360º Deals - Die neuen Knechtvertäge der Musikindustrie

Rubrik » Musik Marketing Promotion

paramore.jpgMusiker Ripoff | Früher baute die Musikindustrie Künstler wie Prince kontinuierlich auf und subventionierte deren erste Alben. Stellte sich der Erfolg nicht sofort mit dem Debüt-Album ein, gab es meist eine zweite oder dritte Chance. Das Modell hat sich komplett gedreht. Heute nehmen Major-Firmen fast nur noch Bands unter Vertrag, die bereits eine eigene Fan-Community besitzen und ihr Potenzial bewiesen haben. Mit einem 360º-Deal kauft sich die Musikindustrie die Musiker und versklavt sie gleich rundum.

Das Internet hat in den letzten zehn Jahren wirklich einiges durcheinander gebracht, nein, sogar auf den Kopf gestellt. Dazu gehören auch die heutigen Verträge, die die großen Musikfirmen mit ihren Musikern abschließen. Einer der ersten Musiker, die einen 360º Deal unterschrieben haben ist Robbie Williams. Dieser Deal - auch "multiple rights"-deal genannt - unterschrieb der Brite bereits 2002 bei der EMI. Mittlerweile greifen alle Major-Firmen auf diese Rundumverträge zurück.

Plattenfirma - Ein veralteter Begriff

Natürlich entstehen diese Verträge aus purer Verzweiflung. Die Musikfirmen sichern sich mit diesen Deals jede mögliche Art der Einnahmen eines Künstlers. Das umfasst alle Bereiche von Merchandising über Konzerte und Tonträger bis hin zur Werbung. Überall sitzt die Angst im Nacken mit der nagenden Frage: "Wie verdienen wir Geld, wenn Tonträgereinnahmen rückläufig sind und die ganze Welt Musik nur noch kopiert?".

Darum greift man heute als Musikboss verstärkt die selbstverdienten Hypes der Musiker und Bands ab und setzt sich voll drauf. Beweist sich eine Band erfolgreich durch eigene Songs, eigenes (virales) Marketing, eine eigene Fan-Community-Pflege und weitere Parameter, schlägt man ihr einen 360º Deal vor.

Bezahlte die Band bereits eigene Aufnahmen, blutete bei der Fan-Pflege und tourte durch die halbe Welt, darf sie jetzt auch noch mit einem Ich-geb-meine-Rechte-aus-der-Hand-Vertrag die Musikfirmen bezahlen.

Brauchen wir heute noch Musikfirmen?!?

Während zahlreiche Musiker mittlerweile verstanden haben, dass sie eigentlich keine Plattenfirma - solche Firmen waren einmal - mehr brauchen, versklaven sich zahlreiche Bands immer noch. Oder besser gesagt, schlimmer denn je. Ich kann jedem Musiker und jeder Band nur raten: Behaltet auf jeden Fall die Rechte an Euch selbst und verkauft Euch nicht. Ein Schritt vorwärts bedeutet eventuell die lebenslange Versklavung. Darum lieber 10 Mal vorsichtiger sein und das Geld in eine Rechtsberatung stecken, als überschwenglich einen Scheiss-Deal für's Leben abzuschließen.

Mehr Informationen zum Thema 360º Deal

Ach und wer sich noch ein wenig in das Thema eingraben will, dem empfehle ich den ausführlichen Artikel der New York Times
The New Deal: Band as Brand. Der beschreibt explizit die Entwicklung der letzten Jahre und die Entstehung des 360º Deals anhand der Band Paramore.

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Kommentare

danke für den link zur ny times... sehr fundiert.

meint: zwen zwift am 18.11.07

liebe künstler, meldet euch doch gleich bei jung v. matt, saatchi saatchi, leo burnett, ect. verkauft eure aufmerksamkeit lieber dort.

das wird wesentlich mehr bringen.

meint: fabien am 18.11.07

die rechte an ihren ersten grossen songs haben die rolling stones schon lange nicht mehr...

meint: Phobiker am 19.11.07

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