Diskussions-Panel: Liegt die Zukunft der Musik im Internet?

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musik-2-0.gifDas WWW hat die Musikindustrie in rasantem Tempo verändert. Heute entdecken wir Musik immer häufiger per Filesharing. Darum veröffentlichen zunehmend mehr etablierte Künstler ihre neuen Werke zuerst auf digitalen Plattformen. Wie es um die Zukunft der Musikindustrie bestellt ist, diskutieren am Dienstag, 19.09.2006 in der Berliner Volksbühne Peter Zombik (IFPI), Stephan Benn (VUT), Johnny Haeusler und mo..

Am Dienstag, 19.09.2006 ab 20:00 bis 22:00 Uhr präsentiert die Heinrich-Böll-Stiftung zu Berlin die Podiumsdiskussion "iPod:youTube - Das Internet und die Zukunft der Musik" und rundet anschließend den Abend mit einer kleinen Lounge-Partie ab bei welcher Verena Dauerer die Platten kreisen lässt. Das Thema und die These des Abends lautet: "Das Internet hat die Musikindustrie in rasantem Tempo verändert, wenn nicht sogar fast schon abgelöst. Bands werden heute immer öfter per Filesharing entdeckt und populär. Selbst etablierte Künstlerinnen und Künstler veröffentlichen ihre neuen Werke zuerst auf digitalen Plattformen wie "MySpace" oder "Yahoo Music".

Doch welche Konsequenzen und Herausforderungen bedeuten diese Entwicklungen für das gesamte Musik-Business? Wie behaupten sich Musiker in einer zunehmend vernetzten Gesellschaft? Benötigt man heute noch die traditionellen Vertriebs- und Veröffentlichungswege?

Wer ist dabei?

Diese Fragen diskutieren unter der Moderation von Katja Husen (Netzwerk Neue Medien), die Folgenden:

  • Peter Zombik (IFPI, Verband der deutschen Phonoindustrie)
  • Stephan Benn (VUT, Verband unabhängiger Tonträgerhersteller)
  • Johnny Haeusler (Blogger von spreeblick.com)
  • Moritz Sauer (Netlabel-Katalog phlow.net)

Wann und Wo?

Dienstag, 19. 9. 2006, 20:00 bis 22:00 Uhr
Veranstalter: Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Veranstaltungsort: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Raum: Gr. Salon
Linienstraße 227
10178 Berlin

Website: www.boell.de/calendar/viewevt.aspx?evtid=2521
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Kommentare

Wenn Berlin doch um die Ecke wär...

meint: elliptic am 09.09.06

jo, wirklich schade... ...berlin ist mir auch zu weit...

mhhh nur ist niemand von der gema zur stelle, wenn man sie mal braucht. die gema ist doch wohl der größte widersacher/blockierer dieser bewegung.

"Das Internet hat die Musikindustrie in rasantem Tempo verändert, wenn nicht sogar fast schon abgelöst. Bands werden heute immer öfter per Filesharing entdeckt und populär"

welche bands werden entdeckt?! schnappi das krokodil und group tekan?! na super. kann mir jemand helfen? denn viel mehr bands fällen mir
leider auch nicht ein...

ist dieses statement nicht etwas nerdig und realitätsfremd? die musikindustrie wird immer eine notwendige institution bleiben, egal ob mit oder ohne internet. das internet ist nur ein medium, es kann keine "intelligente" instanz ersetzen, auch wenn manche es vielleicht so warnehmen oder gerne hätten. was ist in diesem satz den überhaupt mit internet gemeint? vielleicht "myspace" u.ä.? liebe leute, das ist nicht das internet, sondern firmen mit handfesten wirtschaftlichen interressen. sollen vielleicht diese seltsammen vereine, die kunst wie heu behandeln, die herkömmliche musikindustrie ersetzen? ...dann lieber die alten strukturen...

ich kann es nur immer und immer wieder betonen. an guter musik kam man schon ohne internet problemlos ran. was soll das internet da besser machen? aus meiner sicht: nicht viel. was wirklich ausschlaggebend ist sind die modernen deutschen tugenden wie geiz und egoismus: der 08-15 konsument sieht es (warum auch immer) nicht mehr ein für musik zu zahlen. hier liegt aus meiner sicht das gern tabuisierte kernproblem, und nicht wirklich in der promotion und verbreitung von musik - also der musikindustrie.

meint: fabien am 09.09.06

bitte mitschneiden und veroeffentlichen. danke.

meint: morgan am 09.09.06

Lieber Fabien,

vielen Dank für deine Worte! Mit vielem sprichst du mir aus dem Herzen. Mir ist es auch fraglich, wie man durch filesharing neue Musik entdeckt. Hinter vielen Internethypes stehen meist gewiefte Promotionsleute (naja group terkan ist wohl wirklich ein internethype)

Liebe phlow leser, ich würde mich wirklich mal auf eine diskussion hier freuen, normalerweise werden ja hier kritische töne zum netaudiomärchen einfach ignoriert. Danke

meint: datamat am 10.09.06

wäre allerdings gern beim podium dabei, ein tonmittschnitt wäre echt klasse. oder ein live stream... das kriegt ihr schon hin

meint: datamat am 10.09.06

@fabien:

Hallo Fabien. Ich finde dennoch deine Kritik relativ stereotyp. "Das Internet" ist ja kein KI-Algorithmus oder sowas, sondern wird, genau wie die Strukturen in der Wirtschaft, vom Menschen gemacht, gedacht, verändert. Filesharing ist nunmal in der Welt und wird dort auch nicht mehr verschwinden. Darknets u.ä. sind eine computervermittelte, postmoderne Version vom Kassettentauschen auf dem Schulhof. Das gilt es schlichtweg anzuerkennen. Auf dieser Grundlage müssen neue, produktive Gedankengebäude her. Gerne auch mit soliden Geschäftsmodellen. Deutsche Tugenden zu bashen ist da leider zu wening und bewegt sich IMHO auf unterem "SpiegelOnline" Niveau.

meint: 020200 am 10.09.06

"Auf dieser Grundlage müssen neue, produktive Gedankengebäude her." da ist wohl unteres Kulturzeit Niveau.... mal Spass beiseite. Was hat sich denn aus dem Kasettentauschen auf dem Schulhof entwickelt? Tokyo Hotel? Das hat sich jetzt ins Internet verlagert. Und?

