Doppelkritik: Tlon versus Zen Savauge

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zensauvage.jpgHeute auf dem Besprechungsbrett: zwei Netaudioreleases. Zwei Alben die sich stilistisch in eher unkonkreten, frei assoziativen Bereichen bewegen. Postmoderne Variationen von Ambientmusik. In der einen Ecke: Tlon, auf Autoplate erschienen und im Print-Magazin Debug Dezember 2003 zum Netaudiorelease des Monats gewählt. In der anderen Ecke der Kontrahent Jason Corder hinter seinem Pseudonym 'Zen Savauge' mit seinem Album 'Contrast'.

'Contrast' Das ist bereits die zweite Veröffentlichung von Zen Savauge auf Subsource. Das erste Album 'Inconnu' hat bereits so gut vorgelegt, dass die Erwartungen hoch sind.

Tlon's 'Acoustic Lazy Dolls' beginnt in gewohnt hochwertigem Autoplate-Thinner Soundgewand und entfaltet sanft seine Sounds. Es knistert, erste Spannung wird aufgebaut - und enttäuscht.

tlon.jpgÜber windende, gefilterte Flächenchords tröpfeln disharmonsiche Töne dahin, die teilweise zuviel Resonanz beeinhalten und zerren. Unkoordinierte Sounds die sich überlagern und wieder in eine Ordnung kommen, als der Rhythmus endlich einsetzt. Unspektakulär. Gut, okay, ein Opener, denke ich. Track Nummer zwei, nächste Chance. 'Lazy Listening' recylclet die Sounds von Opener 'clandestine' und lässt dieselbe unruhige, willkürliche Kombination aus Sounds und Gefiltertem entstehen. Wieder bringt der Rhytmus etwas mehr Ruhe in das Treiben, vermag aber keine Tiefe zu entwickeln. Track drei: hmmm. Den Rest des Albums durchgeskipped und immer wieder auf dieselben Mängel gestoßen: Uninspierete Soundkollagen aus bewährtem Thinner/ Autoplate Soundgarantiematerial, das sehr oberflächlich und keinen Raum öffnet. Mich beschäftigt die Frage, wie dieses Album in der Debug Netaudiorelease des Monats werden konnte und wie sich Bleed zu Kommentaren hinreissen lassen konnte wie "ultrasweet und charmant" oder "einzigartig melodisch und strange".

Höhepunkt findet die Kritik in dem Vergleich mit den verdammt genialen Jungs von Oval, nur dass Tlon noch dazu "in harmonische Breiten und mit einer Intensität, die vor allem die weichen Bögen von Klang in den Mittelpunkt rückt" offensichtlich Oval noch um einen Aspekt erweitert hätten. Spätestens bei der Bezeichnung 'Netaudiorelease des Jahres' kommen bei mir echte Zweifel auf, ob das hier ein Review ist oder es sich hier nicht doch um eine Schmalspurversion von Hype handelt. Also schnell die Playlist gewechselt und den Neuzugang von Subsource abgecheckt.

Zen Savauge, den ich von 'Inconnu' noch in bester Erinnerung habe veröffentlichte auch als Off the Sky das gute Album 'Studies of Lifeforms in Transit' [APL014] auf Autoplate. Das Album 'Contrast' beginnt mit dem Kopf öffnenden 'Inverse Entrance' das mutig über sauerstoffhaltige Landschaften blubbert. Der zehnminütige Opener öffnet die Kammern und führt dich weiter hinein, wesentlich tiefer.

Unscharfe Melodiekonstuktionen biegen sich über einer schwimmenden Bassdrum und knispelnden Wanderwesen. Sag dem Unbekannten 'Hallo'. Track 2 'Night Side' intensiviert weiter. Eine tumbe Bassdrum unterstützt die monoton-bohrende Bassline. Ich halte mich an dem strukturierenden Rhytmusgerüst fest während die Flächen von unendlicher Tiefe und schillernden Farben auf mich einströmen. Alltagsbewußtsein ade.

Ein transstädtischer, subkultureller Trip (subsource), der bekannte Gefilde weit hinter sich lässt und eine realitätsverleugnende, autistische Welt entstehen lässt. Die Reise erstreckt sich weiter und weiter über die Gipfel 'Quite View', 'Giza Plateaux' und 'Black Space' und wir treten beim 'Passing point' über die Grenze. Kopfkino erster Klasse. Ein gutes Basssoundsystem wird empfohlen.

Als einzige, winzige Verbesserungsoption würde ich mir noch ein wenig mehr polierte Perfektion im Stile von Krill Minima oder mehr Abgedrehtheit im Sinne von Future Sound of London oder the Orb wünschen. Aber eigentlich gibt es nix zu nörgeln. Punkt. (Martin Wisniowski)

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Kommentare

hehe...musste schmunzeln am Ende. sehr nett *verneig*

zu tlon muss ich sagen, dass ich auch den Opener schon als Opener in einem DJ-Set eingebaut habe. Tolles Stück und es funktioniert die ersten Male auch richtig gut... aber je öfter man es hört...

+ ! Wichtig ! +
kann jemand so gut Englisch, um diesen Text zu übersetzen? wäre sehr nett und wichtig.

Danke, Dirk

meint: [in]anace am 27.02.04

Ist hier der Text über das Tlon Albumkonzept. It's nicht vollkommener Deutscher aber Sie können die Idee erhalten. Traurig für Herrn Wisniowski, versuche ich, bessere folgende Zeit zu tun, vor einem anderen faulen Hören aber Sie sollten das Konzept lesen.

jsr, aka tlon/deluge

meint: jsr am 17.08.04

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