Ganz in alter Hollywood-Tradition kommt rechtzeitig zum nahenden Fest der weihnachtlichen Liebe ein Märchenfilm (und ist gerade kein Märchenthema zur Hand, wäre es sonst eben ein Zeichentrickfilm geworden) in die Kinos, der sich mit den Godfathers of Märchen, den Gebrüdern Grimm beschäftigText: Karl Napp
Sinnigerweise heißt der deutsche Titel des Film "Brothers Grimm", schließlich sollen unsere Kinder ja in eine globalisierte Welt mit vielen Anglizismen hineinwachsen und da liegt es ja nahe, schon die Autoren der deutschesten aller deutschen Märchen ins Englische zu übersetzen. Die beiden Vögel Brüder werden von Matt Damon (Wilhelm Grimm) und Heath Ledger (Jacob Grimm) gespielt, wobei letzter im Film gerne immer wieder Jack gerufen wird.
Die Jungs verdienen sich als Spuk- und Hexenvertreiber im 1796 von Franzosen besetzten Deutschland. Dabei sind die meisten Spukereien und Hexerein von ihnen und zwei Helfershelfern selber inszeniert und dienen eher dem einfachen Geldverdienst.
Als sie von den bösen Franzosen gefangen genommen werden, müssen sie dem rätselhaften Verbleib von einigen jungen Mädchen in einem bösen Zauberwald nachgehen. Und siehe da! Plötzlich wird aus allem Fake ein echter Zauber und eine wunderbare, toughe Frau, wunderschön ist sie auch noch nebenbei, kennt sich bestens im Wald aus.
Nun ja, die beiden Märchenprinzen folgen ihrer Lust auf die Waldbraut und eben selbiger in den Wald und nach reichlichem und schwachsinnigen Verlauf der Geschichte wird am Ende alles aufgelöst. Schmächlich ist auch der italienische Soldatenaufpasser der beiden Brüder, der radebrechend versucht, Humor in den Film zu bekommen. Als neben mir im Kino dann auch noch irgendjemand an zu lachen fängt, frage ich mich wirklich, ob ich vielleicht in eine Vorstellung der psychatrischen Abteilung des Krankenhaus von Köln-Mehrheim geraten bin.
Bei dem Film kann man wirklich vieles machen: In der Nase popeln, Daumen drehen, seiner Nachbarin an den Knien spielen, sich den Magen mit Nachos verderben, aber eines kann man bestimmt nicht: lachen, an keiner Stelle des Films, nein, nein und nochmals nein.
Vorweihnachtliche Hollywood-Grütze mit hohem Ärgerfaktor: miese Geschichte, schlecht umgesetzt und in der Summe einfach nur Geld für eine herbe Enttäuschung ausgegeben. Beim nächsten Kinobesuch gehe ich lieber wieder in "Nackte Schwedinnen". Da kommt bald Teil 17 und da weiß ich wenigstens vorher, was mich erwartet…
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meint: Tadeusz Szewczyk am 31.10.05schade, immerhin führt der zweite grossmeister des abseitigen amerikanischen kinos, neben Tim Burton, Terry Gilliam regie... da hätte ich mehr erwartet oder erhofft.
meint: Jörg am 31.10.05jau, da muss man dem karl knapp (wo ist eigenbtlich anke gröner geblieben, die sonst immer die schönen filmbeschreibungen geschrieben hat?) leider mal recht geben, auch ich hätte mehr erwartet von grossmeister gilliam. war ziemlich enttäuscht, als ich aus dem film rauskam, der is wirklich a) ziemlich langweilg b) abstrus und hat kaum was von der originalität seiner anderen filme. auch die ganzen eigentlich sehr guten schauspieler können da nix retten.
naja, auch tim burton hatte schwache filme (planet der affen remake), bleibt zu hoffen, dass terry nach der schlappe beim nächsten mal wieder grosses kino erzeugt!
meint: Frank am 03.11.05Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.
Ob der Film nun lustig ist oder nicht, ist m.E. aber gar nicht die interessante Frage bei Gilliams Neuem. Grundsätzlich finde ich ihn auch eher schwach, er hat aber einige bemerkenswerte Aspekte, die in dem Verriss hier völlig ignoriert werden, was ich schade finde.
So kommt das eigentliche Thema ja gar nicht zur Sprache: der Konflikt zwischen Rationalität, vertreten durch Wilhelm Grimm und natürlich die Franzosen, die ja - man erinnere sich - die Aufklärung in das seinerzeit (manche sagen, immer noch) ziemlich barbarische Deutschland und auch nach Europa brachten, und andererseits der irrationalen Mythengläubigkeit, hier personifiziert in Jakob und dem deutschen Bauernvolk.
In einem Film dieser Art (also vor allem einer Geldmachmaschine für Gilliams eigentliches Lieblingsprojekt "Don Quijote") ist aber von vorneherein ausgemacht, dass Vernunft und Aufklärung schlecht sind, große irrationale Gefühle hingegen erstrebenswert, schon alleine, weil das Publikum eines vorweihnachtlichen Märchenfilms das will, aber auch, weil alle Blockbuster so funktionieren.
Diese eigentlich also schon vorher festgelegte Richtung wird dann in der völlig überzeichneten Darstellung der französischen Aufklärer, die schon längst ihre eigenen Kinder fressen, außerdem auch viele andere eklige Sachen, sowie den total "gutgläubigen" deutschen Bauern, die auch die deutschen "Städte" wie Karlsruhe(!) bevölkern, meiner Ansicht nach ziemlich lächerlich gemacht.
Man kann es natürlich auch so lesen, dass Gilliam sich mit dem anti-aufklärerischen Impuls gemein macht, also das genaue Gegenteil von meiner Interpretation beabsichtigt.
Dass beide Lesarten möglich sind, ist wohl die Schwäche des Films, vielleicht aber auch seine Stärke, denn eine eindeutige Botschaft wäre auch langweilig und vor allem würde ich mich über einen anti-aufklärerischen Film mehr ärgern.
Aber bloß über die Witzischkeit der "Brothers Grimm" zu sprechen, ist mir dann doch etwas zu funktionalistisch gedacht und damit zu kurz.
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