Leider kommen da keine Antworten sondern nur leere, oft gehörte Phrasen. Wo sind die neuen Gedankengebäude?
und bitte nicht wieder ein "du bist so negativ" Argument

meint: datamat am 10.09.06

liebe industrie-propagandisten,
bitte mal kapieren: netaudio ist keine casting-veranstaltung fuer die musikindustrie.

genausowenig wie opnsource dazu da ist microsoft
die arbeit zu erleichtern.

meint: martin brinkmann am 10.09.06

"Bands werden heute immer öfter per Filesharing entdeckt und populär"

--- hm, ich hatte es mir fast gedacht, dass ich hier noch mehr erläuterung schreiben soll. ich kann nur von eigenen erfahrungen berichten und musik entdecke ich persönlich immer mehr über das internet und das filesharing.

filesharing bedeutet in meinem fall nicht myspace, sondern vorschläge von freunden, die mir musik auf ihren ftp hochladen und ich höre mir das dann an.

ein anderes beispiel ist soulseek: dort kann man mit gleichgesinnten chatten, auf andererleuts festplatten rumstöbern, wie man auf dem flohmarkt in einer grabbelkiste rumkramt. nur ist das filesharing hier eine art empfehlung. entdecke ich in einem ordner neben aphex twin und squarepusher den act XXX könnte der mir evtl. gefallen, weil mir die beiden anderen gefallen.

weiterhin wird filesharing in zukunft immer mehr über mobiltelefone trotz drm möglich. davon bin ich überzeugt. diese formen des schnellen und unkomplizierten vertriebes haben eine große wirkung auf die musikindustrie, das musikempfinden und den musikkonsum.

schon heute ist musik in vielen ohren, nicht mehr so bedeutsam wie vor - sage ich mal - 20 jahren. mit musik wird man überschwemmt.

das sind schon bedeutsame veränderungen, die sich auch auf die musiker und ihre produktionen auswirken. weniger budget für produktionen, neue konzepte zum geldverdienen...

meint: mo. am 10.09.06

Lieber Martin,

"bitte mal kapieren: netaudio ist keine casting-veranstaltung fuer die musikindustrie."

Marsen Jules, Christian Quast, Ali Khan, Pheek, Textone, Bern, Dennis DeSantis, Synergy Networks, AcidRain, Dataman (!!! ..man nicht ..mat ;)) Clevermusic, Alpinechic, Unfoundsound. Mehr fällt mir spontan nicht ein, zu Netaudiokünstlern / Projekten, die mittlerweile oder schon immer Teil der Musikindustrie waren und das Netz u.a. als Casting Playground genutzt haben. Das ist nicht böse gemeint, nur realistisch.

meint: datamat am 10.09.06

Könnten wir vielleicht endlich dazu übergehen, die Industrie Industrie sein zu lassen und von einem Musikmarkt zu sprechen? Ginge das?

meint: 020200 am 10.09.06

*Warum eigentlich gleich so verbissen, es geht doch nicht darum ob der klassiche Musikmarkt überflüssig ist oder ausstirbt, sondern darum ob sich der Markt mehr und mehr in das Internet verschiebt. So verstehe ich das.
Ich finde das Problem, bei Sachen wie Filesharing und z.B. Myspace abklappern ist, es kosten unheimlich viel Zeit, Zeit die viele Musikkonsumenten nicht aufbringen möchten/können um neue Musik zu finden.

*Künstler, der erstmal nur übers Netz (IMS + Myspace) bekannt wurde fällt mir übrigens spontan Gnarls Barkley ein.

*Berlin ist leider auch für mich viel zu weit, wenn so etwas mal im Süddeutschen Raum stattfindet, würde ich mich echt rießig freuen. Und ich glaube ein mitschnitt würde viele hier interessieren.

*"nur ist niemand von der gema zur stelle" Ich glaube dann würde das ganze aus dem Ruder laufen, und das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren. Mit denen macht man denke ich besser eine eigene Poddiskussion. Wäre sicher auch mal interessant

meint: Nörmi am 11.09.06

zum einen finde ich nicht dass man einen kuenstler der (auch!) eine platte auf einem independet-label
veroeffentlicht in erster linie als
"teil der musikindustrie" bezeichnen sollte.
zum anderen aendert das ja nichts an der aussage zum daseinszweck von netaudio.

die beziehung von freier zu kommerzieller musik duerfte sehr aehnlich
wie bei der software sein, was ja auch kein wunder
ist, da die zugehoerigen ideen dort ihren ursprung
haben.

gut, eigentlich ist das hier nicht das thema (sondern das verhaeltnis von 'musikmarkt' zu internet), aber ich fuehlte mich eben schon genoetigt diesen "netaudio ist schlecht, weil
es uns nicht beim musik verkaufen hilft"-spruechen
entgegebzutreten.

meint: martin brinkmann am 11.09.06

"...filesharing bedeutet in meinem fall nicht myspace, sondern vorschläge von freunden, die mir musik auf ihren ftp hochladen und ich höre mir das dann an..." [meint: mo. am 10.09.06]

bewegst du dich da jetzt nicht auf dünnem eis? ich dachte eigentlich, dass es doch noch verboten ist. oder hab ich etwas verpasst? hoffentlich meinen es alle gut mit dir.

meint: daniel am 11.09.06

"bewegst du dich da jetzt nicht auf dünnem eis? ich dachte eigentlich, dass es doch noch verboten ist. oder hab ich etwas verpasst? hoffentlich meinen es alle gut mit dir."

