Umsätze vs P2P Downloads

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swen-kolumne-1.jpgDie Verantwortlichen der Musik- und Filmindustrie sehen die Ursache der zurückgehenden Umsätze ihrer Branchen einzig und allein in den so genannten Raubkopien und P2P Netzwerken. Eventuelle andere Faktoren, wie zum Beispiel die wirtschaftliche Lage, Desinteresse der Käufer an den Veröffentlichungen oder der Wandel im Freizeitverhalten der Jugendlichen werden nicht berücksichtigt. Wenn die Umsätze diese Branchen zurückgehen, weil mittlerweile so ziemlich alles runterladen werden kann, dann sollte man doch annehmen, dass andere Branchen auch von diesem Effekt betroffen sein sollten. Jedoch verkaufen sich DVDs und PC/Konsolenspiele ausgesprochen gut.

Text: Swen Emmerling

Hier ein paar Zahlen: Der Umsatz mit kostenpflichtigen Musikdownloads ist 2007 viermal so hoch wie im Jahr 2004. Der Umsatz, des Videomarkts, also der Verkauf und Verleih von Videokassetten und DVDs hat sich seit 1999 860 Miliionen auf |ber 1600 Millionen Euro gesteigert. Netflix, ein Online-DVD-Verleih, verschickte seit des siebenjdhrigen Bestehens in den USA mittlerweile |ber eine Milliarde(!) DVDs, der Umsatz f|r PC/Konsolenspiele in Deutschland betrug 2006 |ber 1,7 Mrd Euro!

IloveP2P.jpg

In unregelmäßgen Abständen versuche ich Punkte aufzuzeigen, die in bisherigen Diskussion ausgeblendet werden, jedoch die Umsätze der Musikbranche beeinflussen. Den Anfang soll eine Darstellung der momentanen Situation machen. In jeder Diskussion fallen Sätze wie "die Musikindustrie hat 40% Einnahmeeinbussen", konkrete Zahlen sieht man aber selten.

Jeder kaut auch die immer wieder gleichen (Schein-)Argumente wieder. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Versuch, P2P Downloads mit dem Diebstahl von materiellen Gütern gleichzusetzen. So setzt Dieter Gorny, Stellvertretender Vorsitzender des deutschen Phonoverbandes, in einer Diskussionsrunde der Zeitschrift "Neue Musikzeitung" Raubkopien mit geklauten Brötchen gleich (nach ca. 4 Minuten in diesem Video). Dieser Vergleich hinkt insofern, da ein geklautes Brötchen nicht mehr verkauft werden kann. Durch eine Raubkopie oder einen Download in P2P Netzen verschwindet ja nichts, es stehen immer noch gleich viele CDs zur Verfügung, die theoretisch gekauft werden können.

Es ist doch vielmehr so: Bekomme ich etwas umsonst angeboten, z.B. einen Flug in die USA, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ich das Angebot nutze. Das bedeutet aber nicht, dass ich den Flug auch antreten würde, wenn ich dafür zahlen müsste. Eine sonst wie erworbene Kopie einer CD "vernichtet" also keinen Tonträger und es geht auch kein potentieller Kunde verloren. Zudem läuft die ganze Diskussion bisher recht "unwissenschaftlich" ab. Fakten werden eigentlich nie auf den Tisch gelegt. Jeder gibt nur seine Meinung wieder.

Dabei gibt es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu den Themen CD-Verkäufe und P2P-Downloads. Die meiner Meinung nach, gründlichste Untersuchung, ist die von Felix Oberholzer-Gee und Koleman Strumpf, Professoren in Harvard und Boston (Das Paper als PDF File). Diese kommt zu dem Schluss, dass P2P Downloads keinerlei Einfluss auf die Verkaufszahlen haben. Die Untersuchung erhielt damals schon ziemlich viel Aufmerksamkeit und wird Tage wieder verstärkt zitiert.

Bitte Mitdenken!

