Die Zukunft von Weblogs, Google und PR

Rubrik » Netzkultur Spielerei

hbs-x-ray.jpgAuf der CeBIT 2006 gab es eine interessante Gesprächsrunde namens Future Talk mit Helden und Wissenschaftlern wie Johnny Haeusler und Stephan Baumann plus eine kleine Sonderportion PR-Breitseite seitens Keuchler und Cords. Diskutiert wurde die Macht und Wirkung der Blogger, der Themenpositionierung in den Medien sowie das Themen-Spotting per Google-Algorhithmus. Wir bieten Euch die Talks und wichtigsten Beiträge in einer sweeten Übersicht.

Text: mo.

Man kann viel über die Talker schreiben und einige von Euch haben sicherlich schon einmal den eloquenten Herrn Haeusler beim diskutieren erlebt, am frischesten wirkt es jedoch, wenn man sich das Ganze in Ruhe einfach mal anhört. Insgesamt eine interessante Gegenwartsaufnahme von Klein-Deutsch-Blogistan. Ich halte es mal fest mit einem Blick auf die Spree: "Da geht noch einiges, es bleibt weiterhin spannend und wir machen das wozu wir Lust haben". Viel Vergnügen beim Hören und Lesen.

cebit-blog-talk-06.jpg
Foto: Andreas Schepers


Artikel: Baumann "Computational Culture and Social Computing"


Artikel: Johnny Haeusler "Zukunftsquatsch"


Artikel: Infos und Audiodownload der Podiumsdiskussion.

Herrvorragende Fotos des Talks dort und hier.


via hardbloggingscientists.de

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Kommentare

klasse ... nachdem cebit für mich zu weit weg war ... klasse ... danke ...

meint: firnwald am 15.03.06

Da könnte sich echt jeder halbgebildete Pseudo-Intellektuelle da hinsetzen und einen unausgereiften Vortrag über die ach so trendige Welt der "Computational Culture" halten, der irgendwann mal ein digitales Tagebuch geschrieben hat oder sonstwie im Internet unterwegs gewesen ist. Unter Blinden ist der Einäugige scheinbar immer noch König.

Außerdem sollten die Leute mal ein wenig deutsch lernen. Oder ist das im Zeitalter von "checken", "mesh-ups", "ego-surfing", "peer-to-peer sharing-network", "nerds", "downloaden" und "social software" nicht mehr zu leisten?

meint: gonzo am 19.03.06

Hallo Gonzo,
diesen Kommentar nehme ich mir zu Herzen!

1. Auf der IT-Leistungsschau Cebit einen Vortrag zum Thema KomputerKultur zu halten, ist nicht einfach. Problem Zielgruppe: da sitzten IT-Vertriebler, Schüler, Studenten, Rentner, Blogfans von Johnny, Forscher, Doktoranden, der Google-Pressesprecher, usw. ... schwierig. Vor Ort dachte ich dann, es sei die beste Wahl, einen "MickeyMouse"-Vortrag zu halten, wenig Technisches, einen Mix aus bunten Folien, Buzzwords und Erklärungen. Ist bei Dir leider nicht angekommen. Evtl. muss man doch vor Ort sein. Jedenfalls habe ich auf der Cebit einen Rentner glücklich gemacht, weil ich ihn mit einem Flickr und blogger-Account versorgt habe. HTML will er nicht mehr lernen, aber er hat noch genug zu schreiben und Bilder zum Zeigen. Die eher mathematischen, informatiklastigen Vorträge gibt es auch, bei Bedarf melden, dann schicke ich gerne einen Packen .pdfs.

2. Computational Culture ist trendy? Den Begriff hab ich mir eigenlich vor 6 Monaten in dieser Form ausgedacht, um das Thema zu benennen, da wir hier versuchen verschiedene Themen zu bündeln (Ubicomp, Medienverarbeitung, Social Computing). Natürlich mit einer Attitüde der Popkultur, so wie es die Amerikaner immer machen. Das darf man als Deutscher im eigenen Land natürlich immer noch nicht. Viele Begriffe und Dienste sind leider in Amerika entstanden und von daher auch begrifflich belegt, bloggen ist bloggen, aber als Fingerübung werde ich die Folien ins deutsche übersetzen. Die Kritk kann ich gelten lassen.

EINÄUGIGER UNTER BLINDEN: das ist mir zu hart, bennene mir bitte die Sehenden? Page,Brin,Lessig,Maeda,Manovich, usw. sind meine Vorbilder, da komme ich noch nicht ran, ich arbeite daran. In Deutschland? bleibt es schwierig.

