Die Incredibles sind eine ganz normale Familie – wenn man davon absieht, dass Daddy ein bärenstarker Superheld im ungewollten Ruhestand ist, sein Sohn wahnsinnig schnell laufen kann, aber nicht darf, die Tochter sich unsichtbar machen kann, aber nicht darf, und Mama dehnbarer als Gummi ist, aber nicht will, weil auch sie eine Superheldin im Ruhestand ist.Text: Anke Gröner (mehr Kritiken auf www.ankegroener.de)
Der Film hat wundervolle Charaktere, erzählt eine schräge und doch sehr menschliche Geschichte, hat fast durchgängig ein hohes Tempo und fasziniert mal wieder mit unglaublichen Bildern komplett aus dem Rechner. Also alles, was man eben von Pixar gewohnt ist und von Finding Nemo, Toy Story und A Bug’s Life kennt und liebt. Ist The Incredibles also genauso gut wie die angesprochenen Pixar-Filme? Falsche Frage. Denn The Incredibles ist anders.
Zum ersten Mal spielen nicht Fische oder Ameisen oder Spielzeug die Hauptrolle, sondern Menschen. Gut, Menschen mit besonderen Fähigkeiten, aber immer noch Menschen. Zum ersten Mal konnte Pixar sich nicht auf die Niedlichkeit von glubschäugigen Tieren verlassen oder total knuffigem Plüschzeug, um ein Publikum zu begeistern. Können Menschen niedlich sein? Bestimmt, aber das wollen die Incredibles gar nicht. Stattdessen zeigen Sie uns eine straffe Helden- und gleichzeitig Familiengeschichte und überzeugen mit sehr menschlichen Zügen: Die Eltern haben Eheprobleme, die Kinder zicken sich an, der Sohn hat Stress in der Schule � der übliche Alltag eben. Und genau das ist ungewohnt für Pixar.
Waren es bisher immer "Stellvertreter", die uns menschliche Probleme näher gebracht haben, so sind es diesmal wirklich "Menschen". Klar hatte auch Nemo mit seinem Papa Ärger, und Woody und Buzz mussten lernen, was Freundschaft bedeutet, aber die Geschichten blieben immer Parabeln. Die Incredibles sind keine Metaphern mehr, sie sind wie wir. Genauso fehlbar, genauso größenwahnsinnig, genauso liebevoll und genauso – unglaublich.
Dieses fehlende Metaphernsein macht den Film etwas ernster, etwas düsterer als die bisherigen bunten Abenteuer. Die Incredibles bewegen sich statt unter Wasser oder im Spielzeugland in einer realen Szenerie: Mr. Incredible arbeitet in einer Versicherung, die Kinder gehen ganz normal zur Schule, Mrs. Incredible kümmert sich um den Haushalt. Der Film fühlt sich wahrhaftiger, erwachsener an als die bisherigen, und deswegen erlebt man ihn ganz anders. Die Figuren kommen näher an einen heran als ein Fisch oder ein Plastikastronaut je an einen herankommen könnten, und daher beeindrucken die Themen des Film auch mehr.
Es geht um alte Träume, die man wieder aufleben lassen will; Talente, die man nicht mehr verstecken möchte aus Angst, anders zu sein und damit ein Außenseiter; es geht darum, eine Familie zu sein, eine Gruppe, eine Gang und diese gegen alle Widerstände zu bewahren, und es geht darum, einfach man selbst sein zu dürfen, ja zu müssen, um glücklich sein zu können. Und obwohl diese Motive so schwer sind, lädt sich der Film nicht zuviel auf, denn natürlich strotzt er von kleinen und großen Ideen, die aus ihm keine Moralpredigt machen, sondern eine spannende, aufregende und mitreißende Geschichte.
Alleine der Look ist das Eintrittsgeld wert. Er macht den Film in seiner Vielfältigkeit zeitlos; das Haus der Incredibles sieht aus wie eine wohlwollende Version der 60er Jahre mit seinen eckigen, spinnenbeinigen Möbeln und den großen Panoramafenstern. Das Versicherungsbüro, in dem Mr. Incredible vor sich hinleidet, ist eine Reinkarnation der 80er-Jahre Cubicle-Hölle, die Autos sind entweder stromlinienförmige Batmobile aus den 40er oder 50er Jahren oder kleine Kästen, wie sie heute in Nordkorea gebaut werden (wenn da überhaupt Autos gebaut werden). Und die Insel, auf der der obligatorische böswillige Bösewicht seine bösartigen Bosheiten ausheckt, ist ein futuristischer Traum mit einer Monorail und gleichzeitigem Steinzeiturwald.
Apropos Urwald: Das Rennen, das sich Sohnemann Incredible mit seinen Verfolgern dort liefert, lässt das Pod Race aus Episode I wie einen Zeitlupenfilm aussehen. War das Wasser in Finding Nemo schon fantastisch, so ist es hier – fast logisch – unglaublich. Gerade die Elemente wie Feuer, Wasser, Eis und sämtliche Oberflächen haben mich begeistert und manchmal sogar kurzfristig von der Story abgelenkt. Als das Ehepaar Incredible ungefähr hundertmal dem sicheren Tod entkommen ist und sich wieder versöhnt, streicht Frauchen dem Gatten liebevoll über die starke Schulter. Und ich hab nicht gedacht, ach schön, sie haben sich wieder gern, sondern ich hab gedacht, wow, sieht dieser Lackhandschuh auf dem glitzernden Heldenkostüm klasse aus.
