Copycan - eine neue Form kommerzieller Musikdistribution?

Rubrik » Netzkultur Spielerei

copycan.pngDie Idee von Copycan ist eine Mischung aus freiwilliger Spende und Kaufpreis für urheberrechtliche Werke. Das ganze soll folgendermaßen funktionieren: der Autor eines Werkes macht das Werk als als Demoversion (Leseprobe, Vorhörfunktion) auf der Website öffentlich und ruft zu Spenden auf. Diese werden auf ein Treuhandkonto übermittelt. Wenn der Autor einen selbst festgelegten Betrag auf dieses Konto erhalten hat, macht er sein Werk öffentlich zugänglich. Falls dieses Ziel nach einer gewissen Zeit nicht erreicht wird, findet das Geld vom Treuhandkonto wieder seinen Weg zurück zum Spender.

Text: Martin Wisniowski

Ich finde diesen Ansatz interessant. Ein Experiment, dass nicht nur neue Wege jenseits des aktuellen Urheberrechtspraxis eingeht, sondern auch demonstriert, dass die Diskussion um Musik und Internet seit Filesharing wieder in Bewegung gerät. Man denke hier auch an die Debatte um GEZ, Onlinevideo- und Radiorekorder.

Im vorliegenden Fall würden sowohl Autoren, wie auch Fans, versuchen Geld für das Werk aufzubringen. Das würde zu einer interssanten Dynamik führen und sicherlich auch das Verhältnis zwischen Musiker und Fan neu definieren. Gleichwohl handelt es sich um eine moderne, computervermittelte Form des Mäzenentums.

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Copycan-Website
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Kommentare

mhhhhh... wer zahlt schon gern für etwas, daß er nicht im vollen umfang kennt (hörprobe, leseprobe, ect) und vielleicht nie bekommen wird?

am ende setzen sich hier auch nur künstler mit großer marketing maschinerie durch, wenn es überhaupt zu einer spende kommt.

es ist doch jämmerlich wenn hoch geliebte und offensichtlich benötigte produkte (musik, filme, ect) mit der entwicklungshilfe in der dritten welt (o.ä.) gleichgestellt werden.

viele dieser produkte (z.b. film, musik) benötigen einen erheblichen finanziellen aufwand, um zu einer gewissen qualität heranzureifen. das produkt IST wertvoll, nur die große masse hat dabei irgendwas missverstanden. einbrechende verkaufszahlen hat ohnehin nur die print und musikindustrie zu vermelden, wobei das mit der musik ein vorrangig deutsches (also auch überschaubares) problem ist.

ich beobachte mit sorge das ständige aufweichen (manchmal bis zum kompletten verzicht) von urheberrechten im ganzen WEB2.0 wahn. brauchen wir solche dienste wirklich? gibt es wirklich diesen archetyp mensch der alles im internet machen muss?

nur für diese paar internet-junkies und p2p-adicts sollte eine allgemeine einschränkung unserer urheberrechtskultur nicht in frage kommen. ich wundere mich wie wenig künstler sich darüber gedanken machen...

ist ein schönes vinyl bzw ne schöne CD/DVD aus einem laden (im zweifel dann doch amazon ;) ) nicht auch etwas nettes, und im grunde auch schneller und einfacher zu bekommen? (im vergleich zum spendensystem) die plattensammlung ist doch immer noch ein statussymbol! ;)

meint: fabien am 09.09.06

Seht euch mal das Konzept von magnatune.com an. Hier zahlt der Kunde einen eigens festgelegten Betrag; der Künstler kann aber einen Minimalbetrag festsetzen, der schon weit unter dem "eigentlichen Wert" anfängt. Zudem wird das komplette Album in einer akzeptablen Qualität als Previewstream angeboten (MP3/M3U).
In einem Interview sagte der Betreiber, die meisten User würden mehr als den empfohlenen Betrag zahlen.

meint: mg am 10.09.06

also ich finde die idee interessant .....

zumindest erden so alle überflüssigen leute die profit an der musik machen wollen ausgeklinkt, sehr gut!

meint: boman am 10.09.06

das album 'afterthought' von Max Marlow ist seit einigen Monaten nach einem ähnlichen Konzept bei 'we are the music makers' unter maxmarlow.watmm.com erhältlich. Für einen Grundbetrag erhält man eine MP3-Version des Albums, für einen erhöhten Beitrag eine riesige PDF dazu mit unterschiedlichem Druckmaterial um Hüllen zu füllen, und wer mag kann eine Unterstützungsversion erstehen die ab einer gewissen erzielten Summe in tatsächliche Tonträger umgewandelt wird. Vom MP3 zur CD. Wer den höchsten Beitrag bezahlt und trotzdem keine CD bekommt hat als Ersatz aber auf jeden Fall Extratitel erhalten.

Ausserdem sind die Hörbeispiele bei einer ganzen Minute lang genug um sich vor dem Kauf mit dem Produkt identifizieren zu können.

meint: mt am 11.09.06

wir wollen mit copycan nicht spenden sammeln, sondern den jeweiligen verkaufspreis für werk xy erzielen. "es ist doch jämmerlich wenn hoch geliebte und offensichtlich benötigte produkte (musik, filme, ect) mit der entwicklungshilfe in der dritten welt (o.ä.) gleichgestellt werden." sagte fabien. ist es entwicklungshilfe, wenn du ein produkt erwirbst? in gewisser weise ist es das wohl, ähnlich wie marktanalysen dies auch sind. ich selbst will nach-wie-vor vinyl mit meiner musik bespielen, dafür brauche ich keinen plattenvertrag. ich denke, dass die argumentation gegen copycan hauptsächlich auf einem bein daher gehumpelt kommt. die frage ist doch nicht, wer etwas kauft, dass er nicht kennt. die frage ist doch: warum kaufen so viele menschen produkte die sie eigentlich garnicht brauchen?

meint: kain am 18.09.06

"mhhhhh... wer zahlt schon gern für etwas, daß er nicht im vollen umfang kennt (hörprobe, leseprobe, ect) und vielleicht nie bekommen wird?"

Sehe ich auch so, deswegen ein Vorschlag: für einen Mindestbetrag bekommt man im Bereich Musik z.B. eine 128kps Datei ... ist die veranschlagte Summe eingefahren, wird ungleich hochwertigeres Material veröffentlicht. Ansonsten zahlt da sicher keiner was, wenn er/sie nicht mal sicher sein kann, dass er/sie am Ende auch etwas dafür bekommt.

meint: gonzo am 18.09.06

Also ich wäre dafür hiebei eine Art Punktesystem einzuführen nicht lediglich Geld zu verlangen. Also etwa wer ein Paar zahlende Kunden vermittelt oder eine Rezension verfasst bekommt dafür Punkte zugewiesen mit denen er "zahlen" kann. Arbeit sollte nicht unbezahlt sein, auch im Web 2.0 Hype, aber das was die User machen ist auch Arbeit. Sie tragen zum Erfolg der Künstler und Autoren bei.

Ein System dass auf Mitmachen beruht könnte ich mir auch für Blogs vorstellen. Ich würde etwa nie für meinen Blog Geld verlangen, eine etwaige Gegenleistung schon, schliesslich will ich nicht nur immer geben ohne jemals was zurück zu bekommen.

Siehe auch meine freie Interpretation des Copycan-Prinzips:
http://sum1.onreact.com/index.php?p=909

Läuft allerdings tewas mühsam an.

meint: sum1 am 22.09.06

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