Ende letzten Jahres erschien hier bereits eine kleine Einführung in die Webtechnologie RSS von unserem Autor Moritz Sauer, die damals ebenfalls in der De:Bug publiziert wurde. Seitdem ist der Bekanntheitsgrad der Technologie spürbar gestiegen, was natürlich auch für den Early Adopter von Vorteil ist.Text: Stefan Schmidt
Wofür steht denn jetzt erstmal dieses geekige Buchstabenkürzel RSS ? Ganz einig ist man sich da nicht, aber am verständlichsten dürfte wohl noch die Aufschlüsselung in "Rich Site Summary" sein. Man braucht sich nur eine umfangreichere Website mit manigfaltigen Inhalten vorzustellen und der Versuch in Mitten diesem Wust von Informationen nach Neuigkeiten zu suchen. Klingt nicht wirklich attraktiv? Mindestens genauso unschön ist es, täglich mehr als ein Dutzend Weblogs manuell auf Aktualisierungen zu überprüfen und gerade bei denen, wo man sich am meisten über ein neues Posting gefreut hätte, dann meistens doch wieder nur das Posting von vor einer Woche zu erblicken [1].
Natürlich gibt es auch einige Seiten wie etwa Heise.de oder Spiegel.de, die einfach derart häufig aktualisiert werden, dass man quasi immer etwas neues entdeckt. Aber wer regelmäßig eine Vielzahl von Webseiten besucht um nachzuschauen "ob es da etwas neues gibt", für den ist ein RSS-Client einfach das Mittel der Wahl um diesen Vorgang so angenehm wie eben möglich zu gestalten. Mithilfe dieser Programme kann man auf die RSS-Feeds der Webseiten zugreifen, in denen die begehrten Informationen über die Aktualisierungen enthalten sind.

Es gibt zwar einige unterschiedliche Versionen des RSS-Formates [2], aber mit einem guten RSS-Client bekommt man davon im Regelfall gar nichts mit, da diese üblichweise sämtliche Formate verarbeiten können, egal ob es sich jetzt um RSS 1.0, RSS 2.0 oder Atom handelt.
Mac
Shrook
Pulp Fiction
NetNewsWire
Linux
Newsmonster
Windows
Newzcrawler
Plattform-übergreifend
Firefox-Plugin Sage (zum Phlow-Artikel)
Sobald man einen RSS-Client auf seinem System installiert hat braucht man nur noch ein paar Adressen von interessanten RSS-Feeds und der Spaß kann losgehen.

Den Verweis auf RSS-Feeds findet man bei Weblogs üblicherweise in prominenter Position auf der Startseite mitunter als kleinen orangefarbenen Button mit der Aufschrift XML oder eben RSS. Bei größeren Nachrichtenseiten befindet sich der Verweis leider meistens ein wenig versteckt in der Fußzeile, das dürfte sich aber in naher Zukunft ändern.
Um nun die News im RSS Client angezeigt zu bekommen, reicht es aus einfach jeweils die Adresse in die Zwischenablage kopieren und als neuen "Channel" im RSS-Client zu abonnieren. Jeder Webseite entspricht vereinfacht gesagt ein RSS-Feed, wobei es bei größeren Webseiten üblicherweise noch verschiedene Kategorien oder gar personalisierte Feeds gibt, wie etwa die Neuerscheinungen des iTunes Music Stores.
Sobald man dann seine Channels alle beisammen hat, kann der Spaß beginnen. Einfach ein Update der Channels auslösen und schon legt der RSS-Client los und überprüft die abonnierten Webseiten auf Aktualisierungen. In der Anzeige des RSS-Clients kann der Benutzer nun auf einen Blick erkennen auf welchen Seiten neue Inhalte verfügbar sind.
2) Über ein RSS-Verzeichnis im Internet
Ebenso wie für Websites gibt es auch für RSS-Feeds Kataloge und Suchmaschinen. Im deutschsprachigen Raum stehen hier der RSS Scout, das RSS Verzeichnis und XMLFeeds.de zur Verfügung.
Im internationalen Raum gibt es die Monster-Kataloge Syndic8 und newsisfree.com. Wissenschaftsfeeds finden sich in deutscher Sprache und englischer Sprache auf scienceport.org.
3) Aus dem integrierten Channel Guide
Bei vielen Programmen gibt es bereits einen kleinen Fundus von vordefinierten Feeds. Die sind auf jeden Fall schon einmal ganz brauchbar um den Feedreader zu testen. Um Feeds zu finden, die einen wirklich interessieren, muss man aber nach wie vor selbst auf die Pirsch gehen.

Wenn also in drei Wochen der Autor der Website einen neuen Eintrag verfaßt, dann wird dieser automatisch als "News-Item" im Client angezeigt.
