Bill Wells, Annie Whitehead, Stefan Schneider, Barbara Morgenstern - Pick Up Sticks

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bwells.gif21 Minuten die man so schnell nicht vergisst. Im letzten Monat sind die Veröffentlichungen bei mir irgendwie nur so an den Ohren vorbeigerutscht. "Pick Up Sticks" rettet den Ruf der Jazzplatte und begeistert mit vorgezogener melancholischer Sommerstimmung.

Jazzplatten sind schon seit Jahren mit wenigen Ausnahmen nur noch eines: langweilig. Langweilig deshalb, weil einfach rein garnichts mehr gewagt wird und man es sich wohl mit den letzten Jazzhörern nicht verscherzen will oder eben die Menschen die über die Veröffentlichungen entscheiden gesagt bekommen, nur noch das nach draußen zu lassen, was auch ordentlich Geld in die Kassen kehrt.

Kleine Label, wie das Leaf-Label interessiert das zum Glück nur wenig und so kommt mit fast einjähriger Verzögerung das bei uns an, was im Juli 2003 in Berlin in einer 5-Tage-Session von Bernd Jestram (Tarwater) festgehalten wurde: eine Jazzplatte, die leider viel zu kurz ist.

Pianist Bill Wells aus Glasgow mit Computer und Sampler bestückt, Stefan Schneider von To Rococo Rot hinter den Synthesizern und am Bass, Annie Whitehead spielt Trombone und Melodica unterstützt von Barbara Morgenstern bei 2 Tracks am Keyboard - wer würde von dieser Session nicht gerne Bilder sehen?

Der erste Track legt los, als wäre er von Matthew "Big Band" Herbert zusammengebaut worden ist dabei aber ruhiger und weniger treibend. Im nur 27 Sekunden dauernden zweiten Track kommt Annie Whitehead fast fragend auf einen zu. Dieses Fragen wird in den dritten Track verschleppt und verliert dabei zunehmend an Schärfe. Track 4 ist trotz der nur ca. einminütigen Dauer mein absoluter Liebling. Der Track klingt nach Sommer und abklingender Hitze und hört leider einfach so auf ohne sich zu verabschieden. "Waft" ist einer der beiden Tracks mit Barbara Morgenstern. Er wirkt zwar ruhig, aber durch die flirrenden Orgel- bzw. Keyboardsounds auch ein wenig dramatisch. "Perfekt Window" klingt wie der Blick durch ein Fenster in eine Wiesenlandschaft bei zunehmender Dämmerung. Der vorletzte Track ist eine Rückbesinnung auf den ersten, aber ohne die klappernden Sticks. "The Dust of Months"? Man besichtigt eine Altbauwohnung in die man gerne einziehen will und fragt sich, wann dort zuletzt jemand gewohnt hat: leichter Staub, aber nicht der Dreck von Monaten.

"Pick Up Sticks" ist bereits beim Leaf Label/Hausmusik erschienen.

Links:

The Leaf Label
Hausmusik
Annie Whitehead
Barabara Morgernstern

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Kommentare

einwirklich wunderbar verspieltes Album, leider nur viel zu Kurz.
Sehr selten, dass heutzutage solch wunderbare jazz sachen rauskommen..
..oder zumindest höre ich sie nicht.
bin schon gespannt auf neue sachen.....

meint: andreas am 05.10.05

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