Mo.'s Plädoyer für mehr Glanz und Qualität

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kolumne1.jpgDie Netlabel–Kultur scheint sich selbst schon sehr liebgewonnen zu haben. Ein wenig vom eigenen Pioniergeist geblendet werden vielerorts die gleichen Fehler gemacht, die uns die Majors vormachen. Anstelle hochwertiger Musik bimmeln uns die Label die Ohren mit Trash voll – zu selten finden sich zeitlose Perlen.

Im World Wide Web ist die Netlabel-Kultur immer noch ein Randphänomen, dass dieses Jahr jedoch seinen Durchbruch erreichen wird. Die Musikbranche zerbröselt, versucht sich an kurzlebigen Casting-Shows und die Menschen wollen einfach nicht mehr Musik kaufen, aber konsumieren. Das hat Folgen... Eine Chance für die Netlabels also.

(Un)Freiwillig sorgen die Chefetagen für den Ausverkauf des Phänomens Popstar im großen Stil durch Casting Shows. Acts werden nur noch kurzfristig aufgebaut. TV-Auftritte Konzerte und Berichte über das Produkt "Musik" lassen die Kassen klingeln während das glitzernde Individuum in einem Strohfeuer lichterloh auf der Bühne verbrannt wird. Heute glaubt jedes Individuum es sei der glühende Stern am Himmel. Egozentrismus und Ich-Bezogenheit treibt selbst die talentlosesten mit Überzeugung auf die Bühne.

Bis hierher nichts neues und was hat das aber jetzt mit der Netlabel-Kultur zu tun?

(Er)Lebt man eine Subkultur, nimmt an ihr teil und versucht sie weiter voranzutreiben, schwärmt man von ihr womöglich genauso blind wie Bill Gates von Micro$oft. Das wohnt jeder Subkultur inne, die davon überzeugt ist, eigenwillig und anders zu sein. Ob das nun die Linux-Kultur ist, irgendeine Fan-Community oder der Golf-GTI-Club der sich regelmäßig vor dem Mäckes an der Bonner Straße trifft. Jeder einzelne ist cool, will dabei sein und will Glanz – sprich ein Mini-Pop-Star in seinem Umkreis sein.

Nur das nicht alles glänzt, was man erlebt, dass es auch andere coole Dinge gibt, scheinen dabei viele nicht zu erkennen. Auch die Netlabel Kultur ist da ein wenig Ich-Verliebt und denkt: "Wir sind die guten. Wir sind die, die der Musikindustrie in den Arsch treten. Wir revolutionieren, wir gehen andere Wege."

Die Idee ist gut, aber bitte mit Qualität sonst seit ihr alle genauso überflüssig wie Tim Renner & Co. Ihr scheint manches Mal scheinbar stumpf alles zu veröffentlichten. Während ich den Netlabel Catalogue administriere, neue Releases sauge, stolpere ich über sooo viel Schrott das mir die Ohren bluten.

Anstelle kontinuierlich an den EPs zu feilen und lieber einen oder zwei Monate mit der Veröffentlichung zu warten, veröffentlichen die Labelbesitzer verwässerten Schrott par excellence. Natürlich ist es verlockend, wie schnell ein produzierter Track auf die Festplatte gebounced, mp3eit und auf den Server geschoben werden kann. Aber bitte lasst Euch Zeit. Eurem Backkatalog und Ansehen wird es sicherlich nicht schaden, wenn ihre wenige aber feine Veröffentlichungen vorliegen habt.

Warum versuchen die Artists nicht noch mehr an ihren Releases zu feilen? Anstelle 10 Weg-Werf-Track zu produzieren, produziert lieber einen, den sich die Surfer auch noch in zwei Jahren ziehen. Wir wollen nicht jedes eurer Experimente hören. Warum bewundern wir z.B. heute noch Kraftwerk? Weil die Jungs so perfektionistisch an den Potis gedreht haben, komponiert, verworfen und wieder komponiert haben.

