlerweile ihr Indie-Label namens 12rec.net. Unter dem Slogan “Postrock, Glitchpop, Future Rap” veröffentlichen Simon und Sven den Sound, den sie selbst so lieben und überraschen Freunde der freien Kultur ein ums andere Mal.
Für Freunde von eindeutigen Kategorien und einem eigenen Labelsound wirkt das Konglomerat aus internationalen Künstlern erst einmal arg verstörend. Denn von deutschem Hip Hop von Sichtbeton über Electronica von muhr bis hin zu ambient-experimentellen Klängen von Herzog gibt es verschiedenste Musikstile auf die Ohren. Dafür jedoch veröffentlicht das Netlabel ihre Sounds unter einer Creative Commons-Lizenz, die einlädt, die Musik frei herunterzuladen und an Freunde weiterzureichen.
Virtuelle Musik auch zum Anfassen

Selbstironische Netlabel-Gauchos mit Humor - Sven Swift und Sim Sullen
Das charmante Ruhrpott-Duo wäre aber kein Liebhaber-Duo, wenn Sie nicht auch Musik zum Anfassen veröffentlichen wollen. Als Ästheten und Kunstliebhaber veröffentlicht 12rec obendrein zu jeder Musikveröffentlichung eine limitierte Auflage von selbstgebrannten CDs. Anstelle diese jedoch schmucklos in ein Jewel-Case zu stecken, präpariert Sven lieber sein Werkzeugset und gestaltet, schneidet und klebt wunderschöne Cover im Eigenheim zusammen (siehe Video).
Mit viel Herz, Seele und einer ordentlichen Portion DIY-Philosophie ausgestattet basteln die Beiden nunmehr seit mehr als fünf Jahren an ihrem Label-Kosmos. Ganz unter dem Radar mauserte sich 12rec in den letzten Jahren innerhalb der weltweiten Netlabel-Szene zu einer stetigen Konstante, die vielen ein Vorbild und ein Platz für kontinuierliche Besuche geworden ist. Während hölzerne Musikmagazine - ausgenommen Intro - 12rec immer noch mit Ignoranz strafen, umarmen Musikblogs und Radioprogramme wie Byte.fm gerne das charmante Duo.
Auch wir möchten den Beiden an dieser stelle herzlichst gratulieren, schließlich veröffentlichten Sven und Simon jüngst die wunderbare 50. Musikveröffentlichung. Und weil es sich gemeinsam am besten feiern lässt, versammelten die Kumpels in den letzten Monaten abends ihre Musiker vor der Butze und koordinierten ihre Compilation, die sie augenzwinkernd “So Much Achieved. So Much Left To Do.” benannten.
Herausgekommen ist ein verwuscheltes Kleinod mit furiosen Postrock-Haaren, surrealistischem Electronica-Grinsen und einem wohlgeformten ambientem Körper samt dicken Hip Hop-Waden. Wer den ausgerollten Musikkuchen nicht probiert, ist selbst schuld!
Links und so…
Netlabel-Website: 12rec.net
Compilation-Download: “So Much Achieved. So Much Left To Do.”
Interview mit 12rec: 12rec Netlabel: So much achieved. So much left to do!
Dieser Artikel wurde am 30.Juli 2008 von mo. geschrieben.
mo. ist Journalist, Buchautor und Webdesigner. Neben dem deutschen Phlow-Magazin betreut er auch die englische Edition unter Phlow-Magazine.com. Der Musikliebhaber lebt und liebt (in) Köln. Noch mehr Artikel von mo..
Immer auf dem Laufenden mit dem ungekürzten RSS-Feed von Phlow! Freie MP3-Musik aus der globalen Netlabel-Szene liefert unser Phlow-Magazine-Podcast kostenlos!











6 Kommentare bis jetzt...
ergreifend auch das hier:
http://metawelle.net/2008/07/30/eine-lobhudelei
so vieles danke!
meint sven swift am 31. Jul 2008 um 14:41 | Commentlink #1
…und ich dachte ‘ne butze wäre ‘ne wohnung!
meint Stefan am 2. Aug 2008 um 18:58 | Commentlink #2
wieder mal schön zu sehen, wie sich die deutsche netlabelszene im kreis dreht und kontinuierlich selbst bespiegelt [schöne grüße auch an die "metawelle"] als gäbe es gar keinen tellerrand…
so “ganz unter dem Radar” stehen 12rec als mitarbeiter von phlow [hi betty!] wohl mittlerweile nicht mehr, oder?
mit bestem gruß in die narzißtische redaktionsrunde,
karl
meint karl am 5. Aug 2008 um 13:48 | Commentlink #3
du kannst dir nicht vorstellen wie viel häme ich für die fotos einstecken musste… als wäre das leben nicht so schon schwer genug! ;)
dabei ist der diffizile humor dieser quasi-pantomimischen darstellung der nicknames doch mit einigem guten willen erkennbar… oder auch nicht… jedenfalls unterstreicht es deine these der selbstironischen hallodris sehr gut.
man hat es nicht leicht als feingeist in der medienhölle ;)
meint SimSullen am 6. Aug 2008 um 14:07 | Commentlink #4
hey karl, sollen wir die gleiche diskussion vom metawelle artikel jetzt nochmal von vorne führen? wie gesagt deine meinung und kritik in allen ehren. ich hab mir jedenfalls drüben mühe gegeben, meine sicht der dinge so gut wie möglich darzulegen…
meint SimSullen am 10. Aug 2008 um 15:10 | Commentlink #5
@karl: ist ja schon interessant, wie du deine kritik auf allen websites (phlow-magazine.com/phlow.net/metawelle.net) abgesetzt hast. zu deiner kritik.
1. musikjournalismus ist ein wort, dass sich selbst eliminiert, weil journalistische objektivität in bezug auf musik nicht funktioniert. darum darf man als “musikjournalist” gerne lieblinge haben. das haben die “großen” hölzernen magazine auch. da gehen auch gerne mal venker/intro mit tocotronic ins bett. noch “schlimmer” ist die tatsache, dass die titelseite bei allen musikmagazinen gekauft ist. objektivität und musik? sehr sehr heikel…
2. klick doch mal auf diesen link, der durchsucht die ganze phlow-website:
http://www.google.de/search?q=site:phlow.net+12rec
dann wirst du feststellen, dass phlow erst EIN RELEASE von 12rec besprochen hat und das war vor drei jahren am 30.09.05.
3. in meinen augen ist 12rec neben aerotone, jahtari und einigen ganz wenigen anderen deutschen netlabels wirklich ein netlabel, dass außergewöhnlich ist und außergewöhnlich viel energie in die sache steckt. sie veröffentlichen nicht nur, sondern gehen finanzielle risiken ein und verzahnen sich mit der ganzen szene.
simon und sven engagieren sich in deutschland als netlabel am meisten. sie waren auf dem züricher netlabel festival, auf dem barcamp in pott, auf der netaudio london (dieses jahr wieder), auf zahlreichen cc-veranstaltungen und und und…
also: ehre wem ehre gebührt und wie du selbst auf http://metawelle.net/2008/07/30/eine-lobhudelei/ feststellst: die musik ist fast tiptop und die compilation ist in meinen augen das erste release, dass mich überzeugt. die anderen waren nicht so mein ding.
4. danke für dein feedback. und dass du dich der diskussion stellst. lobhudelei gibts wirklich zu viel in der musikszene…
meint mo. am 12. Aug 2008 um 13:02 | Commentlink #6
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