Kill Bill 2 (Regie: Quentin Tarantino Darsteller: Uma Thurman)

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killbill2_1.jpgNach einem halben Jahr Wartezeit nun der zweite Teil von Quentin Tarantinos Kill Bill: Die Braut (Uma Thurman) ist immer noch auf ihrem Rachefeldzug gegen Bill (David Carradine), sie metzelt immer noch jeden Gegner ab, der sich ihr in den Weg stellt, sie kriegt dafür immer noch ne Menge in die Fresse, und sie hat immer noch ihr schickes Schwert. Nicht viel Neues also. Und das ist auch der Grund, warum Kill Bill in zwei Teile verpackt wurde: weil ich sonst spätestens nach der Hälfte im Kino eingeschlafen wäre.

Im Prinzip habe ich im ersten Absatz bereits den ganzen Film erzählt. Wie er ausgeht, lässt sich auch schon erahnen, wenn man sich den Titel nochmal durchliest. Und leider hat er auch die älteste Pointe der Welt, die ihren Namen nicht mal verdient. Der Grund, warum die ganze blutige Vendetta um die Braut und Bill in Gang gesetzt wurde, hat mich im Kino noch verzweifelter auf die Leinwand starren lassen als ich das eh über zwei Stunden lang getan habe. Diese lahme Auflösung hätte ich Tarantino gar nicht zugetraut.

killbill2_3.jpgAber vielleicht wird der Gute auf seine alten Tage auch nur sentimental. Wer sich sechs Jahre Zeit lässt für den Nachfolger von Jackie Brown, wollte wohl etwas ganz Besonderes abliefern. Das hat leider in meinen Augen nicht ganz funktioniert. Kill Bill: Vol.2 liefert die gleichen Zutaten, die bis jetzt jeden Tarantino ausgezeichnet haben – nette Musik, eine Menge Blut und ein paar hübsche filmische Sperenzchen wie der Wechsel von Farbe zu Schwarzweiß und zurück, der Sprung von Cinemascope zum Normalformat oder der gute alte Split Screen. Trotzdem wirkt der ganze Film wie Viel gewollt und nix draus gemacht.

Tarantino hat auf die ausgedehnten und in meinen Augen arg langen Martial Arts-Duelle fast komplett verzichtet, die mir den ersten Teil etwas verleidet haben. Der zweite fühlt sich, alleine durch die Kulisse New Mexicos und die passende Musik, eher wie ein Western an, und der unvermeidliche Ausflug nach Japan zu den weisen Schwertschwingern ist charmant und zügig. Und vor allem macht er Sinn, denn er sorgt für einen dieser kleinen Kinomomente, die ich so mag – wenn man als Zuschauer vor ein Rätsel gestellt wird (in diesem Fall: Wie kommt die arme Uma da bloß wieder raus? Im wahrsten Sinne des Wortes übrigens) und sich durch eine kleine Geschichte, die scheinbar nichts mit der Haupthandlung zu tun hat, plötzlich eine Lösung abzeichnet. Das Erkennen des Zusammenhangs macht einfach Spaß, und man fühlt die Erleichterung der Hauptperson, mal wieder davongekommen zu sein, gleich doppelt.
Die kleine Episode in Asien dient nochmal als Hintergrund für die Haupthandlung, nämlich dann, wenn der vorletzte Gegner, die einäugige Elle, der Braut im Weg ist. Auch hier stellt sich das Gefühl ein, Ach, schön, wie alles zusammenpasst. Allerdings denkt man sich gleichzeitig, Igitt, muss das denn sein?

killbill2_4.jpgDenn leider erspart uns Tarantino aus diesmal nicht, Menschen beim Leiden in Großaufnahme zuzuschauen. Sollte die Gewalt im ersten Teil noch ironisch gebrochen sein durch die comichafte Darstellung, so ist sie im zweiten Teil nur ein Mittel, die Story möglichst matschig weitergehen zu lassen. Vielleicht ist das ja auch nur ein ganz persönliches Problem von mir, dass ich einfach das Gefühl habe, ich hätte schon genug Blut auf der Leinwand gesehen. Aber ich denke, es ist nicht zuviel verlangt, wenn man wenigstens noch eine gute Story um die Metzelszenen herum haben möchte. Und die hat Kill Bill leider bis auf wenige Einschübe nicht. Und dieses ewige �Ich zitiere aus meinen Lieblingsfilmen bis zum Abwinken“ – was soll ich sagen? Es ist mir egal, egal, egal. Gib mir eine Geschichte, die mich fesselt, mit Charakteren, die mich interessieren, aber lass mich mit deinem gesammelten Nerdwissen in Ruhe.

