DVDs Hui, Musik Pfui

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drm-musik-hui-pfui.jpgWie steht es um Branchen und Medien, die vom Filesharing betroffen sind? Also Musik, Kino, DVDs und Videospiele? Plattenfirmen und Kinos geht es bekanntermaßen schlecht, der Verkauf und Verleih von DVDs boomen und auch mit Videospielen wir jede Menge Geld umgesetzt.

Text: Swen Emmerling

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Update:
Ich habe den Umsatz von DVDs aufgebrochen in gekaufte und geliehene. Der Unterschied der Umsätze zwischen den beiden Diagrammen kommt daher, dasss im ersten Diagramm auch noch der VHS Markt berücksichtigt ist.

Positiv überrascht war ich von Umsätzen der Spielebranche (Konsolen und Computer). Würde man nicht erwarten, diese in einem ähnlich schlechtem Zustand wie die Musikindustrie vorzufinden? Eine gute CD bereitet ein ganzes Leben lang Freude, ein Spiel veraltet relativ schnell. Spiele sind zudem viel teurer als Musik-CDs. Warum also etwas kaufen, was nur eine recht geringe Halbwertszeit hat? Videospiele können in so ziemlich jeder herkömmlichen Videothek ausgeliehen werden. Und trotzdem boomt die Spielebranche!

Warum boomt eine Branche, obwohl deren Produkte ebenfalls in P2P Netzen verfügbar sind? Vielleicht weil Filesharing keinen negativen Einfluss auf das Kaufverhalten der Menschen hat? Oder gar einen positiven Einfluss?
Nach einer neuen Untersuchung sind nebem dem Preis, spielbare Demos der wichtigste Einfluss auf die Kaufentscheidung. Wie kommt man an Demos? Klar, von der Homepage des Herstellers, über DVD-Beilagen von Zeitschriften aber auch per Filesharing.

Demos über die Internetseite des Herstellers zu bekommen ist nervig. Das kann daran liegen, dass die Hersteller die Kosten scheuen, die ein Download verursacht. Hingegen kostet es keinerlei Mühe per P2P Software an ein Demo zu kommen.

Laut der Ipoque P2P Studie 2006 (siehe hier und hier) werden Spiele im Vergleich zu CDs relativ wenig runtergeladen. Lediglich 7% der per BitTorrent heruntergeladen Dateien sind Spiele. Im eDonkey Netz machen Spiele gerade mal 1,7% aus.

Ein Grund des geringen Anteils von Spielen in Filesharing Netzen dürfte das größere technische Wissen sein, das nötig ist, um ein illegal erworbenes Spiel, besonders Konsolenspiele, zum laufen zu bringen. Als einen weiteren Grund dürfte die Angst vor Viren etc. sein, die man sich mit illegal erworbener Software einfangen kann.

Die Spieleindustrie hat zudem einige entscheidende Vorteile auf ihrer Seite. Im Gegensatz zur Musikbranche bringt sie ständig Innovationen hervor. Alle paar Jahre sind die heute noch aktuellen Consolen veraltet und neue müssen angeschafft werden. Kopierschutzmaßnahmen lassen sich effektiver umsetzen und die in den letzten Jahren populär gewordenen Online-Rollenspiele (z.B. World of Warcraft) sind die Goldesel schlechthin. Dabei wird das große Geld nicht mit der nötigen Software gemacht, sondern mit den monatlichen Gebühren. Möglich wurden Spiele dieser Art erst durch Breitbandinternetzugänge. Die Spielebranche konnte die Möglichkeiten des Internet viel besser nutzen als dies bisher der Musikbranche gelang.

Die Einführung der CD in den frühen 80er Jahren war die letzte "Hardware-Innovation" der Musikindustrie, alles was danach kam, DAT, DCC, Minidisc und auch SACD waren mehr oder weniger Flops. Die nächste wirkliche Innovation war kein neues physisches Medium, sondern das MP3 Format. Dieses brachte unzählige Vorteile für den "Konsumenten". Das Pech der Musikindustrie besteht darin, das die bestehende CD- in eine MP3-Sammlung umgewandelt werden kann, ohne das dadurch ein finanzieller Gewinn für die Musikindustrie entsteht, wie es in den frühen 80er Jahre bei der Einführung der CD war.