Um Anregungen und Hinweise wird gebeten! Es ist durchaus möglich, dass sich Fehler in meine Daten eingeschlichen haben, ich Daten falsch interpretiert habe oder ich einfach etwas übersehen habe. Allerdings werden die Datenquellen immer angegeben, so dass eigentlich alles von Jedem nachvollzogen werden kann. Einige Web-Quellen haben in letzter Zeit leider ihre Seiten umstrukturiert, so dass ich keine Links mehr angeben kann, wer möchte dem kann ich die jeweiligen PDF-Dateien per Email schicken.

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Kommentare

- videospiele verkaufen sich, allerdings nur stark geschützte produkte wie konsolenspiele und vor allen kaum crackbare onlinespiele. aus diesem grund kann ich dieses argument nicht ernst nehmen.

- film DVD's werden auch nur aus einem simplen grund verkauft: stand-alone DVD player spielen in der regel nicht das neueste divx format ab. der normalo-user will seine filme aber auf seinem 5000€ fernseher sehen - er hat keine wahl. bei reinen "PC-haushalte" (also PC als einziges unterhaltungsgerät) sieht der kaufanteil schon wesentlich schlechter aus. daher kann ich dieses argument nicht ernst nehmen.

- was ist mit der zeitschriftenpleite?

- was ist mit dem gewaltig einbrechenden büchermarkt?

- was ist mit all den hoffnungslosen profi-fotografen?

- so, und nun zur musik: kaum jemand verwendet noch klassische abspielgeräte. ipod, pc, handy sind die regel. musik lässt sich sehr stark komprimieren und sehr leicht und schnell übertragen. nun könnte man sagen, die musikindustrie hat den internet-boom etwas verpasst - angeblich kann man legal keine musik aus dem netz beziehen. das ist heutzutage nicht mehr der fall. daher meine frage: wieso machen legale käufe dann nicht einmal mehr 10% des vorherigen umsatzes aus? (es wird einfach weniger musik gekauft) und das obwohl die bevölkerung wächst, die musikauswahl wächst, die preise ständig steigen und tausende vertriebswege zur verfügung stehen. hören die leute tatsächlich weniger musik? nein, sicherlich nicht.

der schwarzmarkt (den es ja schon immer gab) ist durch die digitale replikationsmöglichkeiten enorm angewachsen. diese sache völlig auszublenden ist einfach unsachlich. das stehlen ist einfacher geworden (p2p, hohe bandbreiten, mp3 format) - wesentlich einfacher und komfortabler (und oft sogar sicherer! siehe online zahlungsmethoden) als der legale kauf.

natürlich sind die einseitigen aussagen der hauptprofiteure nicht ernstzunehmen. das andere extrem wiederum ist derzeit im netz zwar sehr populär, aber aus meiner sicht nicht glaubwürdiger. die wahrheit liegt wie immer dazwischen.

wie wäre es mal damit, die prekäre situation von profimusikern durchzuleuchten. wenn alles in ordnung ist, wieso stirbt dieser beruf dann plötzlich so schnell aus? (man könnte es weiterführen: wieso werden journalisten nicht mehr ernsthaft bezahlt? das gleiche mit fotografen, schriftstellern, typografen, ect...). es kann doch kein zufall sein, daß all das erst damit anfing, daß das internet zum massenmedium wurde.

dieser debatte fehlt seit jahren sachlichkeit. es scheint als gebe es nur schwarz und weiss.

musiker (bzw. die "macher") werden dabei nie gefragt - das ist das wirklich traurige...

...ist etwa wie wenn katholische kirchenoberhäupter sich über kindererziehung unterhalten... ;)

meint: fabien am 09.03.07

Ja was meint denn der prekäre oder auch nicht prekäre Musiker dazu? Ich denke davon gibt es unter den Phlow-Lesern eine Menge. Also, Word up!

meint: 020200 am 10.03.07

Also ich bin Ex-Musiker und war in einer Band. Generell würde ich sagen, dass Musik-Machen eine sehr schöne Arbeit ist. Wenn man dann noch umgeben von talentierten Musikern ist, ist es noch besser. Tatsache ist jedoch, dass "Musik machen" für 99% aller Musiker eine brotlose Kunst ist. Ich sehe da den heutigen Stand nicht direkt im Kontrast zum Stand von vor 10 Jahren. Für die verbliebenen 1% mag es heute wohl schwerer sein, weil die Schwarzkopiererei vielleicht nicht direkt einfacher, aber noch weiter verbreitet ist als "damals".