Einen Stoss in die Rippen sei mir bitte noch erlaubt. Mittlerweile tauchen immer mehr Netlabel-Mixe von (mp3)DJs aus der Szene auf. Die sind von der Idee her nett, aber einfach unglaublich einfallslos. Anstelle einen repräsentativen Querschnitt der Szene zu liefern, DJ Skillz zu zeigen, werden die immergleichen zitiert. Hey! Die Aufgabe eines DJs ist zu diggen und nicht wie der Kirmes-DJ die ewiggleichen Hits bzw. hier die immer wieder gleichen Labels zu zitieren.

Also bitte mehr Innovation, Pioniergeist und solides Experimentieren. Das rockt das Höschen und lässt den Konkurrenz-Druck steigen und beschert uns als dankeschön korrekten Sound. Denn dafür sterben wir doch alle gern. Cheers! (mo.)

Bild: Herr Buchta

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Kommentare

ich möcht ja eigentlich hier jetzt mal wieder eine kernige diskussion lesen. mir fällt aber momentan nur ein, dass ich mich praktisch nur durch die etablierten netlabel wühle und die ganzen favs durchsauge. das weiss ich was ich habe. an neue weblabel wage ich mich eher zögerlich ran oder warte instiktiv die ersten reviews oder tipps ab.

vielleicht folendes noch: subsource hat 1999 damit angefangen irgendwelche selbstgemachten tracks ins netz zu stellen. netlabel stand früher noch nicht auf der seite, auch der gedanke eins zu sein kam erst später. das erste review in einem printmagazin kam jahre später. man lasse also den kleinen die chance ihr ding zu machen und man sehe jeden beitrag als bereicherung (solangs nicht arg nervt). ich glaube das alte prinzip, dass nur die starken überleben wird auch hier greifen. einige netlabels hats ja schon dahin gerafft, obwohl die nicht alle scheisse waren. hmm. shit, mir fällt ein dass ich mit http://www.subsource.de/submix/014/ mal einen mix über aii.fm gemacht habe, ein frühes, mittlerweile 404er netlabel auf dem z.b. jetone (force inc.) released hat. würde ich gerne gegen fünf andere urls wieder zum leben erwecken...

meint: [in]anace am 21.02.04

@[in]anace: "man lasse also den kleinen die chance ihr ding zu machen und man sehe jeden beitrag als bereicherung" - da protestiere ich einfach. klein muss ja nicht scheisse oder überflüssig sein. und eine bereicherung ist es nicht, wenn ich tracks sauge um festzustellen was für ein müll das ist. das nenn ich dann zeitverschwendung und das bedeutet ich ärgere mich und das kleine label werde ich wohl nie wieder besuchen. und da bin ich sicher keine ausnahme. lieber klein, wenig _aber_ fein.

@sebastian: nein, bemerken tue ich das nicht erst jetzt. doch es ist mir jetzt das erste mal so richtig aufgestoßen. und ich denke, dass viele nicht darüber nachdenken, was sie da machen. viele verpassen einfach ihre chance durch mittelmäßigkeit und das ist schade. natürlich gibt es diese mittelmäßigkeit auch bei den hardware labels, aber ich finde die künstler sollten sich einfach mal gedanken machen. auch dj's. mischen kann (so gut) wie jeder, aber einen spannungsbogen erzeugen, eine variable trackauswahl und ein fundiertes wissen besitzen die wenigsten und eignen es sich oft nicht an. darum _bitte_ mehr qualität. sonst straft euch das internet mit ignoranz.