Ein weiteres Manko sind die Dialoge, auch sie in ihrer Geschwätzigkeit ein Markenzeichen von Tarantino. Aber in Reservoir Dogs haben sie zur Geschichte beigetragen. In Pulp Fiction haben sie zur Charakterbildung beigetragen. In Kill Bill dienen sie nur noch dazu, den Film auf über zwei Stunden auszudehnen. Der Monolog des Barbesitzers, den Michael Madsen über sich ergehen lassen muss? Geschenkt. Die Gespräche während der Hochzeitsprobe in der Kirche? Ohne den winzigen Auftritt von Samuel L. Jackson komplett witzlos. Einzig der Dialog zwischen der Braut und einer auf sie angesetzten Killerin über einen Schwangerschaftstest ließ für mich noch erkennen, dass Tarantino es doch kann, wenn er nur will.

killbill2_2.jpgIch weiß nicht genau, was bei Kill Bill schiefgegangen ist. Eigentlich ist es ein Tarantino, wie er im Lehrbuch steht. Und trotzdem fand ich gerade den zweiten Teil mehr als belanglos. Vielleicht ist die Zeit einfach vorbei für hemmungslosen Klauen aus anderen Filmen, nur um die eigene Nerdigkeit zu dokumentieren. Vielleicht bin ich auch einfach zu ungeduldig dafür, um mir zum fünften Mal anzugucken, was Tarantino in seiner Zeit als Videothekenangestellter alles gelernt hat. Vielleicht will ich von ihm mal eine Story sehen, die ohne Knarren auskommt. Denn ich bin immer noch davon überzeugt, dass er großartige Filme machen kann, wenn er nur mal die Finger aus dem Kunstbluteimer kriegen würde. (Anke Gröner)

Die Filmkritik zum ersten Teil gibt es auch auf Phlow: "Kill Bill Vol.1"

Noch mehr kritische Filmreviews findet ihr auf Ankes Website.

Die offizielle Webseite zum Film lautet: killbill.movies.go.com/.

Den Trailer könnt Ihr hier anschauen.

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Kommentare

au weia frau görner,

jetzt ueberleg' ich mir tatsaechlich, ob ich dieses sequel ueberhaupt sehen muss. wo ich mich doch erst gestern mit kill bill eins auf dvd wieder angefixt habe.

mal gucken...

gruesse,
andreas

meint: andreas.de am 27.04.04

Danke Anke für diesen völlig überflüssigen Artikel! Leider muß ich feststellen, daß der Film nicht verstanden wurde. Meiner Ansicht nach gehört alleine schon der Soundtrack zum besten, was in den letzten 15-20 Jahren herausgekommen ist und reiht sich damit nahtlos an "Jackie Brown" an. Als "Wahnsinnger", der sich beide Teile im Doppelpack angesehen hat, kann ich nur sagen, daß keine Minute langweilig war, weil stets überraschende Wendungen den Film spannend hielten. Auch wenn der Titel das Ziel des Film bereits andeutet (sowas nennt man wohl "roter Faden"), kommt es nicht auf das "was" sondern das "wie" an. Alleine die gigantische Pointe über Superman´s Alterego Clark Kent ist schon ein Meilenstein - sowas kann nur ein Tarantino. Von "running gags" wie dem barfuß laufenden David Carradine (eindeutig in der Rolle seines Lebens!) der stets an den Caine in "Kung Fu" erinnert bis hin zu dem Spiel der Antipoden Eastern vs. Western und der comichaft übertriebenen Gewalt und gleichzeitig beeindruckenden Bildsprache - schlußendlich polarisiert ein echtes Meisterwerk - ich jedenfalls freue mich hoffentlich auf eine ungeschnittene DVD-Special-Edition mit den über 60 Minuten Filmmaterial, welches der Schere leider zum Opfer gefallen ist.

meint: Carsten Marmulla am 28.04.04

Also Carsten, nicht gerade die feine Art wie du reagierst. In einer Diskusion haben meiner Meinung nach Wörter wie "überflüssig" und "nicht verstanden" nichts verloren.