Die Ausführlichkeit der RSS-Feeds varriiert je nach Website-Anbieter. Bei werbefinanzierten Webangeboten von etablierten Printmedien finden sich vornehmlich Zusammenfaßungen oder kurze Anriße wo hingegen bei Weblogs und Webzines die Artikel oftmals auch im Volltext vorliegen. Natürlich wäre es wünschenswert auch die großen Tageszeitungen im Volltext ohne Werbung lesen zu können, aber wer klickt dann noch auf die blinkenden Werbebanner?
Im allgemeinen stellt sich die Frage wie ein RSS-Feed idealerweise für den Leser aufgebaut sein sollte [3]. Die Geschwindigkeit des Seitenaufbaus ist sicherlich dabei ein zentrales Beurteilungskriterium, aber auch die Textlänge und das Layout spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Es geht zwar beispielsweise auf der einen Seite emotionale Information verloren durch den nackten Volltext ohne Layout (Bilder sind möglich), aber ein einheitliches Layout beim Lesen von Nachrichten kann für den Leser auch eine spürbare optische Entlastung bedeuten.
Unter dem Titel "Share your OPML" bietet Dave Winer auf seiner Website einige interessante Dienste an. Dort geht es unter anderem um Fragen wie "Welche Feeds haben die meisten Abonnenten?", "Wieviele Leute haben meinen Feed abonniert ?", "Wer hat meinen Feed abonniert ?" oder "Wer hat ähnliche Channels wie ich und welche sind das ?". Momentan gibt es zwar erst ein paar Dutzend Leute aus dem deutschprachigen Raum, aber sobald die Datenbasis ein wenig größer ist, dürften der Nutzwert der angebotenen Dienste stark ansteigen.
Interessant ist auch in diesem Zusammenhang welchen Informationswert eine Liste aller abonnierten Feeds hat in Bezug auf den Abonnenten. Wenn jemand eine nennenswerte Anzahl an spezielleren Channels in seinem RSS-Client hat und diese auch größtenteils regelmäßig liest oder zumindest überfliegt, dann dürfte man anhand der OPML-Datei eigentlich recht viel über den Menschen erfahren, überspitzt formuliert "Zeig mir deine OPML und ich sage Dir, was für ein Mensch Du bist".
Auf der Ebene der einzelnen Nachrichtenmeldungen wäre auch eine statistische Berechnung von relevanten Newsitems interessant. Ausgehend von einer Menge von Newsitems, welche der Benutzer bereits gelesen und nach einem Punktesystem bewertet hat, könnte der RSS-Client im Laufe der Zeit das Interessenprofil des Benutzers erlernen und ihm persönliche Vorschläge im Nachrichtenberg unterbreiten.
Die Motivationen um einen Feed zu abonnieren sind sicher genauso vielfältigt, wie bei allen anderen Medien auch. Sei es nun das Bedürfnis "up to date" zu bleiben, eine kurze Unterhaltung für Zwischendurch, Inspiration für Arbeit oder Freizeit, Weiterbildung, Selbstreflexion oder auch einfach persönliche Sympathie für den Anbieter eines RSS-Feeds. Auch spielt das Sparen von Zeit eine Rolle bei News-Freaks, da die Seiten nicht alle einzeln abgesurft werden müssen.
Zum Frühstückstee oder den Snack zwischendurch eignen sich wohl eher kurze News-Häppchen und keine Texte die dazu neigen einen gedanklich und emotional zu sehr zu fordern. Eine Sortierung der Channels nach Tiefgang, Länge und Linkdichte der Newsitems kann sich hierbei also als nützlich erweisen.
In vielen RSS-Clients besteht neben dem Konsum von Neuigkeiten zusätzlich die Möglichkeit interessante Newsitems auf komfortable Art und Weise an andere Personen weiterzureichen. Dies kann etwa durch eine automatisch generierte E-Mail mit dem Link des Items geschehen oder gar durch das Verfassen eines eigenen Postings im eigenen Weblog als direkte Reaktion auf die gerade entdeckte Nachricht. Die Selbstreferenzialität des Internets sollte also durch RSS-Clients nicht gerade abnehmen.
Wie aber auch bei anderen Webtechnologien der 90er Jahre dürften RSS-Feeds vermutlich eines griffigeren Namens bedürfen, um sich bei der Allgemeinheit zu etablieren. Technische Buchstabenkürzel sind nunmal für den Normalmenschen nicht wirklich funky bzw. erklären sich selbst. Wohl jeder Internetnutzer kennt die Begriffe Internetadresse, Webadresse oder Link aber nur wenige dürften wohl mit dem Begriff URL (Universal Ressource Locator) etwas anfangen können.
