Netaudio-Night Nürnberg: Eine Subkultur im Aufbau

Rubrik » Netzkultur Spielerei

netaudio_nuern1.jpgNach Mannheim und Köln lud zum Einstieg in den Herbst [in]anace von subsource.de ins Desi in Nürnberg. Mit Liebe war ein Netaudio-Abend der Superlative aufgezogen worden, der durch ein großartiges Line-Up erst zum Schwingen kam.

Dirk Murschall aka [in]anace hatte mit der Desi, einem außerordentlich großen Jugendclub, eine Location geöffnet, die mit einer Lounge-artigen Kneipe und einem großen Tanzraum hervorragend Platz für einen außerordentlichen Event schaffte. Denn mit sieben Thinner- und Subsource-Künstlern wurde ein reichhaltiges Angebot an Netaudio-Freaks aufgefahren. Auch das reichhaltige Equipment versorgte das Event mit der korrekten Dosis Bass.

Entrée

Eröffnet wurde der Abend wie auch in Köln von Martin aka krill.minima, der sein aktuelles Album liebevoll durch Filter modulierte und sanft in den Abend hineinführte. Die mit rotem Samt überzogene Werkbank teilte man sich gemeinsam mit [in]anace plus geöffnetem Traktor und Zeichensprecher, der effektvoll seine intuitiv zu bedienenden Instrumente mitgebracht hatte. Die selbstkonstruierten Cubes mit Tast- bzw. visuellen Sensoren amüsierten und begeisterten schon im Vorfeld das Publikum. Vor allem machten die selbstprogrammierten Instrumente neugierig durch ihr futuristisches Design.

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Gekonnt wurde hier mit Spieltrieb ein Gegenpol gegen bürokratisch-autistisches Laptop-Mit-Dem-Kopf-Gewackele gesetzt. Die spacigen Sounds, die von der Software Absynth mittels Computer harmonisiert wurden und der experimentelle Umgang mit Hilfe von neuen Instrumenten entzückte und begeisterte den ganzen Abend immer wieder.

netaudio_nuern4_kl.jpgLiveact-Teamwork

Ab 23:00 öffnete dann das Laptop-Duo Digitalis den Dancefloor. Mit Hilfe der eigenwilligen visuellen Unterstützung von Solokünstler Sam Graf entstand aus den ambientlastigen Dubschwaden und teilweise düsteren Beats ein wunderbarer Film. Dabei warf der 18-jährige Video-Künstler gefühlvoll sich wiederholende Filmsequenzen auf die Leinwand, schachtelte und verschob die Perspektiven wie die Musiker die Klänge und bannte das leider spärlich anwesende Publikum.

netaudio_nuern5_kl.jpgVor allem die Symbiose und das getimte Tuning zwischen Sounds und Optik berauschte und drängt Vergleiche mit Artists wie Rechenzentrum auf. Zwar sind die Projektionen noch nicht so individuell ausgereift wie bei Lillevän, heben sich jedoch angenehm anders aus der Masse der Video-Künstler heraus. Nicht nur weil sehr mystisch die Natur der Schweiz in Kontrast zur Zivilisation aufs Korn genommen wurde, sondern auch, weil sich die Kompositionen farblich aus dem Einheitsbrei von Ich-Film-Was-Mich-Umgibt absetzten.

Ein Art-Director und System-Administrator bitten zum Tanz

Dagegen hatte es Hochgeschwindigkeitsproduzent Digitalverein zu Anfangs schwieriger. Zwar unterstützen weiterhin Visuals sein ruhig-angegangenes Set, brachen jedoch mit dem linearen Sog des vorangegangen Liveacts. Belohnt wurden die smarten Klänge von vereinzelten Tänzern, die anschließend auch von dem überraschenden Set von Benfay gefesselt wurden. Digital Disco mit trockenen Kicks und sich weiterentwickelnden Basslinien waren Programm. Beeinflusst von John Tejada, probierte der Schweizer seine Melodien zu modulieren und über die Tracklänge hin zu entwickeln. Teilweise wurde der Act dadurch ein wenig langatmig, hob sich dagegen jedoch vollkommen gegen das ihn umgebende Programm ab.

netaudio_nuern3_kl.jpgRichtig loskickte an dem Abend jedoch nur Dialogue, der gekonnt harmonisch-minimalen TechHouse mit Schaffelbeat-Tracks wechselte. Dazu gehörten unter anderem Stücke, die demnächst auf Trapez erscheinen. Schade, dass zu dem Zeitpunkt nur noch ein Tanzwilliger einsam seine Bewegungen vollführte.

