Computer Feuerwehr: "Kannst Du mal eben meinen Computer reparieren?"

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feuerwehrmann.jpgGeeks und Nerds sind oft ungewollt das Schmiergelenk des kleinen Mannes/ der kleinen Frau, wenn es darum geht Computer-Feuerwehr zu spielen? Spinnt der Computer mal wieder, hat der Nachbar sich brav sämtliche Trojaner auf den Desktop gezogen und die Spy-Ware installiert, heißt es: Mein Rechner spinnt, frag doch mal den Computer-Enthusiasten von nebenan und nutz ihn für Deine Zwecke! Was dagegen zu tun ist rät uns Rene Schmidt in einer kleinen Polemik.

Text: Rene Schmidt

Welcher Computer-Enthusiast kennt diese Fragen nicht: "Kannst Du mal eben meinen Computer reparieren?", "Wieso ist die Bildqualität meiner Digitalkamera aus dem Supermarkt so schlecht?" (übersetzt: "Ich habe Schrott gekauft - zieh' den Karren aus dem Dreck!"), oder "Wie richte ich DSL ein? Du kannst das doch sicher viel schneller als ich einrichten?". Vorzugsweise Verwandte und Nachbarn fragen gerne nach Gratis-Beratung und kostenlosen Dienstleistungen. Ein Klassiker: "Ich habe mir ein neues Gehäuse gekauft. Hast Du 5 Minuten Zeit, mir meinen Rechner da reinzubauen?". Computer können ohne jegliche Qualifikation gekauft und genutzt werden - das ist für viele ein Segen, kann aber für Auskenner zum Fluch werden. Und das alles ist die Konsequenz des Fehlers, sich als Informatik-Student geoutet zu haben...

Im Prinzip ist nichts gegen nachbarschaftliche Hilfe einzuwenden. Leider entwickelt sich aus sozialen Interaktionen dieser Art meistens keine weitere gesellschaftliche Beziehung, so dass viele sich wie eine 0-Euro-Computer-Feuerwehr fühlen. Das gilt gleichermaßen für Nachbarn, sogenannte "Freunde" wie für Verwandte. Zum Teil mag das vielleicht daran liegen, dass viele Computer-Enthusiasten zur Bande gesellschaftlich unerfahrener Geeks und Nerds gehören. Touché! Was aber bleibt, ist das Gefühl, benutzt zu werden.

Was können diese (vermeintlichen) Geeks und Nerds dagegen tun?

Notlügen haben den Nachteil, dass sie keinen nachhaltigen Effekt haben. Sie gelten immer nur für den gerade aktuellen Fall und halten die Meute nicht davon ab, beim nächsten Mal genauso dreist nach für sie kostenloser Arbeit zu fragen. Außerdem besteht die Gefahr, überführt zu werden - das kann peinlich sein. Unter diesen Aspekten spricht nichts für die Notlüge. Die meisten Menschen sind aber auch nicht fähig, gnadenlos ehrlich ein "Mach' den Kram selbst oder bezahl' mich" zu schleudern oder diese ungeschminkte Wahrheit ohne versteckte Wut zu akzeptieren. Das ist also auch kein idealer Weg - obwohl: welche wichtige oder interessante gesellschaftliche Beziehung könnte schon auf dem Spiel stehen?

Geeks und Nerds könnten natürlich gleichsam unverfroren antworten, zum Beispiel mit "Kannst Du mir als Gegenleistung die DVD dahinten im Regal schenken?". Die Reaktion wird wahrscheinlich helle Empörung über diese Unverschämtheit sein.

Nur zur Erinnerung: Nichts spricht dagegen, mal kostenlos auszuhelfen. Zwischen Hilfesuchendem und Helfer muss aber auf eine Gegenseitigkeit beruhende soziale Interaktion stattfinden. Alles andere wäre ungesund - vor allem, wenn sich eine Seite ausgenutzt fühlt.

Sehr hilfreich scheint eine auf der eigenen Website eingerichtete Wunschliste zu sein, auf der neben Musik-CDs auch Wunsch-DVDs und andere potenzielle Geschenke aufgelistet sind. Wünscht jemand Hilfe, weisen von Ausnutzung bedrohte Computer-Enthusiasten dezent auf diese Wunschliste im WWW hin. Gern auch beim zweiten oder dritten Mal. Wird die Liste mit der Zeit trotz Hilfestellung nicht kleiner, wird es Zeit für ein schlichtes "Nein, da habe ich gerade Wichtereres zu tun". Und das ist dann mitnichten eine Notlüge.