meint: Moritz am 22.02.04

Erstmal vorweg, schöner Artikel. Denke auch, dass es viel Mist gibt, verstehe die Kritik auch als Solche, denke aber dass man da nichts gegen machen kann, bin mir auch nicht sicher wie man das sollte. Habe mal irgendwo, glaube doch auch hier auf Phlow, aufgeschnappt, dass es eine schöne Idee wäre, eine Art "Anleitung" bzw. Hilfestellung zu geben, wie man ein Netlabel aufziehen sollte (khz-rate und was es so gibt etc.), denke das auch. Was das inhaltlich Musikalische angeht, glaube ich ist wahrscheinlich das ganze wie immer Geschmackssache. Wahrscheinlich denken die meisten noch nicht mal, naja, könnte ja noch was an dem Track machen, sondern finden den so dann auch geil, obwohl ein anderer wohl wieder ganz anders drüber denkt. Von daher ist es schwierig, und wie überall treffen also auch im Netlabel-Releasebereich einfach neben technischen Fähigkeiten auch geschmackliche Differenzen aufeinander. Das gibts nunmal überall, ob in der Musik, egal ob Netaudio oder Hardware-Label, in der Mode, in der Küche, in der Malerei. Finde das eher normal und wundert mich also wenig, dass es hier nicht anders ist. Nicht jeder Mensch verfügt gleich über oben genannte Fähigkeiten, denke aber auch ein bisschen wie Monsieur [in]anace, das jeder auch die Chance haben sollte, klein anzufangen. Nur daraus lernt man und entwickelt sich weiter. Das es auch schlechte Releases gibt, ist auch sicherlich keine Gefahr für das Image des Netaudio-Bereiches, denke im großen und ganzen stolpert man eh erstmal über die grösseren, etablierten und reiferen Netlabel, wenn man sich mal damit als Laie beschäftigen will und wird nicht direkt wieder durch die kleinen abgeschreckt. Und am Ende setzt sich die Qualität meiner Meinung nach immer durch. ausserdem ist es doch auch eine Art, Feedback auf seine Arbeiten und vielleicht neue Anregungen von anderen Musikern/Kritikern zu bekommen, wie man seine Arbeiten verbessern könnte. Also alles halb so wild denke ich, und was einem nicht gefällt muss man sich ja nicht ziehen. Denke da ist Phlow z.B. ein sehr wichtiges Magazin, eben weil man da über feine Neuheiten stolpern kann, wenn sie hier vorgestellt werden, oder eben besagter Netlabel-Catalogue, in dem man schonmal einen guten Überblick bekommen kann, was interessant sein könnte. Aber sicherlich anstrengend für denjenigen, der sich dann auch ALLES anhören/scheun muss, um´s dort unterzubringen. Also RESPEKT!! ;) - und vielleicht könnte man ja eine Art Bewertungssystem mit einbauen in den Katalog, vielleicht auch ne nette Orientierung ?!
Word, Peace & gute Musik ;)
Jörg (Rackler)

meint: Jörg am 22.02.04

Lieber Moritz, nach lesen Deines Artikels bemerke ich "Und das merkst Du erst jetzt?"

Die grandiose Verflachung des Netlabel Niveaus gipfelt mittlerweile im "Das Internet sucht den Netlabel-Superstar", ehm "Netlabel Battle" oder so ähnlich ...

Viele Grüße
Sebastian

meint: Sebastian am 22.02.04

Hallo Mo!

Vielen Dank für diesen Kommentar. Hier geht es nicht darum irgendein Treiben zu unterbinden, sondern es geht um Bewußtwerdung. Auch ich teile den Eindruck, dass es inzwischen einige Releases gibt, die hätte wirklich nicht sein müssen. Damit meine ich nicht nur die kleinen Newcomerlabels (die nicht unbedingt klein sein müssen. Textone hat gezeigt, dass man selbst mit einem ersten Release reinhauen kann). Ich denke auch bei den "größen" Labels gibt es das ein oder andere Release, das aus reiner Gefälligkeit oder Sicherheitsdenken veröffentlicht wird. EPs und Alben, wo nix neues passiert. Da sollte generell Vorsicht angesagt sein. Immer die eigen Mittel schön brav hinterfragen. Ein ich weiss nicht wie es geht, kann genauso riskant sein wie ein "genau so geht es / muss es sein". Nein. Ich zerbreche mir über solche Fragen bei 2063music und octagone regelmäßig den Kopf. Einige Releases sind keine gefälligen Releases, die direkt in DJ-boxenwandern. Nein, einige Releases stoßen vor den Kopf und ernten auch Kritik (wie das aktuelle Album von Reamus). Aber so ist die Kunst. Und ein wenig Diskussion erhält die Flexibilität. Zumal: jede Pioniergeneration legt etwas vor, dann stömen die Massen herein. Wer also echte Pionierarbeit leisten will, sollte Netaudio genau jetzt aufgeben.

