Robert Altman: Last Radioshow

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radioshow-altman-cover.jpgEin Hauch Wehmut liegt in der Luft: Starregisseur Robert Altman gibt mit der "Last Radioshow" seine melancholisch-komische Abschiedsvorstellung und liefert zugleich einen Abgesang auf das Radio, wie es einmal war. Eine Filmkritik von Mario Gongolsky.

Text: Mario Gongolsky

In den 1930er Jahren war Radio in den USA der letzte Schrei. Noch ohne Konkurrenz zum Fernsehen entstanden ganze Radio-Theater, in denen die Fans ihren Radiostars beim Radio machen zuschauen konnten. Irgendwie überlebte eine solch antiquierte Radioshow bis in die Neuzeit von Digitalkamera und Viagra-Potenzmittel - in Minnesota, also dort, wo die Uhren sowieso etwas langsamer laufen.

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Ein Zufall ist der Ort und die Radioshow „A Home Prarie Companion” keineswegs. Niemand geringerer als der US-Buchautor und Humorist Garisson Keillor hat die Geschichte zum Film mitgeschrieben. Seit 1974 macht Keillor selbst Radio und „A Home Prarie Companion” (National Public Radio) ist nicht nur im Film seine Show, sondern auch in der Wirklichkeit. Es nutzt der Authentizität des Films sehr, dass Keillor zugleich die Quasi-Hauptrolle als Show-Host spielt. Nein, sicherlich, ein großer Schauspieler ist Keillor nicht, aber die Radioshow lebt von seiner stimmlichen Präsenz, seiner Gelassenheit und seinem Humor. Für die Bilder war Regisseur Altman zuständig und liefert auch in seinem letzten Film eine sehenswerte Arbeit ab.

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Nach über 30 Jahren Radioshow zeigt der Film die letzte Vorstellung, bevor das ganze Gebäude für einen Parkplatz plattgemacht wird. Zwischen banalen und witzigen Anekdoten machen die Mittelwestler, was sie am besten beherrschen: Sie geben sich alle Mühe, das Unheil ihres Existenz-Endes zu verdrängen. Zusammen mit seiner prominenten Besetzung, Kevin Kline, Meryl Streep in Hauptrollen sowie Tommy Lee-Jones als christlich-kapitalitischen Radio-Show-Liquidator, entführt der Film auf charmant-betuliche Weise in eine Zeit, in der Radio sowohl Kunst als auch Zirkusarbeit war.

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Manche Szene wirkt aus heutiger Sicht geradezu verschroben, zum Beispiel wenn man Zeuge wird, wie der Show-Moderator seine Hörer mit den Worten begrüßt: „Hallo da draußen am Radio. Hier ist wieder WLT mit „A Home Prarie Companion”, eine Sendung, die mit den köstlichen Milchpulver-Keksen von XYZ noch mehr Freude bereitet. Sie wissen schon, XYZ-Milchpuler-Kekse, die in der schicken blauen Verpackung.” Und so muss der Radio-Gastgeber auch an seinem letzten Abend ungerührt neumodische Tiefkühl-Salamipizza preisen, mit lautem „Muhen” ein Milchliedchen anstimmen und Isolierband nuschelnd als unverzichtbar für jeden Haushalt erklären. Ein Film zum Schmunzeln, mit großartigen Bildern, viel Folk- und Country-Musik, lustigen Episoden und derb-zotigen Dialogen. Die Ära der großen Radioshows verhallt ohne Pathos: „Pray for the rain, but keep your humour dry”, ganz so, als würde man nächste Woche wieder auf Sendung gehen.

Links und so...

Mehr Informationen zum Film findet man unter www.aprairiehomecompanionmovie.com. Sollte man den Film verpasst haben, kann man auf Keillors Buch „Radio Romance” ausweichen (gebrauchte deutsche Ausgaben oder englische Ausgabe) oder sich gleich die Original-Radioshow online besorgen, indem ihr einfach unten auf der Webseite den Link „Archiv” aufruft. Auch live dabei zu sein, ist kein Problem: Wenn man über ein Webradio verfügt ;)

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