Ähnlich sieht es mit DVDs aus. Warum DVDs ausleihen oder kaufen? Neuerscheinungen sind immer noch so teuer, dass man sie für das gleiche Geld zwei Woche ausleihen kann. Zumal Kinofilme mittlerweile auch schon nach kurzer Zeit auf DVD erscheinen. Sonstwie kopierte Filme haben gegenüber den Orginalen keinerlei Nachteile, weshalb sie wohl auch laut der Ipoque P2P Studie 2006 (Links siehe oben) ca. 50% des gesammten Datenaufkommen in P2P Netzwerken ausmachen! Und trotzdem läuft das Geschäft mit gekauften oder auch geliehenen DVDs wie blöd! 2006 wurden in Deutschland mehr als 100 Millionen DVDs verkauft!

Nutzern von Tauschbörsen wird oft mangelndes Unrechtsempfinden vorgeworfen. Ist das wirklich so? Wenn ja, dann dürften sich meiner Meinung nach DVDs nicht so gut verkaufen.

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Kommentare

Das Diagramm gibt's in besserer Qualität auf Flickr: http://tinyurl.com/38rjde

meint: Swen am 10.04.07

irgendwie ist die grafik da oben nicht ganz koscher:

- es wird von max umsatzwerten gesprochen, was ist dabei die einheit? DM, €, $, oder sind das temperaturwerte?

- wenn man dann die grafik anschaut und nachrechnet (ausgehend davon, daß es sich bei der vertikalen größe um datenträger-einheiten handelt), kann es sich eigentlich nur um DM werte drehen. was hat diese währungeinheit aber in modernen statistiken zu suchen?!

- was bedeutet die vertikale größe? vermutlich datenträger-einheiten. wenn ja, wie und wo wurden diese ermittelt?

- videoverleih und verkauf zu mischen ist hier nicht sehr schlau, da der verleih natürlich vom kopierwahn profitiert.

aus so einer stümperhaften statistik-darstellung kann man beim besten willen nichts herausholen.

ich würde gerne eine solche grafik den umsätzen von leicht kopierbarem material sehen. z.b. mit den umsätzen von fotografen, journalisten bzw. schriftstellern, typografen und musikern.

wie bereits vor wochen erwähnt sind computerspiele und video-dvds extrem aufwändig zu kopieren und übers netz zu versenden. sie haben einen wirksammen kopierschutz (online-verbindung bei spielen, große datenmengen und unflexible hardware abspielgeräte bei videos). dieser schutz fehlt bei kleinen dateien wie musik, typo, texte und fotos.

wichtig ist hier auch noch die zielgruppe. video dvds haben eine extrem breite zielgruppe. die meisten video-käufer haben nicht den hauch einer ahnung, wie man sich im internet filme besorgt - daher kaufen sie (bei musik ist das ganz ähnlich: schlager und klassik verkaufen sich immer noch so gut wie früher).

meint: fabien am 10.04.07

Ich sehe das ganz aehnlich wie Fabien - Hauptgrund fuer die Diskrepanz zwischen Tontraeger- und DVD- bzw. Computerspielabsatz ist wohl der nach wie vor vergleichsweise hohe Aufwand, den das Kopieren und Sharen von DVDs und Games abverlangt. Ganz nebenbei gesagt, wuerde ich fuer den Einbruch im Tontraegersegment aber auch nicht ausschliesslich illegale Raubkopiererei sondern auch Austauschbarkeit und mangelnde Profilierung von Kuenstlern in der Musikindustrie und den damit einhergehenden Qualitaetsverfall verantwortlich machen.

meint: Paco am 10.04.07

"[über Videospiele:] Warum boomt eine Branche, obwohl deren Produkte ebenfalls in P2P Netzen verfügbar sind?"

