Planet MySpace

Rubrik » Kolumne Veranstaltung Hinweis

cinama-3d-erde.jpgFür manche Menschen war früher AOL das Internet. Für Musiker ist es heute MySpace. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Bands und Solokünstler demnächst nicht nur Promotion in eigener Sache machen, sondern vielleicht sogar alsbald die eigene Musik verkaufen. Nur das mit dem Webdesign, das üben wird noch...

Text: mo.

Wer ein Faible für Cover-Artwork, Design und Layout pflegt, für den ist MySpace die Pest – für alle anderen eigentlich auch. Dachte jeder Web-Geek, wir hätten das Mittelalter des Internets mit bösen Tabellen-Layouts überwunden, dem grinst MySpace frech ins Gesicht: „Pech gehabt!“. Barrierefreie sonnendurchflutete Websites nach Webstandards besucht man woanders. Anstelle benutzerfreundliche Webseiten den Vortritt zu lassen, dreht das MySpace-Monster sinnvolle Standards genüsslich durch den Reisswolf und spuckt uns ein designtechnisches Horrorszenario vor die Füsse.

Zum Glück denkt man, tummeln sich zahllose Websites im Netz, die wie Parasiten vom MySpace-Hype profitieren wollen. Diese bieten 1-Klick-Designs an, die schnell den eigenen Account verschönern, meist jedoch nur augenfeindlich verschlimmbessern. Augenkrebs ahoi!

Mit Spannung und Amüsement schaut man sich die Suchergebnisse an, wenn man nach solchen Websites mit den Worten „MySpace Layout“ forscht. Ein Ergebnis sind solche suchmaschinenoptimiertverpesteten und fett gemarkerten Listen nicht. Spätestens wer sich anschließend durch die Ergebnisse klickt, landet spätestens einen Klick später woanders. Denn dann hat man versehentlich einen geschickt eingebauten Google-Adsense-Werbeblock erwischt. Und für nichts anderes wurden diese Seiten angelegt.

Neben diesem ganzen 1-2-Pimp-Dein-MySpace-Gedöns gibt es aber wenigstens ein ganz korrektes Werkzeug. Das ist sauber programmiert, eigentlich akzeptabel und wohnt unter www.layoutgeneratormyspace.com.

Viel spannender ist dahingegen die Zukunft von MySpace selbst. Gerade kloppen sich nämlich Ebay und Google darum, Ihr eigenes Bezahlsystem auf MySpace integrieren zu dürfen. Da heisst es dann Paypal gegen Google Checkout. Mit seinem derzeitigen Werbe-Deal über 900 Millionen scheint da unsere Datenkrake Google die bessere Position zu besitzen.

Malt man sich aus, was aus einem integrierten Micro-Payment-Verfahren resultieren könnte, so staunt man nicht schlecht. Solch ein Bezahlsystem könnte Indie-Musiker dazu befähigen unkompliziert ihre Musik über das MySpace-Netzwerk anzubieten und Musik ohne Label und Vertrieb an „Freunde“ zu verkaufen. Dadurch könnte MySpace zum größten MP3-Online-Shop mutieren und eventuell sogar Steve Jobs DRM-iTunes-Dingens Konkurrenz machen. Und spätestens dann klatscht Rupert Murdoch in seine Hände, weil er auf seinem eigenen Planeten handeln und arbeiten lässt. Die Kohle wandert dabei brav in die eigene Tasche – Monopol sein Dank. Wir sagen Wow, mal sehen, wie es weiter geht und bis demnächst an dieser Stelle.

Info: mo.s Web 2.0-Kolumnen erscheinen jeden Samstag exklusiv auf intro.de, dem Portal für Popkultur und so und können dort eine Woche im voraus gelesen werden.

Als Favorit speichern » AddThis Social Bookmark Button

Kommentare

virb ist sowieso viel schicker als myspace.

meint: Just Banks am 30.03.07

Ja virb ist wirklich viel schicker! Myspace ist so ziemlich das furchtbarste, ich habe schon eine regelrechte Myspacephobie. Vor kurzem folgende Frage-Antwort dazu mal bei jemand in den Kommentarten gepostet:

Frage: Was ist das erste was du auf Myspace Seiten machst?
Ant: Ich schau ob der Künstler ne normale Homepage hat!

meint: Nörmi am 31.03.07

Schöner Artikel! Virb werd ich mir auch mal angucken..

meint: elliptic am 31.03.07

jede/r und jede/r zahlt und macht für jede/n. das wär doch toll. noize ist wohl fluch oder segen... und immer wie die 68er fragen: wer hat nun was davon?

meint: kotzak am 02.04.07

myspace ist nicht nur krampf fuer die augen und ein fuer mich schwer nachvollziehbares phaenomen, sondern auch noch richtig boese: http://paco42.wordpress.com/2007/03/20/myspace-ist-boese-teil-2/

und ueberhaupt, sind mir solch proprietaeren und auf ihre art sehr in sich geschlossenen plattformen absolut zuwider. waehrend traditionelle websites und auch blogs prinzipiell jedem das mitspielen ermoeglichen, sind communities wie myspace, openBC und wie sie alle heissen moegen geschlossene gesellschaften, in denen nur freund sein darf, wer auch drin ist. und das ist wider der offenen natur des netzes. und deswegen gar nicht fein. :-) und ueberhaupt verstehe ich nicht, was der vorteil sein soll, meine website innerhalb von myspace und nicht auf einem konventionellen server anzulegen? die community, die man bei myspace gleich mitkauft? hm, aber eine viel groessere kann ich doch ueber das netz als solches adressieren. wenn auch anders. wie auch immer, myspace ist boese. punkt.

meint: Paco am 03.04.07

"und ueberhaupt verstehe ich nicht, was der vorteil sein soll, meine website innerhalb von myspace und nicht auf einem konventionellen server anzulegen?"

verstehe ich auch nicht. wieso so viele mitmachen ist aus meiner sicht klar: gruppenzwang und mangelndes selbstbewusstsein.

selbst mit blogs ist das ziemlich ähnlich - man sucht eine art gruppenzugehörigkeit (im grunde sind das auch nur simple "derbinich-" oder auch "meinefamilie-homepages" wie es schon vor 10 jahren gab, aber "blogger" klingt ja viel hipper).

ist halt wie im echten leben - zahllose oberflächliche hypes - im kern jedoch ändert sich nichts.

meint: fabien am 03.04.07

und noch was:

"Malt man sich aus, was aus einem integrierten Micro-Payment-Verfahren resultieren könnte, so staunt man nicht schlecht. Solch ein Bezahlsystem könnte Indie-Musiker dazu befähigen unkompliziert ihre Musik über das MySpace-Netzwerk anzubieten und Musik ohne Label und Vertrieb an „Freunde“ zu verkaufen"

da gibt es auch seit jahren von zich anbietern (z.b. soundclicks) und hat nie funktioniert.

meint: fabien am 03.04.07

es stimmt sicher dass hypes durch neue medien schneller um sich greifen, is ja klar, aber die strukturen bleiben und werden erst nach und nach für werte genutzt, neue möglichkeiten neue kulturtechniken, alles durchläuft phasen der exploration. suche nach identität und selbsterfahrung stellen sich heute anders dar, das ist weder gut noch schlecht, wer diktiert was innerhalb dieser medien möchlich ist. das ist die kritik

meint: kotzak am 04.04.07

Kommentar schreiben!

Kommentare:

Klick-Konzept - Essentielles Webdesign