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Kampf den Aggregatoren

Gewinner im Internet | Ob Musiker, Filmemacher oder Schreiber, als Produzent von Inhalten hat man es zunehmend schwerer mit seiner Kunst Geld zu verdienen, sobald sie digitalisiert wurde. Von den Inhalten profitieren oft andere: Suchmaschinen und Aggregatoren. Diese Websites erfreuen sich großer Beliebtheit. Schließlich bündeln sie für ihre Besucher die Informationen und bieten zahlreiche hilfreiche Funktionen. Der Produzent geht oft leer aus, kann ohne sie jedoch nicht leben.

Als Aggregator bezeichnet man entweder Software-Programme (auch Feedreader oder News-Aggregator genannt) oder Dienstleister, die aus zahlreichen Quellen ein neues Angebot stricken. Bekannte Musik-Aggregatoren sind unter anderem Websites wie The Hype Machine oder Elbows . Diese Websites “bereichern” sich an anderen Websites und stellen die Inhalte neu zusammen. Für Nachrichten bieten zum Beispiel die beiden Services Yahoo! Nachrichten und Google News einen Überblick über mehr als 700 Nachrichtenquellen.

Dope-Dealer für Mediensüchtige

Die Ungerechtigkeit liegt klar vor Augen: Während die einen Inhalte mühsam erstellen, verstehen die anderen diese klar zu bündeln, aufzubereiten und für den Besucher nutzbar zu machen. Services wie RSS, Podcast, individualisierte Startseiten helfen dabei dem “User”, der anschließend abhängig wird. Schließlich hängen wir alle mehr oder weniger an unserem Info-Dealer Google, you know what I’m sayin?!?

Das wäre noch lange nicht ungerecht, wenn die Aggregatoren von ihren Werbeeinnahmen ein Honorar für die Inhalte durchreichen würden. Machen sie aber nicht und Giganten wie YouTube verstecken sich lieber hinter dem schwammigen Copyright Millenium Act (Wikipedia), anstelle Künstler und Produzenten für ihre genutzten Inhalten zu entlohnen. Oder hat jemand schon einmal gelesen, dass Google die Wikipedia freiwillig unterstützt. Nein, trotzdem bereichert sich die Datenkrake und spuckt bei Suchanfragen wie z.B. definiere CSS, direkt eine Definition der Wikipedia aus. Sie bereichert sich direkt und gezielt am Inhalt der Wikipedia. Ein Besuch der Enzyklopädie erübrigt sich dann. Schließlich hat das Orakel geantwortet.

Zwickmühle Aufmerksamkeit

Alles Jammern hilft natürlich nicht, weil der Endkonsument sich in der Regel über den Komfort freut - verständlich. Er spart Zeit und die Aggregatoren drücken ihm hilfreiche Werkzeuge in die Hand, die den Suchenden im Wust der Inhalte Orientierung bieten. Schließlich bin ich selbst Nutznießer solcher Services und freue mich über die Eleganz und Technik dahinter.

Trotzdem missbrauchen die findigen Aggregatoren oft ihre Macht der Aufmerksamkeit. Selbst riesige Konzerne, wie z.B. Universal sehen sich gezwungen Deals mit Aggregatoren einzutüten. Schließlich benötigt man Aufmerksamkeit, um seine Musiker und Filme zu promoten. Darum findet derzeit noch kein Weg an solchen Websites vorbei, es sei denn, man ist selbst ein Gigant.

Wirksam gegen solche Aggregatoren sind nur eigene Netzwerke, die vielleicht irgendwann eine neue Renaissance erleben oder die Aggregatoren werden endlich zur Kasse gebeten. Netzwerke, die es früher einmal über die Links-Webseite gab. Dieses Reptil vergangener Tage, wo man nach fünf Klicks fast am Ende des Internets angelangt war und neugierig auf die Link-Liste gespikt hat, lebt nur noch auf kleinen Websites weiter. Private Websites heißen heute Blogs und drücken kontinuierlich Beiträge in die Welt hinaus.

Trotzdem lassen sich solche Netzwerke wiederbeleben. Großartiges Beispiel für die Durchsetzungskraft ist ein weiteres Mal mein lebender Held der Selbstvermarktung: John Chow. John Chow lebt schon seit Monaten ohne Google. Seine Website sucht man vergeblich im Google-Index. Trotzdem lesen Tausende den Make-Money-Online-Blogger. Sie strömen über andere Websites auf sein Angebot. Die Formel für den Erfolg lautet: gute Beiträge, Vermarktung und gemeinsame Arbeit mit verwandten Bloggern.

Wenn die Aggregatoren zuschlagen - Ein hässliches Beispiel

In meinem Buch “Weblogs, Podcasting und Online Journalismus” empfehle ich jedem Podcaster, sich in den zahlreichen Podcast-Verzeichnissen anzumelden. Diese Podcast-Aggregatoren promoten jedoch nicht nur den jeweiligen Podcast, sondern greifen gleichzeitig auch deren RSS-Feed ab. Das hat zur Folge, dass die Textinhalte der RSS-Datei auch die Aggregatoren mit Inhalten füttert.