meint: 020200 am 23.02.04

hmm war das nicht schon immer so:)
das liegt doch auch in der natur der sache !

wenn jemand gut genug ist und es braucht+kann, will er sich darauf auch konzentrieren können.. aber netlabels tragen in der regel nichts dazu bei ihm das zu ermöglichen.. im gegenteil, netlabels fördern sogar dieses pervertierte selbstverständnis daß musik kostenlos sein kann+soll, obwohl alles andere dieser welt geld kostet.. dabei hat gute musik immer einen preis! auch wenn es sich nicht konkret über ein preisschild definieren lässt .. dadurch ist es nur logisch daß die allermeisten halbwegs fähigen musiker die netlabel szene nur als sprungbrett oder als spielwiese benutzen, bis sie ein 'richtiges' label finden.. mir fallen ja auch nicht so viele netlabels außer ageema und tdr ein die durchweg interessante musik veröffentlichen, hm auch die meisten thinner oder mono tracks habe ich ne halbe stunde nachdem ich sie gehört habe schon wieder vergessen

meint: anoynm am 23.02.04

netlabels versuchen doch nur das selbe wie dies auch "hardware" labels seit jahren tun. die musik zu veröffentlichen welche sie meinen die leute müssen diese auch kaufen und hören. bei den netlabels ist's das selbe! es geht vielleicht einfacher und schneller - trozdem wer ein release geplant. der meint es ernst! wie das auch bei uns dieser tage der fall ist. die arbeit ist nicht zu verachten, auch wenn die plattform nicht voll mit php und einem super webdesign konzept aufwartet ist doch der content wichtig. ob gratis oder nicht. viel sind hier idealisten und werden dies immer bleiben. das ist auch gut so, denn durch diese leute wird viel bewegt - ob das immer nur zu gutem output führt ist eine andere frage. by the way - was ist schon gut? autechre? warp? egal - das entscheidet der konsument. netaudio ist und bleibt eine subkultur. aber dank der subkulturen bleibt die vielfalt erhalten nicht nur im musik bereich... also keep on and dont' belive the hype!

thx
re:pete

meint: re:pete am 23.02.04

Hi Mo,

Harte Worte wie ich finde.

Doch ist das nicht so, das im Netz jeder machen kann was er will?
Wer sagt, dass man sich an Standards halten muss. Wer sagt, dass die Bitrate immer 192kbit/s sein muss.
Wer sagt, was gut und was schlecht ist?!

Wenn die Netlabel immer mehr Beachtung finden – ist das schön - doch wird aus der Subkultur, dem Underground nicht einfach früher oder später eine Art Mainstream?!

Der Stoss in die Rippen ist sicher berechtigt, doch werden die Sets doch nur gezogen wenn die Konsumenten dort Stücke von Bekannten Künstler vorfinden. Daher muss man ja erstmal mit solchen bekannten NetLabeln locken, um das zweite Set mit unbekannter Musik los zu werden.

