PopKomm versus Netaudio

Rubrik » Netzkultur Spielerei

thinner_meets_phlow.jpgEs war die unspektakulärste PopKomm seit Jahren. Nachdem 2000 der Höhepunkt mit der in Quadratmetern gemessenen größten Popkomm bis dato überschritten wurde, ist die PopKomm nun ein eingedampftes Etwas, dass nicht weiß wohin. Berlin oder doch Köln? Industrie am Ende oder nicht? Egal, die Netaudio-Szene boomt weiter, und wahrscheinlich brauchen wir alle nur neue Vertriebswege und der kuschelige Thinner-Abend am Sonntag war ein voller Erfolg.

Ein sterbender Saurier legt keine Eier mehr

Wer über die Messe schreitet und sich nicht zu den verblitzten Könnern zählt, bekommt einfach Depressionen angesichts geballter Coolheit. Promo-Tussen geben sich hipper als ihre eigenen Stars, die Kerle klitschen die Haare ins Gesichts und geben sich voll indie. Trotzdem schaut man gerne vorbei oder muss als Musikjournalist. Denn es gibt da auch noch die netten Menschen dazwischen, die im Ganzen Horror-Biz nicht den Pop-Star geben.

Für mich persönlich war es die unspektakulärste Veranstaltung seit Jahren, blieb ich bis auf die Thinner-Nacht sämtlicher Events fern - war anderweitig tätig war. Vielleicht werde ich mich demnächst in den Arsch beissen, weil ich jede Menge DJs und Acts verpasst habe, denn den Rest des Jahres (ver)schläft Köln wieder. Da rütteln leider auch die Kompakt-Jungs nichts nach vorne.

Abseits und doch ein Tor

Doch es gibt auch die andere Seite, das ist die Netaudio-Szene, die langsam in sich geschlossen und abseits der Massen heranwächst. Von den meisten noch nicht bemerkt oder unterschätzt, wächst im Netz langsam ein Label nach dem anderen aus dem digitalen Nährboden. Fast wöchentlich updaten wir unseren Netlabel-Katalog und haben selbst die Übersicht längst verloren. Spätestens in einem halben Jahr wird die Szene explodieren, und jede Menge Nachahmer auf den Zug springen. Aber dann haben sich Labels wie Thinner konsolidiert und kicken womöglich allen anderen Hardware-Labels in den Arsch, vielleicht aber auch nicht. Denn ein physischer Tonträger ist doch immer noch das schönste. Wir werden sehen.

krill_minima.jpgThinner meets Phlow

Im Halmackenreuther, einem Kölner Café für Medienfuzzis, fand das Event statt. In einem süßen kleinen gestylten Kellerraum, der leicht Sixties angehaucht daherkommt und wo die Wände orange leuchten, hatte Martin (Falter/ krill.minima) von Thinnerism einen runden Abend organisiert, der mit drei Liveacts (Digitalverein, Dennis de Santis und krill.minima) üppig glänzte.

In der süßen unterirdischen Lounge schwebten die Sounds zwischen avantgardistischer Elektronik bis hin zu treibenden Minimal-Tracks. Zwar wurde nicht getanzt, aber die hippie-eske Atmosphäre mit auf dem Boden sitzenden Menschen verbreitete ihren ganz eigenen Charme. Hoffentlich sind auch bald die Sounds des Abends online und das neue krill.minima-Album auf dem Sublabel Autoplate steht sowieso schon in den Startlöchern.

Bis dahin, solltet ihr Euch dass forsche und leicht holprige Set "Boom Tschak Cell" unseres Freunde s[in]anace von subsource.dezu Gemüte führen, denn dass besteht aus ausschließlichem Netaudio-Material.

Download: "Boom Tschak Cell"-Mix by [In]anace

Last not least

Und wie es sich für eine innovative Szene gehört, gab am gleichen Abend Jörg "Rackler" Friedrichs den Start des ersten Kölner Netlabels bekannt. Das heißt iD.eology und startet mit seinem ersten Release im Compilation-Format durch. Zu finden unter: www.ideology.de (Moritz Sauer)

Die nächste große Netaudio-Nacht findet am 13. September in Nürnberg statt...

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