Kategorie: Netzkultur
Just Banks: Digitales Leben, swingende Beats und das Web
Interview mit Just Banks von Etage Noir | Nach Eigenversuchen mit seinem Netlabel Comatronic ist Joko13 aka Just Banks heute beim Label Etage Noir aus Österreich gelandet. Etage Noir selbst durchrüttelte jüngst der Wegbruch der eigenen Vertriebswege für die eigenen physikalischen Datenträger. Was bedeutet das für einen Künstler, der seiner ersten großen Veröffentlichung entgegenfiebert? Und warum veröffentlicht Just Banks, nachdem er mit viel Elan und Pioniertgeist ein Netlabel führte, auf alten ausgedienten Datenträgern wie einer CD? Welche Wege er mit seinem Debut-Album “Under The Influence” auf Etage Noir einschlägt, verrät er uns im Interview.
Prolog
“Under The Influence” von Just Banks spannt einen wunderbaren Bogen zwischen den Lagern Hip Hop, Downbeat und Pop. Neben zahlreichen instrumentalen Stücke versüßen dem Zuhörer auch Songs wie “Everything But Me” mit der wunderbaren Stimme von Laine den Tag. Das Album schafft elegant den Spagat zwischen den Genres. Digitalität verschmilzt mit analogen Instrumenten und klingt nie kühl, sondern warm, jazzy und melodiös. Klar hört man Just Banks Faible für Minimalismus und seine Liebe für Techno heraus, trotzdem dominieren gebrochene Beats, schön angedickt und druckvoll. Die intelligente und offenherzige Seite von Hip Hop. Sehr schönes Album in voller Länge.
Just Banks im Interview
Mit Comatronic hast Du vor ein paar Jahren engagiert ein Netlabel betrieben. Heute ist die Comatronic-Website ein Parkplatz mit Links gen Archive.org. Glücklicherweise stehen dort die Veröffentlichungen weiter zum Download bereit. Warum hast Du Comatronic aufgegeben? Hat sich das Prinzip Netlabel für Dich nicht mehr gelohnt, oder hat es sich je gelohnt?
Comatronic ist als Teil meiner Diplomarbeit für die Kunstuniversität Linz entstanden und war in erste Linie als Plattform für meine minimalen House- und Electronica-Produktionen gedacht. Nachdem sich mein musikalischer Schwerpunkt dann irgendwann zwischen 2005 und 2006 wieder in Richtung Hip Hop und Breaks verlagerte und leider auch keine ansprechenden Demos von anderen Künstlern mehr reinkamen, habe ich mich entschlossen, das Projekt vorübergehend auf Eis zu legen. Leider habe ich bis heute nicht die Zeit gefunden, eine “richtige” Website für die ja weiterhin erhältlichen Releases zu basteln.
Finanziell gesehen hat sich das Netlabel nie wirklich gelohnt. Die DJ- und Live-Bookings hätte ich in den meisten Fällen auch ohne Comatronic bekommen und die Merchandising-Einnahmen sowie die Lizenzierung meines Tracks “Salami Tactics” für die “Bits To Phono”-Compilation auf Mo´s Ferry Productions reichten gerade mal, um die Hosting-Kosten zu bezahlen.
Indirekt hat sich die Beschäftigung mit dem Prinzip Netlabel aber insofern gelohnt, als ich in der Zeit doch viel über Online Music Marketing und dergleichen gelernt habe. Auch die Kontakte, die ich Dank Comatronic knüpfen konnte, möchte ich auf keinen Fall missen.
Im zweiten Teil präsentieren wir das smoothe Just Banks Video zu “Bust a Move”…
Dieser Artikel wurde am 30.Mai 2008 von mo. geschrieben.
mo. ist Journalist, Buchautor und Webdesigner. Neben dem deutschen Phlow-Magazin betreut er auch die englische Edition unter Phlow-Magazine.com. Der Musikliebhaber lebt und liebt (in) Köln. Noch mehr Artikel von mo..
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