Die sogenannten Top-Stars wie Madonna oder andere sowie die Aktionäre der Medienkonzerne schreien natürlich, wenn der Gewinn um 0,5% nach unten geht und zeigen auf die pösen Kopierer. Meine Meinung dazu: wen genau juckt das...

Die Medienwelt ist im Umbruch. Wir befinden uns gerade in einer medialen Revolution. Da wird es Gewinner und Opfer geben, so wie bei jeder Revolution. Die Medienkonzerne stehen derzeit nicht auf der Seite der Gewinner.

meint: Karl-Heinz Moosbach am 11.03.07

Was das Argument angeht, dass Jungendlich sich heute durchaus anders verhalten, darüber habe ich auch schon nachgedacht. Ich habe das Gefühl, dass es weniger Jugendliche gibt, die die Musik als Teil der Perosonifizierung nutzen (diese Annahme kann aber auch falsch sein).
Den vergleich mit dem Flug nach USA finde ich übrigens sehr gut. Da bin ich auch der Ansicht, dass niemand sich alles gekauft hätte, was er heruntergeladen hat.
Trotzdem gibt es nach wie vor Leute die dabei auch kein schlechtes Gewissen haben. Und hier finde ich sollte man eher ansetzen. Nicht damit, dass man ein schlechtes Gewissen erzeugt indem man mit Gefängis und Geldstafen droht, sondern damit, dass ein Musikstück eine Art von Kunst ist und als solches auch respektiert und auch honoriert wird.
Ich würde mir das Thema Urheberrecht und künstlerisches Schaffen gerne auch als Thema im Musikunterricht in der Schule wünschen um Jungendlichen vor Augen zu führen, dass die Künstler (oft) viel Zeit, Geld und Herz in ihre Musik stecken.

Was das mit DVD`s angeht, ich muss zugeben, dass ich noch keine Raupkopie gesehen habe die mich Qualitativ vom Hocker gerissen hätte, wenn ich also einen Film richtig richtig gut finde und ich ihn auf meinem Fernseher in hoher Qualität sehen möchte, dann kauf ich mir die DVD oder leihe sie mir aus. Außerdem ist ein Film im Gegensatzt zu einem Musikstück oder einem Spiel nach ein oder zwei mal anschauen nicht mehr sehr interessant und ich ich glaube es gibt viele die den Preis für eine DVD dafür einfach nicht zahlen wollen. Daher bin ich da nicht deiner Meinung Fabien

meint: Nörmi am 11.03.07

ich muss mich da ein wenig fabien anschließen. zur zeit ist wirklich bedenklich, was inhaltsproduzenten gegenüber passiert. dabei meine ich neben musik auch texte, bilder, fotos und videos. im nezt verdienen derzeit diejenigen am meisten geld, die inhalte verchecken und den weg zu inhalten ebnen - sprich: suchmaschinenen und websites, die inhalte aggregieren, aber nicht erstellen.

das ist schon bedenklich. leider ist es aber nicht zu ändern. man kann diese entwicklung nicht aufhalten. geld-technisch sind die oben genannten die gewinner und programmierer und webhoster.

ich bin sehr gespannt, wie es in zukunft sein wird. gute inhalte brauchen zeit, sprich geld. gute artikel schreibe ich nur, wenn ich zeit habe. einen guten film kann ich nur mit liebe und viel herzblut erstellen: zeit.

bisher gibt es nur ein modell, mit dem man bei der erstellung von inhalten geld verdienen kann: werbung. alles andere funktioniert nicht wirklich gut. darum werden filme, die viel geld kosten, immer mehr mit produkten zugepflastert.

generell kann ich werbung auch nicht leiden und zu anfang wollte ich auf phlow nie werbung schalten, aber projekte kosten geld und zeit und wenn man sie weiterbetreuen möchte, muss man sich irgendwie finanzieren.

wichtig ist, dass das von den lesern, hörern und zuschauern honoriert wird. das einzige mittel für so ein verständnis ist aufklärung. man muss menschen aufklären, sensibilisieren, dass inhalte und produkte geld kosten. jeder sollte von sich aus andere unterstützen, soweit er kann, wenn er deren werke genießt. da müssen wir hinkommen. das ist utopisch, aber derzeit der einzige wirklich gute weg. ich bin mal gespannt, wie es weiter geht.