In den letzten Monaten bin ich beim Googlen desöfteren über meine eigenen Inhalte gestolpert. Anstelle jedoch einen Link in den Ergebnissen zu meinem eigenen Magazin zu entdecken, tauchten leider vermehrt die Aggregatoren auf und nicht das Original. Oder die Aggregatoren nahmen höhere Ränge bei den Suchwörtern ein - siehe Screenshot. Das hat mich dazu bewegt, meinen Podcast in den Podcast-Verzeichnissen abzumelden. Schließlich möchte ich, dass die Neugierigen auf meinen Websites auftauchen.

Natürlich schiebt das der Maximierung des Vertriebes einen Riegel vor und vielleicht hätte ich die Verzeichnisse bitten können lediglich die Headline anzuzeigen… Naja, vielleicht ein wenig voreilig. Wir werden sehen.

Phlow-Autor mo. Dieser Artikel wurde am 25.Juni 2008 von mo. geschrieben. mo. ist Journalist, Buchautor und Webdesigner. Neben dem deutschen Phlow-Magazin betreut er auch die englische Edition unter Phlow-Magazine.com. Der Musikliebhaber lebt und liebt (in) Köln. Noch mehr Artikel von mo..

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8 Kommentare bis jetzt...

  • 1 toxi // Jun 26, 2008 am 18:16

    Aggregatoren sind auch nur ein Resultat des Netzes, und bisher fehlen hauptsaechlich Regulationen und technische Lösungen (z.B. content brokers), die Lizenzen wie z.b. Creative Commons et al mehr beachten und durchsetzen. Die aktuelle Situation ist nur ein Zwischenstand auf dem Wege zum Semantic Web, dem “Web of Data”…

    Ausserdem, eine aehnliche Situation existiert seit langem in der Musikszene (speziell Dance/Techno): Dort sind es DJs, die als Aggregators funktionieren und finanziell meist besser bezahlt sind als die eigentlichen Producers…

  • 2 020200 // Jun 26, 2008 am 21:13

    Auf gewisse Weise führt mir dieser hervorragend geschriebene Artikel die Flüchtigkeit unser Kulturökonomie vor Augen. Denn Aufmerksamkeit als knappes gut gibt es ja schon länger. Damals zwar durch Gatekeeper, Leitmedien und Journalisten “geschützt” - aber wer es auf “Heavy Rotation” brachte, der war irgendwo “angekommen”.

    Das gibt es so einfach nicht mehr. Sebst Bohlen und co. scheuchen die “Popstars” einmal durch die Charts und dann wieder raus.

    Ich als Internetmensch bin ja völlig raus aus dieser Welt mit Radio, Fernsehen und so. Was ich immer wieder bedauern muss ist, dass die Inhalte so füchtig geworden sind. Artikel wie dieser hier ist schon bald von der Startseite weg, und neue Inhalte werden kommen. Musik gibt es massenhaft im Internet. Auch in Blogs ist das mit den Inhalten so.. Früher gab es “private” Homepages mit liebevoll gestalteten Inhalten. Heute muss man als Blogschreiber kontinuierlich produzieren, um überhaupt auf dem Radar zu bleiben. Als “User” gibt es kaum eine andere Möglichkeit, als ständig neues zu suchen, lesen, hören, runterladen, löschen. Reflexion ist zu einem Reflex geworden, oder kommt nur mir das so vor? Ich behaupte mal ganz dreist, dass es fast unmöglich geworden ist einen Klassiker hinzulegen, oder einen Hit zu landen.

  • 3 Trendschau // Jun 27, 2008 am 11:16

    Mir ist nach wie vor nicht klar, warum die Blogger ihre Inhalte nicht selbst in Form eines Webmagazins aggregieren und dann eben doch davon profitieren? Vorgemacht wird es z.B. von theissue.com. Die Ideale Lösung wäre m.E. ein Dienst wie feedly, der eine öffentlich zugängliche Webpage auswirft. Darüber könnten Blogger aus ihren Inhalten Webmagazine erstellen und dann von der geschalteten Werbung und den zusätzlichen Visits profitieren. Natürlich müsste das System so geschützt sein, dass Feeds nur mit Zustimmung der Autoren abonniert werden können, sodass das System nicht von SEOern zweckentfremdet werden kann. Werbe jetzt schon seit Wochen für so ein System, keinen Interessierts, alle kochen ihr eigenes Blogsüppchen, daher kein Mitleid von mir, wenn andere den Profit einsacken…

  • 4 mo. // Jun 28, 2008 am 10:45

    @Trendschau: vielen dank für deinen beitrag. ich werde mir mal in ruhe deine artikel durchlesen. die idee finde ich eigentlich gar nicht schlecht. so richtig gezielt habe ich darüber wie du noch nicht nachgedacht. das werde ich aber mal. danke für den input!

  • 5 Karl // Jun 28, 2008 am 19:17

    Boah mann diese kleine Schrift (insb. die Kommenentare) kann man nicht lesen, jedenfalls nicht lange. Mir tun echt die Augen weh. Ja ich kann mir die Schrift selbst vergrößern, ich weiß. Freundlicher wäre es allerdings, gleich eine lesbare Größe zu haben.