Viele Grüße
Stephan

meint: Stephan Baumann am 20.03.06

Hallo Stephan, danke für die Rückmeldung. Falls Du Dir meinen Kommentar tatsächlich zu Herzen nehmen solltest, dann bitte nicht zu sehr - ich schieße gerne scharf, meine es aber in keinem Fall persönlich.

Zum Thema:

vielleicht hat mich ja gerade deswegen die Art und Weise des Vortrags so wenig überzeugt. Du sagtst es ja selber: "Mickey-Mouse-Vortrag" trifft die Sache womöglich ganz gut; aber wer allen gefallen will, der gefällt letztendlich nur den wenigsten. Ich habe oft das Gefühl, dass sich gerade die Phänomene und Entwicklungen im Bereich des Internets für solche Vorträge besonders gut eignen, weil sie a) immer mit einer Vielzahl von vermeintlichen Fachbegriffen, davon eigentlich alle auf englisch, zusammenhängen, was sich gut macht um Leute zu verunsichern und sich ihnen gegenüber als Professioneller zu erweisen, die nicht in die Materie eingearbeitet sind; und b) weil sie im Wesen so unglaublich trivial sind, trotz der ungeheueren Wortfassade. Leute schreiben heutzutage ihr Tagebuch am Computer und jeder kann es lesen, sowie Teile der Beiträge mit anderen verknüpfen und verarbeiten. Viel mehr ist es meiner Meinung nach nicht und wird auch nicht zu einer "Revolution" der Medien führen, wie Herr Haeusler sagt, wenn mich nicht alles täuscht: es ist lediglich Teil eines evolutionären Prozesses innerhalb der medialen Landschaft.

Mit "Einäugigen unter Blinden" - zugegeben: sehr provokativ formuliert - meine ich, dass viel zu oft über eben diese gerade erwähnten Trivialitäten gesprochen wird, weil es sich so leicht und gleichzeitig beeindruckend aufgebauscht darüber reden lässt. Ich selber bin einfach mehr an einer tiefergehenden Analyse der Zustände interessiert, die nicht nur die Oberfläche der Phänomene begrifflich fasst (unter der Diktatur des den Fachmann auszeichnenden Expertenjargons), sondern nach den Konsequenzen der Etablierung der technischen Neuerungen fragt.

Es gibt dabei zahlreiche Ebenen, die ungemein ergiebig sind für weitere Diskussionen, gerade innerhalb eines soziologisch-philosophisch-ökonomischen Diskurses. Eine derart subversive Art der Analyse ist auf einer auf die Wirtschaftlichkeit innerhalb der Branche ausgerichteten Veranstaltung wie der CeBIT sicher weniger willkommen als ein selbst den letzten Rentner mit dem Glanz der Oberfläche blendender "Mickey Mouse Vortrag", der eine Konfrontation mit unbequemen und unwirtschaftlichen Fragestellungen von Vorneherein verhindert.

Dazu trägt sicherlich auch die Reduzierung der Phänomene auf feststehende, simulative Begriffe wie "Computational Culture", "Blogging", "mesh-ups" und natürlich auch "CeBIT" dar; es werden neue Begriffe generiert, deren tatsächliche Bedeutung jedoch ungeklärt bleibt. Gerade die Wortneuschöpfungen erlauben es ja, sich immer weiter vom Sinn hinter den Begriffe zu entfernen und so den Schein über dem Sein der Dinge selbst zu positionieren. Es entsteht ein Symbol, das nicht mehr auf ein tatsächliches Phänomen referenziert, sondern auf eine simulierte Wirklichkeit (was ist die "CeBIT" wirklich?). Die Ästhetisierung der sogenannten "Wirklichen" durch das sprachliche Zeichen tut in diesem Vorgang der Illusionierung ihr übriges. Wir bloggen, checken, meshen-up und wissen doch eigentlich nicht, was genau wir da eigentlich tun.