als inhalte-produzent fühle ich mich derzeit manchmal am kürzeren hebel. irgendwie muss man versuchen ein korrektes gleichgewicht zu herzustellen.

meint: mo. am 12.03.07

Ich weiß ja nicht, wann du (fabien) dir das letzte mal einen DVD Player gekauft hast. Aber die Dinger, selbst die DIVX fähigen, kosten keine 100 EURO. Ich hab vor zwei Jahren ca. 50 EUR für meinen auf den Tisch gelegt. Schau mal bei Amazon nach, die Dinger sind so billig geworden, man könnte einen kaufen um damit einen wackelnden Tisch zu reparieren.
Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Divx: Der Erfolg von DivX im Heimbereich hat sich in den letzten Jahren soweit gesteigert, dass selbst DVD-Spieler im Niedrigpreissegment DivX unterstützen.
Also nix mit 5000EUR. Aldi hatte mal einen für 59 EUR im Angebot, an den konnte man sogar noch eine Festplatte per USB anschließen. (siehe http://www.dvdboard.de/forum/showthread.php?t=100444 )

Der Umsatz von Bücher ist von 1995 auf 2005 um ca. 9,5% auf "nur noch" 3,7 Mrd gesunken, was in meinen Augen kein gewaltiger Einbruch ist. Allerdings glaube kaum, dass dieser Rückgang etwas mit P2P Netzen zu tun hat.

Die "Zeitschriftenpleite" kommt daher, dass man völlig legal das meiste im Internet lesen kann.

Ja, "klassische Musikabspielgeräte" werden weniger gekauft. Und es stimmt auch, dass legale Musikdownloads noch keinen allzu großen Anteil am Gesamtumsatz der Musikbranche ausmachen, aber es gibt nicht gerade wenige Stimmen, die meinen es läge am DRM. Zudem ist der Markt für legale Musikdownloads noch relativ jung, abwarten wie das in ein paar Jahren aussieht. Ab 2010 kann man angeblich damit rechnen, das der Markt von legalen Downloads bestimmt wird (siehe http://tinyurl.com/s77r6 ) . Heute ist er immerhin schon vier mal so groß wie 2004 (siehe http://tinyurl.com/32z9m2).

Die Bevölkerung wächst in der Tat, allerdings nur durch Zuwanderung. Ich lehne mich jetzt hoffentlich nicht all zu weit aus dem Fenster, in dem ich behaupte, dass ein Großteil der Zuwanderer eine eher geringe Kaufkraft hat.

Zur Situation von Musikern hab ich neulich zufällig etwas gefunden:
faz.net"16 Hochschulen bilden in Deutschland Jazzmusiker aus. Ungefähr 150 Absolventen schwemmen jährlich auf den Konzertmarkt. Feste Stellen für Jazzer gibt es in Deutschland keine sechzig. Nur in den Big Bands der Rundfunkanstalten von WDR, NDR und HR arbeiten festangestellte Jazzmusiker. Alle anderen müssen zusehen, wie sie sich zwischen Kunst und Kommerz über Wasser halten. Wie viele es sind, lässt sich nur schätzen. Arndt Weidler vom Jazz-Institut Darmstadt rechnet mit 3000 Musikern. Die Union Deutscher Jazzmusiker meldet, dass "bis zu 10 000 Musiker" in Deutschland nicht nur als Hobby die Blue Notes spielen. Nie zuvor gab es so viele gut ausgebildete Jazzmusiker wie heute. Der Markt ist gesättigt, in Berlin kann es sein, dass man nach einem mehrstündigen Konzert mit 30 Euro in der Tasche wieder nach Hause geht." http://tinyurl.com/39kg62

Jetzt würde mich mal interessieren, was Fabien von der Felix Oberholzer-Gee und Koleman Strumpf Studie hällt. Sicherlich auch kein Argument das man ernst nehmen kann.

