Gewagtes Preismodell: CD-Käufer bestimmen den Preis

Rubrik » Musik Marketing Promotion

preisanimation.gifPreis-Marketing per Internet | Uiuiui, was haben da Radiohead losgetreten. Nachdem die Band den Fans überlässt, wieviel sie für das aktuelle Album zahlen wollen, ziehen jetzt auch andere Labels nach. Gerade trudelte hier ein Newsletter von 2nd rec ein. Das Label lädt Musikliebhaber ein CDs zu bestellen, zu hören und dann zu bezahlen. Ein gewagtes Modell.

Leider war ich in Ferien und hatte keine Zeit zum Thema Radiohead und deren Musikmarketing auf die Fragen der Readers-Edition zu antworten. Der verantwortliche Journalist interviewte stattdessen Anton Waldt von der de:bug und Birgit Fuß vom Rollingstone und befragte sie nach ihrem Urteil. Zwei Statements sind interessant, vor allem, weil sie auch für das Thema Netlabel interessant sind.

Readers-Edition: Sind Netlabels, die Musik kostenlos im Internet veröffentlichen, eine ernst zu nehmende Konkurrenz?

Brigit Fuß: “Kostenlos” ist meiner Meinung nach nie ganz ernst zu nehmen, weil Musiker doch irgendwann auch von ihrer Musik leben wollen, wenn sie sie ernst nehmen. Diese Geschäftspolitik setzt auch ein falsches Signal: Dass Musik nicht viel wert ist, weil sie überall kostenlos zu kriegen ist.

Anton Waldt: Vom Prinzip her, ja, denn das Vorgehen von Radiohead zeigt ja, dass die Großen es für sich adaptieren. Und: Auch bisher haben junge Bands wenig bis kein Geld vom Tonträgerverkauf erhalten. Daher ist das Verschenken von Musik, um bekannt zu werden, nur konsequent. Ernsthaft verdient wird im Musikgeschäft ohnehin fast nur noch mit Konzerten/DJ-Gigs.
Readers-Edition: Wie kann der Vertrieb in Zeiten des Internets noch profitabel organisert werden bzw. wie sieht das moderne Geschäftsmodell eines Labels aus?

Brigit Fuß: Das ist wahrscheinlich die Frage, mit der sich zurzeit alle Labels herumschlagen - eine 100%ige Antwort hat, glaube ich, (noch) keiner. Ich auf jeden Fall nicht!

Anton Waldt: Entsprechend der veränderten Rolle, die Tonträger spielen: Werbeträger, mit denen die Künstler immer weniger Geld verdienen. Daher werden Label zu Marketingdienstleistern der Künstler: Das ist allerdings ein weites Feld und ein anderes Thema: Zu komplex, um es hier kurz zu beantworten.

Weiterhin trudelte von 2nd rec - Vorsicht nicht zu verwechseln mit dem Netlabel 12rec.net - die Botschaft ein, dass auf der Label Website von 2nd rec sämtliche CDs bestellt werden können und erst anschließend bezahlt werden müssen. Ob sich dieses Modell auszahlt und das Label nachher nicht noch hinter dem Geld herrennen muss, wird sich zeigen.

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Kommentare

Das Kleingedruckte: nur solange der Vorrat reicht, eine CD pro Person, Versand nur innerhalb Deutschland.

Ist ja schon risikominimiert und dürfte kostenmäßig klassicher Bemusterung nahe kommen. Nur halt, daß da jetzt Endkunden in den Genuiß 1(!) eventuellen freien CD kommen. Für mich nichts weltbewegendes.

Und zum zukünftigen Geschäftsmodell von Labels ließe sich tatsächlich mehr als genug sagen bzw. schreiben, als klassischer Verwerter gehts aber doch nun schon seit Jahren nicht mehr. Und ich persönlich fand die bislang cleverste Idee die der Einstürzenden Neubauten, die ihre Fans (Supporter) in den Entstehungsprozess einbezogen haben. Und diese gegen einen nicht geringen Geldbetrag dann eben im Anschluss das Werk in Händen halten konnten. Oder ein Konzert besuchen und anschliessend gleich den Livemitschnitt auf CD mit nach Hause nehmen. Die Ideen sind doch da, sie müssen nur genutzt werden. Und zum Schluss noch kostenlos heißt nicht, von Musik nicht leben zu können (wollen). Und wer "kostenlos" nicht ernst nimmt, ist im falschen Geschäft in meinen Augen.

meint: Falk am 07.11.07

es geht übrigens nicht um ALLE cds des labels, 2nd rec macht nur einen kreativen ausverkauf! ich finds cool. mein frau, meine schwägerin und ich haben schon bestellt! ;)

meint: sven swift am 07.11.07

Ich find die Geschichte auf jeden Fall begrüßenswert. Weltbewegend oder nicht, jetzt kauf ich endlich die lang geplante Nitrada CD.

meint: aerotone am 08.11.07

Also ich weiss nicht. Das erinnert mich fatal an die PayPal-Buttons auf vielen Netlabels, die mittlerweile fast komplett verschwunden sind, weil nicht funktioniert. Wenn das erste schlechte Gewissen verfliegt wird von diesem "Geschäftsmodell" nichts mehr übrig bleiben. Netter Promo-Trick von 2nd und Radiohead. Einziger Unterschied zu den Netlabels ist, dass Hardware (CD) zugestellt wird. Ich sollte trotzdem bestellen.

meint: 020200 am 09.11.07

@martin- ich glaube das es weder radiohead noch 2nd rec in erster linie um promo geht. 2nd rec machen, wie gesagt, einfach einen unkonventionellen ausverkauf.nett, aber nicht weiter der rede wert, ok. wenn aber eine band von WELTRUHM (so muss man es im falle von RH ja sagen) ihr album, und sei es nur in digitaler form, faktisch VERSCHENKT... das ist doch schon eine revolutionäre sache- und zwar literally. das darf und kann nicht kleingeredet werden!!! wir erleben hier die zukunft. glaube ich. auch wenn mir persönlich die erwartung, das alben demnächst nur noch promotool sind, ernsthaft bauchschmerzen bereitet. nachdem RH mit ok computer die erste postmoderne pop-lp veröffentlicht haben, ist es doch stringend wenn die selbe band nun für die erste post-kommerzielle lp (mit breitenwirkung) haftbar gemacht werden kann. das die industrie 'umsonstveröffentlichungen' als modell nicht ernst nimmt, spiegelt doch nur deren marktwirtschaftlichen konservativismus wieder (es geht hier nat. nicht um direkte konkurrenz). blablabla, too much fonts in here, ist gar nicht meine art!

meint: sven swift am 09.11.07

außerdem werden unsere pp-buttons ziemlich häufig angeklickt! ;)

meint: ibidem am 09.11.07

sowohl radiohead, wie auch die viel zitierten "einstüzenden neubauten" mt ihrem alternativen finanzierungsmodell haben bereits etwas, was die meisten labels/musiker eben nicht haben: eine sehr große fanbasis und weltweite öffentlichkeit etc.

ich finde es immer sehr schwierig, wenn in so einer diskussion dann immer die neubauten oder eben jetzt radiohead zitiert werden. dass ist dann in etwa so wie äpfel mit einem apfelbaum zu vergleichen: kann man machen, allerdings gibt es strukturelle unterschiede.

meint: 020200 am 10.11.07

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