Der Vertrieb Hausmusik schließt seine Pforten

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Untergang der Indie-Kultur ? | Nachdem vor drei Jahren der Indie-Vertrieb EFA Medien die Pforten schloss, bebte die Indie-Welt. Jetzt folgt auch der global agierende Münchner Plattenvertrieb Hausmusik. Ein Zeit-Artikel erklärt mehr zu den Motiven. Ich habe zwei bittere Zitate rausgepflückt.

Nur zwei krasse Statements aus dem Artikel:

Der Hausmusik-Umsatz sei im ersten Quartal 2007 um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen, im zweiten Quartal um 20 Prozent, im Monat Juli um 30 Prozent, im August um 40, im September sei mit 70 Prozent zu rechnen gewesen. Petters sagt, er habe Personal und Kosten reduziert, einen Unternehmensberater hinzugezogen – ohne Erfolg: „Ich musste die Notbremse ziehen.“

Und eines zum weiteren Werdegang des Betreibers. Wie bitter...

Wolfgang Petters, der als Eigentümer persönlich haftet, hofft, „mit Null“ aus dem Unternehmen Hausmusik herauszukommen. Danach will er, 45 Jahre alt, in seinem früheren Beruf als Handwerksmeister einen Neuanfang probieren: „Ich suche mir eine Stelle als Elektriker.“


Zeit-Artikel: „Hausmusik“ am Ende

Der Hinweis trudelt per Email von unserem geliebten Stefan Schmidt.

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Kommentare

Al!ve dünnt meines Wissens momentan auch grad aus, was das Zeug hält. Indies sind mehr und mehr auf sich selbst gestellt.

meint: Falk am 20.09.07

das ist wirklich bitter!

fragt sich wer als naechstes vorm schafott steht?
vielleicht sollte man sein hoerverhalten ueberdenken; sprich den konsum entsprechend aendern. wie hieß das mal ende der 90er jahre im umweltschutz? nachhaltigkeit.

nicht alles auf sein mobiles musikabspielgeraet ziehen und reale tontraeger kaufen!
ist ohnehin schlecht sich auf itunes & co zu verlassen und sich die mucke online zu kaufen; wer weiss was steve jobs oder all den herren bei den multis einfaellt? die koennen jederzeit dein erworbens musik-gut zurueck fordern oder deine tracks schlicht und ergreifend loeschen!

kann mir dann egal sein, denn ich besitze handfeste tontraeger, die mir keiner wegnimmt!
ich kauf mir nach wie vor vinyl oder cd und spiele das alles brav auf meinen rechner ein, respektive uebertrage es auf mein unterwegs-musik-abspielgeraet. komme mir zwar vor wie ein dinosaurier, aber ...

mann-o-mann mo., wo soll dat noch hinfuehren? nur die guten sterben jung, oder?!

meint: panorama am 21.09.07

So romantisch Vinylvertriebe auch sein mögen, auf Dauer verschwinden überholte Technologien einfach. Es macht schlicht und einfach keinen Sinn mehr, einige Megabyte (Musik-)Daten auf großen, schweren Scheiben durch die Gegend zu kutschieren.

Ich würde auch nie DRM oder ähnlich verhunzte Musikdateien kaufen, aber über Beatport und Netlabels kann man sich feinste unkastrierte Musik auf die Platte ziehen.

meint: Q-Man am 21.09.07

Hm, auf der Suche nach den Gründen finde ich vor alles diese Stelle aus dem verlinkten Artikel interessant:

"Deutschland verfüge noch über viele kleine Plattenläden, die besondere Musik zu verkaufen wüssten, Hausmusik mache aber 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland. In Spanien, Frankreich und Italien träten Ketten an die Stelle kleiner Läden; sie nähmen noch Hausmusik-Platten ins Sortiment auf, würden sie aber nicht mehr los, weil es keine Fachverkäufer gebe. So komme das Meiste zurück."

meint: 020200 am 21.09.07

hm... mir scheint so richtig haben es noch einige nicht begriffen.
klar, es ist schön nix auszugeben und trotzdem die platte voll mit musik zu haben. nur irgendwann werden anscheinend nur ausschließlich die reichen oder welche die eine bühnenshow hinbekommen das musikalische angebot bestimmen.
natürlich kann man sagen: "ach gott, das kostet doch alles nichts mehr, so ein kleines progrämmchen, wo man nur noch aufn knopf drücken brauch und gut ist..."
gute, innovative und anspruchsvolle musik benötigt ausdauer, selbstkritik und zeit. nur wenn z.b. herr wolfgang retters als elektriker durch das land reist, wird er mit großer sicherheit keine zeit mehr haben sich mit musik auseinander zusetzten.

ich verstehe nicht, wie leute sich auf illegal gezogene oder von netlabels legal erworbene musik ausruhen können?!?! wie lange soll so etwas gut gehen?!

klar bieten einige netlabels interessante musik, aber wovon leben denn diese menschen?!?! wovon denn?!?! vom FAME... thats all!

ganz ehrlich, was hier gerade auf dem musikmarkt passiert ist ganz großer mist! und wir alle sind daran schuld.

