Podcasting ist ein neuer Kommunikationsweg, der insbesondere Webradios und Netlabels aufhorchen lässt. Der Kunstbegriff setzt sich aus Broadcasting und den von der Firma Apple hergestellten MP3-Player "iPod" zusammen. Mit dieser neuen Technik eröffnen sich neue ungeahnte Möglichkeiten für Musikanbieter im Internet.Text: Klaus Hechfellner
Entwickelt wurde Podcasting vor ca. einem Jahr von Adam Curry. Er war in den 80er Jahren als MTV-Moderator tätig.
Als Basistechnik für Podcasting kommt der bereits etablierte und weit verbreitete RSS-2.0-Standard zum Einsatz. Vorteil von dieser neuen Kommunikationsweise ist, dass dem User nicht nur Textinformationen zur Verfügung gestellt werden, sondern eben Audiodateien. Gleichzeitig unterstützt Podcasting die automatische Übertragung dieser Dateien auf den eigenen tragbaren MP3-Player, vorzugsweise den "iPod" von Apple.
Mit nur einem neuen RSS-Tag werden die Audiodateien im Feed verlinkt. Ansonsten bleibt der Aufbau des Weblogs gleich. Der für das Downloaden der Audiofiles verantwortliche Tag hat folgenden Aufbau:
< enclosure url="http://www.meinserver.com/meine_audiodatei.mp3" length="[Anzahl Bytes]" type="audio/mpeg" />
Über kostenlos erhältliche Software (siehe Quellenangaben) werden die unter "url=" angegebenen Audiodateien im Hintergrund auf die eigene Festplatte transferiert und bei vorhandenem "iTunes" von Apple auch völlig automatisch abgespielt.
Besitzt man auch noch den MP3-Player "iPod" vom kalifornischen Computerhersteller, werden die MP3-Files - falls gewünscht - sofort darauf übertragen. Der Anwender kann also damit nicht nur textlich auf dem Laufenden bleiben, sondern ist mit den Audiodaten auf seinem MP3-Player auch völlig unabhängig vom heimischen PC.
Erwähnen sollte man an dieser Stelle auch, dass nicht nur die Soft- und Hardware von Apple benötigt werden, um in den Genuss von Podcasting zu kommen. Grundsätzlich geht es mit jedem MP3-Player und jeder Abspielsoftware. Allerdings funktioniert die Kombination aus den "i-Produkten" am besten, da alles aufeinander abestimmt ist und voll automatisiert abläuft.
Es gibt bereits zahlreiche Podcasts im Internet, die sich mit allerlei unterschiedlichen Themen beschäftigen: So stellt z.B. "indifeed.com" die neuesten Songs von Independent-Musiker vor oder bei "Poetcast" (http://www.hessi.org/podcast/) werden Gedichte vorgetragen. Zahlreiche weitere Einsatzgebiete sind denkbar. Eine kurze Auswahl weiterer Anbietern von Podcasts ist am Ende des Artikels aufgeführt.
Insbesondere für Webradios stellt die neue Technik eine hervorragende Chance dar, ihr Programm unter das (Internet-)Volk zu bringen. Während die terrestrischen Radios über ihre Identität nachdenken müssen und ihnen ihre Hörer davon laufen (siehe Artikel "Nur noch nebenbei" im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", Ausgabe 47/2004), setzen die Webradios auf die neue und fast kostenlose Technik.
Der Clou dabei ist: Während bei den herkömmlichen Radios die Hörer die jeweiligen Sendetermine beachten müssen, kann die Zielgruppe mit Podcasting selbst entscheiden, was und vor allem wann sie es hören will. Einmal abonniert, gelangen die Beiträge ohne größere Umstände auf den eigenen tragbaren MP3-Player und verkürzen damit die Wartezeiten an der Bushaltestelle.
Auch kann der Hörer sein eigenes Programm selbst zusammenstellen und ist nicht mehr auf das vorgefertigte und meist von Marktstudien dominierte sowie leicht verdaubare Programm beschränkt. Auch der immer zitierte Nachteil der Webradios, nicht überall erreichbar zu sein, kann mit Podcasting nicht mehr aufrecht erhalten werden.
Aber auch Netlabels können von Podcasting profitieren. Sie können nämlich neben den reinen Textinformationen in Form der RSS-Feeds auch tatsächlich Kostproben der von ihnen vertriebenen Musik anbieten. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt ist weiterhin, dass durch die weite Verbreitung von MP3-Playern und die damit verbundene Mobilität der Hörer die angebotene Musik einen viel größeren Benutzerkreis erreichen wird.
Deswegen ist es durchaus möglich, dass die neusten Entdeckungen der Netlabel-Szene auf den Schulhof oder am Arbeitsplatz von Ohr zu Ohr gehen und dadurch die Fangemeinde immer größer wird.
Bei einem Marktanteil des "iPod" von 92 % in den USA und 70 % der Software "iTunes" (laut Apple) setzt man als Anbieter von Podcasts wahrlich nicht auf das falsche Pferd. Insbesondere auch deswegen, da die Tendenz weiter nach oben zeigt und somit sich die beiden Apple-Produkte als "Quasi-Standards" etabliert haben.
Zwar ist Podcasting noch recht neu, doch die rasch wachsende Zahl der Anbieter im Internet zeigt, dass die Technik von den Internet-Usern bereits jetzt akzeptiert wird. Auch werden die benötigten Programme ständig weiterentwickelt, was an der fast wöchentlichen Veröffentlichung von neuen Updates deutlich wird.
