if:then:goto - another syntax error (one netlabel)

Rubrik » Alternative

cover-ifthengoto.gifONE ist schon ein tolles Netlabel. Schöne Website, klare und logische Navigation, Texte, die etwas über die angebotene Musik aussagen und nicht nur Genres kompilieren. Dazu fällt die stilistische Offenheit auf. Tendenziell geht es elektronisch zur Sache, von Downbeat über ambienten Noise bis zu klassischer Electronica und Techno wird aber alles abgedeckt. Mit Colophon findet man zudem eine Art Post-Post Rock Band, deren Kompositionen auch im vergleich mit 'kommerziellen' Acts durchaus einzigartig bleiben.

Text: Bettina Rhymes

Geeint werden alle Releases durch eine warme, dezent melancholische Grundstimmung, mal mehr, mal weniger deutlich. In so fern sollte die neuste Veröffentlichung des Labels nicht überraschen.

Hinter dem charmanten Namen If:Then:Goto verbirgt sich nichts anderes als betörender Gitarren-Pop, vordergründig britisch schattiert, aber mit weitaus mehr Rückhand und Stil als alles was die Gallagher-Brüder je produziert haben. Verantwortlich für die "Another Syntax Error" EP zeichnet ein gewisser Paul Benham. ONE schweigt sich zu dessen weiterer Existenz aber aus und Google kennt nur Bergsteiger und esoterische Wunderheiler selbigen Namens. Die Frage, ob Paul tatsächlich Brite ist, bleibt also vorerst unbeantwortet, tut aber auch nichts zur Sache.

Als erstes dürfte die exzellente Produktion auffallen. Trotz des hohen Aufkommens an unterschiedlichen Instrumenten und Harmonien bleiben die Songs immer transparent, zentrales Element aber durchweg Paul's tolle Stimme. Diese kommt angenehm schwächelnd daher, nie aber weinerlich oder zu schräg; ich mache hier die genaue Schnittmenge von Stephen Malkmus und Chris Martin aus. Mit ausgefuchsten Harmoniegesängen und gewagten melodischen Phrasierungen verlässt Paul dann aber die Trampelpfade der Pop-Musik und lässt neben den genannten Indie-Größen nur noch einen Vergleich zu: Brian Wilson.

Auch auf instrumentaler Ebene wird einiges geboten: neben akustischer Gitarre, Schlagzeug und Bassgitarre erklingen tieffrequente Sägezahnbässe, Samples, Piano und Orgel, zudem gelingt es Paul immer wieder, die Songs mit kleinen Effekt-Gimmicks oder "found sounds" aufzulockern. Dadurch bekommt seine Musik eine unaufgeregte Postmodernität, die es eigentlich verbieten sollte, seine EP mit den Worten 'nothing tech, nothing too fancy - just good production' abzuspeisen, so wie es ONE tun.

Neben den fünf Originalen ist die EP um drei gute bis fantastische Remixe ergänzt. Die Bearbeitung von Rescue überführt das akustische Easy routiniert in einem trockenen Dub. Nicht schlecht, wirklich aufgewertet wird der Song aber in der Version von Bad Loop aus dem ONE-Künstlerkader. Ähnlich wie der Rupert-Remix auf der letzten Bobby Baby-EP wird hier schamlos dem 80s-Synthie-Pop gehuldigt. Das steht vor allem Paul's Stimme gut und bringt mich auf einen Vergleich mit den Pet Shop Boys, der mir vorher nicht eingefallen wäre. Toll! Der große Emil Klotzsch lässt die EP zu guter Letzt mit einer ambienten Space-Version von San Antonia schließen. Weit draußen.

An dieser Stelle auch ein Lob an Niroku Graphic, die ein tolles DIY-Artwork geschustert haben. Leider vergessen viele andere Netlabel zu häufig wie wichtig ein gutes Cover ist... ONE macht diesen Fehler nicht.

Links

Website: http://one.dot9.ca
Release: if:then:goto - another syntax error

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Kommentare

Brit Pop (wenn hier auch nur partitiell) hat ja sonst eher einen Lotusblüteneffekt auf mich, aber dieses Review wurde mit solch' engelsgleicher Inbrunst verfasst, dass ich doch schwach wurde. Nun muss ich sagen: gottseidank. Denn was den werten Downloader hier erwartet macht auch gleich einen Fan mehr. Tiefe Verbeugung. Gebührlich.

meint: Monotonist am 05.12.05

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