Dani Siciliano - Likes ...

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dani_siciliano.gifEs gab da ja mal irgendwo die Ankündigung, dass Dani Sicilianos Soloplatte von Akufen produziert würde. Zum Glück hat dieser das nicht getan. Dani Siciliano hat die Platte mal eben - annährend komplett - einfach selbst produziert. Dabei herausgekommen ist - zumindest für mich - die erste richtig tolle Platte im neuen Jahr.

Ihre Stimme kennt man ja bereits von Matthew Herberts Alben als tragendes und oft auch zusammenhaltendes Element. Waren dort die Soundteppiche mal wieder ein wenig zu löchrig, sorgte Sie dafür, daß die Landung dennoch ohne große Verluste glückte und auch noch heftig beklatscht wurde.

Hört man nun ihr erstes Soloalbum, ist schnell der Gedanke da, dass die Platte eben doch von Matthew Herbert produziert wurde oder dessen Platten schon immer von ihr. Dieses Album stellt nun endgültig klar, daß die beiden einfach zusammengehören, wie die linke und rechte Gehirnhälfte. Denkt man an Herberts letztes Album als Radioboy zurück, ist es wohl so, dass Dani Siciliano ihn überredet haben muss, jene radikalen und politischen Ansätze bei ihren gemeinsamen Alben zugunsten der Hörbarkeit ein wenig zu vernachlässigen, jedoch nicht gleich zu begraben.

Das Album beginnt sehr ruhig. Die Plinkersounds von "Same" flirren durch den Raum ummalt und getragen von Danis Stimme. Track zwei ist eine sehr geglückte Coverversion von Nirvanas "Come as you are" wie man diese nicht erwartet hat: sehr nahe an der ruhigen Atmosphäre des ersten Tracks. "Canes and Trains" verlegt den Standort in eine Bahnhofshalle. Dani singt und klopft gleichzeitig mit den Spazierstöcken die Geländer ab. Wie dazu wohl ein Videoclip aussehen würde? "Walk the line" klingt wie die Aufforderung einer Linie zu folgen um dann irgendeinen Abgrund hinabzuspringen, welcher jedoch nicht ins Verderben, sondern wohl eher direkt ins Nirvana führt. Dieser Track war ja bereits im letzten Jahr die Vorankündigung auf dieses Album.

Im Pressetext heißt es zu "Walk the Line": "...durch ein prägnantes Arrangement vorangetrieben, das ein wenig so klingt, als würde Mr. Oizo einen Ausflug in Richtung Dancehall unternehmen". Ich kann mir schwer vorstellen, wie das klingen soll. Mr. Oizo und Dancehall? Der bekannte Sound von Mr. Oizo (welcher bei gelben Plüschtieren unweiglich zu Kopfzuckungen führt) ist zwar deutlich zu hören, die Dancehall-Elemente bemerkt man aber nicht sofort (jetzt nach zwanzigfachem hören kann ich jedoch zustimmen). Alles klingt ein wenig "indisch" - aber Dancehall? Mhh.

Track 5 "One String" kehrt zum Stil des ersten Tracks zurück und ist auch nur eine kurze Überleitung zu "All thee above" - einem Duet mit Ornelias Mugison, dessen Soloalbum erst vor wenigen Monaten auf Matthew Herberts Label erschienen ist. Viele kennen sicherlich auch das Akkordeon aus Matthew Herberts letztem Dr. Rockit-Album. Hier hat er es wieder ausgepackt und sorgt für kleine Frankreich- bzw. Tangoeinschläge.

"Extra Ordinary" leiert anfangs ein wenig, entwickelt sich dann jedoch zu einem sehr geradlinigen Track, vielleicht jenem, der Moloko am nähesten steht und dabei mal eben 20 mal besser ist, als deren gesamtes letztes Album. "She say cliche" hat einen maschinenartigen Rhythmus und wirkt dabei trotzdem poppig und charmant.

"Red" kommt wie ich finde ein wenig osteuropäisch dahergeholpert und wird sehr schnell zum Ohrwurm des Albums wohingegen "Collaboration (Ready)" sehr ähnliche Sounds wie das von Matthew Herbert mitverantwortete "Hidden Place" von Björks letztem Album hat. "Remember to forget" beendet dieses sensationelle Album sehr unelektronisch mit den Arrangements von Max de Wardner und hätte durchaus auch seinen Platz auf Herberts Bigband-Album gefunden.

Kurzum: Dieses Album ist das beste, was !K7 in den letzten beiden Jahren veröffentlicht haben und liegt nun vor Euch und will gehört werden.

Ihr seid nun unsicher, was diese Lobhudelei soll? Ganz klar: Wir haben einen Haufen Geld dafür bekommen. Viele Grüße aus Südamerika. *g*

"Likes..." von Dani Siciliano ist bereits bei !K7-Records erschienen.

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Kommentare

*hui* was für eine furios sympathische plattenkritik. ich kann marcus nur beipflichten, dass das neue dani siciliano-album einfach nur massiv gut ist. erstaunlich bei diesem verfrickelten und vielschichtig-elektronischen album ist die kunst, wie pop und vocals, die aufwendige bearbeitung lockern und zusammenhalten. so werden sound-nerds und pop-liebhaber unter einen hut gebracht. [mo.]

meint: Moritz am 27.01.04

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