WLAN Teil 1: Urbanität im Unsichbaren

Rubrik » Netzkultur Spielerei

netzwerke.jpgDigitale und vernetzte Freigeistkultur passiert nicht nur im sich absorbierenden Raum abschottender dunkler Wohn- und Arbeitszimmerhöhlen. Es passiert auch umsonst und draussen. Das Laptop im Freien - ein Archetypus des Digital Warriors der Gegenwart - vielleicht schon bald das Markenzeichen für den öffentlichen Raum. Funknetzwerke könnten zukünftig zu einem selbstbestimmten, freien Bürgernnetzwerk werden, was durchaus auch Impulse zu einer digitalen Stadtentwicklung geben kann.

Einige von uns kennen das Problem: abgeschottet von den schönen schnellen Datennetze, weil uns die Telekom mit ihrer "kein high-speed DSL auf Glasfaserkabel"-Lüge ganz dreist zuviel Geld aus der Tasche zieht (siehe auch telepolis Artikel "Die Glasfaser in ihrem Lauf ... hält DSL im Osten auf" von Peter Mühlbauer).

Jetzt gibt es endlich Lichtstreifen am horizont - nicht nur für das leidige DSL Problem. Durch die Funknetzwerktechnik(WLAN) besteht die Möglichkeit, zu lokal verortbaren und räumlich begrenzten Funknetzwerken, die sich auch flächendeckend über den gesamten Stadtkörper ausbreiten könnten.

Durch das sog. "picopeering agreement" wurde eine wichtige Hürde bei der zukunftigen Nutzung der wlan-Technologie gelegt: "free networker" aus der ganzen Welt trafen sich im März 2003 in Kopenhagen um diesen Vertrag zu beschließen. Kernpunkt des Vertrages ist es, sich als Privatanbieter bereitzuerklären, seine eigene (ungenutzte) Bandbreite mit anderen Nutzern zu teilen um so ein Sharing der eigenen freien Resourcen zu ermöglichen. "Neben diesen absichtlich kurz und bündig gehaltenen Kernpunkten gibt es noch ein allgemeines Bekenntnis der Anbieter zum Wissenstransfer, um die technische Emanzipation der User zu fördern, so dass sie selbst in der Lage sind, in nicht allzu ferner Zukunft eigene Knoten zu eröffnen.

"Der PicoPeering-Vertrag versteht sich als Katalysator, der eine Wachstumsstrategie für freie Funknetze ist, ein Minimalkonsens, der die Basis für individuelle Peering-Abkommen sein soll." (Picopeervertrag)

Bisher sind die Aktivitäten in Deutschland noch recht übersichtlich, und es gibt nur wenige zusammenhängende Funknetzwerke. Diese Dienste werden überwiegend nur von kleinen eingeschworenen Freundeskreisen in Anspruch genommen, wobei angenehm nerdig aus Blechdosen und Besenstielen Richtantennen gebastelt werden und die Netz zum freien Austausch von Bildern, Videos und - genau! - Musik genutzt werden.

Festplattensharing im lokalen Maßstab mit Menschen die man kennt. Bei einem Stadtweit verfügbaren WLAN würde sich das Szenario ändern. Denn: was macht man denn nun mit so einem spontan wuchernden Netzwerk? Wie sieht es aus mit der Privatheit? Wie lässt sich dieser organische Kosmos für öffentliche Anliegen nutzen? Würde es tatsächlich flächendeckende free-Onlinezugänge ohne fiese Nutznießer, Spammer oder Virendropper geben? Oder werden wir uns letztendlich alle an die Hand nehmen und uns lieben?

Die Aktivisten von freifunk.net und ähnliche Organisationen auf der ganzen Welt wissen bereits jetzt, dass Funknetzwerke ein schönes, noch unschuldiges Stück Zukunft sind. Internetzugänge für Freigeister und Techniknerds in einem familiären und respektablen Datengetausche. Zu Bedenken ist, dass durch ein WLAN-Netzwerk ein Staddteil durchaus neue Entwicklungsimpulse erhalten kann. Man befindet sich vor unscheinbaren Fassaden, während lauter kreative Daten durch die Winde geschickt werden: ein echter Anreiz und Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität, was bitte auch von der öffentlichen Hand als Entwicklungempuls verstanden werden will.

Mit geringem finanziellem Aufwand ließe sich Kreativpotential vernetzen und kanalisieren, das irgendwo da in den Wohnungen brodelt. Wie wir wissen, findet man auf dem Weg durch fremde Festplatte auch sehr schnell gleichgesinnte Menschen. Durch den lokal-örtlichen Bezug ist späteres Kennenlernen nicht ausgeschlossen, was widerum zur Nachbarschaftsbildung und vor allem in Problemstadtteilen zu einer Verbesserung der sozialen Struktur führen könnte. An dieser Stelle muss die Digitalität als handliches Tool zur Stadtentwicklung erkannt werden.

Bis es allerdings soweit ist, heißt es erstmal: selber tätig werden. Der Anfang ist bereits getan. Freifunk.net bietet neben zahlreichen Informationen, Conventions und Artikeln auch ein Wiki für WLAN-Aktivisten in deiner Nähe. Freigeister vernetzt euch!

Rückenwind erhält die wlan-szene übrigens derzeitig durch eine Empfehlung der Europäischen Kommision zur Förderung öffentlicher Breitbanddienste in Europa: IP/03/418, Brüssel, 20. März 2003 (Martin Wisniowski)

Site: www.freifunk.net

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