meint: barky am 23.02.04

@barky: "harte worte" - stimmt. genau so wollte ich es. _subjektiv_ und trotzdem vielleicht zum nachvollziehen. dafür gibt es nun extra die rubrik "kolumne". mein plädoyer darf aber nicht böse verstanden werden. niemand darf/kann/soll vorschreiben wie netlabel releases aussehen sollen. ich bin da ganz von mir aus gegangen und habe mein empfinden beschrieben.
"[...]werden die Sets doch nur gezogen wenn die Konsumenten dort Stücke von Bekannten Künstler vorfinden[...]" bei den dj-sets meinte ich _nicht_ primär dich, sondern einige andere auch. solche sets höre ich mir nicht an, weil ich thinner-tracks ziemlich genau kenne. ich möchte lieber ein paar neue tracks entdecken und gut unterhalten werden.
aber du hast schon recht, dass einige nur das anschauen/hören, was sie kennen. dagegen hebt sich ein solches set dann aber nicht ab und ist eines unter vielen. bekannte djs wie carl cox oder zb. dj marky haben sich über jahre einen ruf erarbeitet, weil sie einen eigenen sound haben, eigene idee mit viel flavor. ich finde diesen ansatz einfach interessanter, natürlich steiniger... aber hey, jeder soll machen was er möchte und ich freue mich, dass _meine_ texte überhaupt wahrgenommen werden :)

meint: Moritz am 23.02.04

ja ja eine kernige Diskussion, stelle ich mir anders vor. Doch gibt dieses Thema wirklich Raum für eine Diskussion. Von Zwei Seiten werden Killer-Argumente vorgebracht: 1. Wir brauchen Innovation, Andersartigkeit, Fortschritt, Qualität damit Netaudio sich weiterentwickelt. Klar, muss man so sehen, die Netaudioszene entwickelt sich langsam als Spiegelbild der Hardware-Musiklandschaft (zumindest bei elektronischer Musik), hat Achtungserfolge (Glückwunsch Thinner zu 7. Platz bei Label des Jahres). Es wird aber auch durch die zum Teil langweilig, das ist ebenfalls von bestehenden Plattenlabels kopiert. Mut ist hier gefragt, der sich selten sofort auszahlt, damit meine ich alle Labels!

2. Die andere Seite kontert mit dem "Qualität liegt im Auge des Betrachters"-Argument. Dem kann man num mal nichts entgegenhalten. Fortschritt? Eine Musikrichtung wie Raggae hat sich seit Jahrzehnten kaum (für aussenstehende wie mich zumindest) weiterentwickelt. Ist es deswegen schlecht? Nein, denn wenn der Schuter bei seinen Leisten bleibt werden die Schuhe von mal zu mal besser, in kleinen Schritten.

Die Diskussion kan hier eigentlich abgebrochen werden. Die Musikhörer allerdings scheiden sich auch in zwei Lager, manche tun sich mit neuem extrem schwer, so das eine Abstimmung mit den Füssen nur langsam voranschreitet, wenn sich bei einem Label Langeweile breit gemacht hat. Selbst in den unbeständigen Zeiten des klick in denen wir leben.

Ich für meinen Teil fordere Mut von allen Labels, jede Woche ein neues im Netz und Vielfalt. Und: Das Netz ist ein Spielplatz für eure Musik, probiert aus, stellt es in Netz egal ob es jemandem gefällt oder ob es bis zum High-End ausgereift ist. Die nach einiger Zeit übrig bleiben unterstützen die Szene, die kurzweiligen, die Vielfalt der Kundenwünsche. Dank phlow+anderen ;-) kann man sich zumindest aus den interessantesten "Neuen" was in seine Bookmarks kopieren.

meint: datamat am 25.02.04

>> die Menschen wollen einfach nicht mehr Musik
>> kaufen, aber konsumieren. Das hat Folgen...
>> Eine Chance für die Netlabels also.