--- nein. weil die musik liegt nicht auf meinem ftp - sprich ich biete die musik nicht an. außerdem kann es ja auch netlabel/netaudio-musik sein und die darf man frei vertreiben, wenn die cc-lizenz stimmt :) außerdem ist es oft auch musik von künstlern, die mir ihre neuen sounds zum download anbieten.

meint: mo. am 11.09.06

Ich werfe mal ein paar Gedanken und Anmerkungen in die Runde:

den satz, dass bands immer häufiger per filesharing entdeckt werden, habe ich instinktiv auf das Individum, nicht auf die Idustrie bezogen. Mir geht es da genau wie Mo, man findet in einem Blog/ per Soulseek/auf einem Netlabel einen interesanten Künstler und schaut was es dort noch so gibt.

Fabien schrieb: " myspace ? liebe leute, das ist nicht das internet, sondern firmen mit handfesten wirtschaftlichen interressen"

So kann man doch überhaupt nicht argumentieren! Ich kann in diesem Satz Myspace durch T-Online, AOL, Google, 1und1, GMX, YouTube, Flickr oder YAHOO ersetzen und der Satz behält den gleichen Sinn. Was ist den das Internet? Viele Server die untereinander verbunden sind. Server kosten Geld, was bedeutet das ganze Internet ist Kommerz pur! Es sind ja nicht die Myspace Inhaber die Bands im Auftrag der Industrie promoten, sondern die Künstler selbst! Diese erhalten ein einfaches Tool für Werbezwecke.

Unabhängige Künstler haben es heute leichter als je zuvor für sich im Internet zu werben. Mittlerweile ist Webspace so günstig, dass man ihn in die Kalkulation nicht mehr einbeziehen muss. Was kostet ist Traffic. Der wird durch große Dateien verursacht. Aber wofür gibt es denn MySpace, Sevenload, rapidshare.de, Archive.org oder Scene.org etc. ? Das hat auch für den Musikbegeisterten den Vorteil einer größeren Auswahl. Kar kam man schon vor 1995 an gute Musik, aber nur mit einem erheblich größerem Aufwand. Wer heute Microsound aus Venezuela hören will, kann das Prblemlos machen. Funeral-Drone-Folk aus Norwegen? Auch kein Problem. Wenn ich die Möglichkeiten die mir das Internet heute bietet mir denen vergleiche die als 15-Jähriger in den frühen 90ern vergleiche; eigentlich ist dieser Vergleich gar nicht Möglich.

Achja, noch zwei Bands, von denen ich bestimmt den Namen falsch schreibe, die aber ihren Erfolg auch dem Internet verdanken: Arctic Monkeys und Clapp Your Hands And Say Yeah. Als erfolgreicher Netaudio Künstler wird man wie alle anderen Künstler bestimmt nicht reih, aber zumindest bekannt. Als vor ein paar jahren Merces Benz mit seinem MixTape schrieb jemand auf der Netaudio Mailingliste, dass er zwar für seinen Beitrag zum Mixtape bekam, aber immerhin durch diesen Beitrag einen bezahlten Auftrag kam. Und die Künstler von Thinner sind regelmäßig in Kanada auf Tour! Das ein Netaudio Künstler allerdings in der Heavy Rotation auf MTV läuft, wird wohl allerdings nie geschehen.

Noch mal was von Fabien was Meiner Meinung nach fragwürdig ist: "der 08-15 konsument sieht es (warum auch immer) nicht mehr ein für musik zu zahlen. hier liegt aus meiner sicht das gern tabuisierte kernproblem, und nicht wirklich in der promotion und verbreitung von musik - also der musikindustrie."

Was ist den hier ein Tabu? Jede zweite Zeitschrift berichtet darüber, dass seit 1997 die Umsätze der Musikindustrie um 40% zurück gegangen sind. Aber der Satz müsste heisen "nicht mehr bereit sind für CDs zu zahlen". Den wie könnte man sich sonst den Erfolg vom iTunes Musicshop erklären. Nach einer Studie von Screen Digest werden 2010 die Umsätze durch Downloads die Umsatzeinbusen bei den physikalischen Tonträgern ausgleichen. Quelle: http://tinyurl.com/s77r6

Die Musikindustrie hat einfach den technologischen Fortschritt verpennt und die Wünsche der Konsumenten ignoriert. „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Windmühlen, die anderen Mauern“, sagt ein (angeblich) chinesisches Sprichwort. Der Filmindustrie hat sich auch nicht viel besser angestellt. Diese hatte aber zwei Jahre Zeit aus den Fehlern der Musikindustrie zu lernen. Und heute immerhin: einezlne Folgen erfolgreicher Serien kostenlos auf der Seite des jeweiligen TV Senders oder auch beim iTUnes Musikstore.

