Shoppen - Der Film

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shoppen-der-film.jpg Einblicke in das Single-Leben | „Er muss zuverlässig sein, schlank, hilfsbereit, eloquent, muss immer Zeit für mich haben, und außerdem soll er eifersüchtig sein und tolerant. Ich will spüren, dass er an mir hängt. Er kann ruhig rumschnüffeln. Das ist mir wurscht. Hauptsache keine Gleichgültigkeit. Eifersucht ist gut. Gut fürs Selbstbewusstsein. Und tolerant soll er sein, falls mir doch einmal ein Ausrutscher passiert.“ Moritz hat sich "Shoppen" auf DVD angeschaut...

Wer Single und in einer Groß- bzw. Millionenstadt wohnt, kennt das: Die Auswahl an potentiellen anderen Singles ist groß, man hat so seine Vorstellungen und nicht zu wenig, schaut im Café um sich, sinniert...

...und ehe man sich versieht schwellen die Wünsche, Träume und Vorstellungen zu übergroßen Anforderungen an sich und vor allem den Anderen an. Irgendwann - spätestens nach ein paar trostlosen Single-Jahren - ist dann das Speed-Dating im 5-Minuten-Takt nicht weit.

Genau darum dreht sich die Gesellschaftssatire "Shoppen", die mit viel Witz, düsterem Zynismus und kleinen Lichtblicken wunderbare Eindrücke unserer derzeitigen 25-35-Jahre-alte-Single-Gesellschaft sammelt. Diese treffen bei einem 5-Minuten-Speed-Dating aufeinander, werfen sich Unverschämtheiten an den Kopf und wollen sich dann doch wiedersehen.

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Der Suchtfaktor entsteht durch die Aberzahl an kleinen parallel-laufenden Geschichten. Ähnlich einer Soap will mit großen Ohren und einer voyeuristischen Haltung erfahren, wie es denn mit der und dem und jenem und jener weitergeht. Die Neugierde stacheln die Filmemacher besonders mit gepfefferten Dialogen, witzigen Pointen und knallharten (Selbst-)Analysen der jeweiligen Protagonisten an. Kostprobe gefällig?

"Mich gab’s gar nicht im Schlussverkauf. Nie. Ich war auch nicht runtergesetzt. Ich bin ein Designerstück, ein eigenwilliges Designerstück. Das konnte man mal anprobieren, okay. Aber für immer mit nach Hause nehmen – dafür hat es bisher nicht gereicht. Bei niemandem. So ist das. Haute Couture statt Wühltisch, alles klar?"

"Shoppen" gehört zu den Highlights des deutschen Kinos. Exzellente und noch recht unbekannte Schauspieler, ein gesellschaftskritisches Drehbuch, spitzfindige Dialoge und ein Haufen verquasteter Singles machen den Film vollkommen rund. Dankenswerterweise fühlt sich Regisseur und Autor Ralf Westhoff der Realität verpflichtet. Auch am Ende des Filmes erwartet uns kein Kitsch, sondern der ganz normale Irrsinn des Single-Alltags. Das Leben ist eine Baustelle.

„He, ich hab das nur so dahin gesagt, weißt du. Das war doch nur so gesagt. Ich red’ den ganzen Tag irgendwie irgendwas, aber... Mich sollte man nicht ernst nehmen, weißt du. Man kann wirklich vieles mit mir machen, nur ernst nehmen darf man mich doch auf keinen Fall. Deswegen kann das doch auch gar nicht gut gehen hier, mit uns beiden.“

Website Shoppen - Der Film

Ach so und ein Blick mit weiteren Zitaten samt Trailer lohnt sich. Die Flash-Website lohnt sich dieses Mal wirklich und der Besuch ist es wert.

Website zum Film: www.shoppenfilm.de

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Kommentare

Interessant. Ich fand den Film eher nur so mittelmässig, insgesamt fast ein bisschen langweilig für die Spiellänge.

Hm, meine persönlichen 2007-Deutschkino-Tips für gute und interessantes Filme wären eher "Auf der anderen Seite", thematisch "Free Rainer" (wenn auch teilweise zu stark konstruierte Zufälle und stereotypische Figuren) oder auch den absolut sehenswerten "Immer nie am Meer" (mit Strunk, Grissemann & Stermann). Ein weiterer guter Tip ist auch sicherlich der 2007 auf Dvd erschienene "Emmas Glück" (Vogel und eine grossartige Jördis Triebel) oder eben die ebenfalls mit Vogel besetzten "Der freie Wille" und "Ein Freund von mir". Solltest Du Dir auf jeden Fall alles mal anschauen.

Schreibt die Anke Gröhner eigentlich nicht mehr für Phlow Filmbesprechnungen? Fand die immer sehr interessant und auch klasse geschrieben.

meint: Monsieur J. am 15.01.08

danke für die tipps. stehen jetzt auf der liste. ist ja immer gut zu wissen, wenn man mal wieder in der videothek steht. anke schreibt leider schon seit - ich tippe mal - jahren nicht mehr für phlow. ich durfte ja immer ihre filmkritiken auch hier posten. irgendwann wollte sie die lieber auf ihre eigenen seite veröffentliche. ist ja auch verständlich. also einfach mal rüberhüpfen: http://www.ankegroener.de/

meint: mo. am 15.01.08

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