ein zurück gibt es nicht mehr. wir haben es verpasst den leuten mitzuteilen, dass ein musiker belohnt werden muß für seine arbeit. ein: "wahnsinnig schönes album und sowas steht kostenlos im netz rum. tolle netlabelwelt!" reicht da nicht aus. es wurden keine werte vermittelt!!!

meint: daniel am 21.09.07

@daniel: nur ganz kurz, ich gehe prinzipiell mit dir konform, aber: willst du die netlabels (mit-) verantwortlich für den untergang der plattenindustrie machen?? das musst du mir erklären.

meint: Sven Swift am 21.09.07

ja, wie mit der netzentwicklung insgesamt (kurz gratiscontent den vor allem google o.ä. verkaufen) muss man sich mittelfristig fragen woher content überhaupt noch kommen soll.

das betrifft nahezu jede "weiche" industrie: musik, foto, journalismus, kino & film (hier sind die preise auch im keller), typo, informatik (immer mehr) und viele mehr.

die gesetze von angebot und nachfrage gibt es im netz nicht mehr. alles "muss" gratis sein damit google damit kohle machen kann (sonst macht einem google das leben als webangebot schwer).

meint: fabien am 21.09.07

fabien sagte: "ja, wie mit der netzentwicklung insgesamt (kurz gratiscontent den vor allem google o.ä. verkaufen) muss man sich mittelfristig fragen woher content überhaupt noch kommen soll."

ähm.. Mal überlegt wieviele videos jede minute in's web hochgeladen werden? Oder Texte in's Internetgestellt oder eben Musik auf MySpace oder meinetwegen auch Netlabeln? Fatalerweise wird auch die Qualität eben besagten "User-Generated-Content" immer besser (z.B. http://www.youtube.com/watch?v=wKbJvM7VbQc oder http://www.youtube.com/watch?v=aEc8v1OWeE4), und eben alles für lau. Trendwende meiner Meinung nach nicht in Sicht!

meint: 020200 am 21.09.07

nicht nur "weiche" industrien werden in dem kulturellen umbruch, in welchem wir uns befinden, einiges verlieren. auch die "harten" industrien. ich habe dazu letztens ja das "fab"-buch vorgestellt.

generell ermöglicht das internet allen die möglichkeiten "weiche" inhalte online zu stellen. die produktionswerkzeuge (pc/laptop) ermöglichen alles zu sehr wenig kosten. in erster linie ist das toll. natürlich steigt dadurch der druck auf alle. martin meinte vorgestern zu mir, dass der druck im netz immer größer wird.

heute baut man nicht mal eben ein blog und ist damit schon bekannt. es gehört für viele bereiche sehr harte arbeit dazu, um zu überleben. wikinomics ist ein hervorragendes buch zum thema. stelle ich demnächst mal vor.

service wird zunehmend die weiche sein, auf welcher man geld verdient. ist im open source bereich schon voll so. vielleicht steuern wir - utopisch gedacht - auch auf eine neue gesellschaft zu, in welcher filme, musik und texte immer häufiger kostenlos zur verfügung stellen. es ändern sich derzeit einfach rapide die wertschöpfungsketten.

schön wäre es, wenn irgendwann jeder genau das machen könnte, wozu er lust hat und die gesellschaft mit seinen inhalten und arbeiten bereichert.

unsere automatisierte welt ermöglicht dies zunehmend. und auch große konzerne arbeiten immer mehr in form von peer production und konsumenten werden zu prosumenten. das sind die derzeitigen trends und die lassen sich nicht aufhalten.

man muss nur schauen, dass google und inhalteverwerter von ihrem kuchen abgeben. das wird eine große und schwierige aufgabe. schaun mer mal, wohin es führt.

leider bleiben dann viele auch auf der strecke. ich bin auch von dieser nachricht da oben erschreckt worden. aber so ist es nun mal. und die künstler, die weiter ihre musik vertreiben wollen, müssen ins netz ausweichen, um weiter ihre musik zu vertreiben. ich finde es auch schade, dass vinyl und cd und coverartwork derzeit aussterben, aber so ist es nun mal. lamentieren hilft nichts, sondern neuorientierung und neue konzepte ausprobieren, ausdenken und etablieren.

meint: mo. am 22.09.07

aus dem Zeit Artikel:
"Hinzu komme, dass viele junge Erwachsene an CDs und Schallplatten überhaupt nicht mehr interessiert seien, nur noch an der Musik – die sie sich dann auf ihren iPod lüden."

Diedrich Diedrichsen in der Spex Sep./Okt. 2007:

"Junge Leute beschäftigen sich heute zwar noch irgendwie mit Popmusik, aber ich habe den Eindruck, dass kaum einer von ihnen ein besonders emphatisches Verhältnis zu ihr hat. Popmusik ist keine lebensentscheidende, dramatische Sache mehr, sondern auf verschiedenen Ebenen einfach Teil des Alltags geworden. Man ist zwar wahnsinnig gut über das informiert, was man gut findet, aber das passiert eher lapidar, nebenbei, Es wirkt sehr pragmatisch"

meint: Swen am 23.09.07

* Ich glaube an das Pferd. Das Auto ist eine vorübergehende Modeerscheinung.

– Wilhelm II. (1859-1941), Enkel Wilhelms I., deutscher Kaiser und König von Preußen

meint: datamat am 25.09.07

soviel zum thema vinylvertrieb...

meint: datamat am 25.09.07

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