Das man die "Industrie" nicht abschaffen kann, sehe ich genau so. Allerdings müsste man den stark negativ beladenen Begrif "Musikindustrie" doch etwas differenzieren. Für mich ist die böse Industrie, die die hinter Eminem, Metallica etc stecken. Menschen für die Musik nur Geld bedeutet. Ein Photo von solchen findet man hier: http://tinyurl.com/q44ar . Die Bertelsman Manager sehen zumindest genau so aus, wie ich typische Vertreter der "bösen" Industrie vorstelle. "Gute" Musikindustrie sind für mich kleine Label, die ihr Herzblut und den Bausparvertrag ins eigene Label stecken. So stelle ich mir Thomas Morr von Morr Music und die Macher hinter Tomlab vor. Diese Form von Industrie abzuschaffen finde ich unsinning. Diesen kleinen und mittleren Labels geht es auch nach wie vor ganz gut, oder zumindest besser als den großen:

"Kleine und mittlere Tonträgerunternehmen scheinen derzeit eine Sonderrolle einzunehmen. In ei-nem teilweise dramatisch rückläufigen Markt entwickeln sie sich in weiten Teilen positiv. In den Krisenjahren nach 1997 sind eine Vielzahl neuer, kleiner und mittlerer Tonträgerunternehmen gegründet worden. Insgesamt ist die Zahl der VUT-Mitglieder in diesen Jahren um 268% gewachsen. Auch die älteren befragten Unternehmen haben mehrheitlich expandiert. Die kleinen und mittleren Unternehmen sehen Ihre Zukunftsaussichten nach sieben Jahren krisenhafter Entwicklung am Gesa-mtmarkt mehrheitlich positiv und erwarten weiteres Wachstum. ...
Direkte Einnahmen aus dem Online-Geschäft scheinen diese positive Entwicklung nicht zu erklären, da diese bisher gering ausfallen. Es gibt Anzeichen, dass das Internet eher durch neue Promotions-möglichkeiten eine Rolle spielt."

Quelle: Befragung der Mitglieder im „Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten“ (VUT) http://tinyurl.com/f8zeg (PDF File)

Ein gutes Beispiel warum man die Industrie auch nicht abschaffen sollte liefert die Band "Einstürzende Neubaute". Diese löste sich vonder Industrie und bot eine Art ABo an. Wer 30EUR bezahlt, darf per Webcam beim Entstehen der jeweils neusten CD dabeisein und erhält diese (nicht im handel erhältlich) sobald sie fertig ist. Hatt auch prima geklappt, nur um auch auf Tour gehen zu können, dafür reichten die Einnahmen nicht. Dafür lies man sich dann doch wieder unter Vertrag nehmen.

Aber das Thema gute/böse Musikindustrie wurde hier auch schon zu Tode geredet.

Ach ja, die schon oben erwähnte Studie hat sich mit dem Thema Internet gemacht:
NEUE VERBREITUNGSMÖGLICHKEITEN: DAS INTERNET ALS HOFFNUNGSTRÄGER?
Welche Umstände können Wachstum unter den kleinen und mittleren Unternehmen erklären? Eine vielbeachtete Entwicklung in den letzten Jahren war die wachsende Bedeutung des Internets für die Verbreitung von Musik. Überhaupt im Internet präsent zu sein, ist mittlerweile Standard für kleine und mittlere Tonträgerunternehmen. Fast 97% geben an, schon mit Ihrem Unternehmen im Internet präsent gewesen zu sein und gut 85% aller Unternehmen messen der Internetpräsenz eine hohe oder mittlere Bedeutung für ihr Unternehmen bei. ...
Quelle: Befragung der Mitglieder im „Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten“ (VUT) http://tinyurl.com/f8zeg (PDF File)


meint: swen am 11.09.06

Ich möchte nochmals auf der Unterscheidung zwischen Musikindustrie und Musikmarkt rumreiten.

Meiner Einschätzung nach bracht es einfach keine Musikindustrie mehr. Denn das bedeutet konkret Produkte in einer hohen Stückzahl zu Produzieren, um die als Massenartikel auf den Markt zu werfen (vgl. z.B. die Bauhaus Bewegung[das ist keine Band!]). Der Begriff stammt dabei aus dem Industriezeitalter und der Moderne. Aber in unserer postmodernen Zeit sind Grenzen fliessend geworden: massenhafte Verbreitung kann auch ein Netlabel liefern oder findet bei filesharing statt. Vielleicht benötigen wir ja noch eine Industrie, z.B. für die Hardware -> iPod. Aber ob wir auf eine Musikindustrie agewiesen sind, die teure Aufnahmestudios stellt und in Vorleistung für eine teure CD Produktion geht möchte ich anzweifeln.

Das sind fragen unabhängig vom Musikmarkt. Und den wird man wohl auch nicht totkriegen, denn Musik ist nach wie vor ein sehr gefragtes Gut. Nur kann man Märkte nur begrenzt machen: meist entstehen sie und regeln sich von selbst. Oder wie war das noch mit der sozialen Marktwirschaft? Also in diesem Sinne: Musikindustrie endlich abschaffen.

Oder: ist Musik von einem Label wie Morr Music oder Kitty Yo ein industrielles Produkt?

meint: 020200 am 11.09.06

noch ein beispiel für musik, die zuerst im netz war und später auf cd erschien: lilly allen -> http://www.myspace.com/lilymusic

es ist nun mal so, dass es einen haufen menschen gibt - vorallem jüngere - die sich dort durch die profile klicken um neue musik kennenzulernen. zu sagen, myspace sei mist, weil es herrn murdoch gehört ist eine seltsame argumentation. die kleinen und mittleren label profitieren doch davon. wenn man denkt: myspace=murdoch - dann bitte auch konsequent sein und keine simpsons mehr anschauen.

was ist eigentlich mit "the horrors"? hatten die ihren major-vertrag schon bevor mr. cunningham das promo-video gedreht hat? hier http://www.director-file.com/cunningham/horrors.html steht zumindest, dass er die bei myspace gefunden hat. am ende vom video steht allerdings "copyright polydor".

beim beispiel gnarls barkley finde ich besonders bemerkenswert wie wenig in diesem zusammenhang in den massen(print)medien über dessen vergangenheit, den grauen dienstag, die klage von emi und das jagen des "grauen albums" bei ebay und im netz zu lesen war. es war fast schon gespenstisch, wie vollkommen _erwartet_ monate nachdem man crazy zu ersten mal im netz hören konnte plötzlich die ganze marketingmaschinerie angeworfen wurde. und das zu einem zeitpunkt an dem bereits eine live-coverversion der singleauskopplung "crazy" von "the kooks" im netz unterwegs war.

der lerneffekt aus solchen dingen scheint aber gleich null zu sein:
http://www.boingboing.net/2006/09/08/emi_wants_millions_a.html

µ

meint: mrcs am 12.09.06

das Netz ist natürlich ein Platz, an dem man, anders und besser als früher, seine Musik mit anderen teilen kann.