Text von Rene Schmidt, Lizenz Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung

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Kommentare

es gibt auch t-shirt "no, i don't fix your computer" ;)

meint: kus am 15.08.05

jo wer kennt das nicht ^^ boah dau-user nerven wirklich. lutiger textmit aha-funktion ^^

meint: martin donath am 15.08.05

Den Aspekt, als Linux-Fan ständig dazu genötigt zu werden, sich bei Nachbarn/"Freunden" etc. mit Windows herumschlagen zu dürfen, habe ich mal außen vor gelassen. Aber man (ein Mac-User?) kann sich ungefähr vorstellen, wieviel Lust man dazu hat - selbst wenn man hilfsbereit ist.

meint: Rene Schmidt am 15.08.05

Den Maßstab mal globaler aufgespannt: frische Universitätsabsolventen - junge Menschen - werden von kleinen und großen Büros als "Praktikanten" mit Jobaussichten geködert und ausgebeutet.

In meinem Mikrokonsmos tendiere ich zu einem "lieber selbstprogrammieren, als Leuten hinterherzutelefonieren".

Was wohl aus diesem Amalgam entsteht?

meint: 020200 am 16.08.05

lustig kann es aber auch sein den leutchen mit viel schwung und dieser hässlichen missionarischen besserwisserei gleich die volle ladung von firefox bis cygwin ins system zu rammen, real-, quicktime- und wmp9- player/plugins durch mediaplayerclassic zu ersetzen und natürlich nicht vergessen die albernen xp-themes auf "classic" umzustellen, das alles nur mit einem lakonischen "ich kann so nicht arbeiten" begründet.

letztendlich nimmt einem das zwar erstmal keine arbeit ab aber es erzeugt einen gewissen schmerz auf der nehmerseite (sorgt auch nebenbei vielleicht auch für etwas weniger störanfälligkeit, aber darum geht es eigentich nicht) der die hemmschwelle das nächste mal hoch setzt. "mein rechner zickt - aber muss ich mir dafür wirklich wieder all diese belehrungen über mich ergehen lassen?"

meint: usr am 16.08.05

geek 1: sacht der doch tatsächlich zu mir "document.all.tags("h1")[0].style.color="red";

geek 2: ach nee echt, ich lach mich tot.

jaja die krönung der Schöpfung Mensch unter sich, die ja den armen Vollidioten die noch kein krummen Rücken von Programmieren haben deutlich überlegen sind.

Außerdem überlegen sind: Automechaniker, Schornsteinfeger, Bäcker (naja eingeschränkt) und Zahnärzte. Ach ihr lieben Geeks könnt das auch alles? Na dann is ja gut!

meint: youknowmyname am 16.08.05

@youknowmyname: tja, ist schon schade, dass manche diesen artikel ein wenig falsch verstehen. während der bäcker und automechaniker bezahlt wird, und oft nicht zu knapp, werden computerkenner gerne "ausgenutzt". für die eltern sitzt man ja gerne mal 2-3 stunden vor dem rechner und biegt wieder alles grade, was durch ein paar unwissende klicks entstanden ist. aber für bekannte überlege ich mir das schon... "dauert doch sicherlich nur 10 minuten" ist da total der trugschluss. meine mutter näht auch nicht gerne mal eben ein kissen für meinen besten freund, weil der so einen schönen stoff aus bali mitgebracht hat... UND LAST NOT LEAST, steht im anreisser auch noch der hinweis "eine kleine polemik". also, glieder lockern, ein büsschen humor und narrenfreiheit ankurbeln und dann jet dat! et kütt wie et kütt...

meint: mo. am 16.08.05

@mo, alles locker bei mir! mein posting ging an die anderen kommentatoren. den inhalt des artikel finde ich i.O. nichts gegen den geschätzten Herrn Schmidt!

Allerdings gehören zum Ausnutzen immer zwei... auch ohne jede Polemik.

meint: youknowmyname am 16.08.05

@usr

eigentlich ne sehr gute idee ^^ dann kann man den dau-usern ja auch noch schön erzählen, dass es nicht an ders geht, da es sonst viel zu gefährlich wäre durchs netz zu surfen von wegen spionage etc. aber das mit dem classic interface ist geil ^^ das merk ich mir hehe

meint: martin donath am 16.08.05

meistens fangen diese dialoge an mit dem harmlosen satz "sag mal...du kennst dich doch mit computern aus, oder ?" hier muß man schnell reagieren, dann kann man oftmals das schlimmste verhindern.

zwei mögliche konter:

Variante A - [entschieden trotzig leugnen] "nö!" (ggfs. die verneinung intensivieren)

Variante B - [scheinheilig interesse heuchelnd] "würde ich jetzt so pauschal nicht sagen, um was geht es denn ?". egal wie nun die antwort lautet diese möglichst schnell abwürgen und im nächsten satz erstaunt anfügen "Ne du, also von windows habe ich keine ahnung, ich arbeite ja auf einem mac/linux-system."

p.s. danke rene, sehr erfrischend !

