Lord Of The Bricks

Rubrik » Netzkultur Spielerei

Seine Kinderliebe zu LEGO-Bausteinen wiederbelebt Michael Lachmann mit seinem FreeWare-CAD-Programm "MLCAD". Wir haben es ausprobiert und zeigen Euch, wie ihr nach dem Zusammenstecken ganz simpel die Grafiken mit dem Rendering-Programm POV-Ray in fantastisch-digitale Lego-Welten verwandelt. Außerdem bieten wir Euch ein paar Links zu wunderschönen Lego-Movies.

Als Kind saß ich regelmäßig vor meinem Lego-Sack und habe mit jedem Mal neue Raumflieger, Autos und Häuser gebaut. Dabei kam ich jedes Mal genauso regelmäßig an meine Grenzen, denn irgendwann waren keine brauchbaren Legosteine mehr, die nicht irgendwo schon drauf- oder drangesteckt waren. Als Junge habe ich mir dann immer vorgestellt, wie das wohl wäre als Lego-Erfinder. Deren Arbeitsraum, träumte ich, müsste aussehen wie ein riesiges Wohnzimmer mit Schränken voller kleinster Schublädchen in denen unzählige Steinchen warteten, die verbaut werden wollten. Deswegen wollte ich wie Daniel Düsentrieb auch Erfinder werden, denn ich stellte mir nichts besser und großartiger vor als neue Lego-Modelle zu entwerfen: Spielen den ganzen Tag! Logisch, dass der kleine Junge dann mit fortschreitendem Alter irgendwann diese Ideen aus den Augen verlor, gab es doch wichtigere Dinge, die ausprobiert werden wollten.

Doch mit dem CAD-Programm "MLCAD" von Michael Lachmann flammte jüngst die Liebe zu den farbigen Klötzchen wieder auf und stieß die Tür auf in eine Welt aus Freaks und Geeks, die sich selbst humorvoll als Brickheads bezeichnen. Während die einen Lego-Filme drehen, bauen andere Mech-Kampf-Roboter und wiederum andere widmen sich vollkommen der programmtechnischen Umsetzung.

Wie bei vielen anderen technischen Subkulturen auch, bietet das Internet wieder einmal die passende Plattform für das nerdige Hobby der nie erwachsen werdenden Jungs. Dass faszinierende an dieser Entwicklung ist, dass wie so oft sämtliche Tools for free zum Download bereit stehen und eine Produktliebe seitens der Entwickler betrieben wird, von der sich Großunternehmen eine Scheibe abschneiden sollten.

Eines der herausragenden Spielwerkzeuge ist dabei das schon erwähnte MLCAD. Nach dem Download des Programms und der aktuellsten Klötzchen-Daten von ldraw.com kann man unter Windows direkt beginnen eigene Autos, Szenarien oder Situationen zu bauen nach denen man sich schon immer gesehnt hatte. Dabei ist das Programm simpel und gut strukturiert und lässt das erfahrene Spielkind sofort Feuer fangen. In vier Fenstern sieht man hierbei die Elemente aus unterschiedlichen Perspektiven. Nachdem man die Bausteine in eines der Fenster mit der Maus gezogen hat, kann man sie anschließend in allen drei Dimensionen drehen und wenden, um sie danach noch nach eigenem Belieben einzufärben. Wem das zu lange dauert, der kann auch eigene kleine BMP-Bildchen vom Programm umrechnen lassen oder bedient sich am Lego-Fractal-Generator.

Hat man einmal etwas fertig gesteckt, kann man es entweder als fertiges Bild im JPG-, BMP- oder GIF-Format abspeichern oder die CAD-Daten in ein DAT-File exportieren, um es anschließend in einem richtigen Rendering-Programm auf Hochglanz polieren zu lassen. Als empfehlenswert entpuppt sich da vor allem das Free-Ware-Tool POV-Ray. Um die DAT-Files in POV-Ray benutzen zu können, muss man sie vorher nur noch schnell mit dem kleinen Programm "L3P" ins richtige Format konvertieren. Wem das MS-DOS-Programm zu basisdemokratisch ist, der sollte sich anschließend noch das grafische Windowsinterface L3PAO absaugen (alle Programm-Links findet man auf ldraw.org). Anschließend rendert POV-Ray dann klaglos das Bild und man staunt glücklich über sein Werk ohne je eine Zeile über Rendering gelesen zu haben.

Wem jedoch all dies zu anstrengend und zeitraubend erscheint, der tut sich gütlich an den Filmen der Brickheads. Die Site brickfilms.com bietet da jede Menge Querverweise und für jeden das richtige Format. Ob vom simplen ein-minütigen Clip bis hin zum lang andauernden Filmchen, dort finden Cineasten ausreichend Material um Nachmittage zu füllen. Logisch, dass da aktuelle Nachverfilmungen und Trailer der Blockbuster besonders im Vordergrund stehen. Wie wär's also mit "Brick Fiction" oder "The Adventures of Lego Jones"?

