Steve Jobs Plädoyer gegen DRM

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steve_jobs.jpgDRM Reloaded: Mittlerweile stemmt sich sogar Steve Jobs in seinem Essay "Thoughts on Music" gegen die Idee eines Kopierschutzes für Musik. Trotzdem wird das Thema DRM immer noch eifrig und erhitzt diskutiert. So zum Beispiel am 28. April 2007, denn dann läd die Tagung des Fachbereichs "Informatik und Gesellschaft" der Gesellschaft für Informatik in Berlin zum Panel "Freie Musik, Freie Kultur" ein. Neben Martin Strathemann von iTunes wurde auch mo. eingeladen. Anbei unser Abstrakt.

Text: mo.

Interessant was vor ein paar Tagen Steve Jobs in seinem Essay "Thoughts on Music" vom Stapel gelassen hat. Eigentlich kann man diese Gedanken nur begrüßen und kratzt sich am Kopf, warum er, der "Visionär" erst jetzt darauf kommt.

Anbei wie versprochen das Abstrakt von mir für die Informatik-Tagung in Berlin. Ideen, Korrekturen und Input sind herzlich willkommen ;)

Abstrakt: D.R.M. = C.R.A.P.

"The simplest answer is because DRMs haven't worked, and may never work, to halt music piracy."
Steve Jobs/ 06.02.2007

Schaut man sich die Geschichte des Kopierschutzes an, so wurde bisher jeder Kopierschutz ausgehebelt, der auf Software-Basis fusst. Ob in alten C64er Volkscomputer-Tagen, ob Betriebssysteme wie Windows auf dem PC oder selbst Konsolenspiele... Überall wird der Kopierschutz geknackt, ausgehebelt und irgendwann selbst vom Mainstream-Kunden umgangen - spätestens wenn einfache Software-Werkzeuge von Tüftlern dies möglich machen.

Noch irrwitziger ist ein Kopierschutz für Musik, sprich DRM. Einerseits lassen sich DRM-geschützte Tonträger mit ein wenig Wissen und der Hilfe einfacher Musik-Software innerhalb des Computers erneut digital aufnehmen, um daraus ein kopierbares MP3 zu generieren, andererseits behindert DRM den Nutzer und Käufer.

Während eine normale CD über sämtliche CD-Player gehört werden kann, bleiben MP3s mit Digital Rights Management meist in einer Software- bzw. MP3-Player-Zone kleben. So lassen sich MP3s, die man bei iTunes kauft, nicht auf dem Zune-Player von Microsoft abspielen. Natürlich ist dies auch umgekehrt der Fall. Kunden und Musikliebhaber werden somit vor den Kopf gestoßen und unnötig abgeschreckt.

Damit Musik auf digitalen Tonträgern kontinuierlich über einen funktionstüchtigen Kopierschutz verfügt, müssen die Firmen kontinuierlich nachbessern, wie Steve Jobs in seinem Essay "Thoughts on Music" am 6. Februar 2007 konstatiert:

"[...] so any company trying to protect content using a DRM must frequently update it with new and harder to discover secrets."

Obendrein entpuppt sich die Herstellung eines Kopierschutzes als schlichte Geldverschwendung und stellt obendrein eine Erschwernis von Geschäftsmodellen dar. Denn um die Funktionstüchtigkeit aufrecht zu erhalten, müssen Programme auf Benutzerseite kontinuierlich einem Update unterzogen werden, um neue geschützte Musik abzuspielen. Diese Behinderung des Musikgenusses empfinden Kunden als Drangsalierung und sehen in illegal kopierten digitalen Tonträgern eine einfache und unkomplizierte Lösung. Deswegen sollte man dem Kunden trauen und ihm die höchstmögliche Auflösung für optimalen Genuss auf allen Geräten liefern. Das meint mittlerweile auch Steve Jobs:

"The third alternative is to abolish DRMs entirely. Imagine a world where every online store sells DRM-free music encoded in open licensable formats. In such a world, any player can play music purchased from any store, and any store can sell music which is playable on all players. This is clearly the best alternative for consumers, and Apple would embrace it in a heartbeat. If the big four music companies would license Apple their music without the requirement that it be protected with a DRM, we would switch to selling only DRM-free music on our iTunes store. Every iPod ever made will play this DRM-free music."
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Kommentare

Hi mo, Du kommentierst interessanterweise nicht, dass Jobs das DRM-Thema zu einem "europäischen Problem" erklärt. Er macht in seinen Ausführungen vor allem die Majors für das Dilemma verantwortlich und zeigt dabei auf, dass es sich bei diesen ja nun mal vorrangig um europ. Companies handelt. Stellt man das mal in den Kontext des Drucks, dem Apple in jüngster Zeit aus Kreisen von Verbraucherschützern aus Europa ausgesetzt ist, dann macht es doch durchaus Sinn, wenn Jobs den DRM-Ball wieder ins Spielfeld der Labels zurückspielt ("Von europ. Labels zum DRM gewzungen - jetzt hilflos dem tobenden europ. Verbraucher-Mob ausgeliefert"). Er ist halt ein brillianter PR-Mann... dass er jetzt aber womöglich noch zum neuen Frontmann der Anti-DRM-Bewegung wird, das braucht kein Mensch.

meint: Chris am 08.02.07

steve jobs und anti drm? ich steh nicht auf den windfahnentypen.

meint: kus am 08.02.07

stimmt schon, das sind seltsame aussagen. osx erlaubt ja nichtmal screenshots aus film-dvds zu machen, wenn man diese mit dem system-eigenen-dvd-player abspielt.