Ein recht intuitiver Vorschlag für die Namensgebung lautet Webfeeds, welcher aber wohl erst in den meinungsführenden englischsprachigen Magazinen verwendet werden müßte, damit er sich dann im allgemeinen Sprachgebrauch etablieren kann [5].
Weiterhin wird es wohl einer direkten Integration in die Standard-Browser der kommerziellen Betriebssysteme (Internet Explorer, Safari) bedürfen um die Hemmschwelle auf genügend geringes Niveau zu senken. Wie so etwas konkret aussehen könnte, kann man sich bei Apple's Vorschau zu ihrem neuen Browser anschauen.
Der Open Source Browser Firefox bietet dem Surfer schon jetzt eine integrierten rudimentäre Funktion, um auf den Inhalt von RSS-Feeds zuzugreifen. Erst wenn das abonnieren eines RSS-Feeds so einfach ist wie das Klicken auf einen Link dürfte die Technologie wirklich massentauglich sein.
[1] Für dieses Problem gibt es sicherlich schon seit geraumer Zeit eine Vielzahl an Behelfslösungen, von denen aber keine je so richtig überzeugen konnte.
[2] http://www.xml.com/lpt/a/2002/12/18/dive-into-xml.html
http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss
http://blogs.law.harvard.edu/tech/rssVersionHistory
http://goatee.net/2003/rss-history.html
[3] http://inessential.com/?comments=1&postid=2637
http://stevenf.com/mt/archives/000437.php
[4] http://feeds.scripting.com/whatIsOpml
http://feeds.scripting.com/rankings
[5] http://blog.contentious.com/archives/000167.html
http://blog.contentious.com/archives/000180.html
Kennste RSS? Nein? Dann informier Dich! Ansonsten abonnier den Phlow RSS-Feed, der mittlerweile von mehr als 7000 Lesern gelesen wird.
meint: Dirk am 01.11.04Über Mo/Phlow bin ich erst auf RSS gestossen und jetzt sind wir drauf und dran RSS zur Newsverteilung in der Firma einzusetzt (immerhin 4500 User im Intranet). Bisher Tickert kommerzielle Software den Usern die News in die Taskleiste aber bis das Tool gestartet ist, die Logonprozedur abgeschlossen ist und die Kanäle abboniert sind vergehen Ewigkeiten. Zudem kostet proprietärer Mist immer tausende von Euros monatlich...
Will nur sagen, auch im kommerziellen Umfeld kann billiges auch gut sein und es ist ein harter Kampf den Leuten das klar zu mchen.
meint: manuel am 01.11.04hat das einen grund, daß man in deinem privaten weblog keine kommentare posten kann oder ist es ein bug?
jedenfalls habe ich diesen artikel hier mit etwas unmut vernommen... ich hoffe, du weißt warum...btw: der mac-feedreader "newsfire" (www.newsfirerss.com) wird übrigens noch hoch gehandelt als programm der zukunft. zukunftsweisende gui, aqber bislang kommt mir vom handling her nix an netnewswire-lite vorbei...
meint: stefan am 01.11.04@manuel: kommentare sind wieder aktiviert, war ein bug wegen commentspam. den unmut kann ich nur teilweise nachvollziehen, da mein veröffentlichungsverhalten im einklang mit meinen vorherigen aussagen steht.
meint: screne am 01.11.04RSS ist klasse, nutze es selbst jeden Tag. Aber Mainstream wird RSS m.E. nicht. Dem gemeinen Computernutzer ist es oft schon nicht zuzumuten, bloss eine URL ("was?") in den Browser ("Was ist denn ein Browser?") einzugeben. Die Leute sind dann erstmal froh, bei Ebay ihren Muell verkaufen zu koennen und das wars dann erstmal wieder mit dem Internet....
meint: 020200 am 02.11.04Dirk: "Will nur sagen, auch im kommerziellen Umfeld kann billiges auch gut sein und es ist ein harter Kampf den Leuten das klar zu machen."
Ich glaube das Zauberwort der Stunde ist "leigtweight". Kleine Dateigrößen, kostenlos oder fair.
meint: Tadeusz Szewczyk am 04.11.04Ich habe ein technisches Problem mit RSS.
Sobald der Feed valides XML ist, wird er in Newsreadern als reiner Textwust dargestellt ohne Textauszeichnung, Absätzen, Links und Bildern. Will man diese drin haben, meldet sich ein XML-Parser Fehler. Geht es Anderen auch so?
Gibt es eine Möglichkeit einen RSS-Feed gleichzeitig konform und mit HTML für die Darstellung im Reader bereitzustellen? So a la CData wie in Flash?
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