Angefangen hat alles in den 80er Jahren. Gigaherzboliden, wie heutzutage üblich wurden noch nicht einmal geträumt. Es gab keine digitalen, mehrkanäligen Soundkarten, die die Räume der Zuhörer in Kinosäle verwandeln und auch keine Grafikkarten, die um ein Vielfaches schneller kalkulieren, als alle damals erhältlichen Rechner zusammen. Lars "Ghandy" Sobiraj schaut mit uns hinter die Gardinen der Demoscene.Text: Lars "Ghandy" Sobiraj
In den Kinderzimmern standen Computer, die mit ihrer grauen Farbe und Form an Brotkästen erinnerten und ihren Nutzern alles in allem vierundsechzig Kilobyte Arbeitsspeicher boten. So viel wie heutzutage ein leeres Word Dokument einnimmt. So ein C64er war der Stolz vieler Familienväter und ihrer damaligen Kinder. Denn anders als die PCs, die nur über einen piependen Minilautsprecher verfügten, konnten diese Geräte mit ihren Grafik- und Soundeigenschaften begeistern.
Das Intro, eine kleine programmierte, ausführbare Show mit Grafik, Sound und Texten war geboren, von Raubkopierern aus der Taufe gehoben. Heute hat die sogenannte Warezszene nur sehr wenig mit der Demoszene zu tun. Die Wege der kreativen Köpfe, die nun ganze Multimediavorführungen erstellen und derer, die noch immer die Schnellsten und Besten beim Verteilen von Software sein wollen, haben sich bis auf ganz wenige Ausnahmen getrennt.
Viele ehemalige Demoszener verdienen heute ihr Geld mit der Erstellung von kommerziellen Spielen oder anderen Anwendungen. Wer sonst ist an der Erstellung dieser digitalen Kunstwerke beteiligt? Die Musiker waren und sind für die akkustische Untermalung zuständig. Im Zeitalter des C64 kamen hierbei quäkende Tonabfolgen des SID Soundchips zutage, später vierstimmige Modules des Amiga und in der Gegenwart professionell klingende MP3s aktueller Demos für Windows.
Die Zeiten haben sich halt verändert, was aber nicht bedeuten soll, dass alle Personen sich ausschliesslich mit aktueller Hardware umgeben wollen. So einige reizt das Altbewährte, nun Aussergewöhnliche. Und da jeder PC von seiner Ausstattung her unterschiedlich ist, können sich Programmierer, die ihre Multimediaprojekte z.B. auf einem C64, einer X-Box, einem Gameboy Advance oder einem ZX Spectrum präsentieren, besser untereinander messen da die Leistung der alten Prozessoren immer noch die gleiche ist.
Läuft der Effekt in einem Demo schneller und im anderen langsamer, lag es eindeutig an der Optimierung des Codes und nicht an unterschiedlichen Grafikkarten, Prozessoren oder Mainboards. Das vereinfacht den Konkurrenzkampf untereinander ungemein.
Anders als auf normalen Lanparties dominiert nicht verblödendes Ballern, sondern gemeinsames Arbeiten an einem Projekt. Und entscheidend für den Erfolg einer Demo sind oft die Grafiker. Sie sind für die visuelle Seite verantwortlich. Sie arbeiten entweder per Hand, pixeln also ihre Bilder Bildpunkt für Bildpunkt. Oder sie setzen clever und gewieft die umfangreichen Funktionen von Malprogrammen ein, um diese für sich arbeiten zu lassen. Das ist wegen des stark verringerten Arbeitsaufwandes natürlich verpönt.
Im dritten Fall kreieren sie ihre 3D-Kunstwerke per Rayracingprogramm und bestimmen dann in Absprache mit den Codern und Musikern deren Bewegungsabläufe. Wichtig ist, dass Code, Grafik und Musik miteinander gut harmonieren. Die Ganzheit entscheidet über Gedeih und Verderb, nicht einzelne Aspekte. Wer hier erfolgreich sein will, muss sich in ein Team von Menschen einfinden, die häufig in verschiedenen Teilen Europas leben, sich in vielen Fällen noch nie gesehen haben und ausschliesslich per Email in Kontakt stehen.