Ferner darf man nicht vergessen, dass die benötigten Software-Komponenten im Internet kostenlos erhältlich und leicht zu installieren sind. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass sich Podcasting rasant verbreiten wird. Da Podcasting auf die bekannte Technik von RSS aufsetzt, ist das Anbieten eines Podcast relativ schnell, günstig und einfach zu realisieren. Es gibt also keine Gründe dafür, sich nicht mit dieser neuen Technik als Musikanbieter im Internet zu beschäftigen!
Software
BlogMatrix Jäger (Win, Mac)
iPodder (Win, Mac, Linux)
Podcaster
Independent Music
Poetcast
Klaus Hechfellner ist 30 Jahre alt und Programmierer. Er betreibt Hyperfantasy - Das interaktive WebR@dio (www.hyperfantasy.net) und begeistert sich für Netlabels.Kennste RSS? Nein? Dann informier Dich mal! Ansonsten abonnier unseren vollen RSS-Feed. Der spaziert gerne mit dem gesamten Beitrag in Deinen RSS-Reader. Los geht's, Phlow-RSS abonnieren!
meint: usr am 25.11.04fehlt nur noch die torrent anbindung, normalerweise scheitert torrentisierung von netlabeltraffic ja an der fehlenden zeitlichen konzentration der individuellen downloads, rss könnte die konumenten ausreichend synchronisieren (will hier jetzt nicht "gleichschalten" schreiben ;) um auch bei nicht ganz so populären downloads signifikant bandbreite einzusparen durch torrentisierung.
meint: klaus am 26.11.04interessanter hinweis! hast du darüber weitere infos (links etc.)?
danke und gruß
klaus
meint: klaus am 28.11.04hallo cubbi!
vielen dank für die info! werde mich in diese thematik mal einlesen. bittorrent scheint wirklich ein guter ansatz für netlables zu sein, während podcasting genau das richtige für webradios ist. bin gespannt, wie die entwicklung in diesem bereich noch weitergeht...
das internet wird für die verbreitung von musik immer wichtiger und die user werden auch immer mehr.gruß
klaus
meint: cubbi am 28.11.04Die Kombination von RSS und Bittorrent ist mir das erste Mal durch einen heise News Beitrag (http://www.heise.de/newsticker/meldung/45523) aufgefallen. Das ganze funktioniert genauso, wie das von dir beschriebene Podcasting, nur das anstatt von mp3-Dateien torrent-Dateien in den RSS Feeds verlinkt werden, die u.a. auch von iPodder direkt verarbeitet werden. Als Begriff scheint sich hierfür Broadcatching (http://en.wikipedia.org/wiki/Broadcatching) etabliert zu haben.
Die im heise Artikel erwähnte Seite LegalTorrents (http://www.legaltorrents.com/) benutzt zum Beispiel diese Technik, um gebündelte Netlabel Releases in der Größenordnung von meistens mehr als 300 MB unters Volk zu bringen. Da Bittorrent seine Stärken erst bei größeren Dateien richtig ausspielt, lohnt sich das ganze meiner Meinung nach im Netlabel Bereich vor allem für beliebte Labels, bei denen ein Release größer als 50 MB ist. Der Bündelungsansatz von LegalTorrents ist von daher zwar nicht schlecht, das Problem ist nur, dass durch die Bündelung im Vergleich zum normalen Netlabel-Release keine zeitnahe Veröffentlichung erfolgt, man also eigentlich nicht von einem "News" Feed sprechen kann, und dass man nicht weiß, was man als nächsten Download erwarten darf...
meint: usr am 08.12.04schön zusammengetragen, cubbi, hätte ich nicht so gut hingekriegt. (allein das wort broadcatching war schon wieder aus meinem "working set" verschwunden)
für klaus versuche ich jetzt noch mal den eigentlichen punkt von cubbi und mir mal etwas zu verdeutlichen, ich glaub das ist noch nicht so gut rübergekommen:
legaltorrents ist eben _kein_ erfolg, weil die hörer nicht dazu motiviert werden, releases gleichzeitig herunterzuladen. solange nicht mehrere leute gleichzeitig an einem file ziehen ist durch die torrentisierung für die netlabels eben nichts gewonnen, die bandbreite bleibt an ihnen hängen. erst in kombination mit einer engen einbindung in rss feeds ("broadcatching") könnte die notwendige synchronisierung zwischen den downloadern bringen um bittorrent für netlabels sinnvoll zu machen.
verglichen damit erscheint es so als ob sich die schöpfer des podcasting-konzeptes überhaupt keine gedanken darum gemacht haben, wie ihre technik bei populären feeds skalieren soll.
meint: Kus am 11.12.04da muss ich doch ein bisschen werbung für meinen offenen podcast feed machen: http://audioblog.starfrosch.ch inzwischen sauber sortiert nach stilrichtung und netlabel. dazu gibts jeweils die passenden podcast feeds.
meint: Rudi am 04.04.05Hey - bin gerade in Tokyo am Internet. In einer Stunde geht es weiter nach Taipei.
Hyperfantasy macht das warten einfacher. Erinnert mich an zu Hause!
Bis bald.
meint: klisch am 27.03.06ich bin seit laengerm auf der suche nach einer medientheoretischen auseinandersetzung mit dem phaenomen podcasting... kann da jemand mit tipps helfen??? vielen dank
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