Zudem was Nörmi gesagt hat:
Screener, also von der Leinwand abgefilmte Filme haben in der Regel eine Miese Qualität, aber Pressekopien, die in Form von DVDs verteilt werden, oder auch an das Oscarkommite verteilt werden, finden ihren Weg relativ schnell zu BitTorrent. Ich kann mich noch sehr gut ein mein "erstes mal" erinnern. Star Wars 1 - Die dunkle Bedrohung. Furchtbare Qualität, aber noch schlimmer war der Film an sich. Hab darauf hin beschlossen, den Film, wenn überhaupt, im 5DM Kino anzuschauen. Sehr beliebt sind ja auch TV Serien, die Dank digitalem TV per P2P zu haben sind. Premiere hat wegen Rome ziemlich gejammert. (Siehe: http://tinyurl.com/3y9jyn). Allerdings muss die Verfügbarkeit im vorab per P2P nichts Schlechtes sein. Siehe die neue Battlestar Galactica Serie. Koproduktion von Sky One (UK) und SciFI (USA). Die Serie lief im UK einige Monate früher, was zur Folge hatte, das natürlich jeder in Amerika die SkyOne FOlgen per P2P runter geladen hatte. Trotzdem ist Galactica die erfolgreichste Serie die jemals bei SciFi lief (siehe http://tinyurl.com/2wo9g5) und die DVD Box ist auch bei Amazon immer noch eine der meist gekauften DVD Boxen

meint: swen am 12.03.07

zu deiner brötchen theorie..
hmm. immatrielle güter zu klauen ist also nicht so schlimm?
dann ist vielleicht ideenklau auch nicht so schlimm wenn die idee nicht komplett 1:1 kopiert wird?
die idee ist ja nicht weg, sondern wird nur woanders weiterbenutzt?
ich denke das gorny schon recht hat wenn er sagt das der gedanke, das ich künstler damit schade wenn ich ihnen ihr werk nicht bezahle sondern klaue, nicht tief genung verankert ist..
das sieht man ja schon andeiner argumentation, das immatrielle güter anscheinend nicht den gleichen wert für dich haben wie materielle.
das argument das der konsument denkt das da beim künstler ja eh nichts ankommt glaube ich nicht. mir erscheint das wie eine schlechte ausrede.
das ist ja so als ob ich brötchen klaue mit der begründung das die bäckerei frau eh nur sehr wenig am brötchen verdient.
und die die ich kenne die nur kopieren, (und das im grösseren stil, nicht die leute die mal eine cd kopieren etc.) tun das auch oft aus faulheit. und weil sie keine lust haben mal durchzudenken was ihr tun für konsequenzen hat.
die wollen nicht drüber nachdenken, es ist ja auch so bequem sich alles runterzuladen.
das die ganze misere der plattenindustrie nicht nur an den raubkopien liegt, das glaube ich auch.
aber das mal zum thema zu machen finde ich richtig, ist halt jetzt gerade die richtige zeit.


meint: ronin am 13.03.07

"die dunkle Bedrohung. Furchtbare Qualität, aber noch schlimmer war der Film an sich." daran kann ich mich auch erinnern nur ich habe damals den Fehler gemacht, dass ich gesagt habe nein die Kopie tu ich mir aus Prinzip nicht an, ich genieße es im Kino, großer Fehler. (eigentlich ein Wunder dass ich danach auch noch im 2ten und 3ten war)

Natürlich gibt es Vorteile in p2p, wer die Produkte wirklich zu schätzen weiss oder sich stark dafür interessiert, der läd sich zum einen Filme herunter, kauft aber auch welche, hat sich einen schönen Fernseher mit dolbie souround angeschafft und bringt der Industrie so womöglich mehr, wie dass er schadet. Das andere sind die Leute ohne Gewissen (nenn ich jetzt mal so) die es schamlos ausnützen, es geil finden alles für umme zu bekommen, es nicht mehr einsehen ins Kino zu gehen, sich denken: warum soll ich mir einen Film kaufen.... .
Gut das alles ist bekannt und in etwa der Kern jeder typischen scharz/weis Diskussion.
Nur wie kann man das eine ohne das andere zulassen? Hierzu fällt mir zumindest kein Lösungsansatz ein.
Ich glaube allerdings, dass sich jeder an seine eigene Nase fassen muss und auch mal die Courage aufbringt dem Freund oder Nachbarn zu sagen, dass er es nicht ok findet was er da macht. Das ist nicht viel, aber vielleicht ein kleiner Schritt.

meint: Nörmi am 13.03.07

"Ich glaube allerdings, dass sich jeder an seine eigene Nase fassen muss und auch mal die Courage aufbringt dem Freund oder Nachbarn zu sagen, dass er es nicht ok findet was er da macht. Das ist nicht viel, aber vielleicht ein kleiner Schritt."

