Top 10 Artikel die ich 2005 nicht verfasst habe

Rubrik » Netzkultur Spielerei

2005Ich weiß, ich weiß, Jahres-Rankings sind hoffnungslos ausgenudelt und ich bin geradezu dramatisch zu spät. Allerdings brennt mir eine Topliste auf der Seele. Die Artikel, die ich 2005 nicht geschafft habe zu verfassen, obwohl sie in meinem Kopf schon halbfertig steckten: Buchrezensionen, Blog-Vorstellungen, Sequels der Suchmaschinenoptimierung, AJAX, Firefox, Netaudio...



Text: Tadeusz Szewczyk
Bild: NASA, Mars-Mission 2005

Schnöder Mammon vs Seelenheil

Ihr kennt das bestimmt auch, da will die Miete und das Essen, die Telekommunikation sowie die Krankenversicherung bezahlt werden, ganz zu schweigen von Luxusbedürfnissen und im Handumdrehen buckelt man in der Knochenmühle des Kapitalismus auf einem der hinteren Plätze im Rattenrennen um des Schnöden Mammons willen. Auf der Strecke bleibt das Seelenheil in Form von Verfolgung der ureigensten Interessen.

In meinem Fall ist es das Schreiben und somit zuvorderst auch das Verfassen von Phlow-Artikeln. In 2005 brannte mein Herz oft lichterloh und dennoch musste mein Verstand es löschen, keine Zeit. Ich will trotzdem nicht ganz aufgeben und bevor ich 2006 wieder komplett im Alltag untertauche nehmt das, die Top 10 Artikel die ich 2005 verfassen wollte, aber nicht geschafft habe. Themen, die es mehr als verdient hätten in die Öffentlichkeit gebracht zu werden oder die meinen Blickwinkel hätten gebrauchen können. Die Reihenfolge ist nicht ganz ernst gemeint, Platz 10 hätte auch Platz 1 sein können, aber ich denke das Phlow-Publikum nimmt so etwas eh nicht wirklich ernst.


Buchrezensionen: Tanzende Revolutionen und ihre Gründe

Bücher haben einen Nachteil gegenüber dem Internet, sie sind zu lang. Für eine Buchbesprechung braucht es also enorm viel Zeit, nämlich die, das Buch zu lesen, um es bewerten zu können. Bei mir liegen zwei Bücher noch herum die ich mir gratis zwecks Rezension erschlichen habe und wegen denen mein Gewissen mich plagt: go.stop.act! - Die Kunst des kreativen Straßenprotests sowie Forces of Labor - Arbeiterbewegungen und Globalisierung seit 1870. Beide Bücher sind auf Ihre Weise exzellent und sollten streng genommen beide zusammen gelesen werden.

Das eine liefert eine überbordernde Vielfalt an tanzendenen Revolutionen oder zumindest Mitteln solche herbeizuführen, wohingegen das zweite die Gründe und die Analyse dazu liefert, wieso diese stattfinden müssen. Beide kann ich aus unterschiedlichen Gründen empfehlen. go.stop.act! ist schlicht eine Übersicht von enzyklopädischen Ausmaßen und gleichzeitig eine Anleitung der Extraklasse zum selber machen. Es zeigt etliche Ansätze die verkrusteten Strukturen des Strassenprotests, der heutzutage völlig entwertet ist, und erlaubt diese aufzubrechen und vergessen zu lassen. Von Reclaim the Streets, über Radioballett bis zu Streetart bringt der Band von Marc Amann und dem Trotzdem Verlag uns alles Nahe was wir im 21. Jahrhundert für eine politische Partizipation jenseits der Lichterketten brauchen.

Forces of Labor von Beverly J. Silver bei Assoziation A ist bislang mit das beste Buch zum Thema Globalisierung. Die Kernthese ist denkbar einfach: Es ist nicht alles schlecht was Globalisierung ausmacht und diese existiert auch nicht erst seit zuletzt. Der positive Aspekt ist aber nicht der neoliberal kolpoltierte, sondern einer aus linker Perspektive: Die Bewegungen des Kapitals stärken wiederum die lokalen Kämpfe vor Ort. Wie, erklärt das Band virtuos, allerdings muss man einen klaren Kopf dafür haben und konsequent lesen, die Kapitel bauen aufeinander auf. Das war zuviel für mich letztes Jahr.


Blog-Vorstellungen: Lost in Netaudio und enjoying Surveillance

Du sollst keine Götter außer Phlow haben! Nein, ganz so radikal sind wir hier nicht. Deswegen empfehlen wir auch gern mal die "Konkurrenz". Es gibt ein Netaudio-Weblog, dass mir über die stillen Phasen von Phlow hinweghilft. Das tut es grafisch sehr stilvoll und inhaltlich sehr gewählt. Bitte klicken: kreislauf e-zine. Entschuldigung, habe ich "Blog" gesagt?

