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Was entgegnet man jemandem, der meint: "Ist doch klasse, dass ich nur Werbung angezeigt bekomme, die zu mir passt?". Welche einfachen und schnell einleuchtenden Argumente präsentiert man jemandem, der meint er würde in der Masse der gesammelten Daten untergehen? Und was sagt man zu jemandem der meint: "Überwachung ist doch nicht schlimm. Schließlich tue ich nichts böses, dann kann mir auch nichts passieren!"
Ich halte diese Netzwerke auch nicht für sozial. Auf MySpace oder Facebook geht es ja nicht darum, Menschen eine Plattform zu bieten, sondern um rein kommerzielle Interessen.
padeluun in Zeit Internet Spezial, April 2008
Während meiner Kompaktseminare in Karslruhe streife ich jedes Mal das Thema Datenschutz. Spätestens dann, wenn ich auf Communities wie StudiVZ, Facebook und MySpace zu sprechen komme. Dann läuft der Rheinländer in mir auf Hochtouren, ich werde hitzig, streitsüchtig und zum Prediger für mehr Vorsicht.
Die Studenten sitzen dann oft verblüfft vor mir und antworten: "Aber das ist doch nicht schlimm. Werbung, die zu mir passt, finde ich gut." Das der Datenstriptease gefährlich ist, sehen sie nicht. Ihre Privatssphäre ist ihrer Meinung nach auch nicht gefährdet. Und Überwachung ist doch nur für diejenigen gefährlich, die böses tun. Als ich Ihnen dann Google Analytics vorführe, dass harmlose Daten wie Bildschirmauflösung, Referer, Herkunft und so ähnliches meiner Besucher auf Phlow zusammensucht, ahnen sie, dass das vielleicht doch nicht so toll ist.
Aber WLAN und Google Analytics hat man aber nicht jedes Mal an der Hand. Beim nächsten Mal möchte ich besser vorbereitet sein. Mit einleuchtenderen Argumenten für den Datenschutz, die die Studenten nachdenklich machen.
Welche Argumente und Beispiele könnten das denn sein?
Naja alles hat zwei Seiten. Mit 'nem Laptop man man jemanden auch feist vor den Kopp hauen. Es ist letztlich 'ne Frage der Vernunft und deswegen Datenschutz.
ja, natürlich. aber das problem ist ja, dass manche leute einfach kein problem sehen. vielleicht gibt es da ein paar einfache einleuchtende beispiele, warum man seine freiheit und seine privatssphäre verteidigen sollte.
vielen ist einfach nicht klar, wie "gefährlich" das sein kann. das man so schluddrig mit seinen daten umgeht.
Vielleicht hilft dir dies: http://www.daten-speicherung.de/index.php/faelle-von-datenmissbrauch-und-irrtuemern/
Und erinnere sie an die abgelehnten Bewerbungen wegen unschmeichelhafter Privatfotos im Netz...
Zwei Argumente, die schnell einleuchten, sind vielleicht:
1. Viele Arbeitgeber "googeln" Bewerber. Und das Internet vergisst so schnell nichts. Wer vor ein paar Jahren mal ein paar Spaßfotos von sich auf irgendeine Site gestellt hat, weil er es damals lustig fand, wie betrunken da alle waren, findet es vielleicht nicht so gut, wenn er beim Bewerbungsgespräch (falls er überhaupt noch eingeladen wird) zu seinem Alkoholkonsum befragt wird. Ähnliches gilt natürlich für Postings in Foren (z.B. politische Themen).
2. Dieses scheinbare Argument "Sollen sie mich doch überwachen, ich mache ja nichts Böses" ist zu kurz gedacht. Was heute noch legal ist, kann es morgen schon nicht mehr sein - man denke nur an das Rauchen in Kneipen. Oder an rauchende Schwangere - in den 50ern hat das noch niemanden interessiert, aber heute müsste sich jede Frau, die so etwas täte, auf sehr unangenehme Flames (besonders im real life ;-)) gefasst machen. Wäre das wohl auch nur ein bisschen anders, wenn ein Foto von ihr mit dickem Bauch und Fluppe im Mund irgendwo im Netz stehen würde, das vor langer, langer Zeit aufgenommen wurde, als das Ganze für alle noch total in Ordnung war?
Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen weiter. Wichtiges Thema, ich find's gut, dass du das in deinen Seminaren ansprichst.
aus einem schon etwas Artikel der Zeit:
"Studien haben ergeben, dass es eine enge Beziehung zwischen den Webseiten, die Menschen besuchen, und ihrem Persönlichkeitsprofil gebe. [...]In Zukunft werde es möglich sein, aus dem Surfverhalten Rückschlüsse auf den Beruf, das Ausbildungsniveau und die Region zu ziehen, in welcher der Anwender lebt [...] Wer beispielsweise in den neunziger Jahren häufig Rindfleisch im Sonderangebot gekauft habe, könne heute von einer günstigen Krankenversicherung abgelehnt werden, die das Risiko einer Creutzfeld-Jacob-Erkrankung des Antragstellers nicht eingehen wolle, erläutert Tangens an einem fiktiven Beispiel das mögliche Gefährdungspotenzial, das von einem übertriebenen Datensammeleifer ausgehe."
http://tinyurl.com/4wytw6
oder auch:
"Einer Deutschen wurde die Einreise in die USA verwehrt, wo sie ihren Verlobten besuchen wollte - zur Entscheidung des Grenzschutzes trugen Amazon-Daten bei"
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16039/1.html
@petrina: genau, das googlen von inhalten und personen ist krass. natürlich könnte man dem auch entgegensetzen, dass man einfach sagt: bei so einem arbeitgeber, der so prüde ist, will ich eben nicht arbeiten. aber wem fällt heutzutage so etwas schon leicht abzulehnen.
@swen: das verwundert mich nicht.
"In Zukunft werde es möglich sein, aus dem Surfverhalten Rückschlüsse auf den Beruf, das Ausbildungsniveau und die Region zu ziehen, in welcher der Anwender lebt"
schon alleine die IP-Adressen verraten den Standort des jeweiligen Nutzers.
besonders im umfeld der versicherungen sehe ich da einiges diskriminierungsmaterial. schließlich wollen versicherungen so profitorientiert wie möglich arbeiten.
danke für die wertvollen links!
@anonymous: KLASSE, so eine liste habe ich gebraucht. tolle beispiele, die einem genügend futter für eine gewiefte argumentationslinie geben. DANKE!
@mo: Oh, gerade die Google-Geschichte ist für mich kein Argument, sondern eine offene Frage, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen.
Angeführt habe ich diesen Punkt trotzdem deswegen, weil er meiner Erfahrung nach das einzige ist, auf das viele Leute überhaupt reagieren, wenn es um Datenschutzfragen geht. Und man kann damit durchaus auch vor Augen führen, dass Datensammlungen erstens keinen Raum für persönliche Entwicklung geben (was du vor zehn Jahren mal gemacht hast, spielt immer noch eine Rolle, ganz egal, wie sehr du dich inzwischen verändert hast) und zweitens (auch wenn das in diesem Fall ein schiefes Bsp ist, da soll mal der Zweck die Mittel heiligen), dass von der Zugänglichkeit der Daten eher die Mächtigen und seltener die normalen Leute profitieren.
Was nun die Prüderie angeht, sage ich mal ketzerisch: Wenn sich jemand bei einer bekannten Autofirma bewirbt, zeigt er mit entsprechenden Privatfotos doch die passenden Qualitäten für das höhere Management - weil er den offenbar obligatorischen Besäufnissen im Puff mithalten könnte ;-)
In diesem Video kommt noch ein wichtiges Argument vor:
http://www.youtube.com/watch?v=Diq6TAtSECg
Gewisse Grundrechte, die für Demokratie wichtig sind, werden nicht mehr so ausgelebt wie es sein sollte, wenn man keine Privatsphäre und Anonymität mehr hat.
Hoffentlich noch nicht zu spät? ^^
http://www.daten-speicherung.de/index.php/ueberwachung-fragen-und-antworten/#.E2.80.9EIch_habe_nichts_zu_verbergen..E2.80.9C