Wem das immer noch nicht nerdig genug erscheint und der lieber in der Realität Hand anlegt, kann ja auch in seiner Maus ein kleines beleuchtetes Mausoleum für eine seiner Lieblings-Lego-Figuren nachbauen. Der Finne Jani Pönkkö zeigt mit einer detaillierten Anleitung nach dem Prinzip "love-your-hardware" wie's funktioniert. Also, dann viel Spaß beim stecken, drehen und schrauben!(Moritz)

Link-Box
ldraw.org
[Original Programm erforderlich für MLCAD]

lm-software.com/mlcad [Windows CAD-Programm]
ldraw.org/download
[Konvertierungs-Programm von DAT nach POV]

povray.org [Free-Ware Rendering Programm]
brickfilms.com
[Jede Menge Lego-Filme]

brickfest.com
[Sammelpunkt für Happenings]

metku.net/cryo
[Anleitung für ein Lego-Mausoleum in einer Mouse]

drew.corrupt.net/lp
[Lego-Pornos im Comic-Style]

Interview mit Michael Lachmann:

Michael Lachmann ist 36 Jahre alt, verheiratet und hat einen anderhalb Jahre alten Sohn. Beruflich leitet er eine eigene Softwareentwicklungsabteilung eines österreichischen Mobilfunkbetreibers. In der Freizeit beschäftigt er sich vor allem mit Computern und Lego. Seinen Computer, darauf legt er wert, benutzt er ausschließlich zum arbeiten, meist zum Programmieren oder Filme schneiden. Seine sorgfältig gehüteten Lego-Bausteine fallen nun langsam in die Hände seines Kindes, nur die Lego-Eisenbahn wird noch behütet für spätere Zeiten, Widerstand zwecklos!

Phlow: Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen ein CAD-Programm für LEGO zu programmieren?

Michael Lachmann: Das passierte vor einige Jahren, als ich meine Liebe zu Lego wieder entdeckt habe. Ich baute viele Modelle und wollte diese irgendwie auf Papier oder Diskette bringen. Nach längerer Suche im Netz habe ich dann LDraw gefunden, das aber eine reine DOS-Software ist, und nicht mehr wirklich zeitgemäß. Andere Software speziell für Windows fand ich auch, die entsprach aber nicht meinen Erwartungen.

Irgendwann habe ich dann begonnen MLCad zu schreiben, und habe die erste Version gleich ins Netz gestellt. Das Feedback war gut, weshalb ich weitergemacht habe, und dann vorallem die Vorschläge anderer mit aufgenommen habe.

Phlow: Das Programm L3P konvertiert die CAD-Daten Deines Programmes in das POV-Ray-Format, damit man anschließend Bilder rendern kann. Wußtest Du von der Entwicklung und warst Du begeistert als Du die Ergebnisse gesehen hast?

ML: Ich bekam zunächst einen Hinweis, PovRay kannte ich schon von früher. Ich habe dann Kontakt zu L. Hassing aufgenommen, und eine Schnittstelle eingebaut, die es dem User leichter machen sollte MLCad, L3P und Provray zu verwenden. Die Resultate finde ich immer wieder faszinierend.

Phlow: Die Entwicklung von MLCAD hat bestimmt eine Menge Zeit in Anspruch genommen. Obendrein kann man es sich auch noch kostenlos aus dem Internet downloaden. Wo liegt da der Nutzen für Dich? Oder machst Du das aus schierer Begeisterung?

ML: Ja MLCad hat wirklich einiges an Zeit in Anspruch genommen. Aber ich mache es mittlerweile wirklich aus Begeisterung. Ich sehe es auch irgendwie als Werbung für mich, und die vielen Nutzer sind für mich eine Bestätigung, dass die Werbung ankommt.

Phlow: Viele Programmierer und Entwickler bieten Ihr Arbeit kostenlos im Internet an. Oft wissen User es nicht zu schätzen wieviel Arbeit und Pflege der einzelne investiert und dass er es eigentlich des Spasses und der Neugierde willen frei anbietet. Welche Erfahrung hast Du mit der Veröffentlichung Deines Programmes gemacht? (negative Erfahrungen fände ich z.B. sehr interessant ;)

ML: Also ich habe eigentlich, bis auf einmal, nur gute Erfahrungen gesammelt. Ungefähr ein Jahr nachdem ich MLCad verföffentlicht hatte, musste ich täglich meine e-mails lesen, da ich zirka 5-10 mails in ruhigen Zeiten, und bis zu 50 Mails nach einer neuen Produktivsetzung bekomme.

Die Leute schreiben mir von ihrer Freude und Begeisterung. Ich bekomme Tips, Wünsche und Anregungen von den Usern. Natürlich kommen auch Fehlermeldungen, die ich persönlich sehr wichtig nehme, und versuche schnell zu behandeln. In den vielen Mails in all den Jahren habe ich nur eine Mail von jemandem bekommen, dem das Programm nicht gefallen hat, und sich darüber bei mir beschwerte...

Phlow: Was können wir in Zukunft von Dir erwarten? Planst Du neue Projekte? Hast Du schon etwas in Vorbereitung?

ML: Also die nächste Version ist schon am Tisch. Mit einigen neuen Features und einem aufgemotzten Aussehen .. ich verrate an dieser Stelle nicht zu viel - nur ich hatte Kontakte zu einigen Entwicklern von Zusatztools für Ldraw :-)

Es wird dann auch eine neue Version des Screensavers geben. Andere Dinge habe ich derzeit nicht vor, aber mal sehen. Für MLCad würden mir noch genügend Dinge einfallen, nur die Rechte der LDraw Library sind für so manches Feature echte Hinderungsgründe ...

Phlow: Vielen Dank für das Interview.

Die Entwickler-Site von MLACD findet ihr unter: lm-software.com/mlcad

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