und DRM nur den labeln die schuhe zu schieben, das hätte man vor 2 jahren noch machen können. jetzt hingegen nicht mehr. EMI hat ja den kopierschutz auf cds auch endlich abgeschafft. es hat zwar lange gedauert, dass dort die einsicht in die chefetagen vordringt, aber es ist immerhin passiert.

gegenfrage: wer zwingt z. b. finetunes hierzu:

[...] "Die Tracks sind durch ein so genanntes Watermark mit einer Transaktions ID als von Ihnen erworben gekennzeichnet." [...]
http://tinyurl.com/2dhn7a

die indie-label vielleicht?

seit ich das weiß, hab ich dort nichts mehr gekauft.

meint: mrcs am 08.02.07

an alle: klasse und danke für die hilfreichen tipps. das werde ich heute oder morgen noch in das abstrakt einarbeiten. ich wollte steve jobs in keinster weise loben. ich kann ihm einfach ein substantiv wie "brillianter pr-mann" unterschieben. damit "schmälere" ich die aussage, dass ich herrn jobs gut finde. wenn ihr noch weitere anmerkungen zum abstrakt habt und vielleicht interessante news und aussagen zum thema habt, immer gerne. man kann ja nicht über alles einen überblick haben.

nichtsdestotrotz ist natürlich interessant, dass apple versucht eine neue richtung einzuschlagen, oder? aus verbrauchersicht interessant.

meint: mo. am 08.02.07

@mo: Wie gesagt: ich glaube nicht, dass Apple hier eine neue Richtung einschlägt. Vielmehr hat Jobs mit seinen Statements die aktuellen "leisen" Bemühungen der Majors, sich von DRM zu lösen, wieder ins Gegenteil gekehrt. Plötzlich rufen alle wieder: Ohne DRM geht's nicht - bloss kein MP3... oder zumindest sagen sie: Lass uns nicht über MP3 reden. Lizensier mal schön Dein Fairplay DRM.

@mrcs: die Labels (auch Indies)... Watermarking wird von vielen als Mindestanforderung gesehen. Es gibt einige, die darauf bestehen. Aber ist das ein Grund nicht mehr zu kaufen? Wer nicht shared, der bringt auch seine TransaktionsID nicht in Umlauf? ;)

meint: Chris am 08.02.07

Apple konnte damals nicht ohne DRM, es war ja schon ein Kampf die wichtigen Plattenfirmen ins Bot für iTunes zu bekommen.

Ich vermute übrigens noch einen Hintergrund, welchen besseren Zeitpunkt könnte man wählen sich gegen DRM zu stellen, als den, der Veröffentlichung von Windows Vista, ein OS mit integriertem DRM.

Die Argumentationen, warum Jobs dann seine Pixar Sachen in iTunes nicht DRM frei verkauft, allerdings auch ein guter Einwurf ist.
(wobei ich das nicht sicher weiss)

Hier in Europa versammelt sich immer mehr Widerstand gegen iTunes + iPod-DRM (siehe Norwegen z.B), da tut sich Apple nur einen Gefallen, wenn sie das Image des bösen, propritären Marktführer von sich weisen können.

meint: Nörmi am 08.02.07

@nörmi:

Ich meine, das war eher andersrum - Apple hatte ursprünglich eine Kampagne unter der Headline "Rip, mix burn" laufen und erklärte der ganzen Welt, dass man mit Apple-Maschinen seine CD-Sammlung superklasse und bequem rippen und brennen kann. Das könnte zur einen oder anderen Diskussion mit Rechteinhabern geführt haben - und die endete dann irgendwie irgendwann bei iTunes ;)

Es gibt massenweise Labels (und nicht nur Indies mit eher kleinem Aktionsradius), die bereit sind, ohne DRM zu verkaufen. Macht Apple halt nicht.

Beispiel: Xavier Naidoo (muss man nicht mögen, aber er ist trotzdem einer der Topseller im deutschen digitalen Musikmarkt) stellt keine DRM-Forderungen. Bei Finetunes oder in seinem eigenen Shop gibt's alles als MP3.
Bei iTunes, Musicload und Co. ist DRM drauf. - Absurd. Aber so ist es.

meint: Chris am 08.02.07

naja nachdem selbst bilgates eingesehen hat das drm nicht funktioniertkann man auch mal drüber wettern..

die weigern sich doch bis heute vorbis in ihre eipötte einzubauen, obwohl es technisch kein problem währe
mögen die dinger noch so nett aussehen (sind übrigens nicht die einzigen hübschen portable-player) für mich ist es proprietärer schrott von einer firma die die freiheit von daten nicht zu würdigen weis..

gibt es eigentlich portable-player von sun? ;)

meint: marti am 09.02.07

Allerdings, die Zeitnähe zum Vista-Launch kann gar kein Zufall sein.

Habt ihr euch eigentlich mal überlegt, was für ein starkes DRM Aplle den Inhaltsanbietern wohl demnächst in Form der vollkommen geschlossenen Lieferkette (ohne Umweg über frei programmierbare Computer) vom ITMS über den Mobilnetzpartner direkt aufs Iphone anbieten kann?

meint: usr am 09.02.07

drm = crap!
http://mich.softwareschneiderei.ch/?p=156

meint: mich am 21.02.07

Wie Gönnerhaft muss es erscheinen, wenn Steve Jobs jetzt gegen DRM wettert... hat er doch seine Musik im iTunes-Store selbst beschränkt auf den hauseigenen Player. Ich würde sagen, das ist echtes Mitläuferverhalten!

meint: Gitarrenlehrer am 22.02.07

"any player can play music purchased from any store", soso! hätten wir in der imaginierten welt des herrn jobs' also dann einen ipod-player, der wirklich ALLE formate abspielen kann? das sind vermutlich nur lippenbekenntnisse und ein fürdummverkaufen.

meint: smash am 24.02.07

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