Ich denke die Antwort sollte hier klar genug sein: Bei Videospielen waren schon zu Beginn des betrachteten Zeitraums (hier: 1995) Raubkopien ohne Qualitätsverlust nicht so möglich wie üblich. Bei Musik hingegen gab es bis zur massenhaften Verbreitung von CD-Brennern (die "praktischerweise" in etwa mit dem Aufkommen von P2P-Filesharing zusammenfiel) zwar auch sehr viel Raubkopiererei, diese war aber mit Qualitätseinbussen verbunden (die gute alte Chromcassette) die weit über denen von MP3 & Co liegen. Ähnliches gilt in noch stärkerem Masse für die Bildmedien.

Eine weitere Besonderheit des Spielmediums: der Bandbreiten- bzw. Speichermedienbedarf ist bei den Spielen naturgemäss von anfangs sehr wenig mit den technischen Möglichkeiten schritthaltend auf heutige Werte gewachsen, der relative technische Aufwand der Raubkopie ist also in etwa gleich geblieben. Bei den linearen Aufzeichnungsmedien ist der Datenumfang hingegen konstant geblieben, durch verbesserte verlustbehaftete Kompressionverfahren sogar eher noch gesunken. Auch so sieht man, dass es überhaupt nicht überraschen sollte, wenn die Raubkopiequote bei den Spielmedien (auf welchem Niveau auch immer) stagniert, während die der Aufzeichnungsmedien durch leistungsfähigere Multimediatechnik tendenziell steigt.

meint: usr am 10.04.07

So, das Diagramm sollte jetzt einleuchtender sein.

meint: Swen am 11.04.07

Eine DVD zu kopieren ist nicht schwieriger als eine CD. Sie übers Netz zu verbreiten schon. Abgesehen davon verstehe ich immer noch nicht wie Filme mit mehreren Millionen an Produktionskosten teilweise für 12€ auf den Markt kommen und CDs erstmal 16€ kosten. Liegt das vielleicht am Kinoeinspielpreis der den restlichen Preis drückt? Qualitätsverluste werden bei Filmen übrigens deutlich höher gewertet als bei Musik. Wenn ein Film verpixelt ist stört das, ein MP3 mit 128kbit jedoch hört man in der Regel gar nicht mehr heraus.

Bei Musik fehlt sonst noch der Identifikationscharakter. Natürlich fehlt der bei Filmen auch aber dort steht eben Qualität als "Kauffeature" weit oben. Also entweder gibt es bald das schwarze Gold als digitalen Features (schön anzuschauen, digital abzuspielbar und lange haltbar!) oder Musik wird irgendwann reines Austauschmedium sein und Bands finanzieren sich einzig über Konzerte.

Ich bete das wir entweder einen Vinylaufschwung bekommen oder zumindest die CD erhalten können (vielleicht haltbarer machen können, das wäre noch das größte Manko momentan!) denn diese ständige Formathochschaukelei mit Kopierschutz etc macht erstens den Markt unübersichtlich und vor allem schadet es kleinen Indies die ja dann kaum noch eine Wahl haben weil jeder andere Geräte daheim hat. Eine digitale Musikwelt über Kabel ist jedenfalls alles andere als ein Traum von mir ich brauche ein Medium.

meint: Anselm am 11.04.07

vielen dank für die verbesserung der grafik.

meint: fabien am 11.04.07

Mich würde mal interessieren, wie sich die Verkäufe von Musik in den letzten Jahren entwickelt haben, und zwar aufgeschlüsselt nach Genres. Wo gibts sowas im Netz?

Da lassen sich bestimmt auch interessante Rückschlüsse ziehen.

meint: Rene am 11.04.07

@fabien:
ich hoffe, mein Diagramm entspricht jetzt deinen Ansprüchen. Die zwei Angaben waren ursprünglich enthalten, müssen aber bei den vielen Veränderungen die ich an dem Diagramm schon vorgenommen habe irgendwann verschwunden sein.