Viele frühere Scener berichten von den positiven Auswirkungen auf ihr späteres Berufsleben. Sie waren schon lange gewöhnt, im Team zu arbeiten, in englischer Sprache zu kommunizieren, und sich hierbei voll einzubringen. Viele lernen dabei mit offener Kritik konstruktiv umzugehen und das Optimum aus ihren bestehenden Fähigkeiten herauszuholen. In Wahrheit agieren hier nur selten, die in Filmen so clichéhaft gezeigten, pickeligen, bebrillten, bleichen Computerfreaks, die zur Führung eines Lebens jenseits des Monitors offensichtlich nicht fähig zu sein scheinen.
Am besten Ihr folgt einem der hier genannten Links und Downloadtipps und bahnt Euch Euren Weg selbst. Wir wünschen viel Spass dabei! Und denkt daran, es gibt eine unübersichtliche Vielzahl von kleinen Sektionen der Computerszene. Die eine, einzelne Szene, die sich nur auf einen Computer-typ beschränkt, werdet Ihr nicht finden. Sie existiert nicht.
Heaven 7
...einer der Klassiker der PC Szene. Auch nach vier Jahren und seinen nur 64k kein bisschen angestaubt.
Paradise
...wurde dieses 64k Intro treffenderweise genannt. Allerdings sollten Sie schon über eine recht aktuelle Grafikkarte, Gforce4+ verfügen, wenn Sie den Weg zu diesem Paradies finden möchten.
Le petit Prince
Freunde des kleinen Prinzen werden ihre helle Freude an diesem Demo haben!
Poem to a Horse
Wie nur haben die all das in 64 Kilobyte unterbringen können? Fragt nicht uns, fragt Farbrausch, die Macher dieses Werkes.
Silkcut
...31MB grosser .avi Mitschnitt des wohl besten Amiga Demos, dass jemals erschienen ist. Lohnenswert nicht nur für DSL Benutzer.
Twisted Chipster
Wer einmal hören möchte, wie sich damals die Crackintros des C64 angehört haben, ist bei dieser ausführbaren Sammlung von Chiptunes genau richtig.
Wem das noch nicht reicht, den möchte ich an die Viewing Tipps von Scene.org oder an Demoo verweisen.
Demoscene.tv: Demos dank eines Plugins via Browser wie ein TV Programm
konsumieren können
www.digitalekultur.org
Diskmag.de: szenebezogenes Internetportal mit News, Artikeln, Interviews, Links, Downloads etc. www.evoke-net.de: Evoke, eine jährlich im Spätsommer in Köln veranstaltete Demoparty. www.gfxzone.org: Für alle, die sich an digital erstellten Kunstwerken nicht sattsehen können oder wollen. nectarine.ojuice.net: Nectarine Webradio www.ojuice.net: Ojuice, das Zentralorgan für Bekanntmachungen und Neuigkeiten der Pc Szene. pain.planet-d.net: PAiN, das führende, englischsprachige Magazin der PC Szene. www.pouet.net: Pouet, die Demos aller Computerplattformen sind sehr übersichtlich aufgelistet und kommentiert. Lädt zum Mitmachen ein! Aber Vorsicht ist im Forum geboten - ein Haifischbecken, versetzt mit Piranhas ist nichts dagegen!! www.scene.org: Die Macher von Scene.org bieten jedem Musiker und jeder Demogruppe kostenlose, unbegrenzte Plattenkapazität ihres Servers an. www.acid.org/radio: The Arts Radioshow mit interessanten, englischsprachigen Hintergrundberichten, Live-interviews und und und...
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meint: Jörg am 22.09.04Jaujau, schön mal was in der Richtung hier zu lesen, nachdem ja nun auch schon über die Evoke berichtet wurde etc. - sind schliesslich die Wurzeln des ganzen. Auch die Netaudio-Scene entspringt ja zu großen Teilen aus dieser Subkultur.
noch mehr Geschichte mit vielen Infos über DemoGruppen, Releases etc. gibts hier: http://exotica.fix.no/info/scenery/scenery.html
sehr umfangreiches Info-file über Demo-Releases vom Amiga: http://exotica.fix.no/info/demoinfo/demoinfo.html
Kleine Link-Tips in eigener Sache ;)
http://www.wildfirecrew.org
http://lego.scene.org
Oldschool-Demo-Flavour-Deluxe :)Gruesse,
Jörg (RaCkLeR!)
meint: Ghandy am 22.09.04Sehr, sehr umfangreich ist auch:
http://tomaes.32x.de/text/faq.php
(in englischer Sprache)
meint: Datablade am 22.09.04Yo! Sehr gut geschrieben von einem der sich wie ich schon 'ne halbe Ewigkeit in der Szene rumtrollt. Links sind hier ja schon genug aufgeführt. Daher möchte ich erwähnen, dass es auch zwei sehr gute Bücher zu diesem Thema gibt. Von Szenern aber nicht nur für Szener.