"zum anderen aendert das ja nichts an der aussage zum daseinszweck von netaudio."

ich gebe dir völlig recht martin, netaudio ist kein casting-playground der Musikindistrie. netaudio wird als casting-playground von sog. netaudio künstlern genutzt um einen Fuß in die Tür der Industrie zu bekommen. das ist für viele der einzige grund, warum sie "auch" im Internet veröffentlichen.

Die Diskussion, ob man das jetzt Industrie oder Musikmarkt nennen kann, finde ich absurd. Wer stellt denn die Regeln auf, ab wann man jetzt schon zu den bösen gehört. ...Also eine VÖ auf einem Indylabel (noch so eine schwachsinnige, schwammige definition) mit 1.000 Stück ist noch ok, vieleicht auch 2. Aber bitte bloss keine Promo machen, weil das ist ja böse...

tut mit leid aber das ist alles subjektiv. ich bin außerdem kein "propagandist der Musikindustrie" sondern nur jemand, der sich lange genug mit netaudio beschäftigt hat, um zu merken, was dort passiert. den wirklichen netaudiogedanken des "sharing" ohne irgendwelche hintergedanken leben nur wenige. 2063 ist so ein beispiel... allerdings hat kazoo ja auch schon platten released...

meint: datamat am 12.09.06

kein(e) propagandist(en) der 'musikindustrie' ?

"die musikindustrie ist eine notwendige instituion"
"mit oder ohne internet"
"an gute musik kommt man auch ohne internet"
"netaudiomaerchen"

soso.

zumal die realitaet subjektiv fuer mich als 'musik-konsument' das genaue gegenteil des
behaupteten ist:

'ich brauch keine musikindustrie.'

'nahezu 100 prozent der musik die ich hoere
gibt es als freien (cc o.ae.) download im
internet.'

'ohne internet/netaudio waere da nur stille'.

und das ist (fuer mich) die realitaet, und kein
maerchen.


"boese"
niemand der noch recht bei trost ist behauptet
dass plattenverkaufen boese ist, oder mit dem 'netaudiogedanken' unvereinbar sei. ganz im gegenteil, ich kaufe gerne platten von
netaudio-kuenstlern, und freue mich die kuenstler
und die 'bewegung' so unterstuetzen zu koennen.
(t-shirts kaufe ich allerdings aus stil-gruenden
nicht, bitte etwas mehr kreativitaet beim merchandising ;))

definitiv boese dagegen ist die aushoelung der gewaltenteilung (ermittlungsbefugnisse fuer private interessen), eingriff ins fernmeldegeheimnis, vorratsdatenspeicherung
redeverbote (ueber kryptografie und kopierschutz)
etc.

vielen dank dafuer an frau fourtou, und damit
alle kaeufer der produkte von vivendi universal.
wobei sony bmg und andere sich da sicherlich
auch entsprechend engagiert haben...

meint: martin brinkmann am 12.09.06

"zu sagen, myspace sei mist, weil es herrn murdoch gehört ist eine seltsame argumentation."

so hat niemand agumentiert. dennoch ist myspace keine besonders positive sache. myspace verträge (einfach mal lesen) unterscheiden im übrigen kaum von major-verträgen, manche klauseln (z.b. sublizensierungen) sind zum teil sogar noch schlimmer. aber das ist ein anderes thema...

die urheberrechte müssen bei all den schönen neuen möglichkeiten der modernen "musikverteilung" ihren wert behalten. denn damit hängt auch direkt der materielle wert der musik ab. dennoch beobachte ich mit sorge, wie (vor allem) WEB2.0 (und das damit verbundene potential für die musik "verteilung") diese rechte mit füßen treten MÜSSEN, da sonst das gesammtkonzept gar nicht aufgehen kann (P2P netzwerke sind inm übrigen durchaus mit den WEB2.0 ideen zu vereinbaren). und genau hier liegt das problem, auf urheberrechte wir immer öfter verzichtet - die musik verliert ihren wert. kiddies haben gemerkt, dass musik mit p2p nix kostet und haben sich daran gewöhnt. sie haben einfach kein urheberrechts-bewusstsein mehr und un so, als ob sie nix dafür könnten - obwohl sie offensichtlich gültiges recht gebrochen haben.

und hier folgt das nächste, eher langfristige problem: die produktion (ich meine nicht die promotion!) von qualitativ hochwertiger musik kostet in der regel richtig viel geld. nicht jeder hört einfache computer musik. viele anspruchsvolle musikstile können nur durch viel übung, diszipliniertes teamwork und bestem equipment bestehen. z.b. pop, rock, jazz, samba, folk, classic ect. eigentlich ALLES bis auf techno und einige andere elektronik exoten. die technik geht in der regel in die hunderttausende, nur um halbwegs vernünftige schlagzeugaufnahmen hinzubekommen. wie soll das alles bezahlt werden in zukunft? bzw wer wird hier in zukunft überhaupt noch investieren wollen?

letztendlich wird die qualität, sowohl musikalisch als auch technisch darunter leiden müssen (denn beides kostet geld). das alles nur damit einige beleidigte (warum auch immer) konsummenten ein leichteres leben haben.

die aufweichung der urheberrechte, das entsprechende wertebewusstsein und den damit verbundenen qualitätsverlust ist meine hauptsorge bei music2.0.

meint: fabien am 12.09.06

"und hier folgt das nächste, eher langfristige problem: die produktion (ich meine nicht die promotion!) von qualitativ hochwertiger musik kostet in der regel richtig viel geld. wie soll das alles bezahlt werden in zukunft? bzw wer wird hier in zukunft überhaupt noch investieren wollen?"

