Open Source: Freie Software für ein bunteres Morgen

Rubrik » Netzkultur Spielerei

foto_jordan_nielsen.jpgFreie Werkzeuge für Visionen | Viel zu selten lehnt man sich in unserer Informationsgesellschaft einmal mit Muße zurück und nimmt sich Zeit zum Staunen. Zeit, um einfach mal zu realisieren, wie sehr uns freie Software zunehmend unterstützt, Kreativprozesse freilegt und Raum für Experimente und neue Entdeckungen eröffnet. Open Source-Software schafft nicht nur eine neue Wissens- sondern auch eine brandneue Kulturgesellschaft inklusive mehr Musik.

Text: Moritz »mo.« Sauer

Unter Mathematikern ist es verpönt Wissen geheim zuhalten. Schließlich führt eine erfolgreiche Kooperation zu schnelleren und besseren Resulaten. Kein Wunder also, dass seit Jahrtausenden mathematisches Wissen geteilt wird. Neue Formeln und Algorithmen veröffentlichen Mathematiker schon alleine aus dem Grund, damit diese überprüft und diskutiert werden.

Ähnlichen Prinzipien folgt die Open Source-Bewegung. Programme, Code-Zeilen und Ideen veröffentlichen ihre Anhänger freiwillig und verzichten meist auf Patente. Und wenn Patente im Spiel sind, dann werden diese meist aus dem Grund zusammengeangelt, damit sich nicht ein ätzender Megakonzern eine Software-Idee krallt.

Somit liegen Funktionen und Werkzeuge einfach und frei zugänglich zum Download bereit. Gute Rezepte verheimlicht Mutter letzten Endes auch nicht, sondern gibt uns gerne ihre Tipps für die umwerfende Crème brulée mit nach Hause. Ob wir das Rezept dann richtig umsetzen, sieht man dann spätestens in den Gesichtern der Gäste.

Freie Arbeitswerkzeuge für eine spannende Kulturgesellschaft

Bis hierhin nichts Neues. Aber was man sich mittlerweile einmal vor Augen führen sollte, ist die schiere Professionalität der Open Source-Software. Während Open Source-Programme vor Jahren noch weit hinterherhinkten, marschieren Arbeitswerkzeuge wie Open Office, Thunderbird oder Firefox mittlerweile auf Augenhöhe mit gekaufter Profi-Software daher. Oft beherbergen Firefox & Co. bessere Funktionen und bieten Dank einer offenen Schnittstelle exzellentere Ausbaumöglichkeiten als kommerzielle Software.

Auch Musiker profitieren zunehmend von den freien Programmen. Zwar gibt es schon seit Jahren prima Programme zur Verwaltung und Kompression von Musik – sprich MP3-, FLAC und Ogg Vorbis-Encoder, mittlerweile schließt sich aber auch die Lücke bei den Produktionstools. Während der Audio-Editor Audacity für zahlreiche Podcasts das Standardproduktionswerkzeug ist, so entwickelt sich gerade mit der JackLab Audio Distribution eine interessante Produktionsumgebung für Linux. Und das Linux schon lange nicht mehr nur ein Betriebssystem für Nerds und Geeks ist, zeigt die wunderbare Ubuntu/Kubuntu-Distribution. Was da für ein wunderbares Programmpaket zusammengeschnürt wurde, lässt mich immer wieder einfach nur erfreut staunen. Wer sich mal einen tieferen Einblick verschaffen möchte, der schaut sich am besten einfach mal die Videotutorials von Galileo an und lässt sich dort vor Augen führen „'was geht“.

Demokratisches Kulturpotential

Was Open Source-Werkzeuge zukünftig noch für Kulturpotential freilegen, wird uns in Zukunft sicherlich noch das ein oder andere mal verwundert den Munde offen lassen. Einen ersten Geschmack bietet uns bekannterweise die Wikipedia. Ohne die Philosophie und die Open Source-Software MediaWiki, die dem Online-Lexikon als Plattform dient, wäre das Wissensportal nie so schnell gewachsen.

Und das Wissen und Kultur immer öfter und manchmal ausschließlich nur über Open Source-Werkzeuge vertrieben wird, beweist das erfolgreiche Projekt des Apache-Servers. Ohne diese Plattform wären wunderbare Programmierumgebungen, die auf dem Apache-Server fußen nicht möglich. Open Source-Tools wie PHP oder Ruby On Rails wären einfach nicht möglich. Der schiere Wahnsinn erfasst da einen: Denn demokratisch liegen hier für jeden die Werkzeuge frei zur Verfügung und Selbst das Know-How findet sich im Web.

Zeit also, einfach mal zu staunen und sich an den ausufernden Möglichkeiten zu berauschen. Ich lehne mich jetzt noch einmal zurück und staune, philosophiere noch ein wenig innerlich und denke nach welche Kraft und Energie in dieser Bewegung steckt. Irgendwie unterschätze ich das selbst immer noch...


Info: mo.s Web 2.0-Kolumnen erscheinen jeden Samstag exklusiv auf intro.de, dem Portal für Popkultur und so und können dort eine Woche im voraus gelesen werden.

Als Favorit speichern » AddThis Social Bookmark Button

Kommentare

open source heisst nicht "frei erhältlich".

hier muss man klar unterscheiden, ich kann als entwickler meine software durchaus quell-offen belassen und dennoch 2000€ dafür verlangen.

hier werden sachen gemischt, die nicht zusammengehören.

meint: fabien am 17.07.07

@fabien: Mecker, mecker...

Du hast zwar Recht, aber ich bekomm' trotzdem einen Hals, wenn ich auf Deine Kommentare stoße. Kritik kann man auch positiv formulieren. Bei Dir klingt alles oft sehr negativ, schade eigentlich.

meint: screne am 18.07.07

@fabien: ok, im grunde hast du recht. quelloffen heisst nicht gleich kostenlos. ich weise ja auch am anfang des artikels daraufhin, dass einige open source-menschen auch patente für ihre werkzeuge und software besitzen.

doch die bekanntesten und meisten open source-programme (wie die erwähnten im text) werden oft und in der regel unter eine GNU oder ähnlichen lizenz veröffentlicht. die software ist damit frei erhältlich.

das ist vielleicht das irritierende an der idee "open source" und beim nächsten mal muss ich die dinge noch präziser formulieren. seit einiger zeit schreibe ich auch lieber "frei" erhältlich als "kostenlos" ;) man lernt nie aus.

also, meckern ist ok. hoffe der restliche artikel hat dir trotzdem gefallen.

meint: mo. am 18.07.07

Der Artikel ist klasse, das hast du schön beobachtet, Moritz!

meint: Stefan am 18.07.07

die ubuntustudio variante macht audio/video/grafik einwenig leichter.

meint: kus am 19.07.07

Kommentar schreiben!

Kommentare:

Klick-Konzept - Essentielles Webdesign