Die Daten für den Verkauf und Verleih von DVDs habe ich zusammengefasst, da man annehmen kann, dass beides negativ vom Filesharing betroffen sein müsste. Siehe zweites Diagramm

DVDs zu rippen und über P2P Software zu vertreiben ist auch nicht schwieriger als dies mit einer CD ist. "Video Inhalte" machen mittlerweile den größten Teil des P2P Traffic aus (Siehe die erwähnte Studie). Aufgrund DSL, billigen Festplatten und DVD-Brennern spielt die Dateigröße eines Downloads keine Rolle. Beispielsweise werden Serien nicht mehr ausschließlich als einzelne Folgen runtergeladen, sondern auch in Form eines Ordners der die ganze Staffel enthält. Schaut man sich die Top 100 von the Piratebay an, sieht man, dass die Durchschnittsgröße einer Datei (der Top 100 der heruntergeladen Dateien) ca. 700 MB beträgt, es allerdings auch Dateien zwischen einem und 7GB gibt.
http://thepiratebay.org/top/all

Wenn Videokäufer nicht wissen, dass man Filme auch per Filesharing bekommen kann, dann würde es doch bedeuten, dass Filesharing keinen Einfluss auf den Umsatz von DVDs hatt, oder? Allerdings glaube ich nicht, dass kaum einer der DVD Käufer weiss, wie man per Filesharing an Filme kommt. Denn es ist wohl mehr als offensichtlich, dass so ziemlich jeder weiss, wie man per Filesharing an Musik kommt. Dann dürfte unter den Musikdownloadern keiner sein, der DVDs kauft.

Dem Klassiksegment geht es entgegen deiner Behauptung nicht gut. Zwischen 1993 und 2005 waren 1994 und 1998 die Top Jahre. Im Vergleich zu diesen beiden Jahren ist der Umsatz auf einen Wert von ca. 83% gefallen (im Jahr 2005)


@usr
CD Brenner gab es schon lange vor Napster, so ab 1994. Allerdings waren sie noch richtig teuer, 1995 musste man ca. 1000 EUR bezahlen und die Brennerrei war ein empfindsamer Vorgang. Allerdings stiegen die Umsätze der Spielebranche trotz der Verfügbarkeit von CD-Brennern weiterhin an (siehe Diagramm)

meint: Swen am 12.04.07

"Mich würde mal interessieren, wie sich die Verkäufe von Musik in den letzten Jahren entwickelt haben, und zwar aufgeschlüsselt nach Genres."

kommt noch

meint: Swen am 12.04.07

Abgesehen von den Grafiken ist es bei mir so das ich seit es Filesharing gibt mehr Musik, aber vorallem auch mehr DVD's kaufe. Wenn Jemand auf illegalem Wege ein ganzes Album nicht findet, sondern eben nur einen Track... dann kauft man vielleicht doch schon mal ein ganzes Album. Ebenso könnte Jemand einen Film erst illegal runtergeladen haben... manche divx Versionen sucken echt... und kauft sich dann den Film auf DVD. Nicht jeder schaut Filme gerne am Rechner. Nicht jeder hat seinen Rechner an den Fernseher angeschlossen oder einen divx-fähigen DVD Player.

Kinos nerven weil vorallem Blockbuster laufen... die auf die Dauer nerven. Wer will schon wirklich "Alien vs. Predator" oder "Hanibals Rising" sehen. 50% der Filme die in Kinos laufen sind nur noch "Geldmach-Filme". 9 Euro Eintritt, dafür 30 Minuten Werbung bei den großen Ketten.

Die Kinozeiten sind für mich schon seit 1, 2 Jahren vorbei. Programmkinos gehen noch. Aber wenn von Kino die Rede ist machen wohl die großen Ketten die Werte in der Statistik aus.

HDTV mit 1920 x 1080 pixel kommt der 2K Kino Auflösung verdammt dicht ran.

DVD's werden sich also weiterhin wie blöd verkaufen. Und ins Kino gehen immer weniger Leute.

Und 2007 hat mich bis jetzt auch noch keine Band vom Hocker gerissen. Bin auf das neue Album von "Feist" gespannt.

meint: bob am 15.04.07

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