Ibakusha - Novctzember (Zymogen Netlabel)

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cover-zym004_600.jpgHach, die Feiertage sind vorüber. Viel gegessen, die bucklige Verwandtschaft besucht und abends in den Kneipen der Heimatstadt die gestrandeten Gestalten von gestern wiedergetroffen. Das Problem: in solchen Etablissements läuft entweder massenkompatibler Alternative Rock (z.B. Pearl Jam) oder gestriger Nu Jazz (z.B. Jamiroquai), so dass ich mich doppelt auf den heimischen Computer und das jüngste Zymogen-Release Novctzember gefreut habe. 2006 kann beginnen!

Text: Bettina Rhymes

Dieses kommt von Ibakusha aus der Schweiz und verwirrt den Hörer elektronischer Musik mit einigen schönen und unkonventionellen Ideen. Zymogen setzen Manuels Musik durch Vergleiche mit Skam und n5MD in den Referenzrahmen IDM/ Drill'n'Bass, betonen gleichzeitig aber die Andersartigkeit seiner Kompositionen. Wie wahr! Schwingt im ersten Song "Asperitè"; noch ein Hauch Squarepusher-Breakbeat mit, so gelingt es Manuel bereits hier, durch verzerrte Vibraphon- oder Spieluhr-Klänge eine Atomsphäre unkitschiger Wärme zu erzeugen, die von gefühlsduselnder Indietronika weit entfernt ist.

Vollkommen überraschend ist dann der Einsatz des schweren Cello-Motives in "Fripèes". Der Song ist in weite Hallräume gebettet und wird neben dem genannten Streichinstrument von dezentem Noise getragen. Synth- und Piano-Patterns verlieren sich zartbitter und ambient im Delay... Tief und ergreifend. "Taxifolia" danach schockiert mit dem konsequenten Einsatz einer elektrischen Gitarre. Neben den oben genannten Einflüssen zählt wohl auch der 80er Gitarren-Untergrund zu Manuels Inspirationsquellen! Denkt an And Also The Trees und andere Düster-Waver. Interessanterweise fügt sich auch dieses disparate Element sehr harmonisch in den Gesamtfluss ein.

Track Nummer Fünf, "Souffle Buée", wartet mit einer schönen Spannungskurve und großer harmonischer Dichte auf. Wenn euch dieser Vergleich etwas sagt: mich erinnert das sehr an den Eis-Level in Donkey Kong Country (Super Nintendo), in dem die musikalische Untermalung mit zunehmendem Schneetreiben immer bedrohlicher wird. Ganz großes Tennis! "Cholorphylle Rouge" und "46.67 6.32" klickern und klackern solide, ohne die Dramaturgie der EP zu verwässern. Das zudem gewohnt schöne Artwork mit seiner ästhetisch-botanischen Studie repräsentiert "Novctzember" eigentlich sehr passend: Organisch, versponnen und bei aller Sanftheit irgendwie seltsam.

An dieser Stelle sei auch noch mal auf das zweite Zymogen-Releases Diatribes hingewiesen: harsche Live-Elektronika und tonaler Freejazz Hand in Hand, eine meiner Top-Five Veröffentlichungen 2005. Tolles Label, tolle Musik!

Links

Netlabel: www.zymogen.net
Release: www.zymogen.net/releases/zym004/

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