--- das ist wirklich ein sehr guter ansatz. ich spreche ab und zu auch leute und freunde an. man muss nur aufpassen, dass man nicht wie ein prediger rüberkommt. aber selbst meinen eltern zu erklären, warum eine cd-schwarz-kopie von einem kabaretisten scheisse, weil er dadurch kein geld bekommt, ist schwer im kopf zu verankern. man darf aber nicht aufgeben.

--- ich wünsche mir, dass solche diskussionen, wie wir sie hier betreiben auch mehr in den mainstream-medien ein thema wären. da muss so ein bewusstsein nämlich verankert werden. wir sind hier ja schon sehr durchdachte, kenner, liebhaber und wissen einiges von der materie. mehr als der "normalbürger".

meint: mo. am 13.03.07

Also ich habe eigentlich ganz gute Erfahrung damit gemacht, Schwarz(!)kopierer einfach mal zu fragen, ob sie ihr Handeln gut fänden, wären sie selber Musiker, Filmemacher, Schauspieler usw.

Meistens erntet man für einen Moment nachdenkliche Gesichter.

Das ist schon viel wert. Eindämmen wird es die Schwarzkopiererei wohl nicht, aber vielleicht entwickelt sich dadurch ein besseres Bewusstsein für das Problem.

Wobei ich allerdings meine, dass die Medienlandschaft, so wie sie jetzt existiert, nicht mehr lange bestehen bleiben wird und sich das Problem evtl. zum Teil von selbst lösen wird.

meint: Rene Schmidt am 13.03.07

mo du angeber ;)

"Ich glaube allerdings, dass sich jeder an seine eigene Nase fassen muss und auch mal die Courage aufbringt dem Freund oder Nachbarn zu sagen, dass er es nicht ok findet was er da macht. Das ist nicht viel, aber vielleicht ein kleiner Schritt."

genau so sehe ich es auch.

meint: fabien am 13.03.07

ich denke, ein großteil dieser debatte scheitert daran, dass nicht über qualität gesprochen wird. ich finde es geradezu beängstigend, mit welche mediokrem unfug sowohl der musik- als auch der film- als auch der bücher- als auch der zeitschriften&zeitungs-markt überschwemmt wird. da kann ich es wirklich niemandem verübeln, wenn er sagt "10 euro ist mir das nicht wert" und sich dann die kopie (sicherlich in minderer qualität) illegal besorgt.

würden höherwertige produkte anbgeboten, dann wären die nutzer auch bereit, dafür den entsprechenden preis abzugeben. schaut euch z.b. hardwax an, die verlangen für die meisten platten fast 10% mehr als die online-discounter, verkaufen aber trotzdem sehr gut. weil sie einfach ihr sortiment frei von schrott halten. exklusivere sachen gehen bei hardwax sogar bis zu 100 mal über die ladentheke - was es laut thorsten schon lange nicht mehr gab (siehe roundtable-gespräch in der aktuellen groove). das ist für mich ein beispiel, dass man auch in zeiten von p2p und "vinyl-krise" sehr gut wirtschaften kann. ich kenne keinen musikliebhaber, der sich sachen von styrax leaves oder perlon illegal aus dem netz besorgt - obwohl es die garantiert dort gibt. und wenn, dann wird später doch die platte gekauft.

good music will survive, no good music will not survive.

meint: Benne am 14.03.07

"da kann ich es wirklich niemandem verübeln, wenn er sagt "10 euro ist mir das nicht wert" und sich dann die kopie (sicherlich in minderer qualität) illegal besorgt."

mit verlaub, das ist doch blödsinn.
wenn etwas schlecht ist, dann will man es nicht haben, auch nicht umsonst! und wenn man es haben will, dann scheint es soo schlecht für diese person nicht zu sein.