Wer sind in dieser Diskussion die "Sehenden"? Es gibt keine; und genau deswegen kann es nicht richtig sein, durch das Schaffen einer simulierten Wahrheit der Begriffe, die im Moment ihrer Auflösung ihren blendenden Charakter und damit auch das Interesse (den Willen zum Konsum?) an ihnen unter den Zuschauern/-hörern verspielt, sowie unter Zuhilfenahme eines derartigen verbalen Blendwerks - von den "bunten Folien" und "Buzzwords" ganz zu schweigen - eine derartige "Wahrheit" zu suggerieren.

meint: gonzo am 20.03.06

Simulakren, sonst nichts. Die CeBIT, die Informatik, und insbesondere die von Intellektuellen geführten Diskurse. Da bin ich bei Dir! Allerdings mag ich auf der CeBIT nicht den McLuhan, usw. auspacken, das geht dann an allem vorbei, was irgendwie Sinn machen würde. Ich versuche in meiner Arbeit tatsächlich dem Wahnsinn Herr zu werden, zwischen den Stühlen zu sitzen: den Technokraten und den Soziologen. Das geht immer schief. Egal. Ich hole lieber 1 Rentner und 4 hilfesuchende Promotionsstudenten auf der CeBIT ab und erzürne mich parallel über den GoogleAlgorithmus und die induzierten Scheinwelten ( in Anwesenheit des Google PR.Chefs), als den Mund zu halten. Und das finde ich ein wenig unfair: Johnny sprach von Evolution nicht Revolution, Creative Commons wurde von uns beiden ins Feld geführt, hässliche digitale Geschäftspraktiken kritisiert (Amazon), usw. Dann tut es WEH, reduziert zu werden auf den Fakt, dass man das Medium an die Blase angepasst hat.

meint: Stephan Baumann am 20.03.06

"Evolution nicht Revolution" - so sollte das auch gemeint sein; ist wohl ein wenig ungeschickt formuliert, ich wollte damit in der Tat die Aussage von Johnny bestätigen.

Freut mich, dass Du mein Geschwafel nachvollziehen kannst; ich selber kann unter diesen Umständen im Gegensatz zu Dir schlicht nicht in der Wirtschaft tätig sein (außer auf ein, zwei Bier am Wochenende villeicht). Deswegen versuche ich mich dem weitestgehend zu entziehen, und nicht, das Spiel auf Teufel komm raus mitzuspielen. Für den Lebensunterhalt bieten sich sicher noch andere Alternativen.

Was die Geschäftspraktiken von Amazon betrifft: kannst Du mich da aufklären? Ich bin selbst Kunde bei dem Verein; eine falsche Entscheidung?

meint: gonzo am 20.03.06

Ok, das sind klare Standpunkte, die ich absolut teilen kann! Zu Amazon: ich bin einer der treuesten Kunden seit Beginn, daran wird sich nichts ändern, was mir ein wenig missfällt: beim Erstellen eines Reviews geht dieses geistige Eigentum in den Besitz von Amazon über. Es entsteht ein Fundus an Metadaten, auf den man dann nur noch limitiert zugreifen darf. Das ist für mich nicht ganz korrekt. Und leider oft eine Praxis in dem schicken Web2.0,etc. Geschäft. Hier bist Du sicher ganz meiner Meinung :) Grüße, und weiterhin den Diskurs pflegen!

meint: Stephan Baumann am 21.03.06

"Web2.0" - dieser Begriff allein, der auf nichts verweist als die ihm anhaftende Vorstellung des Modernseins, ist für mich eine der eindeutigsten Beweise für die Bedeutungsleere unter der Oberfläche des Jargon. Was mich interessieren würde: was ist Web 1.0? Gibt es ein Web 1.5? Wann kommt die Beta-Testversion von Web 3.0? Oder erwartet uns erst ein Patch für 2.2.3? Fragen über Fragen...

Mit Amazon hatte ich selber noch keine Probleme, obwohl sich nach minimaler Recherche im Netz eine ganze Menge Kritik aufgetan hat. Das Enteignen von geistigem Eigentum der Kunden kann selbstverständlich nicht richtig sein.

meint: gonzo am 21.03.06

herr gonzo!
manchmal braucht man begriffe, um dinge zu benennen und um über sie diskutieren zu können. philosophische richtungen haben einen namen, geschichtliche zeitabschnitte haben einen namen und so gibt es auch web2.0 - es ist auch ein neuer geschichtlicher rahmen für das "neue internet" - es hat sich seit der dotcom-blase einfach eine menge getan und verändert. der begriff fasst eine menge tatsachen zusammen und entstand auf einem kongress. ich kann wirklich jedem empfehlen, den richtig gut auf den punkt gebrachten artikel von tim o'reilly zu lesen. ist lang, benennt was web2.0 ist und klärt auf. das jetzt alle web2.0 sein wollen und oft nicht sind, zeigt nur, wie recht der text hat. schließlich wollen die leute verdienen und leider werden dazu gerne BUZZWORDS genutzt, die dann immer ausgelutschter werden, obwohl sie zu anfang richtig gut waren.

lies ihn einfach mal:

http://www.oreillynet.com/lpt/a/6228

liebe grüsse, moritz

meint: mo. am 21.03.06

Ich geb dann auch nochmal was dazu:
@Mo:
- Jean Baudrillard: Agonie des Realen, ein kleines Buch, gibts bei Amazon für kleines Geld :) ...ein Klassiker im Sinne Gonzos.

