Was ist eine gute Kritik?

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hamster.jpgIn den vergangenen Jahren habe ich viel mit Freunden und Journalisten darüber diskutiert, was eine gute Kritik ausmacht. Kritik und Feuilleton gehören meines Erachtens zu den schwierigsten Unternehmen im Journalismus. Viel zu oft verfehlen Sie Ihre eigentliche Funktion und liefern schlecht geschriebene Kritiken. In "ABC des Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus" von Volker Wollf entdeckte ich heute eine schlüssige Zusammenfassung.

Text: mo.

Derzeit befasse ich mich mit dem Thema "Kritik", weil ich einen Artikel dazu schreibe. Heute bin ich dabei in Volker Wolffs Buch "ABC des Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus" über den exzellenten Absatz gestolpert, der wie folgt lautet:

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"Kann, um es am Beispiel aufzuzeigen, ein Musikantenstadl auch eine positive Fernsehkritik ernten? Kann das, was dem Kritiker zutiefst missfällt, überhaupt qualitativ gut sein, und ist es dann auch positiv zu würdigen? Kann gar das Missfallen des Fernsehkritikers ein Indiz dafür sein, dass zum Beispiel Fernsehmacher einiges richtig gemacht haben?

Es kann, sagen die Kritiker, weil es einen Unterschied zwischen Qualität und Niveau gibt, und weil Qualität auf vielen Niveaus zu erreichen oder zu verfehlen ist. Kommerzielles Fernsehen, kommerzielle Musik oder kommerzielle Druckstücke können künstlerisch minderwertig sein, aber den an sie gesetzten Anspruch gut erfüllen. Groschenromane sollen Umsatz machen, Vorabendserien auch. Daran sollte man sie dann auch messen. Detlef Esslinger von der Süddeutschen Zeitung hat den Umgang mit Qualität und Quote für sein Blatt beschrieben:

"Die SZ hat den Weg gewählt, in der Kritik dieser Serien zu erklären, warum sie funktionieren und zugleich zu sagen, warum sie qualitativ nicht das Höchste sind - dass die Schauspieler zum Beispiel Sätze sprechen müssen, die das Leben so nicht kennt."

Daran kann sich jeder Kritiker gut orientieren.

Das sag ich nur: Word up!

Buch

"ABC des Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus"
Volker Wollf
UVK, 2006
ISBN 3-89669-578-9



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Kommentare

stimmt schon alles. aber meinst du damit das die seit mitte der 80er gerade im kultur-betrieb so renommierte 'subjektive' kritik deshalb hinfällig ist? dieses konstrukt setzt natürlich voraus, dass man so ungefähr weiss, WER der kritiker ist oder in welchem umfeld er veröffentlicht. in der metal-szene findet man z.B. häufig sehr technische musik-kritiken, während die indie-leute eher aus dem bauch heraus urteilen. präzise doublebass gegen voll schöne stimme, sozusagen. mir ist das zweite lieber.

meint: Bettina Rhymes am 10.09.06

Ich glaube hier ging es aber eher darum, was der Indie-Journalist machen soll, wenn er mal Metal rezensiert, oder?

meint: Aka am 11.09.06

Jede Kritik ist subjektiv - das liegt in der Natur der menschlichen Wahrnehmung. Gerade deswegen, finde ich, sollte ein guter Kritiker sich dessen bewusst sein, dass er seine ganz persönliche Meinung nicht abschalten kann. Und bei den Dingen, die er nicht mag, noch vor dem Verfassen der Kritik überlegen, für wen, für welchen Zweck und für welches Niveau das denn wohl gemacht worden ist - damit das stärker einfließt als das "Privaturteil". Erst dann erweist er sich als Profi. Da gebe ich Moritz und Volker Wolff von Herzen recht.

meint: Petrina am 15.09.06

Mir sind Kritiken ehrlich gesagt ziemlich Wurst. Wie Petrina sagt: Sind immer subjektiv. M.E. liegt es in der Natur des Menschen, dass keine wirkliche Objektivität per Definition möglich ist. Das hören einige "objektive" Menschen gar nicht gerne. Ist aber so, da man zur objektiven Betrachtung unseres Umfeldes und der Dinge darin unsere dreidimensionale Welt von außerhalb betrachten müßte. Also aus einer Welt mit vier räumlichen Dimensionen. Das ist uns allerdings nicht möglich.

Für mich sind Kritikiken im Musik und Film bereich nur in soweit interessant, als dass ich so von einer neuen Band, CD, Film überhaupt erst erfahre. Aber anhorchen und entscheiden, obs mir gefällt tu ich imemr noch selbst. Dazu brauch ich keine Kritiker :-)

meint: Sven.Space am 19.09.06

da kann ich dir nicht zustimmen. zugegeben, eine absolute objektivität gibt es meiner meinung nach nicht, aber in gewissen grenzen schon und und diese muß man zunächst für sich und auch für den adressaten stecken. innerhalb dieser grenzen sollte ich nach objektivität streben und wenn nicht, sollte der grund däfür erkennbar sein. zB weil mein name eine aussage trifft (wurde schon angesprochen) oder ich es dem adressaten erkläre. ob die kritik verfehlt ist, weil du sie nicht nutzt, müsste auch unter dem gesichtspunkt gesehen werden, ob du der adressat bist!?

meint: ukas am 19.09.06

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