ausserdem ist die einstellung, weil etwas nicht gut ist, muss es umsonst sein, doch blödsinn.
wer bestimmt denn was gut ist?
letzten endes doch jeder für sich. und für viele menschen ist das was sie runterladen gut. die idee, das wenn diese musik kreativer, besser, irgendwas, nach einem objektiven (?) massstab wäre, das die menschen sie dann kaufen würden.... halte ich für nicht realistisch.
das labels wie hardwax trotzdem noch gut verkaufen liegt an einer anderen hörerschicht, die vielleicht ein wenig bewusster musik lebt als der normale charts hörer. das liegt aber an den personen (den hörern), weniger an der musik.
davon abgesehen gibts aber auch kleinere labels die knabbern, obwohl sie qualitativ hochwertige musik rausbringen.

meint: ronin am 14.03.07

eine tröstliche mitteilung an all die notleidenden künstler, die am hungertuch nagen, weil sie für ihre "werke" keine käufer finden :
eure musik findet auch ín den tauschbörsen keine abnehmer.
wenn sich musik nicht verkauft, dann gibt es dafür nur einen einzigen grund.
es will sie keiner hören - nichtmal für umsonst.
die musik, die in den tauschbörsen rege gehandelt wird, verkauft sich auch gut. erfogreiche künstler verdienen sehr gut, wahrscheinlich mehr als je zuvor in der musikgeschichte.

kopiert wurde musik schon immer. in meiner jugendzeit (70er) benutzte man dafür den kassetten-rekorder. jeder hatte so ein gerät, die qualität der kopien war völlig in ordnung, und trotzdem hatten alle die ich kannte, eine mehr oder weniger umfangreiche schallplattensammlung. wenn eine neue scheibe von z.b. zappa herauskam, dann MUSSTE man sie einfach haben, keiner hätte sich mit einer kopie begnügt. diesen "ideellen wert" hat die musik heute größtenteils verloren. es liegt nicht zuletzt an der art und weise wie musik heute produziert und vermarktet wird, dass als ergebnis oftmals nur noch ein kommerzielles wergwerfprodukt mit sehr kurzer halbwertzeit übrigbleibt. aber auch damit lässt sich gutes geld verdienen. nur erfolg muss man eben haben, dann stören einen auch die tauschbörsen nicht.

meint: frank am 14.03.07

Nochmal eine kleine Anmerkung: Ich bin der Meinung, das jeder Künstler ein Anrecht auf "Entlohnung" hat und auch Diebstahl von nicht materiellen Gütern bleibt Diebstahl. Siehe Timbaland. Allerdings muss ein P2P Download noch lange kein Diebstahl im klassischen Brötchen Sinn sein. Ich finde Filesharing per se nicht schlecht, was ich schlecht finde ist auf Grund Filesharing keine CDs mehr zu kaufen.

Noch mal was zu den Brötchen. Ich dachte bei meinem Beispiel speziell an MP3 Dateien oder DIVX Videos.

Ein Rechenbeispiel: Person X hat ein monatliches Einkommen von 1000EUR. Er zahlt 300 EUR Miete, 200 EUR für Lebensmittel, 200 EUR für sein Auto, die restlichen 300 EUR gehen für "Sonstiges" (z.B: Lebensmittel, Kino, Internet, CDs) drauf. Im Monat lädt er 10 CDs runter. Diese würden im Laden 150 EUR kosten. Wer hat jetzt den "Schaden" von 150 EUR?

Anderes Beispiel: Person X hat vor Napster pro Monat 3 CDs und 2 Bücher gekauft. Heute dank P2P Software spart er sich das Geld für die CDs und kauft sich dafür nun 5 Bücher. Hier kann man meiner Meinung nach schon von "stehlen" sprechen.

Sicherlich gibt es auch Leute die auf Grund ihrer 6Mbit DSL-Leitung keine CDs mehr kaufen oder nicht mehr ins Kino gehen. Was ich sagen will ist, dass eine runtergeladene CD nicht automatisch einem Verlust auf Seiten des Künstlers entsprechen muss.