Gleich vorne weg, mir hat der Film nicht sonderlich gut gefallen. Ich hab ihn unter der kategorie "hätte man ruhig verpassen können" abgelegt. Ansonsten gab's ein paar nette Stellen, meiner Meinung nach keine "comichafte" Gewalt. Comichaft ist für mich Braindad. Das Carradine in Kung Fu dabei war, weiss wohl jeder und die Superman Sache fand ich zwar auch ganz nett, allerdings hat mich die "FÜnf Punkte Akkupressur Herz Explosions Technik" ziemlich angenervt. Person A gibt einen Satz vor, Person B wiederhohlt selbigen, woraufhin Person A den Satz erneut wiederholt:
Die "Fünf Punkte Akkupressur Herz Explosions Technik" !!! Was ist denn die "Fünf Punkte Akkupressur Herz Explosions Technik" ??? Bei der "Fünf Punkte Akkupressur Herz Explosions Technik" wiederholt man einen langen Satz fünf mal, danach platzt jedem der Kopf !!! Mein Gott, ich hab mir an der Stelle gewünscht der Alte kommt und macht beide einen Kopf kürzer.

Die Auflösung (Bill war eifersüchtig) fand ich wie Anke auch für'n Arsch. Der (nichtexistierende) Showdown war ja wohl auch enttäuschend.

Nun ja, jeder hat ebend seinen eigenen Geschmack. Es soll sogar Leute geben die Matrix II + III gut fanden.

Swen

meint: Swen am 28.04.04

Hi Swen, also ich fühle mich ja doch genötigt nochmal meinen Kommentar zu Deinem Kommentar zu schreiben:

Dein Schlußsatz sagt es ja schon, es geht hier um Meinungen und Geschmäcker, darüber läßt sich meistens vortrefflich streiten, denn die einen haben ihn nunmal, die anderen eben nicht. ;-)

Zum Thema Gewalt im Film: das ist ja trotz des literweise fließenden Filmblutes trotzdem kein Slattermovie, schließlich ist "Armee der Finsternis" ja auch eine Komödie. Die Handlungen sind teilweise so deutlich überzeichnet, krasser geht es eigentlich kaum noch.

Auch die für Deinen Geschmack zu häufig zitierte "5 Punkte Akkupressur Herz Explosions Technik" war natürlich ein einziger Running Gag und erinnerte ein wenig an so kultige Sachen wie das "Bat Anti-Hai Spray" oder dergleichen - man sollte den Sinn für Humor beim Besuch des Kinos nicht draußen am Eingang abgeben...

Die Auflösung war in der Tat ein wenig stark Standard, aber was hast Du erwartet? Ein Ende a la "Eine Leiche zum Dessert"?

Ich fand den "Showdown" gar nicht schlecht, eine schöne Western-Persiflage...

Und ja, ich fand Matrix 2 auch gut, wenngleich er auch eine völlig andere Ebene hatte als der erste Teil. Teil 3 habe ich noch gesehen. Aber um es nochmals zusammenzufassen: Vol. 1 und 2 von Kill Bill sind EIN Film, kein Sequel! Leider wollte Miramax keinen 5-stündigen Film in die Kinos bringen und Tarantino wollte nicht mehr als 1 Stunde rausschneiden...

meint: Carsten Marmulla am 30.04.04

Irgenwie kommen mir Filme dieser Art in den letzten Jahren wie ständige Remakes von "Spiel mir das Lied vom Tod" vor. Verschachtelte Rückblenden, Blut, ausgedehnte Leidensszenen gemixt mit etwas Trash-Kultur - das ist es wohl, was der " verwöhnte" Zuschauer von heute verlangt.

Die Story ? Welche Story ? Die Story als Handlung oder wirklich als spannungsgeladener Verlauf unterschiedlicher Handlungsfäden, aus denen wir etwas mitnehmen (lernen?) können, obwohl der Film bereits zu Ende ist ? Von letzterem habe ich nchts bemerkt.

Es widerstrebt mir, Kategorien wie "Sound" oder Maske überhaupt in irgendeiner Form für die Qualität eines Filmes heranzuziehen, nur hierdurch kommt es nämlich, dass ein belangloser Streifen wie beispielsweise "Titanic" 11 Oscars ergattern kann. Das einizige Argument, was man aus solchen Filmen lernen kann: "Muss man auf einer großen Leinwand gesehen haben".

Die Schauspiel"kunst" ? Welche ? Kann Uma Thurmann nicht mehr, als den Säbel zu schwingen und trotz mehrfachen Quasi-Todes aus dem Grab aufzuerstehen ? Bestimmt. Aber der Name Tarantino reicht nun allemal aus, um auch mit einem mittelmäßigen Film, so will ich diesen einmal loben, Kasse zu machen. Er hat sein Publikum gefunden.

Ich bin sicher: es gibt vermutlich nicht wenige Zuschauer, die meinen, ein Film sei schon deshalb sehenswert, weil verschachtelte Rückblenden ein Markenzeichen von Komplexität und damit des Reflektierens über den Film und seinen Sinn sind. Sie erachten es daher schon als intelektuelle Anstrengung und Lob, einen Film zumindest vom Handlungsablauf her verstanden zu haben. Aber "wirkt" der Film nach ? Nein. Inwieweit auch ?