Ein todernst gemeinter Vorschlag: die öffentliche Hand. Schließlich werden ja auch Oper- und Theaterproduktionen gefördert, die sich über den regulären Markt unmöglich selbst tragen könnten. Und Musik als Kulturgut könnte unter den aktuellen technologischen Rahmenbedingungen durchaus eine ähnliche "Karriere" hinlegen.

meint: 020200 am 12.09.06

fabien: auf urheberrechte kann man nicht verzichten.

020200: ein interessanter Vorschlag, der aber auch einigen Explosivstoff in sich birgt. Wer entscheidet, was gefördert wird? Der Begriff Popmusik kommt ja von populär und nicht daher, dass es sich um Kulturgüter handelt. Ich bin gegen die Verlegung von Musik in den Elfenbeinturm. Mann kann das glaube ich nicht so ganz auf Musik übertragen (die viel Geld kostet). Woher soll die öffentliche Hand das Geld nehmen.

martin: ist schon echt toll, wie du mit jedem posting ein neues Fass aufmachst.

meint: datamat am 12.09.06

"die technik geht in der regel in die hunderttausende"

ja, sicher doch. ;-)

meint: martin brinkmann am 12.09.06

ich lache gar nicht! ;)

soweit ich weiss geschieht das auch schon, vor allem im klassik bereich. große symphonieorchester können sich längst nicht mehr tragen (naja eigentlich konnten sie das noch nie).

ein ausweiten dieser praxis auf andere musikstile ist eine grausige vorstellung ("...die bundesregierung hat den haushalt 2032 für die förderung elektronisch erzeugter musik..."). aber ich kann mir auch gut vorstellen, daß es sich (in mittlerer zukunft) nicht vermeiden lässt. wer weiss...

meint: fabien am 12.09.06

hab neulich nachts im tv eine person gesehen, die irgendetwas mit klassischer musik macht aber mir den namen nicht gemerkt. der sagte dort, dass er sich auf 2007 freue, weil dann die urherberrechte an den werken von maurice ravel verfallen werden. dann könne er damit endlich etwas machen ohne finanziell daran zu grunde zu gehen.

danach habe ich lange nachgedacht, denn der meinte auch, dass hinter vielen klassischen werken ganzen erbengemeinschaften stehen die daraus kapital schlagen, dass sie zufällig berühmte vorfahren hatten.

wie würdet ihr denn damit umgehen? mal angenommen ihr seid ein solcher erbe und dieser umstand schiebt euch monat für monat einige tausender aufs konto. würdet ihr dann sagen: "halt, das ist nicht richtig. immerhin habe ich die musik nicht komponiert sondern nur die rechte geerbt."? würdet ihr das geld nehmen oder die werke der öffentlichkeit zur verfügung stellen?

meint: mrcs am 13.09.06

"würdet ihr das geld nehmen oder die werke der öffentlichkeit zur verfügung stellen?"

Ich glaube ich würde folgenden Weg gehen: Hälfte nehmen, von der andere Hälfte eine Stifung gründen um junge Talente zu fördern.

meint: 020200 am 13.09.06

Schade, leider habe ich den Hinweis zu spät gelesen, sonst wäre ich wohl auch zur Heinrich-Böll-Stiftung gefahren.

Als Student der Medieninformatik weiss ich um die Möglichkeiten der Informationstechnologie.

Meine Meinung ist, dass der Einsatz und die Verbreitung neuer Technologien den Musikmarkt demokratisieren, vielleicht sogar den "industriellen Musikmarkt" noch weiter verdrängen oder zumindest die Umsätze noch weiter reduzieren werden. Dies gilt im Übrigen auch für grössere Online-Portale bzw. MP3/Ogg-Vorbis etc. Vertriebswege grosser Labels oder Computer/Betriebssystemhersteller.

Bei all den Diskussionen werden oftmals soziokulturelle Aspekte und gesellschaftlicher Wandel nicht berücksichtigt.

Wer spricht oder denkt heute in diesem Zusammenhang an Informationsethik inkl. Datenschutz und ggf. den Arbeitsplätzen oder Existenzen, die durch neue Technologien verdrängt werden? Wer denkt heute an den "digital divide" oder einem Szenario in dem kein "digital divide" mehr existiert, weil Medien- und Onlinekompetenz noch viel stärker in Gesellschaften ausgeprägt sein werden.(Gedacht als Zukunftszenario vielleicht schon in etwa 30-50 Jahren?)

By the way:
Ich schliesse mich fabien, morgan und datamat an und wünsche mir ebenfalls einen "Mittschnitt", Livestream oder Text-Veröffentlichung.