Momentan findet eine "Umverteilung" der persönlichen Ausgaben statt. Gaben die Deutschen 1995 rund 29% ihres Medienbudgets (hier gemeint: Bücher, CDs, Kino, DVDs...) für Musik aus, waren es 2005 nur noch 18%. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil für Video Medien (geliehene + gekaufte DVDs/VHS) von 9 auf 16%. Insgesamt stiegen die Ausgaben von 9,14 auf 9,81 Mrd Eur. 2005 war hinsichtlich der Ausgaben für Medien ein Rekordjahr. Nur 2001 wurde mit 9,86 Mrd Euro etwas mehr ausgegeben. Siehe hier

Zum geistigen Diebstahl:
Wo fängt geistiger Diebstahl an? War der Johnny Cash Remix von Console Diebstahl? ( http://www.indiepedia.de/index.php/Acid_Pauli )Ist in Mash Up geistiger Diebstahl? Ist ein MP3 Mixtape Diebstahl?


Zum Thema Geld verdienen als Kreativer:
Mo: "im nezt verdienen derzeit diejenigen am meisten geld, die inhalte verchecken und den weg zu inhalten ebnen - sprich: suchmaschinenen und websites, die inhalte aggregieren, aber nicht erstellen.

das ist schon bedenklich. leider ist es aber nicht zu ändern. man kann diese entwicklung nicht aufhalten. geld-technisch sind die oben genannten die gewinner und programmierer und webhoster."

Stimm ich dir voll und ganz zu. Momentan ist zwar YouTube noch die Nummer Eins in Sachen Video Hoster, aber mittlerweile gibt es genügend andere, die den Künstler für Videos bezahlen. Das bekannteste Beispiel dürfte Reever sein:


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Oder Metacafe:
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Und YouTube will nachziehen ! http://tinyurl.com/2zcwow

Für Musiker sieht es wohl nicht ganz so rosig aus, aber immerhin:
"Over the last four years, Magnatune has licensed music (via Creative Commons) to more than 1,000 films, two of which went on to worldwide distribution -- yeah, not great odds for indie filmmakers. Only when a film goes on to bigger and better things does a licensing fee kick in ($40, for instance, will get a "festival license" for a song)." http://blog.wired.com/music/2007/03/the_copyrigthed.html


Zum Thema Qualität:
Hier in Mannheim hat vor ein paar Jahren ein sehr großes "Medienkaufhaus" dicht gemacht. Es gab einen 3-tägigen Ausverkauf. Am Ende war der Laden nahezu komplett leer, das einzige was noch wirklich zu dutzenden da war, waren die CDs der Spice Girls.

meint: Swen am 14.03.07

noch eine ergänzung zur umverteilung: durch die heute nahezu überall verfügbaren dsl-anschlüsse legitimiert sich für einen grossteil der p2p-user das "recht" auf downloads - man bezahlt ja für die übertragung. ohne p2p würde auch mir ein isdn-anschluss reichen (text-recherche und ab und zu multimedia-angebote).
die opportunitätskosten sind für online-kopien derart vorteilhaft, dass sich fast jeder mit einem beschränkten budget (v.a. jugendliche, studenten) dafür entscheiden wird - und die einbußen bzgl. qualität (optisch, haptisch, usw.) akzeptiert.
ein lösungsansatz dieses problems kann meiner meinung nach nur darin bestehen, die inhalte drm-frei (= plattform-kompatibel) und zudem kostengünstiger bzw. mit "mehrwert" anzubieten, zB in form von "bundles", musikflatrates usw. gekoppelte werbemaßnahmen zur finanzierung (bsp. spiralfrog) werden sich dagegen kaum durchsetzen, wenn hochwertige kopien frei verfügbar sind.
leider hat sich in den letzten jahren das "feindbild" (musik-, film-)industrie immer mehr etabliert, .. und ich meine - aufgrund der destruktiven maßnahmen - völlig zurecht.

meint: jOeKeR am 15.03.07

:) Don't copy that floppy "Propaganda" gab es übringens auch schon 1992. Sehr witzig dass auch heutiger Perspektive, vor allem im Vordergrund von Open Source und Web 2.0 zu sehen.
http://www.youtube.com/watch?v=fyAY06IcH4Y

meint: 020200 am 15.03.07

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