Die Sound-Video-Symbiose

Rubrik » Video Clip Film Kritik

rechenzentrum.jpgDie erste DVD "Director's Cut" von Rechenzentrum ist zugleich das neue Album (liegt als Bonus noch einmal als normale Audio-CD dabei), dass aber auch ausschließlich auf Vinyl erworben werden kann. Und stillt endlich das Begehren die außergewöhnlichen Bilder im trauten Heim genießen zu können.

Denn eigentlich, und das wissen oft nur diejenigen, die Konzerte von Marc Weiser, Christian Conrads und Lillevän besucht haben, ist das Projekt eine Bild-Ton-Symbiose. Die Arbeitsweise des Videokünstlers Lillevän ähnelt dabei sehr stark dem Sound-Sampling der beiden Ton-Frickler. Denn...

...spuckt der Rechner nach der täglichen Arbeit neues gerendertes Bildmaterial aus, wird dieses anschließend vom Videokünstler sortiert, gefiltert und in der Regel geloopt. Vor allem richtet sich das Augenmerk auf Muster und fragmentierte Bilder, die später mittels Videomischpults übereinander geschichtet werden. Dadurch entsteht aus wildem Dahinrauschen geschmackvoll und intuitiv eine neue Ordnung, die mit den Sounds und Kompositionen synchronisiert werden. Auf ähnliche Weise arbeitet auch Marc Weiser mit seinem Kollegen Christian Conrads, da die Sounds und Soundschleifen ähnliche geschichtet werden.

rechenzentrum_directors_cut.jpgInteressant wird dann das abermalige Filtern und Suchen des Zuschauers, der jetzt Musik und Bild kombiniert und im Kopf verschmilzt. Automatisch fängt das Gehirn nämlich an selbst Ordnung in die Fragmente und teilweise archaisch wirkenden Bilder, die weichen Blenden und ruhigen Transformationen zu bringen. Auch wenn Lillevän dabei Computermaterial benutzt (wahrscheinlich immer noch mit Hilfe eines Amigas), so verzichtet er vollkommen auf aalglatte 3D-Figuren. Dreidimensionale Objekte tauchen nur in Form von bearbeitetem Videomaterial auf.

Genauso aufwendig wie die visuelle Stimulanz sind auch die Kompositionen und Tracks. Ähnlich wie bei den Großmeistern des Ambients Future Sound Of London schälen sich Klänge aus einem Wust von Eindrücken. Weltoffen werden komplexe Rhythmen geschachtelt und futuristische Sounds mit analogen Samples fusioniert. Dabei schwebt das Album zwischen beatlosem Ambient, der wie Assoziationsketten die Samples aneinanderreiht oder tanzbareren Rechenzentrum-Tracks, die das Gehäuse eines groovigen MinimalHouseTechno-Tracks mit überlagernden Texturen umgeben.

Rechenzentrum ist einzigartig, nerdig und auf jede Fälle superbes elektronisches Kino!
(Moritz Sauer)

DVD

RECHENZENTRUM
DIRECTOR'S CUT
(Mille Plateaux/ efa)

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