Ich werde einfach nicht schlau aus diesem Satz. Welche Chance haben die Netlabels also?? Musik anzubieten, die dann konsumiert, aber nicht gekauft wird? Chance? Welche Chance? Butter bei die Fische!!

meint: Hhmmm am 27.02.04

Hallo Moritz,

ein interessanter und auch mutiger Kommentar, Respekt. Aber: Ich stimme dir in vielem nicht zu. Meinst du tatsächlich, dass unfertige, sorglos gemachte, dilettantische Musik keinen Platz im Netz haben sollte? Ist nicht gerade das Netz auch der Ort, an dem man eben Blog-mäßig auch Skizzen und all sowas veröffentlichen darf und sollte? Warum muss es immer auf dem Niveau von Thinner oder Monotonik sein? Wozu brauchen wir eine Qualitätskontrolle? Was ist so schlimm daran, sooo viel Schrott zu hören? Ich meine, es kostet praktisch nichts, es nimmt keinen Lagerplatz weg, auch Musik runterzuladen, die einem nicht gefällt, und man muss es ja nicht wieder tun.

Ich finde, dass im Gegenteil die Hemmschwelle, Sachen ins Netz zu stellen, die eben noch nicht fertig sind, immer noch sehr hoch ist. Wo finde ich denn etwa die Entstehung von Tracks dokumentiert? Ich fände es zum Beispiel superinteressant, sagen wir mal, Thinner-Tracks zu hören, bevor Benfay sie gemastert hat. So etwas macht das Netz erst möglich, die Möglichkeit wird aber kaum genutzt, weil viele eben versuchen, gerade so wie Tim Renner zu sein und die Rosinen herauszupicken.

Woran erst mal überhaupt nichts Falsches ist, denn es ist natürlich volkommen wunderbar, diese Qualitätskontrolle von Sebastian bei Thinner und die bei anderen Labels zu haben. Aber ich kann wirklich nicht verstehen, warum eine fehlende oder anders gelegene Qualitätskontrolle denn etwas Schlechtes sein soll. Dann hört man sich die Sachen eben nicht mehr an. Gut, die Chronistenpflicht des Phlow-Rezensenten zwingt zum Gegenteil, aber das ist halt das Los des Kritikers und keineswegs spezifisch für die Netlabel-Szene (hör dich nur mal bei den Filmkritikern um).

Sites wie em411, wo das Unfertige Programm ist, machen m.E. etwas wichtiges und richtiges: Musik wird dort - oft, nicht immer - eben auch als etwas gesehen, was im Fluss ist, was man einfach mal vorstellt und diskutiert. Darin sehe ich tatsächlich einen neuen Ansatz, wohingegen die klassischen Netlabels eben nur die Hardware-losen Pendants zu den Indie-Labels von früher sind. Was natürlich genauso wichtig ist.

ciao, Frank

P.S. Falls jetzt jemand auf die Idee kommt, auf meine Webseite zu klicken: Alle Tracks da sind bewusst als Belege für meine Haltung zu sehen. Alle direct-2-disc aufgenommen, überhaupt nicht mehr bearbeitet, in kürzester Zeit - längstens ein Abend Arbeit am PD-Patch - entstanden, und oft gibt es die Pd-Patches, mit denen das gemacht wurde, gleich dazu. Also genau die Sachen, die man nach deinem Aufruf eigentlich nicht machen sollte.

meint: fbar am 28.02.04

hi mo,

ich gebe dir in deiner these, dass das internet momentan von netlabels mit mittelmässigen bis schlechten releases nur so überflutet wird, recht. dieses mittelmässige resultiert oft daraus, dass es einfach nur experimente sind, oft wirklich wirres zeug was man sich einfach nicht am stück anhören kann. das ist auf der einen seite natürlich sperrig, da es so noch erschwert wird wirklich gute musik zu finden (wenn an jeder ecke mit experimentalism um sich geworfen wird).

