Compilations: Eine Handvoll Lounge, NuJazz und Downbeats...

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cover_verve_remixed_3.jpgBirgit Wertenson und Marc Wallowy haben in die Tasten gehauen und mal eben so ein paar Platten besprochen. Wir eröffnen Teil 1 mit der Besprechung von vier Compilations: "Verve Remixed 3", "Chansons à la mode presented by Dimitri from Paris", "Some More Horizons" und "Future Sounds of Jazz vol 10"...

Diverse - "Verve Remixed 3" (Verve)

cover_verve_remixed_3.jpgWas haben die bloß mit Nina Simone angestellt? Der liebevolle, nachdenkliche Charakter ihrer Klaviermelodie von "Little Girl Blue" im Postal Service Remix, der die Compilation eröffnet, wirkt, als sei sie für den regionalen Weihnachtsmarkt umgeschrieben worden.

Das Vorhaben, sowie die künstlerische Qualität der Compilation wird mit diesem unglücklichen Einstieg klar: neue Remixes altbekannter Jazzklassiker aus dem Verve-Archiv im neuen Gewand. Vor allem die ehrwürdigen Damen des Jazz wie Sarah Vaughan, Dinah Washington, Shirley Horn, und Billie Holiday müssen sich unfreiwilligerweise den Samplern und DSP-Plugins namhafter Remixkünstler ausliefern.

Statt in intimen Jazzflair werden die Diven von Bigbeats entblößt in ein grelles Clublicht gestellt. Der Charme ihrer Vocals geht verloren, wenn sie zu einer Telefonistinnen-Stimme im Hintergrund heruntegerechnet werden. Über Sinn und Unsinn lässt sich normalerweise streiten, doch hier ist er eindeutig im Profitgewinn des Majors durch doppeltes Namedropping zu finden.

Pluspunkte gibt es aber für Lyrics Born von Quannum, der mit Jimmy Smith's "Stay Loose" einen guten Funk vorlegt, für Carl Craig, der Hugh Masekela's "The Boys Doin it" mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu Techno-Jazz deluxe veredelt sowie für die gelungeneren Remixe von Max Sedgley, der den Groove des Originals noch ausbaut und für die knackige Klavierhookline im Remix von RJD2.

*-*** BWMW

Website: www.ververecords.com

Diverse - Chansons à la mode presented by Dimitri from Paris (Avex)

cover_chanson.jpg"Inspired by Disney's 'The Aristocats'" ist der Untertitel dieser obskuren Zusammenstellung von Dimitri from Paris für Avex Records, das zahlreiche Rätsel aufwirft. 'Inspired By' muss man wohl eher als Codewort verstehen, da das Release scheinbar nicht offiziell genehmigt wurde. Auf dieser japanisch-französischen Katzencompilation wird zunächst swingend in verschiedenen Sprachen miaut (Mizuki Ichirou, 'Minna neko ni naritai no sa'). Dann gibt's Funk (DJ Jin mit dem Highlight des Albums), französischen Chansonpop (Clementine), 80's Electro (DFP Super Robot Orchestra, Malerose Melodie) und HipHop (DJ Cam mit Ein-Finger-Pianomelodie und Jazzschnippsel). Last but not least versuchens Jazztronik mit Ravels Bolero und Crue-L Grand Orchestra verdubben die erste Gymnopedie Saties. Was Tracks wie 'Lolita Go Home', 'Cactus' und die Reinterpretationsversuche von Ravel und Satie mit den Katzen von Disney zu tun haben, kann ich auf Anhieb nicht sagen. Aber ein Bonuspunkt für den Skurrilitätsfaktor.

*** BWMW

Website www.disney.co.jp/records/album_info/avcw-12410/

Diverse - Some More Horizons (Stereo Deluxe)

cover_some_more_horizon.jpgGedanklich wird im Pressetext der Compilation in die Vollen gegriffen: Die Leitidee lautet Esperanto - eine universelle Klangsprache, kommunikativ und weltoffen. Doch MoHorizons weiter Horizont wurde wohl mehr unter der Klischeebrille eines deutschen Künstlers untersucht.

Weich gebettet in alten Feel-Good-Hits und beinahe vergessenen Raritäten, die den Großteil der Compilation ausmachen, ruhen sich MoHorizons eigene Tunes aus. Vermeintlich taktisch spannungsvoll werden sie dazwischen gestreut, aber die blassen Stimmen und Computerbeats der neuen Generation sind nicht inspiriert genug, um in diesem Kontext bestehen zu können.

Neben Mambo (Stefi Akos), Cha Cha Cha (Ismael Rivera), Sonnenschein Brazil (Wilson Simonal, Gilberto Gil) und Salsa (Mariam Makeba) versammeln sich hier auch Acidjazz (Corduroy), bluesiger Swing (Donald Byrds Cover von John Lee Hookers 'Boom Boom'), Schlager (Caterina Valente!), Soul (Howard Tate), Sesamstrasse-Songs (Ismael Rivera) und Drittklässler, die 'Hit The Road Jack' auf Portugiesisch singen. Bei dieser Reise durch die Weltmusik landet man immer wieder im Latinflair, ist es mit ihm doch am wärmsten. Ein Geschenk für alle jung gebliebenen Mütter, die sich in den 60er Jahren bei deutschen Brazilschlagern an Rimini-Stränden schön fühlten.

**-*** BWMW.

Website: www.stereodeluxe.com

Diverse - Future Sounds of Jazz vol 10 (Compost)

future_sound_of_jazz_10.gifDie erfolgreiche FSOJ Compiliationreihe auf Compost geht in die 10. Runde - herzlichen Glückwunsch! Nachdem der erste Teil bereits vor gut 10 Jahren veröffentlicht wurde, wird hier der Future Sound of Compost vom Labelchef Michael Reinboth mit innovativen Freestyles zwischen Techno, House, Jazz, Electro und Bossabreaks für das Jahr 2005 neu definiert. Neben bekannten Namen wie Ricardo Villalobos, Sebastien Tellier und Maurice Fulton und den Compost Stammkünstlern Ben Mono, Moonstarr und General Electrics sind auch mehrere Newcomer vertreten, von denen wir in Zukunft hoffentlich noch häufiger hören werden. Eine eklektische Electro-Jazz-lastige Zusammenstellung, die zahlreiche unterschiedliche Ansätze im Sound aufweist. Die Hälfte der Tracks war bislang noch nicht auf CD erhältlich - darunter der Michael Reinboth Remix von Cal Tjader's 'Los Bandidos' und Povo's 'Uam Uam' Hit im Moonstarr Remix, den Gilles Peterson so liebte. Wirklich ein paar schöne Tunes und Überraschungen, in diesem Sine also: auf die nächsten 10 Jahre Compost!

****-***** BWMW

Website: www.compost-records.com

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