meint: stefan am 17.08.05

Mein letztes Jahr erworbener Mac hat mich unfreiwillig aber sehr willkommen in die Position gebracht bei Anfragen sagen zu können: "Was? Windows XP? Du, damit kenne ich mich leider nicht aus, bei Windows 98 hätte ich ja noch helfen können." Dabei schaue ich mich großen Dackelaugen aber hilfsbereit in die Gegend. Ungeschickte Bedienung der Tastatur (tatsächlich vergisst man Shortcuts) wirken unterstützend. Zum Schluss sage ich immer noch: "Sja. Wenn Du jetzt einen Mac hättest. Aber dann würdest Du mich ja auch gar nicht brauchen."

meint: dee am 19.08.05

Wieso erscheint diese Kolummne hier? Folgt aus meinem Intersse für Netaudio eigentlich sofort, dass ich Computerexperte, Geek oder Nerd bin?
Ich persönlich habe noch wenig Erfahrung mit Netaudio, habe aber den Eindruck, dass elektronische Musik in diesem Bereich stark überwiegt. Mittlerweile ist elektronische Musik ja auch diejenige, die am billigsten zu produzieren ist. Man ist allein, kann die eigenen Ideen kompromißlos umsetzen, und muss sich von niemandem reinreden lassen. Die Zeit und die Nerven, die man dadurch spart, muss man allerdings in die Beschäftigung mit dem Computer investieren. Wird man also durch sein Interesse für diese Art Musik zum Computergeek? Oder ist es umgekehrt und als Geek stößt man irgenwann unweigerlich auf eine Netaudio Site und beginnt sich dafür zu interessieren?
Musik zu machen ist ja eine Form der Kommunikation. Jeder Musiker ist doch daran interessiert, eine große Anzahl von Menschen zu erreichen, sonst würde er seine Sachen nicht (auf einem Netlabel)veröffentlichen. Beim Lesen dieser Kolummne hat man nun den Eindruck, dass sich nur Computerfreaks für Netaudio interessieren.
Als Neuling muss man den Begriff "Netaudio" ja in irgendeinem anderen Medium aufgeschnappt haben und nach ihm googeln, um auf eine Website wie phlow.net zu gelangen. Die großen Portale wie Yahoo oder aol bieten meinem Eindruck nach gar keine Optionen zum Finden von Netlabels an, obwohl viele Leute auf der Suche nach neuer und kostenloser Musik sind.
Natürlich ist ein Großteil der Musik auf Netlabels ja auch "Spartenmusik": Ambient, Minimal, Clicks&Cuts usw., aber es gibt auch "Mainstream". Ok, eine zweite Britney Spears hab ich noch auf keinem Netlabel entdeckt, aber es gibt schon ein paar Stücke, die auch meiner Mutter gefallen würden.
Was mich eigentlich wundert ist, dass hier "Geekdom" als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird, um sich überhaupt auf eine Netaudiosete zu verirren. Schaffen das "normale" Leute eigentlich gar nicht?
Ich hätte da nocch einen Vorschlag: Fragt euch das nächste mal jemand nach einer Computerrettung, stimmt sofort zu und richtet dann phlow.net oder eine ähnliche Seite als Startseite des Browsers ein. Dann müssen sich mehr Leute mit Netaudio beschäftigen.

meint: Olaf T. am 20.08.05

@olaf und alle: erst einmal muss ich wirklich sagen, dass ich baff bin, dass unter diesen artikel soviel kommentare geschrieben wurden. und zu olaf: dieser artikel hat in meinen augen nichts mit netlabels oder netaudio zu tun, sondern behandelt einfach das thema inwiefern computer-kenner als soziale hilfsquelle dienen, wo software von micro$oft & co. und computer generell versagt. phlow hat ja im slogan "musik und netzkultur" - und geeks und nerds leben ja oft netzkultur. darum erscheint der artikel hier. phlow konzentriert sich zur zeit zwar sehr auf das netaudio und netlabel-thema, befasst sich aber auch einfach mit anderen medien-themen, die die schreiber interessieren.

last not least, möchte ich deinen tipp, dass man phlow.net als startseite installieren sollte gerne aufgreifen. eine exzellente idee ;)

meint: mo. am 20.08.05

ich hab bislang noch keinen Artikel wie "$/phlow/ - eigenen Linuxkernel kompilieren HowTo" oder ähnliches :)

Ich selbst bin auf phlow.net weil ich nach was komplett anderem gegoogelt habe und plötzlich auf dieser Seite gelandet bin. Der Stern von Bethlehem oder gar das Wunder von Bern wars jedenfalls nicht was mich hierher geführt hat.

Zu dem Artikel:

während ich den Artikel gelesen habe, hat mich mein Bruder angerufen und den magischen Satz ausgesprochen. Hab dann natürlich mich nichtmehr zusammenkriegen können vor lauter Lachen und verwies ihn auf diesen Artikel hier ;)

meint: Dimi am 20.08.05

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