auf der anderen seite ist das die einzige möglichkeit für diese künstler gehört zu werden, denn bei hardware labeln werden solche leute eben nicht unters dach genommen, weil es sich nicht verkauft. der grosse vorteil der internetszene ist: man kann keinen verlust machen. archive.org und szene.org hosten die tracks der "kultur" willen, man braucht im grunde genommen nur noch eine eigene domain für 4-5 euro im monat, und schon steht das eigene netlabel, aber das weisst du ja selber. momentan ist die flut an experimentalreleases größer als an, ich nenns einfach mal "pleasure-netaudio", also netaudio den man hören kann weil er einem gefällt, weils einfach spass macht. allerdings starten ja momentan viele netlabels die sich ausserhalb dieser nischen ansiedeln, und teilweise sogar poppiges zeug releasen (ich glaub alpinechic is ziemlich poppig).

jedefalls ist eine zweiteilung zu erkennen: die leute die einfach nur mal gehört werden wollen und somit ein netlabel gründen / auf einem vö'n, und die leute denen es wirklich um qualität geht und die versuchen mit ihrem netlabel was zu reissen, bekannt zu werden, es in der thinner-manier durchzuziehen, aber eben in anderen bereichen.

ich seh das alles recht locker :) sobald es ein wirklich gutes release auf einem der labels gibt, spricht sich das eigentlich ziemlich schnell rum, und man wird automatisch dazu gezwungen reinzuhören.

dennoch gebe ich dir recht (wie schon oben geschrieben).

greetz,
martin

meint: martin donath am 28.02.04

@fbar: "Was ist so schlimm daran, sooo viel Schrott zu hören?" - es verschwendet meine zeit und als reaktion komme ich seltener oder gar nicht wieder. wenn man skizzen im netz veröffentlicht, sollte man sie als solche irgendwie markieren. langweilige blogs zb. braucht auch niemand. oder besuchst du ein langweiliges weblog noch einmal? und genau deswegen, behaupte ich. wenig ist mehr. und bringt im endeffekt mehr besucher und bekanntheit.

"vorstellt und diskutiert" - finde ich lobenswert. und dein beispiel mit benfay finde ich interessant. das wäre evtl. auch mal eine spannende idee für ein interview. zum glück markieren auch viele labels ihren kram als "experimental". aber was soll ich mit einem luschig produzierten techno-track ohne eier. einem track der halbgar ist, der unfertig einfach nichts taucht (vorsicht! geschmacksache). der ist in meinen augen einfach "unwichtig", weil ich ihn nie mixen werde und dass ist doch der grund oder die absicht von track-music. aber verstehe deinen "freiheitsgedanken" natürlich und das ist ja auch die große chance im netz.

phlow war zuerst ja auch "nur" ein versuch und hat sein eigenes format entwickelt. aber wir versuchen mit selbstkontrolle und -kritik voranzukommen. und dieser gedanke fehlt mir einfach oft bei vielen labels.

meint: Moritz am 29.02.04

@Moritz: "phlow war zuerst ja auch "nur" ein versuch und hat sein eigenes format entwickelt. aber wir versuchen mit selbstkontrolle und -kritik voranzukommen. und dieser gedanke fehlt mir einfach oft bei vielen labels."

Ob dieser Gedanke fehlt, kann ich schlecht sagen, mein Eindruck ist eher, dass viele Netlabels schon versuchen, möglichst "gute" Tracks herauszubringen (außer ich ;) aber einfach auch Nieten dabei haben. Das ist halt so, schade, aber unvermeidlich. Ich mag auch manche Thinner-Releases nicht so sehr.

Ich muss aber hinzufügen, dass meine Haltung sehr stark von einem Open-Source-Geist beseelt ist, bei dem eine der Grundregeln lautet: "Release early and often." Wer Software schon früh zur Diskussion stellt, selbst wenn noch Features fehlen, lässt die Nutzer mitentscheiden, welche Features denn noch implementiert werden sollen.

Ich frage mich, inwiefern das auch auf Musik zu übertragen sein kann. Oberflächlich betrachtet vielleicht gar nicht, denn Tracks haben ja anders als Software eine Halbwertszeit und sie werden auch eher als individuelle Äußerung des Künstlers, weniger als Community-Projekt verstanden.

