Kritik an vermeintlichen SWR2-Open Content-Strategien

Rubrik » Netzkultur Spielerei

Wie letzte Woche bereits berichtet, ist jetzt das MP3 der SWR2-Radio-Sendung über Netlabels online. Groß als Open-Content angeboten, hagelt es nun von verschiedenen Seiten Kritik. Zum Beispiel von den Kollegen von laut.de.

Der Titel der Pressenachricht des SWR2 lautet so: "SWR2 publiziert erstmals Sendung als 'Open Content'" mit dem Untertitel "SWR2 Wissen-Sendung über Netlabels zur freien Verwendung im Internet". Die Idee ist schön und in meinem Telefongespräch letzte Woche mit dem Autor der Sendung, Sebastian M. Krämer, schimmerte durch, dass die Idee "Open Content" nicht von allen beim SWR2 rege unterstützt wird. Öfters berichten Kollegen von mir - freie Journalisten, die für den öffentlichen Rundfunk arbeiten - das die großen Funkhäuser wie bürokratische Behörden arbeiten. Zahlreiche Sesselpupser sitzen halt auf festgenageltem Arbeitsplatz, wie Beamte halt. Oder sind Mitarbeiter im öffentlichen Dienst sogar Beamte, hm, gerade überfragt.

Dünnes MP3, erboste Presse

Auf jeden Fall schreiben die Kollegen auf laut.de in ihrem Artikel "Netlabels: SWR2 blamiert sich mit "Open Content" erbost:

Open Content ist ausdrücklich etwas anderes. Die Wikipedia weiß: "Freie Inhalte, oft auch mit der englischen Bezeichnung Open Content tituliert, sind Texte, Bild- und Tonwerke, die ohne Zahlung von Lizenzgebühren bearbeitet, weiterverbreitet und gewerblich genutzt werden dürfen." Den SWR-Beitrag dagegen müssen die Internetbetnutzer nicht nur - per GEZ-Zwangsgebühr - bezahlen, sie dürfen ihn auch nicht weiterbearbeiten, von einer Benutzung in kommerziellem Rahmen ganz zu schweigen.

Außerdem, und da gebe ich den Kollegen recht, bietet der SWR2 das MP3 in einer unfassbar schlechten Qualität. Einer Geht-Gerade-So-Qualität für Podcasts. Auch Deutschland Funk und WDR bieten Ihre Inhalte nicht in höherer Qualität an. Sicherlich gibt hier auch die automatisierte Technik den Ausschlag. Ich tipp mal, dass der Eintrag so gut wie automatisiert zum Artikel hinzugefügt wurde. Trotzdem hätte man in diesem Fall eine Ausnahme machen sollen. "So ist's halt a bisserl fad, you know what I'm sayin'?!?"

Ein Lob dem Inhalt

Ein wenig vergessen, haben die Kollegen von laut.de jedoch den Inhalt. Da meckert Rainer Henze(?) über eine Märchenonkelstimme, die in Abwechslung mit einer Frau den 30-minütigen Radiobeitrag vorträgt. Nichtsdestotrotz gefällt mir der Beitrag eigentlich recht gut. Schließlich sind 30 Minuten über das Thema freie Musik im Internet und Netlabels im Speziellen ein weit ausgerolltes Thema. Der freie Journalist Sebastian M. Krämer besticht mit seinem Feature auch durch Fleiss. Interviewt wurden nicht nur Protagonisten der Szene, sondern der Sebastian M. Krämer reiste auch zum Netaudio Festival nach Berlin. Um einen engagierten Beitrag handelt es sich hierbei darum auf jeden Fall. Prügel und Kritik verdient der bürokratische Haufen des SWR2. Aber in großen Gefügen ändern sich Dinge halt langsamer und bleiben wir noch ein wenig geduldig. Ich bin mir sicher, dass da noch einiges kommt, und bis dahin machen wir es halt besser oder schließen die Lücke so weit es geht!

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Kommentare

müssen wir uns wohl doch an den eigenen haaren aus dem dreck ziehen...

meint: bettina rhymes am 15.01.08

Ich finde die Kritik auf Laut.de inklusiver der plakativen Überschrift absolut nicht für gerechtfertigt.
Sicher - 64 kbps sind kein Grund zum Jubeln. Aber es ist ein Radiobeitrag , den hört man sich an & das isses dann. Und warum sollte man das Ding irgendwie bearbeiten ? Als Samplequelle ist der Beitrag eher ungeeignet - warum also die Aufregung über das verbieten der bearbeitung ?
Der Autor der Sendung hat seine Sache sehr gut gemacht , ich fand das ganze sehr informativ & war soagr etwas enttäuscht als nach 27 Minuetn der Beitrag zu Ende war. Ich hätte da gerne noch mehr gehört.
Und die "Märchenonkelstimme" fand ich als wunderbar angenehm - aber in heutigen Zeiten muß es wohl immer schrill sein...

meint: Marc am 15.01.08

außerdem - so sicherte mir sebastian krämer zu - laden die jungs den beitrag auch als höherwertiges ogg vorbis-file auf archive.org hoch. also wenn das nichts ist :)

ich glaube, der artikel von rainer war ein schnellschuss. ich gehe auf das thema in meiner kommenden intro-kolumne am samstag noch ein wenig genauer ein.

meint: mo. am 15.01.08

Die Kritik in dem Artikel verfehlt ihr Ziel (welches dass auch immer sein mag) völlig.
Eine verbindliche Definition, was OpenContent ist gibt es nicht. Der SWR hat zwar die restriktivste CC-Lizenz gewählt, hier jetzt aber oberlehrerhaft und sachlich nicht richtig zu meckern: 'das ist kein Open Content' ist reichlich albern.
In früheren Version des Open Content Artikels von Wikipedia, beinhaltete die Definition von Open Content hauptsächlich, dass die Verbreitung der Inhalte ausdrücklich gewünscht ist. Jetzt nur noch Inhalte, die verändert und gewerblich genutzt werden dürfen als 'Open Content' zu bezeichnen ist Haarspalterei.

Freuen wir uns einfach, dass der SWR2 einen Anfang gemacht hat und fertig.

meint: mic am 15.01.08

das sehe ich genauso! das ist doch wenigstens mal ein guter anfang. erst meckern immer alle, daß die netlabelszene von den traditionellen medien ignoriert wird und kaum versuchts´s mal einer wird er von den free culture gralshütern niedergemacht... das ist kein gutes signal an den rest der welt. und sich bei einem radiobeitrag über die encoding qualität aufzuregen finde ich auch reichlich überzogen.

meint: SimSullen am 16.01.08

mit dem artikel auf laut.de hat sich der schreiber doch selbst blamiert.

natürlich ist die sendung (auch) für das fachpublikum, doch dürfte für "uns" diese sendung nicht unbedingt produziert sein. hat sich einer der kritiker vielleicht einmal darüber gedanken gemacht wer diesen sender "swr2" überhaupt hört?

täglich schalten im schnitt 240.000 hörer rein und ich bin mir sicher, dass nicht einmal 10% davon überhaupt wissen was ein "netlabel" ist.

und überhaupt, meckern kann jeder - wie wärs mit besser machen?

meint: mogwai am 17.01.08

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