Cheers

meint: sounddesigner am 20.09.06

besser spaet als nie...
noch eine kleine anmerkung zu myspace:

"myspace verträge (einfach mal lesen) unterscheiden im übrigen kaum von major-verträgen"

nachdem ich erst jetzt zu dem "mal lesen"
(ich hasse derlei jusristen-prosa ;)) gekommen
bin, muss ich, wie erwartet, feststellen das
obige aussage falsch ist.

nur damit das hier nicht so unkommentiert stehen
bleibt.

bis denn!

meint: martin brinkmann am 20.09.06

ALso nur um das mal klarzustellen, sicher demokratisiert das Internet einiges, aber ganz bestimmt nicht die Musik. Das Problem ist doch, dass heute niemand mehr bereit ist für musik Geld auszugeben, warum, weil Musik nicht mehr als Kulturgut aufgefasst wird, Musik hat für viele Menschen ihren Wert verloren, den sie aber unzweifelhaft hat. Aber das sie zum Vergnügen da ist werden halt schnell die Grenzen verwischt und wenn illegale Möglichekiten des Konsums da sind werden diese natürlich genutzt, daher finde ich schon gut dass es einen Urheberrechtsschutz gibt und Bestrebungen dem Künstler zu mehr Rechten zu verhelfen sind sicher auch nicht schlecht. Desweiteren ist es echt bemerkenswert wieviele auf Marketingaktionen reinfallen, die komplette Subkultur ist mittlerweile Industriealisiert, da ihre Gründer oder Protagonisten irgendwann mal angefangen haben ihre Labels ( Klamotten ) an große Majors zu verkaufen, oder diese mit Aktienanteilen zu beteiligen etc. Arctic Monkey ist ein totales PROMO Project gewesen, das wurde von vornherein so angegangen mit dem Ziel das subkulturell zu vermarkten, was ja auch geklappt hat. Bei Gnarls Brakley ist es ähnlich gewesen, da hieß es schon zwei Monate vorher von A&R`s der Musikindustrie das wird der nächste Hit ( da kursierte Crazy bereits zwei Monate im Internet )und tatsächlich zwei Monate später wars auf MTV.
Die Industrieleute heute sind auch nur Typen wie Du und Ich, die sind auch nicht blöd. Red Bullhat früher Promotion auf Illegalen Technopartys gemacht, heute ist der Konzern Milliardenschwer.
Meiner Meinung nach ist wichtig, dass der gemeine Ottonormalverbraucher Bürger wieder checkt, dass Musik nicht zwingend kostenlos sein muss und Kunst einen gewissen Wert hat, niemand wird gezwungen Sachen zu kaufen, die er schön findet, aber jeder wird wohl einsehen, dass er für Sachen die Ihm gefallen und die jemand anderes produziert hat auch etwas an Gegenwert dafür hergeben sollte. Die Leute verblöden doch durch Media Markt Werbung und TV ( Geiz ist geil etc. ) und wundern sich dann immer warum sie weniger verdienen und sich weniger leisten könne, weil überall in der Gesellschaft die Leistung anderer immer geringer geschätzt wird und jeder versucht für sich das maximale rauszuholen, das ultimative Schnäppchen oder was auch immer, das ist KRANK und schadet vor allem einem selbst.
Vielleicht sind das auch gewisse Auswüches der westlichen Gesellschaft, dass die Menschen egoistischer werden, keine Ahnung woran das liegt.
Dazu kommt auch, dass heutzutage die wenigsten Menschen nach Musik suchen, die meisten holen sich zielgerichtet Musik, weil der Freund das auch gut findet, oder in irgendeiner Zeitung stand, dass mann diese CD haben muss wenn man in sein will, etc. Unpopuläre Sachen sind out, die jugendlichen heute finden Marken etc, cool, bei und war das vor 10 Jahren noch verpöhnt, Markenklamotten oder Chart Musik war total out.
Heute ist es genau umgekehrt. MC Donalds und Burgerking sind anscheinend sogar für Punker legitim und die haben dann H & M Klamotten an und 10 Tonne Haarspray ????? Das ist alles ungefähr so als wenn Hitler in der KPD wäre, einfach nur skuril und paradox.

meint: Funk am 22.09.06

Hier ist ein (Audio-)Mitschnitt der Veranstaltung:

http://www.netzpolitik.org/wp-upload/boell-musikimnetz-sept06.mp3

Cheers!

meint: sounddesigner am 22.09.06

@funk Was macht denn die Musikindustrie um das Bewusstsein der Leute für die Musik zu stärken? Also ich kenn aus dem Stehgreif jetzt nichts.

meint: Nörmi am 23.09.06

Ich denke, dass den Menschen Muisk immer noch wichtig ist. Woher kommt eigentlich die Annahme, dass Musik nicht mehr als Kulturgut wargenommen wird? Aufgrund der Tatsache, dass weniger CDs verkauft werden? Die Tatsache, dass Musik wie blöd über P2P Netze runtergeladen werden, spricht doch eher dafür, dass Musik immer noch ein wichtiger Teil des Lebens junger Menschen ist. Noch nie wurde soviel Musik am Tag gehört wie heute ( http://tinyurl.com/p4u2z ). Zudem sollen bis zum Jahr 2010 die Einnahmen durch legale Downloads, die Umsatzeinbrüche der CDs mehr als kompensieren. ( http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/5281272.stm ).

Die Menschen wurden auch nicht geiziger, also nix mit Geiz ist Geil, zwar wird für Musik seit 1995 immer weniger Geld ausgegeben, allerdings steigt der Umsatz für "Medien" (in diesem Sinn, DVDs, Kino, Muik, Handy etc) stetig an. Gewinner sind hauptsächlich Leih-DVDs (http://www.flickr.com/photos/swen/253155653/). Das Taschengeld dass junge Menschen erhalten wird auc immer höher, dafür sinken die Erpsarnisse (Kann ich auch mit Quellen belege, finde aber auf die schnelle den Link nicht). In dieser Statistik ist leider das Handy nicht berücksichtigt, was heute bestimmt DER Taschengeld vernichter bei Jugendlichen ist.