Das ist auch der einzige Punkt, über den ich ein winziges bisschen meckern möchte. Die Optik war so wundervoll und stimmig, dass sie manchmal in den Vordergrund getreten ist. Jedenfalls dann, wenn das Tempo ein wenig gemächlicher wurde und die Szenen kamen, in denen man merkte, dass sie nur im Film sind, weil die Programmierer sich solche Mühe gegeben haben. Zum Beispiel die Auftritte der Designerin der Heldenkostüme. Ein wunderbarer Charakter, viel Charme, viele schöne Details – aber alles einen Hauch zu lang ausgewalzt. In diesen Momenten habe ich auf die Haare geachtet, die fast zu perfekt um die Pixelköpfe fielen, auf die Finger, die bei jedem "Darsteller" anders aussahen, auf die riesigen Kulleraugen, die trotz Kleinkindschema galore ein so differenziertes Minenspiel widerspiegelten, dass ich gar nicht mehr weggucken wollte. Sämtliche Details haben mich begeistert, aber manchmal waren sie so atemberaubend, dass ich darüber die Story ein wenig vergessen habe.

Der Film sieht unglaublich modern aus und erzählt doch eine sehr altmodische Geschichte. Man fühlt sich ständig an James Bond erinnert, an die klassischen Bösewichter und die strahlenden Helden, den Schwarzweiß-Zusammenstoß von Gut und Böse – und überraschenderweise passt es perfekt zusammen. The Incredibles hat weniger kleine Spielereien am Rand, weniger throwaway jokes, die man fast nebenbei wahrnimmt wie z.B. in Finding Nemo die tintenpupsende Krake oder die bayerisch radebrechende Raupe in A Bug’s Life. Er lässt einen ab und zu Luft holen anstatt in einem Irrsinnstempo an einem vorbeizurauschen. Und er ist nicht so unwirklich bunt und laut wie die anderen Pixars, sondern fühlt sich ausgereift und konsequent an. Er legt weniger Wert auf die kleinen Gags der einzelnen Charaktere, sondern konzentriert sich auf den großen Bogen, der stringent erzählt wird. Deswegen vermisst man die sonst obligatorischen Outtakes im Abspann auch nicht, denn sie hätten einfach nicht gepasst; sie hätten den Film aus seiner seltsam realen Irrealität wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Der Abspann ist übrigens nochmal eine Welt für sich: die satten 60er Jahre-Orchesterarrangements, die ein bisschen wie aus Batman (die Serie) klingen, führen den Film fort und lassen einen nicht los.
The Incredibles fühlen sich an, als ob Pixar erwachsen geworden wäre. Und so gerne ich aus allen anderen Pixar-Filmen mit leuchtenden Kinderaugen gekommen bin und nur noch begeistert zusammenhangslos gebrabbelt habe, so gerne bin ich diesmal voll stiller Bewunderung aus dem Kino gegangen; voller Bewunderung für die Kunst, mich in jeder Sekunde gefangen nehmen zu können – durch ein �bisschen“ schnöde Rechnerleistung, aus der echte Menschen mit einer echten Story geworden sind.
Website zum Film: disney.go.com/disneypictures/incredibles/ und Trailer.
Noch mehr Filmkritiken findet Ihr unter www.ankegroener.de.
Originalstimmen: Craig T. Nelson, Holly Hunter, Samuel L. Jackson, Jason Lee, Spencer Fox, Sarah Vowell, Elizabeth Peña, Brad Bird
Musik: Michael Giacchino, Tim Simonec
Kamera: Andrew Jimenez, Patrick Lin, Janet Lucroy
Drehbuch und Regie: Brad Bird
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meint: Bjoern am 10.12.04Bin ich der einzige, der die modernen Buntquietschvideoclip-Disney-Killer langsam nicht mehr ertragen kann? Künstlerisch ist der Film top, keine Frage, aber meine Kinder würden trotzdem Aristocats zu sehen kriegen, hät ich welche.
meint: gonzo am 11.12.04Früher war alles besser!
meint: mrcs am 11.12.04Pixar und Disney haben sich doch getrennt. Cars wird der letzte gemeinsame Film sein. Und ob ich den Film hier sehen will? Keine Ahnung. Ich mag einfach keine Filme mit Superhelden drin.
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Pixar CEO Steve Jobs (the same Steve Jobs who runs Apple) has decided to postpone the release of Cars, the seventh and final Pixar film to be released under the company's partnership with Disney.
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Pixar ended its distribution agreement with Disney at the end of 2003. Pixar currently pays Disney a 12 per cent distribution fee and gets about 38 per cent of the revenue from its films.
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Disney own computer-animated film, Chicken Little, will be released next summer, and Eisner says: "We have a very intensive creative group working on movies."
http://www.macworld.co.uk/news/index.cfm?NewsID=10376
meint: gonzo am 13.12.04Also die "Mama, dehnbarer als Gummi" sollte manchen hier ja durchaus gefallen können ... ok, war schlecht, bitte um Verzeihung...
meint: Cyberrichter am 23.01.05Bisher der Beste von Pixar.
Zwar wurde hier und da etwas *hust* geliehen, von weniger bekannten Comiks (z.B. Exaxxion) aber im gesamten hat dieser Film einfach mehr Atmosphäre als viele andere Filme.Pixar scheint auch zu glauben, worüber ich mich freue, das man eine Animation auch als solche erkennen sollte, nicht wie Final Fantasy. FF hat es ausprobiert und damit sollte es genügen.
meint: Lars Sobiraj am 05.03.05Der Film war wirklich klasse und keinen einzigen Moment langweilig. Btw.: Die Filmkritik war auch super!
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