Andererseits gibt es aber auch starke Communities bei Musik, wie sonst kommt es, dass - wieder einmal - Thinner einen so stringenten Label-Sound hat.

Aber ich schweife gerade wohl seeeehr weit ab...

ciao,
-- Frank

meint: fbar am 01.03.04

@ fbar : " ... denn Tracks haben ja anders als Software eine Halbwertszeit und sie werden auch eher als individuelle Äußerung des Künstlers ... "

Wo genau findest Du denn auf Labels wie Thinner die INDIVIDUELLEN Äußerungen? Ich höre da nur, dass ein halbfertiger Track wie der andere klingt...

meint: Spanner am 03.03.04

@spanner: "Wo genau findest Du denn auf Labels wie Thinner die INDIVIDUELLEN Äußerungen? Ich höre da nur, dass ein halbfertiger Track wie der andere klingt..."

Naja, Thinner-Tracks sind m.E. gerade nicht halbfertig, sondern immer sehr sorgfältig produziert. "klingt wie der andere" kann man natürlich auch als den "stringenten Labelsound" sehen, den ich angesprochen habe.

Mit fällt zum Thema Open Source noch ein: Remixes sind was feines.

ciao,
-- Frank

meint: fbar am 03.03.04

moritz, this impassioned article has some strong points about direction and motive, but it criticizes the entire 'macrocosm' of netaudio culture for not following suit to one particular 'microcosmic' idea. to ask for netlabels to be both innovative and qualitative in their music and releases is to draw a line that distinguishes netaudio as different from commercial audio. but in reality, the models, in terms of substance, are identical. they are both marketplaces that offer a selection of products with varying styles, qualities, and packaging. The obvious difference is in marketing and promotions.

In this respect a consumer of netaudio is no different than a consumer of commercial audio, with the objective of finding music he/she can enjoy. The label's themselves have an agenda, which may or may not be obvious to the consumer. For the most part, netlabels generally seem to follow a style agenda of releasing 'quality' music in the field they specialize in, but there are programs out there.

Soulseek records (of which I am a member) has done several 'innovative' activities (athough sometimes at the sacrifice of quality) and is pushing more toward that direction with their compilations. Numia, my newer netlabel, has an agenda of its own that plans to be unique to those of the other netlabel communities.

It seems like the simplist resolve is not to push for a better, fresher quality of releases, which is in the control (and taste) of the netlabel director, but to seek out and embrace labels that regularly put out the quality of material you seek. And if you still can't find what you're looking for, start a new label :)

(aye, this is in response to a poorly translated version of your article... so excuse me if i'm way off base)

meint: grant.kidd am 09.03.04

Wie kann man Qualität per Rezept verordnen?
Die Frage nach mehr Qualität ist gerechtfertigt, aber schwer, bis gar nicht umzusetzten.
Es herscht eine Art Gruppen-Selbst-Beweiräucherung, die nur durch Selbstbetätigung im kleinen Kreis bekämpft werden kann, also im eigenen Umfeld. Aber dadurch, dass mit neuen Veröffentlichungen auf einem Netlabel kein wirkliches Geld verdient werden muss bzw. kann, wird der Anspruch ''GUTES'' zu produzieren auch nicht gerade angetrieben. Wobei dahin gestellt bleibt , ob dies ein Indikator für Qualität wäre. QUALITÄT ist somit der FSK unterlegt, und wir können nur hoffen, dass es mehr Hühner gibt die nach Körnern suchen.
Neue, was auch immer, brauch das Land. Idealisten
deren Überzeugung es ist; Klasse statt Masse.
Aber leider kann man das nicht essen, oder?(Macht man denn Alles nur wegen dem lieben Geld?!?)

Ausnahmen wie euer Team bestätigen die Regel, dass es nicht so seien muss!!!

meint: aroma am 23.11.04

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