Was mich auch wundert ist, das gerade hier bei Phlow (zumindest bei den KOmmentarschreibern) auch die Meiung vorherscht, P2P sei schuld an den Umsatzeinbrüchen der Musikindustrie. Klar, pseudo wissenschaftliche Studien wie die Brennerstudie sprechen zwar irgendwie dafür, allerdings ist die voller Fehler ( http://www.de-bug.de/blog/archives/976.html ). Die meiner Meinung nach beste Untersuchung zu dem Thema (Oberholzer + Strumpf 2004 http://www.de-bug.de/blog/archives/976.html) kommt zu dem Schluss, das es KEINEN Zusammehang zwischen P2P Downloads gibt. Andere wissenschaftliche Untersuchungen sehen das etwas anders, im Schnitt scheint Filesharing für 20-40% der Umsatzrückgänge verantwortlich zu sein http://www.thefactz.org/ideas/archives/53 . AufgepasstFilesharing ist nicht für verantwortlich für einen Rückgang der Umsätze um 20-40%, sondernverantwortlich für 20-40% des Rückgangs.

Kurz gesagt, ich glaube, und die Zahlen sprechen dafür, das Jugendliche Musik immer noch unvermidert für wichtig halten, allerdings ihr Geld für andere Dinge ausgeben. Die Musikindustrie hat verschlafen auf den MP3 Zug aufzuspringen und hat zudem das Pech, das man an Musik auch kostenlos rankommt. Würde es P2P Software nicht geben, wären die Umsätze etwas höher, aber sicherlich nicht so hoch wie im Rekordjahr 1997.

meint: swen am 26.09.06

Die Seltsamkeit liegt wohl darin, dass im Internet in Verbindung mit Musik über alles Mögliche aber kaum über die Musik selbst gesprochen wird. Überwältigt von der Entwicklung und den Möglichkeiten der Herstellung, der Verbreitung und der Vermarktung soll sich nun jeder Musiker in die Lage des Konsumenten, jeder Konsument in die Lage des Musikers und alle zusammen in die Lage der Plattenindustrie versetzen, nur weil es jetzt mp3 und Internet gibt? Und weil das nicht genügt wird noch die Politik bemüht. Nee, nee. So läuft das nicht. Internet demokratisiert gar nix. Entweder gibt es Demokratie, oder nicht. Wandelbare Begriffe helfen wenig. Als Konsument interessiert mich nicht die Bohne, wie es der Musikindustrie geht. Genausogut könnte ich mir Gedanken über alle anderen Unternehmen der Welt machen, die gehen müssen, wenn ich mein Geld nur für CDs ausgebe. Die Kids dieser Welt suchen sich ihre Musik aus, wie sie es immer schon getan haben. Und wenn sie heute nix für die CD bezahlen, dann zahlen sie eben für die Live-Tickets doppelt und dreifach. Die Industrie hat sich selten mit Ruhm bekleckert, wenn es um Kunst und Kultur ging. Und die entstand immer aus dem Untergrund, der Subkultur. Technische Qualität kaum von Bedeutung. Hauptsache authentisch, frei, rein und unverdorben. Da sind wir bei dem eigentlichen Dilemma: Es gibt zurzeit nichts, aber auch gar nichts aufregend Neues in der Musiklandschaft. Ob im Internet umsonst oder im Laden für Geld. Also wer soll warum und was kaufen oder kopieren? Die sogenannte Internet-Kultur, Labels und Rezensenten sollten sich doch etwas mehr mit den Inhalten des freien Materials, das sich auf den Servern angesammelt hat, beschäftigen, anstatt mit dem Drumherum. Vielleicht entdecken/entwickeln sie dabei neue "Qualitäten". Und wenn alle ihren Job gut machen, klappt’s auch mit der Industrie - ob mit oder ohne Internet. Danke für die Aufmerksamkeit.

meint: schroeder am 26.09.06

Eine Frage an die Historiker: Lag die Zukunft der Musik beim Minnesänger, Opernhaus, der Schellackplatte, Radio order beim Fernsehen? Welchen Einfluss hatte das Medium auf den Musikstil?

meint: kus am 27.09.06

@schroder:
was soll denn das heissen, im internet wird nicht über musik geredet? Was ist denn mehr oder weniger das haupt-thema hier auf phlow.net ? Oder schon mal was von mp3-blogs gehört? hype.non-standard.net ? pandora.com oder last fm?

Die Musikindustrie interessiert dich nicht? Der Zustand der Musikindustrie ist sehr wohl für den Konsumenten interessant, oder hasst du dich über das Root-Kit von Sony gefreut? Oder findest du DRM toll? Oder gefällt dir, dass jeder p2p-nutzer als terrorist hingestellt wird?

Und was soll das heißn, es gibt nichts mehr neues zu entdecken? OK, auf's radio oder mtv darf man nicht mehr zählen, allerdings habe ich für mich persönlich über diese Kanäle noch nie etwas neues entdeckt. Erst wieder über das Internet wurden radio sender, hauptsächlich lokale sender, wieder interessant.

Netlabel sollen sich mehr um inhalte kümmern, als um das dumherum? passiert meiner meinung nach mehr als genug. Netlabel die sich nicht um den inhalt kümmern erfahren doch keinerlei aufmerksamkeit.

meint: swen am 28.09.06

Hallo Swen, folgende Meinung vertrete ich:

Die Zukunft der Musik liegt erst dann im Internet, wenn die Kisten mit Bewusstsein ausgestattet, anfangen, selbst zu musizieren. Das ist Zukunftsmusik. Ansonsten bleibt sie weiterhin da, wo sie liegt.

Gut möglich, dass Du das anders siehst.

meint: schroeder am 29.09.06

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