"Das soll er ja auch nicht!" heißt es dann. Ja aber, was soll er dann ? Schöne Bilder bringen ? Rasante Schnitte mit viel Blut und irrem Sound ? Das kann nicht (nur) der Sinn und Zweck eines solchen Streifens sein.

Ich schließen mich einem Vorredner hier an,. dass Tarantino es einmal mit weniger Blut versuchen sollte. Sofern er es noch kann.

meint: Haio am 18.06.04

Hallo,

absolut korrekte Besprechung. Der Film ist langweilig, langweilig, langweilig. Und das ist das Schlimmste, was man über einen Film sagen kann.

Hier passiert das, was man schon in Jackie Brown sehen konnte: Quentin zitiert sich nur noch selbst; und das noch nicht mal besonders gut.

Reservoir Dogs war eine exzellente Finger- und Aufwärmübung und Pulp Fiction der beste Film in den 90ern. Jackie Brown war leider überflüssig und Kill Bill 1, naja, als DVD unterhaltsam, im Kino Diebstahl.

Die Splatterszenen des ersten Teils waren langweilig, Horror findet immer im Kopf statt und nicht in literweise Blut, aber dennoch in ihrer grotesken Übertreibung unterhaltsam, irgendwie...

Darryl Hannah war überzeugend, überraschenderweise, habe ich sie doch immer noch als fischschwanztragende Nixe vor Augen. Aber der zerquetschte Augapfel, naja, sah nicht sehr echt aus. Der Schrecken sollte subtiler gestalltet sein, um daher umso mehr zu wirken. In Psycho sieht man schließlich auch keine Wunden, sondern nur Blut, das in den Ausguß fließt.

Und die Dialoge, OH GOTT, bin ich der einzige, der die Dialoge am Lagerfeuer oder zwischen Mammi und Töchterchen einfach nur peinlich fand? Ja, peinlich.

Und dann dieser furchtbare, klebebarttragende, unfreiwillig komische Lehrer, der zwar kein Japanisch kann, aber dennoch jede Frage von Beatrice versteht, oder wie? Ohje, Ohje.

Meine Empfehlung, warten bis er im Fernsehen läuft, NICHT anschauen, weil er eh zensiert wird, und stattdessen nochmal Pulp Fiction einlegen.

Jürgen

PS. Weiß jemand, was für einen Wagen Bill fährt, als er seinen Bruder besucht?

meint: Jürgen am 22.06.04

Hallo,

absolut korrekte Besprechung. Der Film ist langweilig, langweilig, langweilig. Und das ist das Schlimmste, was man über einen Film sagen kann.

Hier passiert das, was man schon in Jackie Brown sehen konnte: Quentin zitiert sich nur noch selbst; und das noch nicht mal besonders gut.

Reservoir Dogs war eine exzellente Finger- und Aufwärmübung und Pulp Fiction der beste Film in den 90ern. Jackie Brown war leider überflüssig und Kill Bill 1, naja, als DVD unterhaltsam, im Kino Diebstahl.

Die Splatterszenen des ersten Teils waren langweilig, Horror findet immer im Kopf statt und nicht in literweise Blut, aber dennoch in ihrer grotesken Übertreibung unterhaltsam, irgendwie...

Darryl Hannah war überzeugend, überraschenderweise, habe ich sie doch immer noch als fischschwanztragende Nixe vor Augen. Aber der zerquetschte Augapfel, naja, sah nicht sehr echt aus. Der Schrecken sollte subtiler gestalltet sein, um daher umso mehr zu wirken. In Psycho sieht man schließlich auch keine Wunden, sondern nur Blut, das in den Ausguß fließt.

Und die Dialoge, OH GOTT, bin ich der einzige, der die Dialoge am Lagerfeuer oder zwischen Mammi und Töchterchen einfach nur peinlich fand? Ja, peinlich.

Und dann dieser furchtbare, klebebarttragende, unfreiwillig komische Lehrer, der zwar kein Japanisch kann, aber dennoch jede Frage von Beatrice versteht, oder wie? Ohje, Ohje.

Meine Empfehlung, warten bis er im Fernsehen läuft, NICHT anschauen, weil er eh zensiert wird, und stattdessen nochmal Pulp Fiction einlegen.

Jürgen

PS. Weiß jemand, was für einen Wagen Bill fährt, als er seinen Bruder besucht?

meint: Jürgen am 22.06.04

Gewalt ist Bullshit, ob real oder im Film.

meint: Vanderdekker am 29.09.06

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