Was haben wir gelernt?

Der mit viel Engagement initiierte und beworbene Abend zog an diesem Abend leider nicht genügend Publikum, um richtig das Haus zu rocken. Dafür hatte wohl auch Ellen Alien auf der Konkurrenzveranstaltung gesorgt. Außerdem wird der Stand der Künstler nicht durch ein lokales Netzwerk gestützt, sondern nur durch ein globales. Die Downloads beweisen, dass der Sound mit Lieben und Freude auf den heimischen Rechner gesaugt wird, doch der recht offensichtlich fehlende Bekanntheitsgrad der Künstler innerhalb einer lokalen Szene lässt solche groß angelegten Parties zu einem schwierigen Unterfangen werden.

netaudio_nuern2_kl.jpgTrotzdem waren alle glücklich auch ohne Gage. Der Gemeinschafts-Gedanke, das freundschaftliche Zusammentreffen und der rege Informationsaustausch entschädigte für ein angemessenes und zahlenreiches Publikum. Denn dadurch hebt sich die Netaudio-Szene definitiv von Vinyl-Labeln etc. ab. Den Künstlern geht es um Repräsentanz ihres Sounds, ihrer Musik, dem künstlerischen Wollen, dass gerne ein mit Technik und Menschen vollgepfropftes Auto in Kauf nimmt.

Natürlich müssen nun auch Konsequenzen gezogen werden und vielleicht sollte beim nächsten Mal in gleich großer Umgebung ein Support aus der "ganz normalen" DJ-Welt herangezogen werden. Oder die Netaudio-Szene sollte sich vielleicht auch lokal organisieren. Denn die Propaganda via Netz funktioniert, nur erreicht es nicht das gemeine Party-Volk bzw. noch nicht. (Moritz)

Info: Der nächste Event findet übrigens in Bern statt!

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Kommentare

Woa, das war sie also, meine erste selbstorganisierte Party und die erste Netaudio Night in Nürnberg. Der 13.09.2003. Es hat mir trotz allen Anstrengungen durch Auf- und Abbau von Technik und Deko, Koordination aller Beteiligten (ein DICKES Lob an alle, ging fast von alleine!), der kleine Frust durch ein nicht ganz so volles Haus und der etwas fehlende Schlaf sehr viel Spass gemacht. Entlohnt wurde ich durch ein tolles Ambiente, durch sehr gute Musik und durch viel viel positives Feedback, denn es wollten alle Beteiligten eine Fortsetzung dieser Party und ich denke im Januar peile ich die nächste an.

meint: [in]anace am 17.09.03

hallo alle!

wie war das, wo war ich bloß? hab wohl einiges verpasst an diesem schönen, nennen wir es mal- familientreffen? freu mich auf ein weiteres zusammenrücken in bern oder im januar in ?? rechtzeitig termin spreaden und für ein paar rumors sorgen, dann wird's schon volles haus geben. freu mich auf bern, kölle, nbg und eine webdialerfreie zeit, versprochen.

grß aus 2063

meint: 020200 am 25.09.03

bekenne mich schuldig. aber hier in nbg fangen ja wirklich alle leute das spinnen an wenn so jemand wie frau allien da ist, wobei spinnen aber eigentlich doch auch nicht schlecht ist. aber naechstes mal wird es schon eine livedarbietung von "number 9" vom weissen album in originalbesetzung als konkurrenz brauchen damit ich mir das nochmal entgehen lasse. versprochen.

meint: usr am 03.11.03

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