  • 6 fabien // Jun 29, 2008 am 00:55

    @Trendschau:

    deine idee ist reizvoll für isolierte blogger, doch ist das ergebnis allerdings auch für den user noch interessant?

    ich meine, wieso nicht gleich einfach ein magazin erstellen? so sparrt man sich die viele zeit mit technik- und organisationsproblemen (und das ist locker mal die hälfte der zeit) und könnte sich gleich voll auf ein packendes magazin konzentrieren. und das würde der user auch spüren.

    wie auch immer es gestaltet wird, eine finanzierung - ja selbst die alleinige abdeckung der reinen aufwandskosten für alle beteiligten - mit automatisierter werbung ist bei einem solchen nischenprodukt mehr als utopisch.

    man braucht schon mind. 2-3 duzend solcher ads-websites (z.b. fansites, pseudo feed magazine, porn thumb galleries, was auch immer) um etwa soviel einzunehmen wie ein typischer zeitarbeiter. abgesehen von ganz wenigen superstars, verdient in wirklichkeit kaum jemand geld damit.

    aus diesem grund vermeiden große netzmagazine in der regel google-ads (o.ä.) und vermarkten ihre werbefläche wesentlich näher am werbekunden (direkt oder per agentur). sonst würde es sich einfach nicht lohnen. dazu verbreiten google-ads einen gewissen schmuddel-charakter, versierte nutzer vermuten sofort B-content oder schlimmer, gar kein content.

    fazit meiner kritik: es ist die mühe nicht wert. lieber gleich ein magazin machen, mit echten redakteuren, die einem echten konzept folgen - dann kommen (und bleiben) auch echte user und danach womöglich auch echte werbekunden.

    aber lass dich nicht entmutigen oder beunruhigen, ich bin hier bereits als schwarzmaler bekannt. ;)

    @020200:

    “Ich behaupte mal ganz dreist, dass es fast unmöglich geworden ist einen Klassiker hinzulegen, oder einen Hit zu landen.”

    Ich denke es ist einfacher den je. einfach die kiste ausmachen und sich bei nächsten projekt mal so richtig zeit und mühe geben, auch wenns 20 jahre dauert. das ist alles.

    das wird sicher ein hit, alleine die irrsinnigen mühen, die sich heutzutage vor lauter künstlicher hektik keiner mehr macht werden aufsehen erregen. :)

  • 7 Trendschau // Jun 29, 2008 am 11:59

    @mo und @fabien
    Danke für das Feedback, ich wollte den Gedanken Anfang der Woche etwas ausführlicher in meinem Blog behandeln, daher nur kurz: Wie soll man für ein “echtes Magazin” denn die Redakteure begeistern? Denn was du über den Arbeitsaufwand und die Erfolgsaussichten sagst (@Fabien), gilt ja in noch größerem Ausmaß für originäre Webmags, die vor allem zusätzlichen Content brauchen. Warum also die Arbeit machen, wenn diverse Blogs bereits hochwertige Inhalte liefern? Und bei dem Verdienen ging es ja nicht um den Lebensunterhalt, sondern um die Optimierung seine Blogeinnahmen, das heißt bei gleicher Arbeit (etwas) mehr herausbekommen.

    Meine Idee war daher eher, eine Magazinoberfläche einzurichten (z.B. über Themes wie das “Bradford Magazin”) und den einzelnen Bloggern selbst die Kontrolle über die Inhalte zu geben, konkret:

    1. Das Magazin hat feste Rubriken (Reportagen, Trends, News etc.)
    2. Die Inhalte für die Rubriken werden über RSS aus den einzelnen Mitgliedsblogs gezogen
    3. Die Blogger notieren in IHREM Blogbeitrag über ein Codewort jeweils die Rubrik, in der ihr Beitrag erscheinen soll.
    4. Über Yahoo Pipes werden die RSS-Feeds zusammengeführt, nach den Rubriken/Codewörter neu sortiert und als RSS an das Magazin geschickt.
    5. Das Problem des duplicate content kann man wohl nur über die Streichung aus den Suchmaschinen lösen, das Mag muss also in erster Linie durch Verlinkung leben.

    Die Blogger können also ganz normal weiter bloggen und haben keine zusätzliche Arbeit, es gibt nicht einmal einen Magazinbetreuer, sondern alles wird extern gesteuert, was der Magazinleser allerdings kaum merken dürfte (und daher auch für den User interessant).

    Soweit die Idee, für mich ist nur das Problem der RSS-Integration noch nicht gelöst…

    Viele Grüße

  • 8 Trendschau // Jun 29, 2008 am 12:11

    Sorry, dass ich nochmal nachfunke, aber wenn es die Blogger selbst nicht machen, dann machen es halt Verlage, siehe z.B. die Zusammenführung von Wissenschaftsblogs beim Scilog-Projekt des Spektrum-Verlags: http://www.scilogs.de/ Also nochmal: Warum nicht selber machen? Und zum Thema Nischenprodukt: Was ist die kleinere Nische: ein Blog oder viele Blogs????

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