Zu beziehen sind sie unter anderem unter http://www.hackerland.de
meint: Swen am 23.09.04Zwei Links von mir:
DEMO Scene ARTE Dokumentation:
"ARTE tv had yesterday evening a demoscene special on their 'Tracks'show. Check out either German or French recording of the show (DivX 5.1 required). And for those who don't understand these languages: Download the subtitles in srt format."
Download: http://snurl.com/2m8iScheint ein reines Buch zur Demoscene zu sein:
"Even before Internet use became widespread, thousands of audiovisual works had been globally published and distributed by the demoscene
culture. This was done using modems and diskettes.The demoscene spawned a group of people that have worked in or started companies that played an important and pioneering role in the game, new
media, digital graphics and ICT-sector industries in many countries. The demoscene was where many digital media artists, electronic music
composers, as well as visual club culture and virtual community activists got their start."http://www.evenlakestudios.com/books/
meint: 020200 am 23.09.04Bin mir manchmal nicht sicher, ob man bei der Demoscene wirklich von 'underground' sprechen kann, wenn z.B. einge Demos (Heaven7) schon über 50000mal runtergeladen wurden ;)
meint: fwolf am 27.09.04wenn wir grad beim URL verteilen sind:
http://www.acheron.org - Acheron - ANSI/ASCII/GFX-scene news ;P
http://www.blackmaiden.de - eine der ältesten deutschen Demo/Gfx-Groups
http://www.kaoz.org
http://www.ice.org - iCE ham sich ja inzwischen was echt geiles aufgebaut: Collaborative Art ... hingehn , anschaun und staunen! ;)
http://www.thuglife.org - ASCII scene newscu, w0lf.
meint: Kristian am 29.10.04Ich hab auch noch ein Link: http://www.mindcandydvd.com. Für alle, die zu faul sind, alte Demos mit DOSbox zu starten oder auf ihren Notebooks keine geeigneten Grafikkarten für aktuelle(re) Demos haben :-)...
Das von Swen erwähnte Buch ist ne gute Einführung, auch ziemlich schick.
meint: mo. am 30.10.04Das Buch von dem ihr sprecht wurde auch auf Phlow vorgestellt bzw. besprochen. Zur Buchkritik von "Demoscene - The Art Of Realtime" geht es unter http://www.phlow.net/arc/001189.php :)
meint: M03hr3 am 12.05.06Es sollten auch die grandiosen "Farbrausch"-Demos nicht unerwähnt bleiben, absolut Kult und technisch die besten 64k-Demos wo gibt. Sie releasten auch einen voll funktionstüchtigen Ego-Shooter mit DirectX9-Features ("kkrieger") mit 20 min Spieldauer auf 64k. Einfach der Hammer!!!
www.farb-rausch.com
meint: Cybernoid am 11.12.06"Schon seit vielen Jahren gibt es eine Ansammlung von Menschen mit besonderer Kreativität: die Demoszene. Demos sind beeindruckend bunte und auch musikalisch unterlegte Software, die jenseits des Mainstreams neue Technologien zu neuer Visualisierung und Vertonung nutzt und dabei Vorreiter für viel Heutiges war, ob das nun Musikvideos oder Chill-Out-Optiken sind.
Chaosradio berichtet aus dem Backstage-Bereich der Demoszene: Demoparties in Deutschland und Europa, Wettbewerbe und der ganz eigene Musikstil der Szene sollen zur Sprache (und zum Gehör) kommen. "
So beschreibt das Chaosradio vom CCC die Sendung Nr.62, die ich jedem Liebhaber der Scene gerne noch empfehlen würde.
Also reinschauen, laden und mal nur hören unter:http://chaosradio.ccc.de/cr62.html
Servus man sieht sich,
JJ
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