Alexander Vatagin - Valeot (Mirakelmusik Netlabel)

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cover-mir019.jpgIch hätte nach dem 75-Kommentare-Monsterthread „Quanität erstickt Qualität“ einen Schwung fresher Netaudio-Reviews erwartet, aber nix tut sich. Muss ich also selber ran. Bühne frei für Avantgardist und Frauentyp Alexandr Vatagin! Bettina Rhymes hört vor und haut in die Tasten...

Text: Bettina Rhymes

Alex ist hauptberuflich der Bassist der österreicherischen Post-Folk Band Tupolev, die ihre Debut-EP auf 12rec. veröffentlicht haben. Auf seiner Solo-LP Valeot emanzipiert sich der blutjunge Bartträger allerdings von den zugänglichen Melodien seiner Band und kreiert auf ziemlich großartige Weise eine Art abstrakten Analog-Ambient, der sich hauptsächlich aus Vatagins’ gezupfter und gestrichener Bass-Gitarre speist.

Trotzdem gibt es zahlreiche Elemente, die es ermöglichen, seine Music dem Tupolev-Umfeld zuzuordnen. Wer die EP gehört hat, wird sofort das staubige Piano wieder erkennen (Active / Passive), der zarte, jungenhafte Gesang beim Titeltrack Valeot kommt von Low-Fi Mastermind Peter Holy, bei drei Stücken steuert (Ex-) Drummer David Schweighart zudem einige Schlagzeug-Schläge bei. Im Mittelpunkt stehen aber immer Alexandrs’ lang anhaltende, lose aufeinander aufbauende Bass-Töne und die tiefen Räume, die diese erzeugen. Dazwischen aalen sich diverse Field-Recordings und minimale Synthesizer-Töne, lassen vorsichtige Feedbacks ihre Sinusse schwingen. Ziemlich Musique Concrete, das Ganze, und so grundsätzlich anders als all die tiefen, digital-kalten Tekdub-Delays, vor denen es scheinbar kaum Reißaus gibt.

Nun könnte der Verdacht keimen, Bettina wollte euch ein schwer durchhörbares Kunst-Release andrehen. Stimmt, auf der einen Seite. Andererseits gibt es soviel Spannendes in Alexandrs’ Musik zu entdecken das sein spartanischer Umgang mit Melodien verzogen sein soll. Gut, "Wire" ist ziemlich anstrengend, aber "Inconnu" und "Lay Your Heay Where My Heart Used To Be" sind echte Knaller, die auch ohne Bedenken in Vinyl geritzt hätten werden können. Für einen oberflächlichen Vergleich taugen vielleicht Bohren Und Der Club Of Gore, in Anbetracht der Momente gestrichener Wehmut (I See A Dark Place In Your Heart) neige ich aber eher dazu, in Alexandr Vatagin die perfekt Schnittmenge aus John Zorn und Mark Hollis auszumachen. Dickes Release auf Mirakelmusik!

Links

www.mirakelmusik.se
www.tupolev.at.tt
www.12rec.net

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