Enjoy Surveillance heißt übersetzt "Genieße Überwachung". Es ist das Projekt eines Art Directors der mich vor einiger Zeit als Gastblogger angesprochen hatte. Überwachung ist beileibe nicht mein Lieblingsthema, eher eins das mir gehörig gegen den Strich geht. Enjoy Surveillance hat aber einen Weg gefunden Videoüberwachung und andere Formen des modernen allgegenwärtigen Big Brother-Phänomens darzustellen ohne in Weltuntergangsstimmung zu verfallen. In der Tat macht es Spaß, ich genieße es! Lang lebe CCTV, RFID und Biometrie!


Sequels der Suchmaschinenoptimierung-Serie, Flash und Flashback

Obzwar die meisten von Euch wohl schon gelangweilt sind von meinen überlangen Ausführungen zur Suchmaschinenoptimierung, es gibt Leute die lechzen danach! Trotzdem schaffte ich es nicht Teil 4 meiner Serie zu verfassen: Suchmaschinenoptimierung (für) Flash. Das lag zum einen daran, dass ein großes Flash-Projekt von einem Kunden kurz bevor es wirklich losging mit der Optimierung abgeblasen wurde, aber andererseits, wie gesagt keine Zeit. Ich habe aber einige Techniken ersonnen wie eine Flash-Seite zu optimieren ist, die ich noch nirgendwo so beschrieben gesehen habe...
Ein "revisited"-Artikel zum ersten Teil wäre auch nötig nach mehr als einem Jahr, Website-Optimierung für Suchmaschinen ist ein Feld in ständiger Bewegung, es gibt etliches mitzuteilen. Bei der Hommingberger Gepardenforelle konnte ich nur einen Ausschnitt davon präsentieren.


AJAX für Heimanwender

AJAX? Ja, das Buzzword "Web 2.0" ist sogar bis zu mir durchgedrungen. Ich bin aber kein verspäterer New Economy Enthusiast (ich habe sie ja miterlebt) ich bin eher bescheiden. Damals als ich 1999 JavaScript lernte war ich begeistert. Doch als ich feststellte, dass ich auch noch PHP, ASP, Java (nicht zu verwechseln mit JavaScript), Cold Fusion oder was auch immer brauche, um richtige Webseiten zu bauen, war ich etwas entmutigt. Nun, 6 Jahre später wurde mein Traum wahr: Mit AJAX, also "Asynchronous JavaScript And XML" lassen sich dynamische Webseiten mit Server-Zugriff ganz ohne PHP erstellen. Das bedeutet nicht nur komplexe Webapplikationen sondern auch einen Vorteil für Heimanwender. Ich kann auf jedem Webspace für 99 Cent eine Profi-Website bauen. Diese Idee ist nicht wirklich abwegig, die Umsetzung nicht kompliziert (XML braucht man dafür trotz des Namens auch nicht) aber erklärungsbedürftig. Vielleicht bringt sie 2006...


Firefox vs Opera: Welche Vier gewinnt?

Fuck Firefox schreie ich innerlich ab und an. Dabei habe ich Firefox schon geliebt als er noch Phoenix hieß und in der Version 0.4 mein Standard-Browser war. Opera kenne ich ebenfalls seit Version 4. Version 8 benutze ich wieder viel öfter. Warum? Nicht nur weil Firefox regelmäßig meine Bookmarks frisst. Warum Firefox dennoch weiterhin unerlässlich ist? Wegen den Extensions also Erweiterungen:


Die schlechtesten Firefox Extensions

Ich bin ein Opel Manta-Fahrer, wenn es um Firefox geht. Ich baue Spoiler, Sportauspuff, Sportlenkrad, Recaro-Sitze und etliches mehr nachträglich ein. Mein FF ist aufgemotzt bis zum umkippen. Und tatsächlich, er kippt öfters mal um. Der ungemeine Wildwuchs der Firefox Extensions hat teils auch enorme Nachteile, die mir meinen FF öfters mal verlangsamt, blockiert oder geschrottet haben. Welche, wie und warum, das würde ich gerne beschreiben... Da ich bestimmt schon Hunderte ausprobiert habe wäre das sicherlich hilfreich.


Netaudio-Reviews: Zu wenige/Zu viele

Leute, Leute, Leute! Warum macht Ihr so verdammt viel Netaudio-Musik? Ich komme weder hinterher mit dem downloaden, noch mit dem Hören noch mit dem Reviewen! Ihr Schweinbande, ich danke und liebe Euch, aber ich kann mir vor lauter Fülle aus diesen Füllhorn nicht mal die Namen merken. Ich gelobe mehr Netaudio-Reviews zu verfassen!


