Monster (Charlize Theron, Christina Ricci)

Rubrik » Video Clip Film Kritik

monster.jpgManchmal, ganz selten, trifft man auf Filme die einem das Herz zerreissen. Bei denen man jede Sekunde denkt, ich will abschalten. Ich will nicht sehen, wie alles endet. Wie da die Seifenblase eines Menschen platzt, der sich eigentlich nur sein wohlverdientes Glück wünscht. Mir wird es dann als Wohlstandskind richtig übel mitanzusehen, was für ein Haufen Scheisse das Leben sein kann.

Text: mo.

Jeder Mensch braucht zum Leben nicht nur Schlaf und Essen, sondern auch Liebe. Liebe, Anerkennung, Fürsorge und ihm entgegen gebrachte Sympathie. Mir wird übel, ich zittere innerlich, wenn jemandem diese Grundbedürfnisse entsagt werden und sogar grausam von Mitmenschen hingehalten wird. Es gibt nichts schlimmeres als wenn man um Anerkennung betteln muss. Wenn man sich nichts sehnlicher wünscht als dass einen andere Menschen erkennen, akzeptieren und mögen.

Filme wie "Monster" führen mir vor Augen, welches Glück ich habe und gleichzeitig kotze ich innerlich, dass ich mir das aus meiner saturierten Position anschauen kann. Wie oft liebäugeln milchgesichtige Wohlstandskids mit dem Image des coolen und lässigen Gangster, der durch sein Ghetto fährt. Die Paranoia, die Menschenfeindlichkeit wird ausgeblendet. Dieser "Dschungel"-Tourismus entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als ekelerregende Dekadenz. Denn wer will schon wirklich in South Central wohnen. Keiner. Aber mal ein bisschen fühlen, au ja, aber danach hole ich mir wieder meine Kekse und Chips, fahre mit der Straßenbahn in die Stadt und kaufe mir eine weitere Scheibe.

Monster ist so ein Film, bei dem man ab der ersten Sekunde eine abgrundtiefe Abneigung vor der Protagonistin (Charlize Theron) hat. Die ist eine "Hooker", eine Straßennutte, die das Leben auf das Abstellgleis zum verrecken gestellt hat. Eine Welt voller Hass und Aggressionen scheint sich nur auf ihr abgeladen zu haben und mit jeder Sekunde fragt man sich mehr: "Wie würde ich da rauskommen?". Klar, man würde nicht diejenigen belügen, die einem am liebsten sind. Aber was machst Du, wenn Du nichts anderes gelernt hast, als das Du ein Haufen Nichts bist, den jeder rumschubbst wie er nur will. Wie willst Du da an Dich selbst glauben, wenn es sonst keiner tut? Und wenn Dich dann jemand akzeptiert, bist Du voller Misstrauen. Das Leben hat es Dir so beigebracht. Oder Du wirfst Dich diesem Menschen so an den Hals, offenbarst Dich und hast keinen Schutz.

Und auch wenn man die Hauptdarstellerin einfach nur fies findet, ihre Art wie sie das Haar nach hinten wirft, ihre Art, wie sie großkotzig an der Zigarette zieht und eigentlich nur eine vollkommen nichtiges Selbstwertgefühl dahinter verbirgt, so zittert man mit ihr. Man wünscht sich nichts sehnlicher als das sie ihren Platz findet. Das sie es schafft ihre Hurenwelt zu verlassen, dass irgend jemand sich erbarmt und ihr einen fairen Job gibt. Aber wie soll das geschehen, wenn ein Mensch nie gelernt hat sich zu bewerben, einen positiven Einfluss auszuüben? Meist merkt man es doch einem Fremden an, ob er was drauf hat oder unsicher ist.

Monster hat mich wie lange kein Film mehr in Teile zerrissen. Ich bin froh, dass ich ihn mir zuhause anschauen konnte. Denn so konnte ich per Fernbedienung die Geschwindigkeit des Elends, dass auf einen einprasselt beherrschen und verlangsamen. Während ich die Zeilen schreibe, habe ich erst eine Stunde gesehen. Ich brauchte eine Auszeit von der düsteren Seite des Lebens.

Zum Schluss hoffe ich, dass diese Kritik nicht zu pathetisch rüberkommt, aber ich frage mich oft, ob Menschen sich ändern und aus ihrem Elend befreien können. "Monster" wirft diese Frage auf und ich glaube der Film beantwortet die Frage mit "Nein."

Den Film gibt es nun auf DVD und in der Videothek...

Website: www.monster-derfilm.de/ (deutsch) oder www.monsterfilm.com (englisch)

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