@Mo,Gonzo:
- meine Googleanfrage "web 3.0" liefert 270.000 Treffer, dabei wollte ich nur einen kleinen Artikel finden, den ich vor 3-4 Wochen sehr lesenswert fand ... ich muss den old-school Papierausdruck im Büro suchen. Kein Quatsch!

meint: Stephan am 21.03.06

Herr Sauer! :-)

Die Frage ist nicht, ob der Begriff an sich sinnvoll interpretiert werden kann, sondern die Art und Weise, durch einen Begriff die Wirklichkeit zu verdrehen. Ein Begriff wie "Web 2.0" weckt den Eindruck, dass es sich bei den technischen Entwicklungen im Bereich des Internets nicht um einen kontinuierlichen Innovationsstrom handelt, sondern um eine auf einer Ordinalskala abbildbares Phänomen, das in dieser Form schlicht nicht existiert. Das simulative Element besteht also in diesem Kontext nicht darin, dass die einzelnen Elemente, die letztlich zu der (hochgradig subjektiven und relativ willkürlichen) Idee von einem "Web 2.0" geführt haben, sondern um die Generierung einer Scheinwirklichkeit, die sich wie ein Schleier über die tatsächlich vorhandene Beschaffenheit des Mediums legt. Es ist darüber hinaus bezeichnend, dass der Terminus "Web 2.0" von Leuten etabliert wurde, die in demselben Milieu der Ordinalskalen zuhause sind wie der Betrachtungsgegenstand selbst.

Ich stimme Die insofern zu, dass sich das Netz und seine Nutzungsmöglichkeiten im Laufe seiner Entwicklung radikal verlagert haben. Deswegen von einem "Web 2.0" zu sprechen macht aus den oben genannten Gründen wenig Sinn. Wenn Du schon auf philosophische Strömungen und historische Prozesse verweist: wieso reden wir nicht einfach über Poststrukturalismus 2.4, Existenzialismus 1.7, Deutschland 2.0 oder Europa 1.5 Beta?

Ich denke wir tun es nicht, da sich durch eine solche Fixierung keine angemessene Beschreibung der tatsächlichen Zustände erzielen lässt. Es wird eine Scheinwirklichkeit in den Köpfen der Menschen ins Leben gerufen, die ganz bestimmte Dinge suggeriert, die in dieser Form nicht real sind. Das Web ist kein zielgerichtetes, steuerbares, kontrollierbares Produkt, dass sich in regelmäßigen Abständen runderneuert und auf die neue Stufe seiner Existenz verlagert. Das Anhängsel 2.0 bezieht sich vielmehr auf eine hochgradig arbiträre Verbindung des eigentlichen Phänomens mit bestimmten Charakteristika. Möglich, dass ein solches Vorgehen in der Softwarebranche Sinn macht - in der Beschreibung des Internets, für das übrigens noch eine Viezahl von Faktoren neben denen der technischen Entwicklung bedeutsam sind, macht es meiner Meinung nach keinen. Auch nicht nach der Lektüre des von Dir vorgeschlagenen Artikels. Schließich ist mit sicherheit auch niemand bei O'Reilly in der Lage, zu benennen, wann genau der Schalter von 1.0 (das es ja, so will es die Bezeichnung 2.0, gegeben haben muss) auf 2.0 umgelegt worden ist. Genauso unmöglich erscheint mir eine Festlegung bestimmter Internetangebote auf eine der beiden Kategorien. Wenn nun behauptet wird, dass es eigentlich nur darum geht, bestimmte Strömungen und Tendenzen aufzuzeigen, der bestätigt damit nur die Unsinnigkeit des Begriffs "Web 2.0".

"Die Agonie des Realen" habe ich übrigens nicht gelesen; allerdings kann ich "Simulacra and Simulation" empfehlen. Außerdem noch Text im Netz: http://www.egs.edu/faculty/baudrillard/baudrillard-radical-thought.html

meint: gonzo am 22.03.06

da muss ich dem gonzo mal recht geben. web2.0. hab da schon immer drüber geschmunzelt...

meint: psycoded am 12.04.06

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