2006? Hmmm...

Nun, was jetzt? Einiges davon brennt mir immer noch unter den Nägeln? Werde ich etwas davon in 2006 doch noch verfassen? Möglicherweise. Ich bin ja überzeugter Basisdemokrat und nehme in den Kommentaren gerne das Votum der Polis (also von Euch) entgegen. Ich wünsche Euch ein ganz neues Jahr ;-) ! Euer Tadeusz (nicht mo., hehe).


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Kommentare

Das ist mal eine interessante Liste! In meinem Wordpress Interface schlummern auch noch diverse Entwürfe, aber die sind noch viel karger was den Inhalt angeht ;)

meint: Eikman am 09.01.06

du schreibst: "In 2005 brannte mein Herz oft lichterloh...", die formulierung "in 2005" ist leider kein deutsch. wir haben glück, dass unsere sprache hier präziser ist als das englische und deshalb getrost auf das "in" verzichten kann. klingt jetzt vielleicht pingelig, aber diesen unnötigen und grammatisch leider völlig falschen anglizismus habe ich einfach ein bisschen zu häufig gelesen in letzter zeit.

meint: Peripherique am 09.01.06

Hungrig online? :-> http://www.spreadshirt.net/shop.php?op=article&article_id=2308665#top

Oder bist du etwa Deutschland Peripherique?

meint: Tadeusz Szewczyk am 09.01.06

das ist wirklich arm!

meint: hans am 09.01.06

war ja auch irgendwie klar, dass sofort jemand drauf einsteigt. das war weder böse noch besserwisserisch gemeint. mich ärgert nur, dass manche so blöde und einfach überflüssige fehler einfach unreflektiert übernehmen und weiterverbreiten.

meint: Peripherique am 09.01.06

Der Artikel an sich ist mir relativ egal, aber ich finde auch, dass das unreflektierte Nachplappern von Anglizismen verboten gehört :-)

meint: hase am 10.01.06

"Mein Tipp, stellt mal selber was auf die Beine."

Falls das auf mich gemünzt sein sollte (was ich jetzt mal annehme, mich aber gerne eines besseren belehren lasse) hier, was ich vorzuweisen habe:

http://www.ideology.de/archives/audio000133.php

http://www.ideology.de/archives/audio000100.php

http://www.musicartistry.de/releases/ma010/ma010.php

http://www.musicartistry.de/releases/ma006/ma006.php

http://www.musicartistry.de/releases/ma003/ma003.php

Du bist natürlich herzlich eingeladen, dich sachlich und kritisch im Gästebuch zu äussern. (Gerne auch irgendwie negativ, falls dich das dann glücklich machen sollte.) Dabei bitte ich auch zu beachten, dass ich deinen Artikel selbst in keiner Form angegriffen habe, lediglich auf einen Fehler hingewiesen habe. Mein richtiger Name ist übrigens Julian van den Boom.

meint: Peripherique am 10.01.06

was hast du denn bis jetzt zustande gebracht, Tobias Spreewitz? ach ja: uniprofessoren haben natürlich immer recht.

meint: hans am 10.01.06

@alle: bitte leute kommt ein wenig runter. vor allem der troll "hans", "hase"... korrekturen sind immer gerne willkommen. am besten schickt ihr die demnächst an die email im impressum und wir korrigieren das dann. dann kommt das nicht so besserwisserisch und wir verbessern dann das ganze ;) sind an kritik immer sehr interessiert. alles locker nehmen.

IMPRESSUM: http://www.phlow.net/info.php

so :) es winkt der mo.

meint: mo. am 10.01.06

Danke Daniel, dein (?) Netlabel ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Es ist im Internet immer wieder augenfällig wie Macher die selbst was zustande bringen anderen Respekt entgegenbringen wohingegen Leute die selber nichts vorweisen können, nicht mal eine eigene Website oder den eigenen Namen, meinen sich über andere auslassen zu können. So als ob Grundschüler Uni-Professoren kritisieren würden.

Mein Tipp, stellt mal selber was auf die Beine.

meint: Tadeusz Szewczyk am 10.01.06

vielen dank für die freundliche erwähnung meines blog's "kreislauf e-zine"...

es ist doch immer wieder schön zu lesen (oder hören), dass es anderen gefällt.

meint: mogwai am 10.01.06

um vielleicht nochmal zum eigentlichen zu kommen [hier steckt bestimmt auch schon wieder ein fehler]... ein echt schöner artikel! vielen dank.

meint: daniel am 10.01.06

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