rebel:art - Ein Magazin und Festival will Kunst und Politik wieder zusammenführen

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rebel_art_1.jpgPolitik und Kunst. Zwischen solchen Spannungspolen kann einiges geschehen, muss einiges geschehen. Denn Kunst kann und soll kritisieren, darf aber nicht verboten werden. Kunst sollte mehr öffentliche Diskurse schaffen und Menschen sollten sich öfters um die eigenen Rechte kümmen – meint Tadeusz Szewczyk und konfrontiert Euch mit rebel:art.

Wir leben in Zeiten in denen es wieder möglich wird, für das Publizieren von Texten ins Gefängnis zu kommen, so geschehen bei Sebastian Lütgert von textz.com. Wir leben in Zeiten in denen bestimmte Arten von Musik gleich gänzlich illegal sind, wie beim Grey Album von Danger Mouse und in den Straßen von Paris Massenverhaftungen von Kunst-Aktivisten ("Artivisten") stattfinden, die den öffentlichen Raum von Werbeflächen zurückerobern wollen.

nikeplatz.jpgMitten in diese Kulisse aus Kämpfen um grundsätzliche Rechte sich an der eigenen Kultur überhaupt noch beteiligen zu dürfen, statt nur als Endabnehmer von vorgefertigten und massenkompatiblen Produkten zu fungieren, platzt rebel:art hinein. Das Magazin, will all das zussamenschweissen, was bislang mehr oder weniger nebeneinander oder parallel vor sich her spazierte.

Diese Verschiebung im Diskurs zugunsten bewusster Politik in der Kultur, da wo bislang eher die Politik versucht die Kultur zu unterdrücken, wird von einem fulminanten Festival eingeläutet.

Am 1. April startet das dreitätige "FFFFFF#000001 rebel art release festival" in Berlin Mitte. Mit dabei sind ganz bekannte Akteure wie monochrom.at, Robert Praxmarer oder das umtriebige Duo Brener/Schurz. Im Untertitel des Festivals sind "Culture Jamming, Hacktivism, Urban-, Guerilla and Media Art" aufgezählt. All diese Aspekte sind vorhanden, nicht nur als konventionelle "Events", sondern ebenfalls als Workshops (Subvertising, Derive/ Umherschweifen, Hacktivism) oder Diskussionsrunden.

serdar01.gifDoch dabei bleibt es nicht. Denn wo wird zum Beispiel der im deutschsprachigen Raum inzwischen sehr bekannte türkischstämmige Serdar Somuncu eingeordnet, der sein Publikum mit "Wollt ihr den totalen Krieg" und einem weiteren zweifelhaften Klassiker der deutschen Redekunst, "Mein Kampf" traktiert - mit dem vielsagenden Leitspruch "Heute Döner, morgen die ganze Welt"? Serdar Somuncu tritt bereits am Donnerstag im Kaffee Burger auf. Weiterhin wird etwa der Neoismus vorgestellt oder in einer "Cut Up Session" die von Burroughs eingeführte Technik des Zerschneidens von Texten live vorgeführt.

rebelart_cover2.jpgDas Magazin selbst, das eher schon ein Buch ist und dementsprechend mit 12 Euro fast schon unter Wert verscherbelt wird, bietet einen beeindruckenden Einblick in die aktuellen Strömungen der die gegenwärtige Normalität hinterfragenden artistischen Äußerungen. Denn der Begriff Kunst ist dafür sicherlich ein zu enger.

In diesem Sinne ist hier wohl auch "Politik" und "Kultur" gemeint, denn die Politik verfolgt kein direktes Programm und erlaubt trotz scheinbarer Leitlinie auch ein-aus-der-Reihe wie Beiträge von Hans Bernhard oder Peter Lau zeigen. Kultur findet nicht nur in Galerien statt, sondern sollte sich lebendig allerorts ihren Platz suchen. Ringsumher, da wo sie hingehört und gesehen wird, einfach überall.

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Auch die eingangs erwähnten drei Beispielfelder und Protagonisten der akuten öffentlichen Auseinandersetzungen sind vertreten. Sebastian Lütgert ist bei "the future of electronic resistance" dabei. Dort wird es auch um "illegal audio" gehen. Im Heft mit der offensiv im Mittelpunkt stehenden #01 auf dem Cover ist die Urban Art-Szene in Paris ein zentrales Themengebiet. (Tadeusz Szewczyk)

Links:

Einzelheiten zum Magazin unter www.rebelart.net.

Das Festival findet vom 1. - 3. April statt. Mehr Informationen findet Ihr unter www.rebelart.net/f01.htm.

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Kommentare

Der Begriff Kunst sollte sich dieser Tage vom isolierten Künstlertum abspalten und in eine höchst integrierierte, in sämtlichen Lebensbereichen sich ausbreitende, virale Schicht entwicklen, die uns wie eine Patina bedeckt alles zum Leuchten bringt.

meint: 020200 am 31.03.04

Eine kleine Übersicht mit vielen Links zum rebel:art-Festival hat sum1:
http://sum1.onreact.com/entry.php?id=00194

meint: sum1 am 31.03.04

ja leuchten sollte sowieso viel mehr...

wo bekommt man denn das mag?

kann man das nur bestellen?

meint: bubblebob am 01.04.04

Je nachdem, entweder direkt bestellen, oder falls in Berlin jetzt beim Festival oder in ausgewählten Buchläden, Pro qm, NGBK, Schwarze Risse.
Wir haben ja keinen Vertrieb aber ihr könnnt ja Druck machen auf die lokalen Kioske :-)

Don't forget, we are Non-Profit, der Preis deckt kaum die Druckkosten.

meint: ts am 01.04.04

... und da, wie wir alle wissen, sex nunmal sellt (kann alles noch so alternativ sein...) hab ich hier noch nen link für den schon von mo angedeuteten hingucker des magazins. die bilder sind im mag abgedruckt, aber man kann sie sich auch auf der seite des internetaktivisten hans bernhard runterladen: http://www.hansbernhard.com/evergreens/plasticman_rolemodel_pussy/

meint: [in]anace am 08.04.04

@[in]anace: weise nur daraufhin, dass der artikel von sum1 geschrieben wurde. er hat mir auch die bilder geliefert. ich habe sie nur in szene gesetzt. aber die großen versionen sind auch nicht schlecht ;) habe sie mit dem bild einfach mal verlinkt.

mo.

meint: Moritz am 08.04.04

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