Read/Write-Web: Textverarbeitung für ambitionierte Schreiber

Rubrik » Web Design Technik

Wer gerne schreibt, der ist im Read/Write-Web herzlichst willkommen. Ob Journalist, Hobby-Autor oder Schreiber-Frei-Schnauze, das Web ist die Plattform für eigene Gedanken in Buchstabenform. Aber welche Programme und Plattformen gibt es? Welche wählt man? Und wie funktioniert das gesamte Zwischenspiel mit dem Netz? Schauen wir uns mal um!

Text: mo.

Ehrgeizige, die gerne und viel schreiben, dürsten gerade dazu ihre Buchstabensammlungen auf die Welt loszulassen, wenn sie nicht gerade Franz Kafka heißen. Oft fragt man sich dabei, welches Werkzeug wohl das Beste ist. Noch fehlt die perfekte Schnittstelle zwischen Texten auf der eigenen Festplatte und den eigenen Publikationen im Web. Zwar bedeutet dies eigentlich nur einen klitzekleinen Spalt zu tolerieren, der entpuppt sich aber als immens unnötig. Schließlich bleibt am Ende immer ein nerviges Copy & Paste übrig. Schreibe ich auf meinem Rechner in einer Textverarbeitung, muss ich anschließend den Text in mein Weblog oder in meinen HTML-Editor kopieren, um ihn im Netz veröffentlichen zu können. Texte ich meine Beiträge sofort im Web, fehlt mir eine Kopie auf meinem Rechner.

Doof und meist sehr kompliziert stellt sich auch die Tatsache beim direkten Publizieren im Web in den Weg, wenn man das gesamte Weblog in eine Textdatei gießen möchte. Zwar wollen sicherlich die wenigsten ihre bloghafte Linksammlung auf den Rechner kopieren, Hobby-Autoren mit höherem Anspruch, die zum Beispiel komplexere Artikel schreiben, wünschen sich eine solche Funktion. Was tun?

Am besten man minimiert die Arbeit so weit wie möglich. Dazu bieten sich derzeit vier hervorragende kostenlose Werkzeuge an: WordPress, Open Office, Google Docs und MediaWiki. Dieses Dokument zum Beispiel entsteht gerade mit Open Office. Die Open Source-Software entspricht der klassischen Textverarbeitung und steht für sämtliche Betriebssysteme zur Verfügung. Neben allen Vorzügen einer Textverarbeitung bietet Open Office einen schlanken Export für Texte im HTML-Format ohne unnötiges HTML-Beiwerk, mit welchem Word gerne seine Dokumente aufbläht.

Die anderen drei Alternativen speichern ihre Texte direkt im Web. Die größte Funktionsvielfalt und ein paar leckere Extras bietet unter anderem Google Docs. Wie bei einer herkömmlichen Textverarbeitung bietet der Service eine ultraschnelle Rechtschreibprüfung mit Lernfunktion. Als Killer-Feature bleckt auch die Weblog-API die Zähne. Schreibt man Texte mit Google Docs, können diese flux auch ins eigene Weblog gefeuert werden. Google verlangt dazu „nur“ den Zugang samt Passwort zur jeweiligen API-Schnittstelle – nicht unbedingt jedermanns Sache. Obendrein ermöglicht die komplexe Web 2.0-Textverarbeitung die Veröffentlichung der Artikel per Link. Artikel dürfen dann auch von Fremden eingesehen werden. Und damit die Texte nicht verloren gehen, speichert man sie im komplexen RTF-Format auf der eigenen Festplatte. Ach, und ein kooperatives Arbeiten mit mehreren Autoren an einem Artikel ist auch möglich.

Springen wir in die Blogosphäre! Manchmal fragt man sich heute: Was wäre das Web 2.0 und die Blogger ohne WordPress? WordPress ist der definitive Platzhirsch unter den Blog-Werkzeugen. Im Gegensatz zu früher gehen beim Schreiben mit WordPress Texte nicht mehr verloren, wenn der Browser abstürzt oder die Leitung reisst. Denn wie bei Google Docs speichert auch WordPress per AJAX kontinuierlich für den Benutzer den getippten Text auf dem Server zwischen. Service und Sicherheit ist schließlich alles. Mittlerweile ist WordPress so ausgewachsen, dass auch immer mehr Wissenschaftler das handliche Redaktionssystem für eigene Publikationen nutzen. Nicht schlecht, oder?

Mein persönlicher Favorit ist aber das Wiki-Redaktionssystem MediaWiki – allen bekannt durch die Wikipedia. Wie WordPress ist auch das MediaWiki Open Source, entspricht aber unter allen Werkzeugen viel mehr dem menschlichen vernetzten Denken. Die Wiki-Webseiten vernetzt man schlicht und ergreifend mit dem Befehl [[Neue Seite]] und editiert seine Texte direkt auf der Webseite. Außerdem ist die Syntax für die gesamte Textformatierung so simpel und schnell gelernt, dass selbst vergreiste Kulturwissenschaftler das MediaWiki zu handhaben wissen. Hilfreich beim Schreiben greifen einem weiterhin gerne Tastaturkürzel unter die Arme. Eine Webseite editiert man mit ALT+E und speichert sie mit ALT+S nachdem man sich mit ALT+P noch kurz zuvor das Preview angeschaut hat. Die beste Funktion neben der leichtfüssigen Handhabung ist jedoch der Export von Wiki-Artikeln. Sämtliche Seiten lassen sich einfach per Spezialseite exportieren und für andere Werkzeuge weiterverwerten. Definitiv ein Killer-Werkzeug!

Info: mo.s Web 2.0-Kolumnen erscheinen jeden Samstag exklusiv auf intro.de, dem Portal für Popkultur und so und können dort eine Woche im voraus gelesen werden.

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Kommentare

Ich finde beim hin- und herkopieren, sowie verschieben zwischen Datenbank, Web und Desktop immernoch - oder vermehrt - die unterschiedlichen Encodings problematisch. Da werden aus ö's mal eben Fragenzeichen auf der Website, oder aus ä's in der Website & auml; und anderes. Das lässt sich bei der Zeichenvielfalt unterschiedlicher Sprachen kaum vermeiden.

Auch der Austausch über RSS-Formate trägt im Angesicht der Encodngs nicht wirklich zu Flexibilität und Transparenz bei. Schnell wird aus einer Überschrift mit Fragezeichen ein "malicious" RSS-Feed, der so manchen Feed-Reader aus der Fassung bringt. Andere aber nehmen es lässig und stören sich an URL-Parametern usw.. Oder RSS-Formate, die in den Tags ein Doppelpunkt tragen, die dann jegliche Parser oder manchen Skriptgenerator wieder durcheinander bringen und entsprechenden Overhead brauchen... Allgemein gesagt: Die schöne API Welt wird von Sonderzeichen überschattet...

meint: 020200 am 19.05.07

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